Köln, Apostelnstr. 7, [Mitte April 1848.]

Lieber Engels!

Es ist hier schon ziemlich viel gezeichnet [Aktien für die geplante Neue

Rheinische Zeitung], und wir werden wohl bald anfangen können. Jetzt ist

es aber nötig, daß Du Deinem Alten gegenüber Forderungen stellst und

überhaupt _definitiv_ erklärst, was in Barmen und Elberfeld zu machen

ist.

An Hecker in Elberfeld hat man von hier einen Prospekt (von Bürgers

geschrieben) usw. hingeschickt.

Hast Du keine Adresse für Dronke? Dem muß sofort geschrieben werden.

Antworte umgehend. Ich würde einmal da herüberkommen, sähe es nicht zu

ängstlich bei Euch aus.

Dein M.

30

B[armen], 25. April 1848.

Lieber Marx!

Den Prospekt erhalte ich soeben nebst Deinem Briefe. Auf Aktien von hier

ist verdammt wenig zu rechnen. Der Blank, an den ich schon früher

deswegen geschrieben und der noch der Beste von allen ist, ist in Praxi

ein Bourgeois geworden; die anderen noch mehr, seit sie etabliert sind

und mit den Arbeitern in Kollisionen gekommen. Die Leute scheuen sich

alle wie die Pest vor der Diskussion der gesellschaftlichen Fragen; das

nennen sie Aufwiegelei. Ich habe die schönsten Redensarten verschwendet,

alle mögliche Diplomatie aufgeboten, aber immer schwankende Antworten.

Ich mache jetzt noch einen letzten Versuch, scheitert der, so ist alles

am Ende. In zwei bis drei Tagen hast Du positive Nachricht, wie er

ausgefallen, die Sache ist _au fond_[1] die, daß auch diese radikalen

Bourgeois hier in uns ihre zukünftigen Hauptfeinde sehen, und daß sie

uns keine Waffen in die Hand geben wollen, die wir sehr bald gegen sie

selbst kehren würden.

Ans meinem Alten ist vollends nichts herauszubeißen. Für den ist schon

die Kölner Zeitung ein Ausbund von Wühlerei, und statt tausend Talern

schickte er uns lieber tausend Kartätschkugeln auf den Hals.

Die avanciertesten hiesigen Bourgeois finden ihre Partei zu ihrer

ziemlichen Zufriedenheit durch die Kölnische Zeitung vertreten. _Que

veux-tu qu’on fasse, alors?_[2]

Moses’ Agent, Schnaake, war vorige Woche hier, scheint auch gegen uns

verleumdet zu haben.

Von Dronke habe ich keine andere Adresse als etwa die: Kaufmann Adolf

Dominicus in Koblenz (sein Onkel). Sein Alter existiert in Fulda, ich

glaube als Gymnasialdirektor. Das Nest ist klein. Dr. E. Dronke junior

in Fulda würde ihn wohl treffen, wenn er da ist. Es ist aber

abgeschmackt, daß er nicht wenigstens schreibt, wo er ist.

Von Ewerbeck hatte ich einen Brief, er fragt, ob wir einen angeblich

wichtigen, nach Mainz unter bekannter Adresse abgeschickten Brief von

ihm erhalten? Hast Du ihn nicht, so schreibe deswegen nach Mainz

(Schullehrerkandidat Philipp Neubeck, Rentengasse, Heiliger Geist,

Mainz).

Ewerbeck läßt in Paris das Manifest ins Italienische und Spanische

übersetzen und will zu diesem Behuf 60 Franken eingesandt haben, die er

sich zu zahlen verpflichtet. Das ist wieder so eine seiner Geschichten.

Die Übersetzungen werden schön sein.

Ich bin an der englischen Übersetzung, die mehr Schwierigkeiten macht,

als ich glaubte. Aber die Hälfte ist indes fertig, und bald wird das

Ganze fertig sein.

