Trauerspiel in einem Aufzug

Personen:

Aietes, König von Kolchis

Medea, seine Tochter

Gora, Medeens Amme

Peritta, eine ihrer Jungfrauen

Phryxus

Jungfrauen Medeens

Griechen in Phryxus' Gefolge

Kolcher

Kolchis. (Wilde Gegend mit Felsen und Bäumen, im Hintergrunde das

Meer. Am Gestade desselben ein Altar, von unbehauenen Steinen

zusammengefügt, auf dem die kolossale Bildsäule eines nackten,

bärtigen Mannes steht, der in seiner Rechten eine Keule, um die

Schultern ein Widderfell trägt. Links an den Szenen des

Mittelgrundes der Eingang eines Hauses mit Stufen und rohen Säulen.

Tagesanbruch.)

Medea, Gora, Peritta, Gefolge von Jungfrauen.

(Beim Aufziehen des Vorhanges steht Medea im Vorgrunde mit dem

Bogen in der Hand in der Stellung einer, die eben den Pfeil

abgeschossen. An den Stufen des Altars liegt ein, von einem Pfeile

durchbohrtes Reh.)

Jungfrauen (die entfernt gestanden, zum Altare hineilend).

Das Opfer blutet!

Medea (in ihrer vorigen Stellung).

Traf's?

Eine der Jungfrauen.

--Gerad' ins Herz!

Medea (indem sie den Bogen abgibt).

Das deutet Gutes; laßt uns eilen denn!

Geh' eine hin und spreche das Gebet.

Gora (zum Altar tretend).

Darimba, mächtige Göttin

Menschenerhalterin, Menschentöterin

Die den Wein du gibst und des Halmes Frucht

Gibst des Weidwerks herzerfreuende Spende

Und des Todfeinds Blut:

Darimba, reine, magdliche

Tochter des Himmels,

Höre mich!

Chor.

Darimba, mächtige Göttin,

Darimba! Darimba!

Gora.

Sieh ein Reh hab' ich dir getötet

Den Pfeil schnellend vom starken Bogen

Dein ist's! Laß dir gefallen sein Blut!

Segne das Feld und den beutereichen Wald

Gib, daß wir recht tun und siegen in der Schlacht

Gib, daß wir lieben den Wohlwollenden

Und hassen den, der uns haßt.

Mach' uns stark und reich, Darimba,

Mächtige Göttin!

Chor.

Darimba, Darimba!

Gora.

Das Opfer am Altar zuckt und endet,

So mögen deine Feinde enden, Darimba!

Deine Feinde und die unsern!

Es ist Medea, Aietes' Tochter,

Des Herrschers von Kolchis fürstliches Kind

Die empor in deine Wohnungen ruft

Höre mich, höre mich

Und erfülle was ich bat!

Chor (mit Zimbeln und Handpauken zusammen schlagend).

Darimba, Darimba!

Mächtige Göttin!

Eriho! Jehu!

Medea.

Und somit genug! Das Opfer ist gebracht,

Vollendet das zögernde Geschäft.

Nun Pfeil und Bogen her, die Hunde vor,

Daß von des Jagdlärms hallendem Getos

Der grüne Wald ertöne nah und fern!

Die Sonne steigt. Hinaus! hinaus!

Und die am schnellsten rennt und die am leichtsten springt

Sei Königin des Tags.--

Du hier Peritta? Sagt' ich dir nicht,

Daß du mich meiden sollst und gehn? So geh!

Peritta (knieend).

Medea!

Medea.

Kniee nicht! Du sollst nicht knien!

Hörst du? In deine Seele schäm' ich mich.

So feig, so zahm!--Mich schmerzt nicht dein Verlust,

Mich schmerzt, daß ich dich jetzt verachten muß

Und hab' dich einst geliebt!

Peritta.

O wüßtest du!

Medea.

Was denn?--Stahlst du dich neulich von der Jagd

Und gingst zum Hirten ins Tergener Tal?

Tatst du's? Sprich nein! Du Falsche, Undankbare!

Versprachst du nicht du wolltest mein sein, mein

Und keines Manns? Sag' an, versprachst du's?

Peritta.

Als ich's gelobte wußt' ich damals--

Medea.

Schweig!

Was braucht's zu wissen, als daß du's versprachst.

