Die Gliedmassen der Primates, sehr geeignet zum Klettern, dienen nicht
allein zur Locomotion, sondern in einem bei andern Säugern unerreichten
Grade auch zum Ergreifen und Erbeuten der Nahrung.
Primaten finden sich bereits im Eocän. Es sind die eigentlichsten
Kletterthiere unter den Säugern, und ihr ganzer Bau ist dieser
Lebensweise angepasst. Lange plantigrade fünfzehige Extremitäten; an
Vorder- und Hinterfüssen ist die erste Zehe opponirbar; Endphalangen
deprimirt, mit Nägeln versehen (mindestens eine). Radius um die Ulna
drehbar; ältere Formen mit Foramen epicondylare. Meist ein freies
Centrale. Clavicula stets vorhanden. Schläfenhöhle wenigstens durch
eine äussere Knochenbrücke von den Augenhöhlen getrennt. Gebiss
vollständig, ohne grössere Lücken. Die niedrigen Zahnkronen tragen fast
stets stumpfe Höcker und sind von einer dicken Schmelzlage bedeckt.
Fast nie mehr als zwei J.
Die Fortschritte von den primitivsten zu den moderneren Formen bestehen
hauptsächlich in Vergrösserung des Gehirns, vollständigerem Abschluss
der Augenhöhle gegen die Schläfenhöhle, geringer Reduction des
Gebisses unter bedeutender Verkürzung des Gesichtsschädels, Erwerbung
tetragonodonter Molaren, Verkümmerung des Schwanzes.
Die Primaten lassen sich in zwei Ordnungen und jede derselben in
mehrere Familien eintheilen.
A. Orbita gegen die Schläfengrube nur durch eine Brücke abgeschlossen; M
meist trigonodont; Hirn klein, glatt.
1. Ordnung Prosimiae.
a. J wohlentwickelt, schaufelförmig; C verlängert, fangzahnartig.
1. Unterkieferäste nicht mit einander verwachsen; Höcker der
unteren M nicht alternirend, kegelförmig. Gebiss
(2-3 · 1· 4(3) · 3)/(2-3 · 1 · 4(3) · 3).
1. Fam. Hyopsodidae.
2. Unterkieferäste mit einander verwachsen; untere M mit
alternirenden Höckern und erhöhtem Anhang, lophodont. Gebiss
(2 · 1 · 4 · 3)/(2 · 1 · 4· 3).
2. Fam. Adapidae.
b. Unterkieferäste nicht verwachsen; J sehr klein oder
pfriemenförmig.
1. Untere J und C von gleicher Gestalt, pfriemenförmig, horizontal
nach vorn gerichtet; obere J rudimentär, C und unterer P₁
fangzahnartig verlängert. Gebiss
(2 · 1 · 3(2) · 3)/(2(1) · 1 · 3(2) · 3).
3. Fam. Lemuridae.
2. J kegelförmig, untere oft ganz rudimentär; C klein, aber
normal; Orbita theilweise durch eine Wand abgeschlossen gegen
die Schläfengrube; kein P verlängert.
4. Fam. Tarsiidae.
B. Orbita gegen die Schläfengrube vollkommen abgeschlossen;
Unterkieferäste verwachsen; 2 J, schaufelförmig; C meist
fangzahnartig verlängert; M meist tetragonodont, P viel einfacher
gebaut; Hirn gross, gefurcht.
2. Ordnung Simiae.
a. 3 P, die nur eine einzige Wurzel (durch Verschmelzung) zeigen, und
breiter sind als lang. Höcker der M alternirend (Platyrhinae).
1. 3 M.
1. Fam. Cebidae.
2. 2 M.
2. Fam. Hapalidae.
b. 2 P, die zwei oder drei getrennte Wurzeln zeigen; 3 M
(Catarhinae).
1. P länger als breit, auch die M meist verlängert; unterer M₃
meist mit einem dritten Lobus versehen; C des ♂ meist sehr lang;
meist geschwänzt. Höcker der M nicht alternirend.
3. Fam. Cynopithecidae.
2. P breiter als lang; unterer M₃ ohne dritten Lobus; Höcker der M
alternirend; ungeschwänzt.
4. Fam. Simiidae.