18. September 1846.

Lieber Marx!

Eine Masse Sachen, die ich Dir privatim schreiben wollte, sind mir in

den Geschäftsbrief hereingeraten, weil ich den zuerst schrieb. Diesmal

macht es nichts, daß die anderen den Dreck mitlesen. – Die Auszüge aus

Feuerbach zu machen, habe ich mich aus einem gewissen Grauen bisher

nicht entschließen können. Hier in Paris kommt einem das Zeug vollends

lasch [matt] vor. Ich habe das Buch aber jetzt im Hause und setze mich

ehestens dran. Daß Dein Geldpech noch immer anhält, ist schändlich. Ich

weiß für unsere Manuskripte keinen Verleger außer Leske, den man während

der Unterhandlung über die Kritik seines Verlags in Unwissenheit halten

müßte. Löwenthal nimmt’s gewiß nicht, er hat dem Bernays eine _sehr

gute_ Spekulation (Das Leben des hiesigen Alten, in zwei Bänden, den

ersten gleich zu drucken und mit dem Tode des Alten sofort zu

expedieren, den zweiten dann gleich folgen zu lassen) unter allerlei

lausigen Vorwänden abgeschlagen. Er ist auch feig, er sagt, er könne aus

Frankfurt geschaßt werden. Bernays hat Aussicht, bei Brockhaus

unterzukommen, der natürlich glaubt, das Buch werde bourgeoismäßig

abgefaßt. – Haben die Westfalen die Manuskripte an Daniels geschickt? –

Hast Du von dem Kölner Projekt etwas Näheres gehört, wovon Heß schrieb?

Du weißt. – Gottvoll ist aber vor allem der Lüningsche Kohl .... Wenn

wir ihre ganze Lumperei kritisieren, so erklärt der Edle das für eine

„_Selbst_kritik“. Es wird diesen Kerls aber bald widerfahren, was

geschrieben steht: „Und wenn er keinen Hintern hat, wo will der Edle

sitzen?“ Und Westfalen scheint allmählich zu merken, daß es keinen

Hintern hat, oder, um mit Mose zu sprechen, keine „materielle Basis“ für

seinen Kommunismus. –

Die Londoner Adresse habe ich gestern abend hier bei den Arbeitern

bereits gedruckt gelesen. Schund. Adressieren sich an das „Volk“, das

heißt die vorausgesetzten Proletarier in Schleswig-Holstein, wo nichts

wie plattdeutsche Bauernlümmel und zünftige Straubinger herumstrolchen.

Haben von den Engländern gerade den Unsinn, die totale Ignorierung aller

wirklich vorliegenden Verhältnisse, Unfähigkeit, eine historische

Entwicklung aufzufassen, gelernt. Statt die Frage zu beantworten, wollen

sie, daß das in ihrem Sinne gar nicht dort existierende „Volk“ sie

ignorieren, sich friedlich, passiv verhalten soll; sie denken nicht

dran, daß die Bourgeois doch tun, was sie wollen. Mit Abzug der ziemlich

überflüssigen und gar nicht mit ihren Schlußresultaten im Zusammenhang

stehenden Schimpfereien auf die Bourgeois (die ebensogut durch

_free-trade_-Phrasen ersetzt werden könnten) könnte die

_free-trade-press_ von London, die Schleswig-Holstein nicht im

Zollverein sehen will, das Ding erlassen haben. –

Die Kölner Bourgeois haben einen Protest gegen die Herren Minister

erlassen, der für deutsche Bürger das Mögliche ist. Der arme Berliner

Kanzelredner! [Friedrich Wilhelm IV.] Mit allen Stadträten seines

Reiches liegt er in den Haaren; erst die Berliner theologische

Disputation, dann die Breslauer _item_, jetzt die Kölner Geschichte. Der

Bengel gleicht übrigens auf ein Haar dem Jakob dem Ersten von England,

den er sich wirklich zum Muster genommen zu haben scheint. Nächstens

wird er wohl, wie dieser, auch noch Hexen verbrennen lassen.

Dem Proudhon habe ich im Geschäftsbrief [siehe Brief 8] wirklich

himmelschreiendes Unrecht getan. Ich muß es hier redressieren. Ich habe

nämlich geglaubt, er habe einen kleinen Unsinn, einen Unsinn innerhalb

der Grenzen des Sinnes gemacht. Gestern kam die Sache nochmals und

ausführlich zur Diskussion, und da erfuhr ich, daß dieser neue Unsinn

wirklich ein _ganz unbegrenzter Unsinn_ ist. Stelle Dir vor: Proletarier

sollen kleine Aktien _sparen_. Davon wird (unter 10 000 bis 20 000

Arbeitern fängt man natürlich gar nicht an) zuerst ein oder mehrere

Ateliers in einem oder mehreren Handwerken errichtet, ein Teil der

Aktionäre dort beschäftigt und die Produkte 1. zum Preise des

Rohmaterials plus der Arbeit an die Aktionäre (die so keinen Profit zu

zahlen haben) und 2. der etwaige Überschuß zum laufenden Preise im

Weltmarkt verkauft. Sowie sich das Kapital der Gesellschaft durch

Neuhinzutretende oder durch neue Ersparnisse der alten Aktionäre

vermehrt, wird es zur Anlage neuer Ateliers und Fabriken verwandt usf.