Wenn ein einziges Exemplar unserer 17 Punkte[3] hier verbreitet würde,

so wäre hier alles verloren für uns. Die Stimmung bei den Bourgeois ist

wirklich niederträchtig. Die Arbeiter fangen an, sich etwas zu regen,

noch sehr roh, aber massenhaft. Sie haben sofort Koalitionen gemacht.

Das aber ist uns gerade im Wege. Der Elberfelder politische Klub erläßt

Adressen an die Italiener, spricht sich für direkte Wahl aus, aber weist

jede Debatte sozialer Fragen entschieden ab, obwohl unter vier Augen die

Herren gestehen, diese Fragen _kämen_ jetzt an die Tagesordnung, und

dabei bemerken, wir dürften darin der Zeit nicht vorgreifen!

Adios. Laß bald Näheres hören. Ist der Brief nach Paris abgegangen, und

hat er Resultate gehabt?

Dein E.

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[1] Im Grunde.

[2] Was meinst Du, daß man da machen soll?

[3] Es sind die 17 Punkte gemeint, die die neue Zentralbehörde in

Paris als „Forderungen der kommunistischen Partei in Deutschland“

aufgestellt hatte.

31

Barmen(?), 9. Mai 1848.

Lieber Marx!

Hierbei:

1. Die Liste der bis jetzt gezeichneten Aktien, 14 an der Zahl.

2. Eine Vollmacht für Dich.

3. Eine für D’Ester (der B. ist ein Bekannter von ihm).

4. Eine für Bürgers.

Es ließ sich nicht vermeiden, daß Bornstedt und Hecker ihre Vollmacht an

persönlich Bekannte geben.

Hühnerbein wird, für sich und zwei Hiesige, selbst dort erscheinen.

Die Liste ist noch nicht geschlossen. Den Laverrière und Blank habe ich

trotz xmaligem Besuch nicht getroffen. Zulauff hat den ersteren

übernommen.

Zwei andere, bei denen ich nichts ausrichtete, wird Hecker bearbeiten.

Heute geht Jul. nach Ronsdorf, wo er gute Aussichten hat.

Die beiden Sorten Leute, die am meisten Schwierigkeiten machen, sind

erstens die jungen _républicains en gants jaunes_,[1] die für ihr

Vermögen fürchten und Kommunismus wittern, und zweitens die Lokalgrößen,

die uns für Konkurrenten halten. Weder Nohl noch Bracht waren zu

bewegen. Von den Juristen ist Bohnstedt der einzige, mit dem was zu

machen. Überhaupt haben wir vergebliche Gänge genug gehabt.

Morgen gehe ich auf zwei Tage nach Engelskirchen. Laßt mich sogleich die

Resultate der Aktionärversammlung wissen. Zu einer Bundesgemeinde ist

ebenfalls der Anfang gemacht.

Dein Engels.

Der Brief Nr. 32 und die zwei folgenden Briefe sind an Engels in der

Schweiz gerichtet. Anläßlich der Septemberunruhen (siehe Mehring,

Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, 1. Band, Seite 123 bis 126)

hatte die Kommandantur den Belagerungszustand über Köln verhängt und

unter anderem die Neue Rheinische Zeitung suspendiert. Um den

Verhaftsbefehlen zu entgehen, waren die meisten Redakteure über die

Grenze gegangen. Am 12. Oktober konnte die Zeitung wieder erscheinen,

nachdem sich die versprengte Redaktion allmählich wieder gesammelt

hatte. Neu eingetreten war Ferdinand Freiligrath. Engels blieb vorläufig

in der Schweiz, um von dort aus an der Neuen Rheinischen Zeitung

mitzuarbeiten.

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[1] Republikaner in gelben Handschuhen.

32

[Undatiert. November 1848.]

Lieber Engels!

Da Dein Brief erst jetzt abends ankommt, ist es keine Zeit mehr, nach

Wechseln sich umzutun. Es ist selbst nicht mehr Zeit, nach meinem Hause

zu gehen. Ich schicke Dir Einliegendes, was gerade vorrätig ist und

zudem eine Anweisung von 50 Taler von Schulz auf einen Bürger in Genf,

wo Du auch sonstige Hilfe finden kannst.