Ich bin Aietes' königliches Kind

Und was ich tu' ist recht weil ich's getan.

Und doch, du Falsche! hätt' ich dir versprochen

Die Hand hier abzuhaun von meinem Arm

Ich tät's; fürwahr ich tät's, weil ich's versprach.

Peritta.

Es riß mich hin, ich war besinnungslos,

Und nicht mit meinem Willen, nein--

Medea.

Ei hört!

Sie wollte nicht und tat's!--Geh du sprichst Unsinn.

Wie konnt' es denn geschehn

Wenn du nicht (wolltest). Was ich tu' das will ich

Und was ich will--je nu das tu' ich manchmal (nicht).

Geh hin in deines Hirten dumpfe Hütte

Dort kaure dich in Rauch und schmutz'gen Qualm

Und baue Kohl auf einer Spanne Grund.

Mein Garten ist die ungemeßne Erde

Des Himmels blaue Säulen sind mein Haus

Da will ich stehn des Berges freien Lüften

Entgegen tragend eine freie Brust

Und auf dich niedersehn und dich verachten.

Hallo! in Wald! Ihr Mädchen in den Wald!

(Indem sie abgeben will kömmt von der andern Seite ein) Kolcher.

Kolcher.

Du Königstochter, höre!

Medea.

Was? Wer ruft?

Kolcher.

Ein Schiff mit Fremden angelangt zur Stund'!

Medea.

Dem Vater sag' es an. Was kümmert's mich!

Kolcher.

Wo weilt er?

Medea.

Drin im Haus!

Kolcher.

Ich eile!

Medea.

Tu's!

(Der Bote ab ins Haus.)

Medea.

Daß diese Fremden uns die Jagdlust stören!

Ihr Schiff, es ankert wohl in jener Bucht,

Die sonst zum Sammelplatz uns dient der Jagd.

Allein was tut's! Bringt lange Speere her

Und nahet ein Kühner, zahl' er's mit Blut!

Nur Speere her! doch leise, leise, hört!

Denn säh's der Vater wehren möcht' er es.

Kommt!--Dort das Mal von Steinen aufgehäuft

Seht ihr's dort oben? Wer erreicht's zuerst?

Stellt euch!--Nichts da! Nicht vorgetreten! Weg!

Wer siegt hat auf der Jagd den ersten Schuß:

So, stellt euch und wenn ich das Zeichen gebe

Dann wie der Pfeil vom Bogen fort! Gebt Acht!

Acht!--Jetzt!--

Aietes (ist unterdessen aus dem Hause getreten, mit ihm der) Bote,

(der gleich abgeht.)

Aietes.

Medea!

Medea (sich umwendend aber ohne ihren Platz zu verändern).

Vater!

Aietes.

Du, wohin?

Medea.

In Wald!

Aietes.

Bleib jetzt!

Medea.

Warum?

Aietes.

Ich will's. Du sollst.

Medea.

So fürchtest du, daß jene Fremden--

Aietes.

Weißt du also?--

(Näher tretend, mit gedämpfter Stimme.)

Angekommen Männer

Aus fernem Land

Bringen Gold, bringen Schätze,

Reiche Beute.

Medea.

Wem?

Aietes.

Uns, wenn wir wollen.

Medea.

Uns?

Aietes.

's sind Fremde, sind Feinde,

Kommen zu verwüsten unser Land.

Medea.

So geh hin und töte sie!

Aietes.

Zahlreich sind sie und stark bewehrt

Reich an List die fremden Männer,

Leicht töten sie (uns.)

Medea.

So laß sie ziehn!

Aietes.

Nimmermehr.

Sie sollen mir--

Medea.

Tu was du willst

Mich aber laß zur Jagd!

Aietes.

Bleib, sag' ich, bleibe

Medea.

Was soll ich?

Aietes.

Helfen! Raten!

Medea.

Ich?

Aietes.

Du bist klug, du bist stark.

Dich hat die Mutter gelehrt

Aus Kräutern, aus Steinen

Tränke bereiten,

Die den Willen binden

Und fesseln die Kraft.

Du rufst Geister

Und besprichst den Mond

Hilf mir, mein gutes Kind!

Medea.

Bin ich dein gutes Kind!

Sonst achtest du meiner wenig.