usf., bis – _alle_ Proletarier beschäftigt und _alle_ im Lande

befindlichen Produktivkräfte aufgekauft und dadurch die in den Händen

der Bourgeois befindlichen Kapitalien die Macht verloren haben, Arbeit

zu kommandieren und Profit zu bringen! So hebt man dann das Kapital auf,

indem man „eine Instanz findet, wo das Kapital, das heißt das Zinswesen“

(Vergrünung des einigermaßen näher ans Tageslicht gerückten _droit

d’aubaine_[1] von ehedem) „sozusagen verschwindet“. Du wirst in diesem

von Papa Eisermann zahllose Male wiederholten, also von Grün auswendig

gelernten Satze die ursprünglichen Proudhonschen Floskeln noch deutlich

durchschimmern sehen. Die Leute haben nichts mehr und nichts weniger im

Sinne, als einstweilen _ganz Frankreich_, später vielleicht auch die

übrige Welt vermöge proletarischer Ersparnisse und unter Verzichtung auf

den Profit und die Zinsen ihres Kapitals _aufzukaufen_. Ist so ein

famoser Plan je erdacht worden, und ist es nicht ein viel kürzerer Weg,

wenn man einmal einen _tour de force_[2] machen will, lieber gleich aus

dem Silber–schein des Mondes Fünffrankentaler zu prägen? Und die dummen

Arbeiter hier, die Deutschen meine ich, _glauben_ daran; sie, die nicht

sechs Sous in der Tasche behalten können, um am Abend ihrer

Zusammenkünfte zu einem _marchand de vins_[3] zu gehen, wollen mit ihren

Ersparnissen das ganze schöne Frankreich aufkaufen. Rothschild und

Konsorten sind wahre Stümper neben diesen kolossalen Akkapareurs. Es

ist, um die Schwerenot zu kriegen. Die unsinnigste Phrase hat für sie

mehr Sinn als die einfachste, zum ökonomischen Argument vernutzte

Tatsache. Daß man gegen solchen barbarischen Unsinn noch pauken muß, ist

doch niederträchtig.

Aber man muß Geduld haben, und ich lasse die Kerls nicht laufen, bis ich

den Grün aus dem Felde geschlagen und ihnen die verduselten Schädel

geöffnet habe. Der einzige klare Kerl, der auch den ganzen Unsinn

einsieht, ist unser J[unge], der in Brüssel war. Der Ewerbeck hat ihnen

auch den Kopf voll des tollsten Zeugs gesetzt. Er ist jetzt in einer

Konfusion und grenzt von Zeit zu Zeit an Wahnsinn und kann, was er

gestern mit seinen eigenen Augen gesehen, Dir heute nicht

wiedererzählen. Geschweige was er gehört. Wie sehr er aber unter der

Fuchtel des Grün gestanden, davon nur dies: Als der Trierer Walth.

vorigen Winter über die Zensur nach allen Seiten hin jammerte, stellte

Grün ihn als einen Märtyrer der Zensur dar, der den edelsten und

tapfersten Kampf führe usw., und exploitierte Ewerbeck und die Arbeiter

dazu, daß sie eine höchst pomphafte Adresse an diesen Esel von Walth.

aufsetzten und unterzeichneten und ihm Dank sagten für seinen Heldenmut

im Kampfe für die Freiheit des Wortes!!!! Ewerbeck schämt sich wie ein

Mops und ärgert sich wütend über sich selbst; aber der Unsinn ist

geschehen, und jetzt hat man ihm und den Arbeitern die paar _Worte_

wieder auszupauken, die er sich selbst mit saurem Schweiß in den Kopf

hineinge[quält] und den Arbeitern dann mit ebenso saurem Schweiß

eingebleut hat. Denn er versteht nichts, bis er’s nicht auswendig

gelernt hat, und dann versteht er’s meist noch falsch. Wenn er nicht den

enormen guten Willen hätte und dabei sonst so ein liebenswürdiger Kerl

wäre, was er jetzt mehr als je ist, so wäre gar nicht mit ihm fertig zu

werden. Es soll mich wundern, wie es mir mit ihm gerät; zuweilen macht

er ganz nette Bemerkungen, gleich darauf aber wieder den größten Unsinn

– so seine jetzt in Gott ruhenden deutschen Geschichtsvorträge, bei

denen man sich wegen der in jedem Worte befindlichen Schnitzer und

Tollheiten kaum das Lachen verbeißen konnte. Aber, wie gesagt, enormer

Eifer und Eingehen auf alles, mit merkwürdiger Bereitwilligkeit, und ein

unverwüstlicher guter Humor der Selbstironie. Ich mag den Kerl, trotz

seines Unsinns, besser leiden als je. – Von Bernays ist nicht viel zu

sagen. Ich war mehrmals draußen, er einmal hier. Kommt wahrscheinlich im

Winter her, fehlt nur an Geld. Ist auch dahin gekommen, über die

Parteistreitigkeiten klarere und verständigere Ansichten zu hegen; wegen

seiner Meinungen über das Recht ist ihm jetzt nicht gut beizukommen,

weil er mit dem Einwurf: Ökonomie, Industrie usw. sei nicht sein Fach,

jedesmal abzubrechen sucht und bei den seltenen Zusammenkünften keine

ordentliche Diskussion zustande kommt; ich glaube indes schon etwas

Bresche geschossen zu haben, und wenn er herkommt, werde ich ihm sein

Mißverständnis wohl schließlich nehmen können. – Was machen die Leute

dort?

Dein E.

_Query:_ Ist die Geschichte mit dem Tolstoi, die _vollständig richtig_

ist, nicht den Londonern mitzuteilen? Die Deutschen könnten, falls er

bei ihnen seine Rolle fortspielte, einmal ein paar Polen scheußlich

kompromittieren. Wenn sich der Kerl _auf Dich beriefe_?

Bernays hat eine Broschüre in der Rothschildschen Polemik geschrieben;

kommt in der Schweiz deutsch und in einigen Tagen hier französisch

heraus.

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[1] Heimfallsrecht.

[2] Kraftstück.