Ich habe schon vor langer Zeit an Dich und Dronke nach Paris 50 Taler

und zugleich nach Brüssel an Gigot Deinen Paß geschickt.

Die Zeitung erscheint seit dem 11. September wieder, _tale quale_.[1]

Näheres Dir darüber zu schreiben, jetzt nicht der Moment, da Eile nötig.

Sobald Du irgend kannst, schreibe Korrespondenzen und längere Artikel.

Ich bin jetzt, da alle außer Weerth, Naut und Freiligrath erst seit

einigen Tagen eingetreten, bis über die Ohren beschäftigt, komme gar

nicht zu ausführlicheren Arbeiten, und zudem tut das Parkett[2] alles,

um mir Zeit zu stehlen.

_Schreibe umgehend._ Soll ich Deine Wäsche usw. schicken? Plasmann

sofort dazu bereit. Dein Vater hat ihn übrigens bezahlt.

Übrigens hat Dein Alter an Gigot geschrieben, wo Du seiest. Er will Dir,

wie er sagte, Geld schicken. Ich habe ihm Deine Adresse geschickt.

Dein K. Marx.

[Anschrift:]

_P. S._ Einliegenden Brief an F. Köhler am See oder Rue du Rhône dort,

wollen Sie gefälligst öffnen und denselben abgeben, worauf Ihnen

derselbe 250 Franken für meine Rechnung geben Tratte nach Sicht auf mich

auszahlen wird. Freundschaftlichen Gruß

Louis Schulz.

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[1] Unverändert.

[2] Strafkammer.

33

[Undatiert. November 1848.]

Lieber Engels!

Ich bin wahrhaft überrascht, daß Du noch kein Geld von mir erhalten

hast. Ich (nicht die Expedition) habe Dir seit undenklicher Zeit 61

Taler, 11 in Papier, 50 in Wechsel, nach Genf geschickt, eingeschlagen

in die angegebene Adresse. Also erkundige Dich und schreibe sogleich.

Ich habe einen Postzettel und kann das Geld reklamieren.

Ich hatte ferner an Gigot 20 und später an Dronke 50 Taler für Euch

geschickt, immer aus meiner Kasse, in Summa 130 Taler ungefähr.

Ich werde Dir morgen wieder einiges schicken. Aber erkundige Dich nach

dem Gelde. Es war in dem Wechsel zugleich eine Empfehlung drinnen an

einen Lausanner Geldphilister.

Ich bin mit dem Gelde beschränkt. 1850 Taler hatte ich von der Reise

mitgebracht; 1950 bekam ich von den Polen, 100 brauchte ich noch auf der

Reise, 1000 Taler habe ich der Zeitung (mit dem Dir und anderen

Flüchtlingen) vorgeschossen, 500 in dieser Woche noch zu zahlen für die

Maschine; bleibt 350. Und dabei habe ich noch keinen Cent von der

Zeitung erhalten.

Was Eure Redakteurschaft angeht, so habe ich 1. in der ersten Nummer

gleich angezeigt, daß das Komitee dasselbe bleibt, 2. den blödsinnigen

reaktionären Aktionären erklärt, daß es ihnen freistünde, mich als nicht

mehr zum Redaktionspersonal gehörig zu betrachten, daß es mir aber

freistehe, _so hohe Honorare auszuzahlen als ich will_, und daß sie

daher pekuniär nichts gewinnen werden.

Die große Summe für die Zeitung hätte ich rationellerweise nicht

vorgeschossen, da ich drei bis vier Preßprozesse auf dem Halse haben,

jeden Tag eingesperrt werden und dann nach Geld wie der Hirsch nach

frischem Wasser schreien kann. Aber es galt, unter allen Umständen dies

_Fort_ zu behaupten und die politische Stellung nicht aufzugeben.

Das beste – nachdem Du die Geldangelegenheiten in Lausanne geordnet –

ist, nach Bern zu gehen und Deinen angegebenen Plan auszuführen. Du

kannst außerdem schreiben, worüber Du willst. Deine Briefe kommen immer

zeitig genug.

