4. Gruppe Ungulata.

Die Hufthiere bilden eine natürliche Gruppe von pflanzenfressenden

(auch omnivoren) Landsäugethieren, die dadurch ausgezeichnet

sind, dass ihre Gliedmassen ganz ausschliesslich zur

Locomotion auf dem Erdboden dienen. Schlüsselbeine fehlen stets;

fast nie ist ein freies Centrale vorhanden. Die Endphalangen sind stumpf

und sehr breit oder dreikantig, mit Hufen versehen. Schwanz meist ohne

untere Bögen. Zu ihnen gehören die grössten Landsäugethiere. Die

Fortschritte innerhalb der Gruppe bestehen hauptsächlich in der Vervollkommnung

der Gliedmassen zu Laufbeinen, die eine so extreme Ausbildung

erreichen können, wie bei keinem anderen Säugethiere, sodann

in der Ausbildung eines herbivoren Gebisses, wie es in solcher Vollkommenheit

allenfalls nur noch bei Rodentia erreicht wird, in der Ausbildung

von Hörnern als Waffen zum Ersatz für die verlorengehenden Eckzähne

und endlich in der Vergrösserung des Gehirns.

Folgende Tabelle giebt links den primitivsten Zustand, rechts die fortgeschritteneren

Zustände, die für einzelne Organe unter den Hufthieren

bekannt sind.

Primitivster Zustand. Fortgeschrittener Zustand.

Hirn sehr klein und glatt (Fig. 829 Hirn gross, gefurcht (Fig. 829 C).

A).

Nasenöffnung eng, weit vorn liegend; Nasenöffnung weit; Nasenbeine kurz

Nasenbeine lang. bis rudimentär (Elephas, Saiga).

Stirnhöhlen unbedeutend. Stirnhöhlen oft ausserordentlich

gross.

Orbitalrand hinten offen. Orbitalrand vollständig.

Schädel hornlos. Schädel mit Hörnern.

Processus postglenoideus vorhanden. Unterkiefergelenk ohne Processus.

Epistropheus mit cylindrischem Epistropheus mit rinnenförmigem

Zahnfortsatze. Zahnfortsatze (die meisten

Wiederkäuer).

Halswirbel biplan. Halswirbel opisthocöl.

Füsse noch fast plantigrad. Füsse digitigrad, meist unguligrad.

5/5 Zehen. Weniger als 5/5 Zehen, im

extremsten Falle nur 1/1 oder 2/2

Zehen.

Centrale frei (nur Hyrax, Fig. 914). Centrale mit Scaphoid verwachsen.

Carpus und Tarsus serial gebaut, d. Carpus und Tarsus alternirend

h. jedes Carpale und Tarsale der gebaut, indem die distale Reihe

distalen Reihe besitzt nur eine gegen die proximale nach innen

proximale Gelenkfläche, da es nur verschoben wird, so dass wenigstens

mit einem Knochen der proximalen einige Knochen der distalen Reihe

Reihe articulirt. (Fig. 907 A u. zwei proximale Gelenkflächen

908). aufweisen und mit zwei Knochen der

proximalen Reihe articuliren (Fig.

907 C u. 942 B, C); der

alternirende Bau giebt dem Fusse

offenbar eine grössere Festigkeit.

Proximales Astragalusgelenk kaum Proximales Astragalusgelenk

kopfartig abgesetzt und einfach kopfartig abgesetzt und mit

convex (Fig. 907 B u. 934 A). mittlerer Furche, rollenartig

(Fig. 907 A, C u. 943).

Distales Astragalusgelenk flach Astragalus mit distaler Rolle

(Fig. 943). (Fig. 978).

Calcaneus mit Fibulargelenk. Calcaneus ohne Fibulargelenk.

Ulna und Fibula so lang wie Radius Ulna und Fibula z. Th. rudimentär

bez. Tibia, frei (Fig. 911). und verwachsen (Equinae, Bovidae

etc.).

Distales Humerusgelenk einfach (Fig. Distales Humerusgelenk durch einen

909, g). Kiel in zwei Theile getheilt.

Humerus mit Foramen (Fig. 909, ent). Humerus ohne Foramen.

Femur mit drittem Trochanter Femur ohne dritten Trochanter.

(Fig. 909, tr₃).

Gebiss J, C, P können z. Th. oder alle

(3 · 1 · 4· 3)/(3 · 1 · 4 · 3). rudimentär werden oder ganz fehlen.

C fangzahnartig verlängert; J C oder J hauerartig (Fig. 1009),

schneidezahnartig. oder C schneidezahnähnlich (unten

bei Ruminantia).

M trigonodont (Fig. 910). M tetragonodont (Fig. 913),

manchmal ausserordentlich

vergrössert (Elephas).

P einfacher als M (kegelförmig). P allmählich den M ähnlich werdend.

Backzähne bunodont (Fig. 912). Backzähne lophodont.

Backzähne brachyodont. Backzähne mehr und mehr

hypselodont.

