3. Gruppe Primates.[L]

Die Gliedmassen der Primates, sehr geeignet zum Klettern, dienen nicht

allein zur Locomotion, sondern in einem bei andern Säugern unerreichten

Grade auch zum Ergreifen und Erbeuten der Nahrung.

Primaten finden sich bereits im Eocän. Es sind die eigentlichsten

Kletterthiere unter den Säugern, und ihr ganzer Bau ist dieser

Lebensweise angepasst. Lange plantigrade fünfzehige Extremitäten; an

Vorder- und Hinterfüssen ist die erste Zehe opponirbar; Endphalangen

deprimirt, mit Nägeln versehen (mindestens eine). Radius um die Ulna

drehbar; ältere Formen mit Foramen epicondylare. Meist ein freies

Centrale. Clavicula stets vorhanden. Schläfenhöhle wenigstens durch

eine äussere Knochenbrücke von den Augenhöhlen getrennt. Gebiss

vollständig, ohne grössere Lücken. Die niedrigen Zahnkronen tragen fast

stets stumpfe Höcker und sind von einer dicken Schmelzlage bedeckt.

Fast nie mehr als zwei J.

Die Fortschritte von den primitivsten zu den moderneren Formen bestehen

hauptsächlich in Vergrösserung des Gehirns, vollständigerem Abschluss

der Augenhöhle gegen die Schläfenhöhle, geringer Reduction des

Gebisses unter bedeutender Verkürzung des Gesichtsschädels, Erwerbung

tetragonodonter Molaren, Verkümmerung des Schwanzes.

Die Primaten lassen sich in zwei Ordnungen und jede derselben in

mehrere Familien eintheilen.

A. Orbita gegen die Schläfengrube nur durch eine Brücke abgeschlossen; M

meist trigonodont; Hirn klein, glatt.

1. Ordnung Prosimiae.

a. J wohlentwickelt, schaufelförmig; C verlängert, fangzahnartig.

1. Unterkieferäste nicht mit einander verwachsen; Höcker der

unteren M nicht alternirend, kegelförmig. Gebiss

(2-3 · 1· 4(3) · 3)/(2-3 · 1 · 4(3) · 3).

1. Fam. Hyopsodidae.

2. Unterkieferäste mit einander verwachsen; untere M mit

alternirenden Höckern und erhöhtem Anhang, lophodont. Gebiss

(2 · 1 · 4 · 3)/(2 · 1 · 4· 3).

2. Fam. Adapidae.

b. Unterkieferäste nicht verwachsen; J sehr klein oder

pfriemenförmig.

1. Untere J und C von gleicher Gestalt, pfriemenförmig, horizontal

nach vorn gerichtet; obere J rudimentär, C und unterer P₁

fangzahnartig verlängert. Gebiss

(2 · 1 · 3(2) · 3)/(2(1) · 1 · 3(2) · 3).

3. Fam. Lemuridae.

2. J kegelförmig, untere oft ganz rudimentär; C klein, aber

normal; Orbita theilweise durch eine Wand abgeschlossen gegen

die Schläfengrube; kein P verlängert.

4. Fam. Tarsiidae.

B. Orbita gegen die Schläfengrube vollkommen abgeschlossen;

Unterkieferäste verwachsen; 2 J, schaufelförmig; C meist

fangzahnartig verlängert; M meist tetragonodont, P viel einfacher

gebaut; Hirn gross, gefurcht.

2. Ordnung Simiae.

a. 3 P, die nur eine einzige Wurzel (durch Verschmelzung) zeigen, und

breiter sind als lang. Höcker der M alternirend (Platyrhinae).

1. 3 M.

1. Fam. Cebidae.

2. 2 M.

2. Fam. Hapalidae.

b. 2 P, die zwei oder drei getrennte Wurzeln zeigen; 3 M

(Catarhinae).

1. P länger als breit, auch die M meist verlängert; unterer M₃

meist mit einem dritten Lobus versehen; C des ♂ meist sehr lang;

meist geschwänzt. Höcker der M nicht alternirend.

3. Fam. Cynopithecidae.

2. P breiter als lang; unterer M₃ ohne dritten Lobus; Höcker der M

alternirend; ungeschwänzt.

4. Fam. Simiidae.

Elemente der Paläontologie · 第 502 / 606 题