Daß ich einen Augenblick Dich im Stiche hätte lassen können, ist reine

Phantasie. Du verbleibst stets mein Intimus, wie ich hoffentlich der

Deine.

K. Marx.

34

Köln, 29. November 1848.

Lieber Engels!

Die Zeitungen sind Dir geschickt. Wenn es nicht früher geschah, so liegt

die Schuld rein an dem Esel Korff, der bei meiner Überbeschäftigung, die

noch durch beständige Erscheinungsbefehle vermehrt wird, bisher meine

Orders nicht ausgeführt hatte. Einstweilen bleibe in Bern. Sobald Du

kommen kannst, schreibe ich Dir. Siegle Deine Briefe besser zu. Einer

war aufgebrochen, wie ich in der Zeitung (natürlich Dich nicht nennend)

angezeigt.

Schreibe ausführlich über _Proudhon_, und da Du guter Geograph bist,

über die ungarische Sauce (den Völkerbienenschwarm). Vergiß mich bei

Proudhon nicht, da unsere Artikel jetzt in sehr viele französische

Blätter übergehen.

Schreibe auch gegen die Föderativrepublik, wozu die Schweiz beste

Gelegenheit bietet.

K. Heinzen hat seinen alten Schund gegen uns veröffentlicht.

Unser Blatt bewegte sich immer auf dem Stande der Emeute, umschifft aber

trotz allen Erscheinungsbefehlen den _code pénal_.[1] Es ist jetzt sehr

_en vogue_.[2] Wir erlassen auch täglich Plakate. _La révolution

marche._[3] Schreibe fleißig.

Ich hoffe Dich bald wiederzusehen.

Dein Marx.

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[1] Strafgesetzbuch [das heißt das ehemalige rheinische

Strafgesetz].

[2] In Mode.

[3] Die Revolution marschiert vorwärts.

35

Bern, 28. Dezember 1848.

Lieber Marx!

Wie ist’s? Kann ich jetzt nach G[rüns] und A[nnekes] Freisprechung noch

nicht bald zurück? Die preußischen Hunde müssen jetzt doch bald die Lust

verlieren, sich mit den Geschworenen einzulassen. Wie gesagt, wenn

genügender Grund vorhanden, daß kein Untersuchungsarrest zu befürchten,

komm’ ich sofort. Nachher können sie meinetwegen mich vor 10 000 Jurys

stellen, aber im Untersuchungsarrest kann man nicht rauchen, und da geh’

ich nicht hinein.

Die ganze Septembergeschichte zerfällt ja ohnehin in Nichts. Einer nach

dem anderen kommt wieder. Also schreibe.

Apropos, gegen Mitte Januar wäre mir einiges Geld sehr erwünscht. Bis

dahin kommt Euch ja eine Masse ein.

Dein E.

1849

36

Bern, 7. Januar 1849.

Lieber Marx!

Nachdem ich mich jetzt während mehrerer Wochen sündhaften Lebenswandels

von meinen Strapazen und Aventüren erholt habe, fühle ich erstens das

Bedürfnis, wieder zu arbeiten (wovon der beiliegende magyaro-slawische

Artikel ein schlagender Beweis), und zweitens das Bedürfnis nach Geld.

Letzteres ist das dringendste, und wenn Ihr bei Ankunft dieses mir noch

nichts geschickt haben solltet, so tut es doch gleich, denn ich bin seit

mehreren Tagen _sans le sou_,[1] und Pump ist in dieser lausigen Stadt

keiner.

Wenn in dieser lausigen Schweiz nur irgend etwas vorfiele, um drüber

schreiben zu können. Aber lauter Lokaldreck der lausigsten Art. Ein paar

allgemeine Artikel drüber schick’ ich indes bald. Wenn ich noch lange im

Ausland bleiben muß, so gehe ich nach Lugano, besonders wenn in Italien

etwas losgeht, wie es den Anschein hat.