[3] Wein- [und Spirituosen-]Ausschänker.

10

Oktober 1846.

Lieber Marx!

Die Geschichte gegen Kr[iege] erhalten. Ist ganz gut. Kriege wird nun

zwar, da Du allein unterzeichnet, den absprechenden Ton des ersten

Dokumentes auf meine Privatrechnung schreiben und gegen dies zweite zu

Kreuze kriechen, aber das ist mir wurst. Er kann mich in seiner

Privatmalice den amerikanischen Straubingern so schwarz wie möglich

schildern, wenn ihm das Pläsier macht.

Aus dem Komiteebrief wirst Du sehen, wie ich hier bei den Straubingern

durchgedrungen. Ich habe sie, hol mich der Teufel, nicht geschont, ich

habe ihre ärgsten Vorurteile, sie selbst als gar keine Proletarier

attackiert. Aber der Grün arbeitete mir auch zu schön in die Hände.

Frankieren tut um Gottes willen nicht an mich. Wenn mich der verdammte

Leske, der mir endlich wegen der dem P[üttmann] geschickten alten Drecke

einen nichtsnutzigen Wechsel zuschicken ließ, den ich retournieren mußte

– wenn mich Leske nicht im Stiche ließe, schickte ich Euch sogleich 25

Franken für die Komiteekasse. Einstweilen aber übernehme ich die Kosten

wenigstens der Korrespondenz mit mir. Wenn ich den vorigen Brief nicht

frankierte, so geschah dies, weil es zu spät war und ich ihn nur noch

durch Hineinschmeißen in den Briefkasten wegbekam. Sowie der Leske mir

das Geld schickt, erhaltet ihr ein Quotum.

Keiner der Straubinger kriegt die Antwort an Kriege zu sehen. Sonst wäre

sie vor Grün nicht sicher. Wir müssen namentlich dem Kerl alles vom

Halse halten, bis seine Bearbeitung des Proudhonschen Buches, nebst

Noten von K. Grün, fertig ist. Dann ist er gefangen. Er revoziert darin

vollständig eine Masse früher gesagter Geschichten und überliefert sich

mit Leib und Seele dem Proudhonschen Erlösungssystem. Nachher hat es

dann mit dem Exploitieren ein Ende, wenn er nicht wieder tournieren

will. Ist der Weitling noch in Brüssel?

Mit den Straubingern hier denke ich durchzukommen. Die Kerle sind

freilich gräßlich unwissend und durch ihre Lebenslage gar nicht

präpariert. Konkurrenz unter ihnen gibt es gar nicht. Der Lohn hält sich

immer auf einem und demselben Niveau, der Kampf mit dem Meister dreht

sich gar nicht um Lohn, sondern um den Gesellenhochmut usw. Bei den

Schneidern wirken jetzt die fertigen Kleiderläden revolutionierend.

Wenn’s nur nicht so ein faules Handwerk wäre.

Der Grün hat scheußlich geschadet. Er hat bei den Kerls alles Bestimmte

in bloße Duselei, Menschheitsstreben usw. verwandelt. Unter dem Scheine,

den Weitlingschen und sonstigen Systemkommunismus anzugreifen, hat er

ihnen den Kopf voll unbestimmter Belletristen- und Kleinbürgerphrasen

gesetzt und alles andere für Systemreiterei ausgegeben. Selbst die

Schreiner, die nie Weitlingianer gewesen – oder doch nur einzelne –

haben eine abergläubische Gespensterfurcht vor dem „Löffelkommunismus“

und schließen sich – wenigstens _vor_ dem durchgesetzten Beschluß –

lieber der größten Duselei, friedlichen Beglückungsplänen usw. an, als

diesem „Löffelkommunismus“. Es herrscht eine grenzenlose Konfusion hier

vor. An Harney habe ich dieser Tage einen leisen Angriff gegen die

Friedlichkeit der _fraternal Democrats_[1] geschickt, ihm übrigens

geschrieben, daß er mit Euch in Korrespondenz bleiben soll.

Dein E.

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[1] Brüderliche Demokraten. [Titel einer von G. Julian Harney

geführten Chartistenverbindung internationaler Tendenz.]

11

Paris, 23. Oktober 1846.

Brief an das Brüsseler Komitee. Nr. III.

Über die hiesigen Straubingergeschichten ist wenig zu sagen. Die

Hauptsache ist, daß die verschiedenen Streitpunkte, die ich bisher mit

den Jungens auszufechten hatte, jetzt entschieden sind: der

Hauptanhänger und Schüler Grüns, Papa Eisermann, ist herausgeschmissen,

die übrigen sind in ihrem Einfluß auf die Masse vollständig gestürzt,

und ich habe einen Beschluß einstimmig gegen sie durchgesetzt.

Der kurze Verlauf ist der:

Über den Proudhonschen Assoziationsplan wurde drei Abende diskutiert.

Anfangs hatte ich beinahe die ganze Clique, zuletzt nur noch Eisermann

und die übrigen drei Grünianer gegen mich. Die Hauptsache dabei war, die

Notwendigkeit der gewaltsamen Revolution [zu beweisen] *und* überhaupt

den Grünschen wahren Sozialismus, der in der Proudhonschen Panacee neue

Lebenskräfte gefunden, als antiproletarisch, kleinbürgerlich,

straubingerisch nachzuweisen.

Zuletzt wurde ich wütend über die ewige Wiederholung derselben Argumente

von seiten meiner Gegner und attackierte die Straubinger geradezu, was

bei den Grünianern große Entrüstung erregte, wodurch ich aber dem edlen

Eisermann einen _offenen Angriff_ auf den Kommunismus entlockte. Darauf

deckelte ich ihn so rücksichtslos, daß er gar nicht wiederkam.