Molaren mit selbständigen Zwischenhöcker von den Haupthöckern

Zwischenhöckern (Fig. 912 b’ u. b"). nicht unterscheidbar (Fig. 1010).

Kleine Lücken im Gebiss. Lücken fehlen (Fig. 991), oder sehr

gross (Fig. 1026).

[Illustration: Fig. 907. Linker Hinterfuss von A Phenacodus primaevus

Cope, Wasatch-Eocän von Wyoming. B Elephas indicus. Recent. C

Rhinoceros pachygnathus Wagn. Pliocän von Pikermi. a = Astragalus; c =

Calcaneus; cb = Cuboid; n = Naviculare; 1, 2, 3 = Cuneiforme I., II.,

III.; I-V = 1.-5. Zehe.]

Hufthiere finden sich in Nordamerika bereits im ältesten (Puerco-)

Eocän; diese (Condylarthra) sind weitaus die primitivsten Formen,

die auch den anderen gleichzeitig lebenden primitivsten Ordnungen

von Land-Placentalia ausserordentlich nahe stehen. Fleischfressende

Formen (? Creodonta) müssen als die Ahnen der Condylarthra angenommen

werden. Auf Condylarthra lassen sich die übrigen Ordnungen der

Hufthiere direct zurückführen. Unter diesen sind nur noch die

Amblypoda auf das Eocän beschränkt; die Hyracoidea sind nur lebend

bekannt. Die Proboscidea erscheinen im Miocän; die Perissodactyla und

Artiodactyla beginnen beide schon im Eocän, erstere sind hauptsächlich

nordamerikanischen, letztere altweltlichen Ursprungs. Die Toxodontia

sind Südamerika eigenthümlich. Hufthiere sind für den Paläontologen

weitaus die wichtigsten Säugethiere. Fast an allen Fundstellen fossiler

Landsäugethiere in Europa und Nordamerika sind sie die vorherrschenden

Formen, sowohl wegen ihrer meist beträchtlichen Grösse, wie wegen ihrer

meist alles Andere überwiegenden Anzahl.

Übersicht der sieben Ordnungen von Hufthieren:

A. Tarsus und Carpus serial gebaut: cuboid articulirt proximal nur mit

Calcaneus, Astragalus distal nur mit Naviculare (Fig. 907 A);

Scaphoid articulirt distal nur mit Trapez und Trapezoid, Lunare nur

mit Magnum (Fig. 908).

a. C fangzahnartig verlängert; 3/3 J normal; Backzähne meist bunodont

(Fig. 912); 5/5 Zehen; Fibula berührt den Calcaneus. p. 749.

13. Ordnung Condylarthra.

b. C fehlen; (2(1))/2 J, die mittleren oben gross und wurzellos;

Backzähne lophodont; 5/3 Zehen; Fibula eingekeilt zwischen

Calcaneus und Astragalus. p. 751.

14. Ordnung Hyracoidea.

c. C nicht verlängert, klein oder fehlend; J schaufelförmig (Fig.

915-917), manchmal prismatisch, ebenso wie die lophodonten

Backzähne; 5/5-3/3 Zehen; Calcaneus mit Fibulargelenk. p. 752.

15. Ordnung Toxodontia.

B. Cuboid articulirt proximal mit Calcaneus und Naviculare,

Astragalus distal nur mit Naviculare (Fig. 907 B); Carpus nahezu

serial; Astragalus mit einfach convexem, nicht kopfartig abgesetztem

Tibialgelenk; Calcaneus mit Fibulargelenk; 5/5 Zehen, wenig

digitigrad. p. 754.

16. Ordnung Proboscidea.

C. Cuboid articulirt proximal mit Calcaneus und Astragalus (Fig. 907 C).

a. Scaphoid articulirt distal nur mit Trapez und Trapezoid, Lunare

mit Magnum und Unciforme (Fig. 934 B); Astragalus mit einfach

convexem Tibialgelenk; Calcaneus mit Fibulargelenk; 5/5 Zehen;

wenig digitigrad. p. 762.

17. Ordnung Amblypoda.

b. Scaphoid articulirt distal auch mit Magnum, Lunare mit Magnum und

Unciforme (Fig. 942 C); Astragalus mit kopfförmig abgesetztem,

rollenartigem Tibialgelenk (Fig. 907 C u. 943); unguligrad.

Diplarthra.

α. 4/3-1/1 Zehen; dritte Zehe stärker als die übrigen, zweite und

vierte gleich stark (Fig. 942); distales Astragalusgelenk flach

(Fig. 943 n); Calcaneus ohne Fibulargelenk; Femur mit drittem

Trochanter (Fig. 944). p.765.

18. Ordnung Perissodactyla.

β. 4(5)/4-2/2 Zehen; dritte und vierte Zehe gleich stark, stärker

als die übrigen; zweite Zehe ähnlich der fünften (Fig. 979,

980); distales Astragalusgelenk ebenfalls rollenförmig (Fig.

978); Calcaneus mit Fibulargelenk; Femur ohne dritten

Trochanter. p. 784.

19. Ordnung Artiodactyla.

Elemente der Paläontologie · 第 509 / 606 题