Aber ich denke immer, ich kann bald zurück. Dies faule Hocken im

Ausland, wo man doch nichts Ordentliches tun kann und ganz außer der

Bewegung steht, ist scheußlich unerträglich. Ich komme bald zu der

Einsicht, daß es selbst im Untersuchungsarrest in Köln besser ist als in

der freien Schweiz. Schreibe mir doch, ob denn gar keine Chance

vorhanden, daß ich ebenso günstig behandelt werde wie Bürgers, Becker

usw. usw.

Raveaux hat recht: selbst in dem oktroyierten Preußen ist man freier als

in der freien Schweiz. Jeder Spießbürger ist hier zugleich Mouchard und

Assommeur.[2] Davon habe ich in der Neujahrsnacht ein Exempel gesehen.

Wer Teufel hat neulich den langweiligen sittlich-religiösen Artikel aus

Heidelberg über den Märzverein in die Zeitung gesetzt? Daß Henricus von

Zeit zu Zeit einen Artikel aushaucht, habe ich ebenfalls mit Vergnügen

bemerkt an dem Seufzer über das Ladenbergsche Zirkular, der sich durch

zwei Nummern hinzieht.

Unsere Zeitung wird jetzt in der Schweiz sehr häufig zitiert; die Berner

Zeitung nimmt viel und die Nationalzeitung, und dann geht das die Runde

durch alle Blätter. Auch in den Schweizer französischen Blättern wird

sie, nach dem National usw. usw., viel zitiert, mehr als die Kölnische.

Die Annonce werdet ihr aufgenommen haben. Beiliegend ein Abdruck der

unsrigen in der Berner Zeitung. Grüße die ganze Gesellschaft.

Dein E.

Gestern zu spät zur Post. Heute also noch die Bemerkung, daß die Neue

Rheinische Zeitung seit dem 5. Januar hier _nicht mehr eingetroffen_

ist. Sieh doch nach, ob sie regelmäßig abgeschickt. Ich habe mich

erkundigt, mit dem Abonnieren ist’s nichts. Ich müßte auf ein halbes

Jahr abonnieren; so lange bleibe ich nicht und habe auch kein Geld. Wie

gesagt, es ist wichtig, das sie herkommt, nicht bloß meinetwegen,

sondern auch hauptsächlich, weil die uns günstige, von einem Kommunisten

redigierte Berner Zeitung alles tut, um sie hier _en vogue_[3] zu

bringen.

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[1] Ohne einen Pfennig.

[2] Spitzel und Totschläger.

[3] In Mode.

37

Hamburg, 23. April 1849.

Adresse: Kaufmann Rohde, Bleichenbrücke.

(Unter Kuvert.)

Lieber Engels!

Dein Brief hat mich erst heute getroffen, da ich Bremen schon Mittwoch

morgen verließ. In Bremen nichts. Rösing hat vor einem Jahre bankrott

gemacht und lebt nur noch von den Zinsen des seiner Frau verbliebenen

Kapitals. Also nichts.

Dagegen werde ich hier sicher loseisen.

Was die Unterschrift betrifft, kann _Werres_ nicht unterzeichnen?

Was die einstweiligen Geldmittel betrifft, solange ich abwesend bin, so

ist folgendes zu bemerken: Plochmann hat mir vor meiner Abreise in die

Hand versprochen, jeden nötigen Vorschuß zu machen. Möglich, daß St.

Naut aus Gewissenhaftigkeit keine Zuflucht zu dieser Quelle nimmt. Wenn

es nötig ist, tue _es selbst_.

Die Zeitung ist diese Woche durch sehr mager, was mit meiner jetzigen

Mission schlecht klappt.

Grüße meine Frau herzlich von mir und die anderen.

Schreibe jedenfalls umgehend und laßt den Kopf nicht sinken. _Les choses

marcheront._[1]

Dein K. Marx.

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[1] Die Dinge werden vorwärts gehen.

38

Schreibe mir unter der Adresse: M. Ramboz, 45 Rue de Lille.

Paris, 45 Rue de Lille, 7. Juni 1849.

Lieber Engels!