Jetzt knüpfte ich an die mir von Eisermann gegebene Handhabe – die

Attacke gegen den Kommunismus – an, um so mehr, als Grün in einem fort

intrigierte, auf den Ateliers herumlief, Sonntags die Leute zu sich

zitierte usw. usw., und den Sonntag nach obiger Sitzung selbst die

grenzenlose Dummheit beging, vor acht bis zehn Straubingern den

Kommunismus zu attackieren. Ich erklärte also, ehe ich mich auf eine

Diskussion einließe, müsse abgestimmt werden, ob wir hier _qua_

Kommunisten zusammenkämen oder nicht. Im ersten Falle müsse Sorge

getragen werden, daß Angriffe auf den Kommunismus, wie die von

Eisermann, nicht mehr vorkämen, im anderen Falle, wenn sie bloß

beliebige Individuen seien, die hier über dies und jenes Beliebige

diskutierten, könnten sie mir gestohlen werden und würde ich nicht

wiederkommen. Dies erregte großes Entsetzen bei den Grünianern, sie

seien hier „für das Wohl der Menschheit“ zusammen, um sich aufzuklären,

Männer des Fortschritts und nicht einseitige Systemfänger usw. usw., und

solche Biedermänner könne man doch unmöglich „beliebige Menschen“

nennen. Übrigens _müßten sie erst wissen_, was Kommunismus eigentlich

sei (sie, die sich seit Jahren Kommunisten genannt haben und bloß durch

die Furcht vor Grün und Eisermann abspenstig wurden, nachdem diese sich

unter dem Vorwand des Kommunismus bei ihnen eingeschlichen hatten!). Ich

ließ mich natürlich nicht durch ihre liebevolle Bitte fangen, ihnen, den

Unwissenden, in zwei bis drei Worten zu sagen, was Kommunismus sei. Ich

gab ihnen eine höchst simple Definition, die gerade so weit ging wie die

vorliegenden strittigen Punkte, die die Friedlichkeit, die Zartheit und

Rücksicht gegen die Bourgeois respektive das Straubingertum und endlich

die Proudhonsche Aktiengesellschaft nebst beibehaltenem individuellen

_Besitz_, und was sich daran knüpft, durch Behauptung der

Gütergemeinschaft _ausschloß_, und im übrigen nichts enthielt, was Anlaß

zu Abschweifungen und Umgehung der vorgeschlagenen Abstimmung geben

könnte. Ich definierte also die Absichten der Kommunisten dahin: 1. die

Interessen der Proletarier im Gegensatz zu denen der Bourgeois

durchzusetzen; 2. dies durch Aufhebung des Privateigentums und Ersetzung

desselben durch die Gütergemeinschaft zu tun; 3. kein anderes Mittel zur

Durchführung dieser Absichten anzuerkennen als die gewaltsame,

demokratische Revolution. Hierüber zwei Abende diskutiert. Am zweiten

ging der beste der drei Grünianer, die Stimmung der Majorität merkend,

vollständig zu mir über. Die anderen beiden widersprachen sich

fortwährend einer dem anderen, ohne es zu merken. Mehrere Grünianer, die

noch nie gesprochen, taten auf einmal das Maul auf und erklärten sich

ganz entschieden für mich. Bisher hatte dies nur Junge getan. Einige

dieser _homines novi_[1] sprachen, obwohl zitternd vor Todesangst,

stecken zu bleiben, ganz nett und scheinen überhaupt ganz gesunden

Verstand zu haben. Kurz, als es zur Abstimmung kam, wurde die

Versammlung für eine kommunistische im Sinne der obigen Definition

erklärt, von 13 Stimmen gegen die beiden der zwei treu gebliebenen

Grünianer, von denen einer auch nachträglich erklärt hat, daß er die

größte Begierde habe, sich zu bekehren.

Hiermit ist endlich einmal _Tabula rasa_ gemacht und man kann jetzt

anfangen, etwas aus den Kerls zu machen, soweit dies geht. Grün, der

sich aus seiner Geldgeschichte leicht herausreißen konnte, weil die

Hauptgläubiger eben selbige Grünianer waren, seine Hauptanhänger, ist

jetzt bei der Majorität und einem Teile seiner Anhänger selbst sehr

herunter und trotz aller Intrigen und Experimente (zum Beispiel in der

Mütze auf die Barriereversammlungen gehen usw. usw.) mit seiner

Proudhonschen Sozietät glänzend durchgefallen. Wäre ich nicht da

gewesen, so hätte sich unser Freund Ewerbeck allerdings _tête

baissée_[2] dahinein gegeben.

Was der Grün für ein schönes Stratagem hatte! An der Intelligenz seiner

Kerls verzweifelnd, repetiert er ihnen seine Geschichten so oft vor, bis

sie sie auswendig können. Nach jeder Sitzung – es war natürlich nichts

leichter, als so eine Opposition zum Schweigen zu bringen – lief die

ganze geschlagene Bande zu Grün, erzählten, was ich gesagt hatte –

natürlich alles entstellt –, und ließen sich wieder wappnen. Wenn sie

dann das Maul auftaten und zwei Worte gesagt, so wußte man jedesmal den

ganzen Satz vorher. Natürlich nahm ich mich bei dieser Zwischenträgerei

sehr in acht, den Leuten irgend etwas Allgemeines zu sagen, was Herrn

Grün zu neuen Ausschmückungen seines wahren Sozialismus dienen könnte;

dennoch aber hat er neulich in der Kölner mit diversen Entstellungen bei

Gelegenheit der Genfer Revolution Sachen exploitiert, die ich den

Straubingern sagte, während er ihnen hier das Gegenteil einpaukte. Er

treibt jetzt Nationalökonomie, der Brave.

