4. Fam. Chalicotheriidae.

Bei sämmtlichen Angehörigen dieser Familie behalten die Backzähne

sehr niedere Kronen; die beiden Aussenhöcker an den oberen M sind

V-förmig ausgebildet und vereinigen sich zu einer W-förmigen Aussenwand

(Fig. 958 A). Von den beiden Innenhöckern ist der vordere sehr gross,

und bleibt stets ein isolirter Kegel; auch der hintere kleinere ist

meist kegelförmig, nur sehr selten zu einer Querleiste entwickelt.

Zwischenhöcker sind kaum entwickelt. An den unteren M (Fig. 958 B) ist

jede Zahnhälfte zu einem nach innen offenen Halbmonde ausgebildet,

dessen Enden einfache Spitzen bleiben; hier hat der ganze Zahn eine

M-förmige Gestalt. Der untere M₃ besitzt noch stets den dritten Lobus,

der obere M₃ ist wohl entwickelt. Die älteren Arten haben einfacher

gebaute P, bei den Brontotheriinae werden diese den M ähnlich. Bei

denselben werden auch J und C rudimentär. Soweit es bekannt ist, zeigen

alle Arten 4/3 Zehen.

Chalicotheriidae sind reich im nordamerikanischen Eocän vertreten; ihre

höchste Blüthe erreichen sie aber im Oligocän in den riesigen gehörnten

Brontotherien. Die jüngsten nordamerikanischen Formen stammen aus dem

John-Day-Miocän. In der alten Welt erscheint im Oligocän die Gattung

Chalicotherium, die noch im Pliocän lebt und sich in Indien und China

ebenfalls findet. Lebende Vertreter sind nicht vorhanden.

a. Palaeosyopinae.

Palaeosyops Leidy (Fig. 958); Tapirähnliche Geschöpfe, die aus dem

Wasatch- und Bridger-Eocän in etwa sechs Arten von Tapirgrösse bekannt

sind. Nur ein Innenhöcker an den oberen M₃ (während der gleichalterige

nahe verwandte Limnohyus deren zwei besitzt).

P. major Leidy (Fig. 958 B), P. laevidens Cope (Fig. 958 A), P.

laticeps Marsh (Fig. 829 A). Bridger-Eocän von Wyoming.

Diplacodon Marsh; dahin gehören die grössten Landsäugethiere (von

Nashorngrösse) aus den Uinta-beds von Nordamerika; nach der Häufigkeit

dieser grossen Thiere werden die betreffenden Schichten auch als

Diplacodon-beds bezeichnet; verbindet die Palaeosyopinae mit den

Brontotheriinae.

D. elatus Marsh. Uinta-beds von Utah.

[Illustration: Fig. 959. Menodus (Brontotherium) ingens Marsh. White

River-Oligocän von Nebraska. A Linker Vorderfuss. l = Lunare; m =

Magnum; p = Pyramidale; s = Scaphoid; t = Trapezoid; u = Unciforme. B

linker Hinterfuss. as = Astragalus; c = Calcaneus; cb = Cuboid; n =

Naviculare; 2, 3 = 2. u. 3. Cuneiforme.]

b. Brontotheriinae.

Gewaltige Thiere mit rudimentären oder ganz fehlenden C und J. Auf den

Nasenbeinen finden sich paarige, weit vorstehende Hornzapfen (Fig.

961 H). Ihre Gestalt erinnert sehr an die altweltlichen Rhinoceroten,

welche sie an Grösse noch bedeutend übertreffen. Eigenthümlich ist,

dass an den Vorderfüssen die dritte und vierte Zehe nahezu gleich

stark entwickelt sind (Fig. 959). Zahlreiche Arten, für die mehrere

Gattungen aufgestellt wurden, finden sich im White River-Oligocän von

Colorado, Dakota und Nebraska; viele davon liegen in fast vollständigen

Skeleten vor. Es sind die grössten und auffallendsten Säugethiere der

White-River-Periode, die extremsten Formen der Chalicotheriidae. Sie

lassen sich direkt von Diplacodon ableiten.

Menodus Pomel (Fig. 959-961) (= Brontotherium Marsh); die hierher

gehörigen Arten besitzen noch die unteren J.

M. ingens Marsh (Fig. 959) und M. giganteus Leidy. White River von

Nebraska.

M. (Brontops) dispar Marsh (Fig. 960) und M. tichoceras Osb. (Fig.

961) White River von Dakota.

M. Prouti Leidy. Etwa 8 Fuss hoch und 12 Fuss lang. Ebenda.

[Illustration: Fig. 960. Menodus (Brontops) dispar Marsh. White

River-Oligocän von Dakota. Schädel.]

[Illustration: Fig. 961. Menodus tichoceras Osborn. Oligocän von

Dakota. Schädel von vorn. H = Hornzapfen; J = Jochbogen; N =

Nasenhöhle.]

Symborodon Cope (= Titanotherium Leidy). Untere J fehlen.

S. trigonoceras Cope und S. altirostris Cope. White River von

Colorado.

c. Chalicotheriinae.

Chalicotherium Kaup (Fig. 962). Diese einzige Gattung besitzt sehr

kleine C und keine J; nur drei P, einfacher als die M; der untere M₃

besitzt keinen dritten Lobus. Oligocän bis Pliocän in der alten Welt.

Sollten in der That die bisher einem riesigen Edentaten zugeschriebenen

Gliedmassenknochen, welche als Macrotherium und Ancylotherium

beschrieben wurden, zu Chalicotherium gehören, wie neuerdings

wahrscheinlich gemacht wurde, so dürfte diese Gattung wohl überhaupt

nicht mehr unter die Perissodactyla gerechnet werden.

Ch. modicum Gaudry. Oligocän von Frankreich.

Ch. Goldfussi Kaup (Fig. 962), von Rhinocerosgrösse. Pliocän von

Eppelsheim.

[Illustration: Fig. 962. Chalicotherium Goldfussi Kaup. Pliocän von

Eppelsheim. Oberer Molar.]

Elemente der Paläontologie · 第 528 / 606 题