Ich schreibe Dir in diesem Briefe wenig ausführlich. Erst sollst Du mir

antworten, ob er _unversehrt_ angekommen ist. Ich glaube, daß die Briefe

wieder _con amore_[1] erbrochen werden.

Es herrscht hier eine royalistische Reaktion, schamloser als unter

Guizot, bloß vergleichbar mit der nach 1815. Paris ist _morne_.[2] Dazu

die Cholera, die außerordentlich wütet. Trotzdem stand ein kolossaler

Ausbruch des Revolutionskraters nie näher bevor als jetzt zu Paris. Die

Details darüber später. Ich komme mit der ganzen revolutionären Partei

zusammen und werde in einigen Tagen _sämtliche_ Revolutionsjournale zu

meiner Verfügung haben.

Was die hiesigen pfälzisch-badischen Gesandten betrifft, so ist Blind,

von einem wirklichen oder vermeintlichen Cholerafall erschreckt, einige

Stunden von Paris aufs Land gezogen.

_Quant à_[3] Schütz ist folgendes zu bemerken:

Die provisorische Regierung setzt ihn in eine falsche Position, indem

sie ihm keine Berichte schickt. Die Franzosen verlangen _des faits_,[4]

und wo soll er sie hernehmen, wenn ihm kein Teufel schreibt? Es müssen

ihm möglichst oft Depeschen zukommen. Es ist klar, daß er in diesem

Augenblick nichts ausrichten kann. Das einzig Erreichbare ist, der

pr[eußischen] Regierung Sand in die Augen zu streuen, indem man ihm

möglich macht, häufig mit den Chefs der Montagnards[5] zusammenzukommen.

Daß er im übrigen wenig erfährt, versteht sich von selbst, da er nur mit

einigen _offiziellen_ Montagnards zusammenkommt. Ich werde ihn übrigens

immer _au courant_[6] halten.

Meinerseits muß ich verlangen, daß Du mir wenigstens zweimal die Woche

regelmäßig und jedesmal, so oft etwas Wichtiges vorfällt, sofort

schreibst.

In dem Feuilleton der Kölnischen Zeitung über die Pfälzer Bewegung, _de

d[ato]_ Dürkheim a. d. Hardt, heißt es unter anderem: „Auf Herrn Marx,

den Redakteur der Rheinischen Zeitung, ist man nicht gut zu sprechen.

Derselbe soll der provisorischen Regierung erklärt haben, seine Zeit sei

noch nicht gekommen, er werde sich vorläufig zurückziehen.“ Wie hängt

das zusammen? Die elenden Deutschen hier, mit denen ich jedes

Zusammentreffen übrigens vermeide, werden das breit durch Paris zu

schlagen suchen. Ich halte es deshalb für gut, wenn Ihr in der

Karlsruher oder Mannheimer Abendzeitung geradezu erzählt in einem

Korrespondenzartikel, ich sei als Repräsentant des _demokratischen

Zentralkomitees_ zu Paris. Ich halte dies auch deshalb für nützlich,

weil einstweilen, wo augenblicklich, unmittelbar noch kein Resultat hier

zu erreichen ist, man die Preußen glauben machen muß, daß furchtbare

Intrigen hier gespielt werden. _Il faut faire peur aux Aristocrates._[7]

Ruge ist hier gleich Null. Was macht Dronke?

Du mußt übrigens sehen, daß Du _irgendwo Geld für mich auftreibst_, Du

weißt, daß ich die letzten eingehenden Summen, _pour faire honneur aux

obligations de la Nouvelle Gazette Rhénane_[8] verausgabt habe und in

den jetzigen _circonstances_[9] kann ich weder ganz eingezogen wohnen

und leben, noch weniger in Geldverlegenheiten geraten.

Wenn es Dir irgend möglich ist, so schicke mir einen französischen

Artikel, worin Du die ganze ungarische Affäre resümierst.

Teile diesen Brief D’Ester mit. Grüße ihn bestens. Soll ich unter einer

anderen Adresse schreiben, so gebt sie an.

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 16 / 196 题