Das Buch von Proudhon werdet Ihr angezeigt gesehen haben. Ich werde es

dieser Tage bekommen, es kostet 15 Franken, man kann es nicht kaufen,

das ist zu teuer.

Das obige Publikum, vor dem die Geschichte aufgeführt worden, besteht

aus zirka zwanzig Schreinern, die sonst nur auf der Barriere noch mit

allerlei Volks sich versammeln, außer einem Sängerklub keine

geschlossene Verbindung, sonst aber teilweise Rudera [Reste] des Bundes

der Gerechtigkeit sind. Könnte man sich öffentlich versammeln, so würden

wir bald über hundert Kerls aus den Schreinern allein haben. Von den

Schneidern kenne ich nur einige, die auch in die Schreinerversammlungen

kommen. Von Schmieden und Gerbern ist in ganz Paris nichts zu erfahren.

Kein Mensch weiß was von ihnen.

Kriege hat dieser Tage seinen Bericht als Mann der Gerechtigkeit an die

„Halle“ (Zentralverwaltung) abgestattet. Natürlich habe ich das

Sendschreiben gelesen, da dies aber Eidesverletzung war, worauf

Todesstrafe, Dolch, Strang und Gift stehen, so müßt Ihr das nirgends

hinschreiben. Der Brief beweist, gerade wie seine Replik auf unseren

Angriff, daß dieser Angriff ihm sehr genützt hat und er sich jetzt doch

mehr um die Dinge dieser Welt kümmert. Er gab eine lange Erzählung ihrer

Schwierigkeiten. Der erste Abschnitt dieser amerikanischen

Straubingergeschichte enthielt ihr Pech – offenbar stand Kriege an der

Spitze und betrieb die Geldgeschichten vom Standpunkt des

weltumfassenden Herzens aus. Der „Tribun“ wurde verschenkt, nicht

verkauft, Liebesgaben bildeten den Fonds, kurz, man wollte Kapitel 3 bis

6 der Apostelgeschichte wieder aufführen, Ananias und Sapphira fehlten

auch nicht, und zum Schlusse fand man sich voller Schulden. Die zweite

Periode, wo Kriege zum bloßen „Registrator“ wird und andere Kerle an die

Verwaltung der Geldgeschäfte getreten zu sein scheinen, die des

Aufkommens. Statt an die volle Brust der Menschen zu appellieren, wurde

jetzt an ihre tanzlustigen Beine und überhaupt an die unkommunistischen

Seiten appelliert, und man fand zu seinem Erstaunen, daß durch Bälle,

Landpartien usw. das nötige Geld vollständig aufzubringen sei, und daß

auch die Schlechtigkeit der Menschen für den Kommunismus exploitiert

werden könne. Jetzt seien sie vollständig pekuniär auf dem Strumpf.

Unter den „Hindernissen“, die sie zu überwinden hatten, zählte der

tapfere Tecklenburger auch die allseitigen Verleumdungen und

Verdächtigungen auf, die sie, unter anderem „zuletzt noch von den

‚kommunistischen‘ Philosophen in Brüssel“, zu erdulden hätten. Im

übrigen schwatzt er einiges triviale Zeug gegen die Kolonien, empfiehlt

ihnen (das heißt seinen entschiedensten Feinden) den „Bruder Weitling“,

hält sich aber im ganzen ziemlich irdisch, wenn auch etwas gesalbt, und

nur von Zeit zu Zeit so etwas Gestöhn von Brüderlichkeit usw.

Habt Ihr dort die Réforme? Wenn Ihr sie nicht habt, schreibt es mir, ich

werde Euch dann berichten, wenn was Besonderes drin steht. Seit vier

Tagen reitet sie auf dem National herum wegen seines _refus_, einer

Petition, die wegen Wahlreform hier zirkuliert, seine unbedingte

Adhäsion zu geben. Dies geschehe, behauptet sie, aus bloßer Hinneigung

für [zu] Thiers. Vor einiger Zeit zirkulierte sie, Bastide und Thomas

seien vom National ausgetreten, Marrast sei allein geblieben, und dieser

habe mit Thiers Allianz gemacht. Der National widerrief. Veränderungen

in seiner Redaktion sind allerdings vorgegangen, Genaueres weiß ich

nicht; daß er seit einem Jahre besonders günstig für Thiers ist, ist

bekannt; die Réforme setzt ihm nun auseinander, wie sehr er sich durch

diese Hinneigung in Blamagen verritten hat. Übrigens hat der National,

aus bloßer Opposition gegen die Réforme, in der letzten Zeit einige

Dummheiten gemacht, so die von der Réforme zuerst erzählte

portugiesische Konterrevolution aus bloßer Malice geleugnet, bis er

nicht mehr konnte usw. Die Réforme plagt sich jetzt, eine ebenso

brillante Polemik zu führen wie der National, aber es geht nicht. –

Nachdem ich bis hierher geschrieben, ging ich noch zu den Straubingern,

wo sich folgendes herausstellte. Der Grün, zu ohnmächtig, mir irgendwie

Schaden anzutun, läßt mich jetzt auf der Barriere denunzieren. Der

Eisermann attackiert in der öffentlichen und von Mouchards besuchten

Barriereversammlung den Kommunismus, wo ihm natürlich keiner antworten

kann, ohne sich der Gefahr des Geschaßtwerdens auszusetzen. Der Junge

hat ihm sehr wütend geantwortet, ist aber von uns gestern verwarnt.