Wenn ich will, willst du (nicht)

Und schiltst mich und schlägst nach mir;

Aber wenn du mein bedarfst

Lockst du mich mit Schmeichelworten

Und nennst mich Medea, dein liebes Kind.

Aietes.

Vergiß Medea was sonst geschehn.

Bist doch auch nicht immer wie du solltest.

Jetzt steh mir bei und hilf mir.

Medea.

Wozu?

Aietes.

So höre denn mein gutes Mädchen!--

Das Gold der Fremden all und ihre Schätze--

Gelt lächelst?

Medea.

Ich?

Aietes.

Ei ja, das viele Gold

Die bunten Steine und die reichen Kleider

Wie sollen die mein Mädchen zieren!

Medea.

Ei immerhin!

Aietes.

Du schlaue Bübin, sieh,

Ich weiß dir lacht das Herz nach all der Zier!

Medea.

Kommt nur zur Sache, Vater!

Aietes.

Ich--

Heiß dort die Mädchen gehn!

Medea.

Warum?

Aietes.

Ich will's!

Medea.

Sie sollen ja mit mir zur Jagd.

Aietes.

Heut keine Jagd'

Medea.

Nicht?

Aietes.

Nein sag' ich und nein! und nein!

Medea.

Erst lobst du mich und--

Aietes.

Nun, sei gut, mein Kind!

Komm hierher! Weiter! hierher, so!

Du bist ein kluges Mädchen, dir kann ich trauen.

Ich--

Medea.

Nun!

Aietes.

Was siehst du mir so starr ins Antlitz?

Medea.

Ich höre Vater!

Aietes.

O ich kenne dich!

Willst du den Vater meistern, Ungeratne?

I ch entscheide was gut, was nicht.

Du (gehorchst). Aus meinen Augen Verhaßte!

(Medea geht.)

Bleib!--Wenn du wolltest, begreifen wolltest--

Ich weiß du kannst, allein du willst es nicht!

--So sei's denn, bleib aus deines Vaters Rat

Und diene, weil du dienen willst.

(Man hört in der Ferne kriegerische Musik.)

Aietes.

Was ist das? Weh sie kommen uns zuvor!

Siehst du Törin?

Die du schonen wolltest, sie töten uns!

In vollem Zug hierher die fremden Männer!

Weh uns! Waffen! Waffen!

(Der Bote kommt wieder.)

Bote.

Der Führer, Herr, der fremden Männer!--

Aietes.

Was will er? Meine Krone, mein Leben?

Noch hab' ich Mut, noch hab' ich Kraft

Noch wallt Blut in meinen Adern

Zu tauschen Tod um Tod!

Bote.

Er bittet um Gehör.

Aietes.

Bittet?

Bote.

Freundlich sich mit dir zu besprechen

Zu stiften friedlichen Vergleich.

Aietes.

Bittet? und hat die Macht in Händen,

Findet uns unbewehrt, er in Waffen,

Und bittet, der Tor!

Bote.

In dein Haus will er treten,

Sitzen an deinem Tische,

Essen von deinem Brot

Und dir vertrauen

Was ihn hierher geführt.

Aietes.

Er komme, er komme.

Hält er Friede nur zwei Stunden,

Später fürcht' ich ihn nicht mehr.

Sag' ihm, daß er nahe,

Aber ohne Schild ohne Speer,

Nur das Schwert an der Seite,

Er und seine Gesellen.

Dann aber geh und biet auf die Getreuen

Rings herum im ganzen Lande

Heiß sie sich stellen gewappnet, bewehrt

Mit Schild und Panzer mit Lanz' und Schwert

Und sich verbergen im nahen Gehölz

Bis ich winke, bis ich rufe.--Geh!

(Bote ab.)

Ich will dein lachen du schwacher Tor!

Du aber Medea, sei mir gewärtig!

Einen Trank, ich weiß es, bereitest du

Der mit sanfter, schmeichelnder Betäubung

Die Sinn' entbindet ihres Diener-Amts

Und ihren Herrn zum Sklaven macht des Schlafs.

Geh hin und hole mir von jenem Trank!

Medea.

Wozu?

Aietes.

Geh, sag' ich, hin und hol' ihn mir!

Dann komm zurück. Ich will sie zähmen diese Stolzen!

(Medea ab.)

Der Gastfreund · 第 4 / 8 题