Darauf hat der Eisermann den Junge für das Sprachrohr eines Dritten

erklärt (der natürlich ich bin), und der plötzlich wie eine Bombe unter

die Leute gefahren sei, und er wisse wohl, wie da die Leute zu den

Barrierediskussionen eingepaukt würden usw. usw. Kurz, er schwatzte da

Dinge aus, die einer _vollständigen Denunziation_ bei der Polizei

gleichkommen, denn der Wirt, bei dem die Geschichte sich zutrug, sagte

noch vor vier Wochen: _il y a toujours des mouchards parmi vous_[3], und

der Polizeikommissar war zu jener Zeit auch einmal da. Den Junge griff

er geradezu als „Revolutionär“ an. Herr Grün war während der ganzen Zeit

gegenwärtig und paukte dem Eisermann ein, was er zu sagen habe. Diese

Gemeinheit übersteigt doch alles. Der Grün ist mir, wie ich die Sachen

kenne, vollständig verantwortlich für alles, was der Eisermann sagt.

Dagegen ist nun platterdings nichts zu machen. Der Schafskopf Eisermann

kann auf der Barriere nicht attackiert werden, weil man da die

Wochenversammlung nochmals denunzieren würde, der Grün ist zu feig, in

eigenem Namen _selbst_ etwas zu tun. Das einzige, was man tun kann, ist,

auf der Barriere die Leute erklären zu lassen, über Kommunismus

diskutierten sie nicht, weil das die ganze Versammlung bei der Polizei

gefährden könne.

Schreibt endlich einmal.

Euer E.

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[1] Neulinge.

[2] Mit gesenktem Kopf.

[3] Ihr habt stets unter euch Spitzel.

12

[Undatiert.] 23 Rue de Lille, Faubourg St. Germain, [Sommer 1846.]

Lieber Marx!

Ich habe mich endlich nach langem Widerstreben darangemacht, das Zeug

von Feuerbach durchzulesen, und finde, daß wir in unserer Kritik darauf

nicht eingehen können. Weshalb, wirst Du sehen, nachdem ich Dir den

Hauptinhalt mitgeteilt.

Das Wesen der Religion, Epigonen, 1. Band, Seite 117 bis 178. – „Das

_Abhängigkeitsgefühl_ des Menschen ist der Grund der Religion“, Seite

117. Da der Mensch zuerst von der Natur abhängig, so „ist die Natur der

erste ursprüngliche Gegenstand der Religion“, Seite 118. („Natur ist ein

allgemeines Wort zur Bezeichnung der Wesen, Dinge usw. usw., die der

Mensch von _sich und seinen Produkten_ unterscheidet.“)

Die ersten religiösen Äußerungen sind Feste, in denen Naturprozesse,

Wechsel der Jahreszeiten usw. usw. dargestellt. Die speziellen

Naturverhältnisse und Produkte, in deren Umgebung ein Stamm oder Volk

lebt, gehen in deren Religion über. – Der Mensch wurde in seiner

Entwicklung von anderen Wesen unterstützt, die aber nicht Wesen

_höherer_ Art, Engel waren, sondern Wesen niederer Art, _Tiere_. Daher

Tierkultus (folgt eine Apologie der Heiden gegen die Angriffe der Juden

und Christen, trivial). Die Natur bleibt fortwährend, auch bei den

Christen, der verborgene Hintergrund der Religion. Die den Unterschied

Gottes vom Menschen begründenden Eigenschaften sind Eigenschaften der

Natur (ursprünglich, der Grundlage nach). So Allmacht, Ewigkeit,

Universalität usw. usw. Der wirkliche Inhalt Gottes ist nur die Natur;

das heißt insofern Gott nur als Urheber, nicht als politischer und

moralischer Gesetzgeber vorgestellt wird. – Polemik gegen die Schöpfung

der Natur durch ein verständiges Wesen, gegen die Schöpfung aus Nichts

usw. – meist „vermenschlichter“, das heißt in gemütliches,

„Bürgerherzen“ ergreifendes Deutsch übersetzter _materialismus

vulgaris_[1]. – Die Natur in der Naturreligion ist nicht Gegenstand als

Natur, sondern „als persönliches, lebendiges, empfindendes Wesen ... als

Gemütswesen, das ist subjektives, menschliches Wesen“, Seite 138. Daher

betet man sie an, sucht sie durch menschliche Beweggründe usw. usw. zu

bestimmen. Dies kommt hauptsächlich daher, daß die Natur veränderlich

ist. „Das Gefühl der Abhängigkeit von der Natur in Verbindung mit der

Vorstellung der Natur als eines willkürlich tätigen, persönlichen Wesens

ist der Grund des Opfers, des wesentlichsten Aktes der Naturreligion,“

Seite 140. Da aber der Zweck des Opfers ein „_selbstsüchtiger_“ ist, so

ist der Mensch doch das _Endziel_ der Religion, die Gottheit des

Menschen ihr Endzweck. – Folgen triviale Glossen und feierliche

Auseinandersetzungen darüber, daß rohes Volk, das noch Naturreligion

hat, auch Dinge zu Göttern macht, die ihm unangenehm sind, Pest, Fieber

usw. „So wie der Mensch aus einem nur physikalischen Wesen ein

_politisches_, überhaupt von der Natur sich unterscheidendes und sich

auf sich selbst konzentrierendes Wesen (!!!) wird, so wird auch sein

Gott zu einem politischen, von der Natur unterschiedenen Wesen.

„*Daher*“ kommt „der Mensch zur Unterscheidung seines Wesens von der

Natur und folglich zu einem von der Natur unterschiedenen Gott zunächst

nur durch seine Vereinigung mit anderen Menschen zu einem _Gemeinwesen_,

wo ihm von der Natur unterschiedene, *nur in Gedanken oder in der

Vorstellung existierende Mächte* (!!!) die Macht des Gesetzes, der

Meinung, der Ehre, der Tugend Gegenstand seines Abhängigkeitsgefühls ...

wird.“ (Dieser scheußlich stilisierte Satz steht Seite 149.) Die

Naturmacht, die Macht über Leben und Tod, wird herabgesetzt zu einem

Attribut und Werkzeug der politischen und moralischen Macht. Intermezzo

Seite 151 über Orientalen-Konservative und Okzidentalen-Progressisten.

„Im Orient _vergißt_ der Mensch _nicht_ über den Menschen die Natur ....

Der König selbst ist ihm nicht als ein irdisches, sondern als ein

himmlisches, göttliches Wesen Gegenstand. Neben einem Gotte aber

verschwindet der Mensch, erst wo die Erde sich entgöttert ... erst da

haben die Menschen Raum und Platz für sich.“ (Schöne Erklärung, weshalb

die Orientalen stabil. Wegen der vielen Götzenbilder, die den Raum

wegnehmen.) Der Orientale verhält sich zum Okzidentalen wie der Landmann

zum Städter, jener ist abhängig von der _Natur_, dieser vom _Menschen_

usw. usw., „nur die Städter machen darum Geschichte“ (hier der einzige

leise, aber etwas übelriechende Anhauch von Materialismus). „Nur wer die

Macht der _Natur_ der Macht der _Meinung_, sein _Leben_ seinem _Namen_,

seine Existenz im _Leibe_ seiner Existenz im Munde und Sinne der

Nachwelt aufzuopfern vermag, nur der ist fähig zu geschichtlichen

Taten.“ _Voilà._[2] Alles, was nicht Natur ist, ist Vorstellung,

Meinung, Flause. Daher ist auch „nur die menschliche ‚_Eitelkeit_‘ das

Prinzip der Geschichte“! – Seite 152: „Sowie der Mensch zum Bewußtsein

kommt, daß ... Laster und Torheit Unglück usw. usw., Tugend und Weisheit

dagegen ... Glück zur Folge haben, folglich die _das Schicksal der

Menschen bestimmenden Mächte_ Verstand und Wille sind ... so ist ihm

auch die Natur ein von Verstand und Wille abhängiges Wesen.“ (Übergang

zum Monotheismus – Feuerbach teilt das obige illusorische „Bewußtsein“

von der Macht des Verstandes und Willens.) Mit der Herrschaft von

Verstand und Willen über die Welt kommt dann der Supernaturalismus, die

Schöpfung aus Nichts, und der Monotheismus, der noch speziell aus der

„Einheit des menschlichen Bewußtseins“ erklärt wird. Daß der Eine Gott

ohne den _Einen König_ nie zustande gekommen wäre, die Einheit des die

vielen Naturerscheinungen kontrollierenden, die widerstreitenden

Naturkräfte zusammenhaltenden Gottes nur das Abbild des Einen, die

widerstreitenden, in ihren Interessen kollidierenden Individuen

scheinbar oder wirklich zusammenhaltenden orientalischen Despoten ist,

hat Feuerbach für überflüssig gehalten zu sagen. – Langer Kohl gegen die

Teleologie, Kopie der alten Materialisten. Dabei begeht Feuerbach

denselben Schnitzer gegenüber der wirklichen Welt, den er den Theologen

vorwirft, gegen die Natur zu begehen. Er reißt schlechte Witze darüber,

daß die Theologen behaupten, ohne Gott müsse sich die Natur in Anarchie

auflösen (das heißt ohne den Glauben an Gott fiele sie in Fetzen),

Gottes _Wille, Verstand, Meinung_ sei das Band der Welt; und er selbst

glaubt ja, die _Meinung_, die Furcht vor der öffentlichen _Meinung_, vor

_Gesetzen_ und anderen _Ideen_ hielte jetzt die Welt zusammen. – Bei

einem Argument gegen die Teleologie tritt Feuerbach ganz als _laudator

temporis praesentis_[3] auf. Die enorme Sterblichkeit der Kinder in den

ersten Lebensjahren kommt daher, weil „die _Natur_ bei ihrem Reichtum

ohne Bedenken Tausende der einzelnen Glieder aufopfert; es ist eine

Folge natürlicher Ursachen, daß ... zum Beispiel im ersten Jahre ein

Kind von drei bis vier, im fünften _eins_ von fünfundzwanzig usw. usw.

stirbt“.

Mit Ausnahme der wenigen, hier spezifizierten Sätze ist nichts zu

bemerken. Über die geschichtliche Entwicklung der verschiedenen

Religionen erfährt man nichts. Höchstens werden Beispiele aus ihnen

zu[ge-]geben, um die obigen Trivialitäten zu beweisen. Die Hauptmasse

des Artikels besteht aus Polemik gegen Gott und die Christen, ganz in

der Weise, wie er’s bisher gemacht, nur daß jetzt, wo er sich erschöpft

hat, trotz aller Wiederholungen des alten Kohls die Abhängigkeit von den

Materialisten viel frecher hervortritt. Wenn man über die Trivialitäten

über Naturreligion, Polytheismus, Monotheismus etwas sagen wollte, müßte

man die wirkliche Entwicklung dieser Religionsformen dagegenstellen,

wozu man sie erst studieren müßte. Das geht uns aber für unsere Arbeit

ebensowenig an, wie seine Erklärung des Christentums. Für Feuerbachs

positiv-philosophischen Standpunkt gibt der Aufsatz nichts Neues. Die

paar zu kritisierenden Sätze, die ich oben exzerpiert habe, bestätigen

nur, was wir schon gesagt haben. Sieh doch, wenn Dich Feuerbach weiter

interessiert, daß Du von Kießling direkt oder indirekt den ersten Band

seiner gesammelten Werke einmal in die Finger bekommst, da hat er noch

eine Art Vorwort geschrieben, worin noch was sein könnte. Ich habe

Auszüge gesehen, wo Feuerbach von „Übeln des Kopfes“ und, „Übeln des

Magens“ spricht, so eine schwache Art Apologie, warum er nicht sich um

wirkliche Interessen bekümmert. Gerade wie er mir vor anderthalb Jahren

schrieb. –

Eben erhalte ich Deinen Brief, der wegen meines Wohnungswechsels ein

paar Tage in der alten Wohnung liegen blieb. Die Versuche mit den

Schweizer Buchhändlern werde ich machen. Ich glaube aber schwerlich, daß

ich unterkomme. Die Kerls haben alle kein Geld, um fünfzig Bogen zu

drucken. Ich bin der Ansicht, daß wir nichts gedruckt kriegen, wenn wir

die Sachen nicht _trennen_ und die Bände einzeln unterzubringen suchen.

Zuerst die philosophische Geschichte, die pressiert am meisten, und dann

das andere. Fünfzig Bogen auf einmal ist so gefährlich groß, daß viele

Buchhändler es schon deswegen nicht nehmen, weil sie es nicht können. Da

war ja auch noch der Bremer Küttmann oder wie er hieß, den uns Moses und

Weitling abspenstig machten; er wollte verbietenswürdige Bücher drucken,

aber nicht viel bezahlen; wir können uns mit diesem Manuskript an ihn

wenden, ganz gut. Was meinst Du, wenn man die Geschichte teilte, und dem

einen den ersten, dem anderen den zweiten Band anböte? Der Vogler weiß

die Adresse des Küttmann in Bremen. Der List ist so gut wie fertig.

Die Geschichten im Volkstribunen habe ich gesehen, vor ungefähr drei

Wochen. Mir ist so was lächerlich Dummes noch nicht vorgekommen. Die

Infamie des Bruder Weitling erreicht ihre Spitze in diesem Briefe an

Kriege. Was übrigens das Detail angeht, so ist es mir nicht mehr

erinnerlich genug, um darüber etwas sagen zu können. Ich bin aber

ebenfalls der Meinung, daß man sowohl auf Krieges wie der Straubinger

Proklamation repliziert, sie mit der Nase draufstößt, wie sie leugnen

gesagt zu haben, was wir ihnen vorwerfen, während sie zugleich dieselben

geleugneten Dummheiten wieder in ihrer Antwort proklamieren, und daß

namentlich der Kriege mit seinem hochmoralischen Pathos und seiner

Entrüstung über unseren Spott gehörig was aufs Dach kriegt. Da die

Nummern eben jetzt unter den hiesigen Straubingern zirkulieren, so kann

ich sie mir nicht verschaffen, ohne vier bis fünf Tage warten zu müssen.

Die hiesigen Straubinger bellen fürchterlich gegen mich. Namentlich drei

bis vier „gebildete“ Arbeiter, die Ewerbeck und Grün in die Geheimnisse

des wahren Menschentums eingeweiht. Aber ich bin vermöge einiger Geduld

und etwas Terrorismus durchgedrungen, die große Menge geht mit mir. Der

Grün hat sich vom Konnex losgesagt, und diese „Gebildeten“ hatten große

Lust, mitzugehen. Da habe ich gerade durchgehauen, den alten Eisermann

so eingeschüchtert, daß er nicht mehr kommt, und den _Komm[unismus]_

oder _Nicht-Komm[unismus]_ kontradiktorisch diskutieren lassen. Heute

abend wird abgestimmt, ob die Versammlung kommunistisch ist oder, wie

die Gebildeten sagen, „für das Wohl der Menschheit“. Die Majorität ist

mir sicher. Ich habe erklärt, wenn sie nicht _Komm[unisten]_ wären,

könnten sie mir gestohlen werden, da käme ich nicht mehr. Heute abend

werden die Schüler Grüns definitiv gestürzt, und dann werde ich ganz aus

dem Rohen anzufangen haben. – Von den Forderungen, die diese jebildeten

Straubinger an mich machten, hast Du gar keine Vorstellung. „Milde“,

„Sanftmut“, „warme Brüderlichkeit“. Ich habe sie aber gehörig gerüffelt,

jeden Abend brachte ich ihre ganze Opposition von fünf, sechs, sieben

Kerls (denn im Anfang hatte ich die ganze Butike gegen mich) zum

Schweigen. Nächstens mehr über die Historie, die allerlei Lichter auf

Herrn Grün wirft.

Proudhon soll in vierzehn Tagen nach hier kommen. Das wird schön werden.

Hier ist so was im Werke von einer Zeitschrift. Das Zigarrenmännlein

Mäurer behauptet, Geld dazu bekommen zu können. Ich glaube dem Kerl aber

nicht, bis das Geld da ist. Wird was daraus, so ist schon alles so

eingerichtet, daß das Ding _uns_ ganz in die Hände kommt. Mäurer, dem

ostensiblen Redakteur, habe ich das Recht gelassen, seinen eigenen

Unsinn drin zu drucken, das ging nicht anders. Alles übrige geht durch

meine Hände, ich habe absolutes Veto. Was ich schreibe, natürlich

pseudonym oder anonym. Jedenfalls wird das Ding, wenn es zustande kommt,

weder dem Heß, noch dem Grün, noch sonst einer wüsten Richtung in die

Hände geraten. Es wäre ganz gut, um etwas zu _fegen_. Sprich aber

niemanden davon, ehe es zustande ist, es muß sich noch diese Woche

entscheiden.

Lebe wohl und schreibe bald.

Der Briefwechsel zwischen Friedrich Engels und Karl Marx 1844 bis 1883, Erster Band · 第 8 / 196 题