1. Fam. Megatheriidae.

Die »Riesenfaulthiere« sind grösstentheils gigantische Geschöpfe von

sehr plumpem Körperbau. Der Kopf ist verhältnissmässig klein, die

Füsse oft von erstaunlicher Dicke, mit überaus mächtigen Krallen

versehen. Femur ohne dritten Trochanter. Sie besitzen nie einen

zusammenhängenden Panzer. Die grosse Mehrzahl ist ausschliesslich aus

älteren und jüngeren Ablagerungen von Südamerika bekannt, für die sie

ausserordentlich charakteristisch sind; erst im Pliocän (? Diluvium)

wandern einzelne Gattungen nach Nordamerika. Lebend finden sie sich

nicht mehr. Unter ihnen sind die Stammformen der Myrmecophagidae und

Bradypodidae zu suchen.

a. Megatheriinae.

Zähne bilden eine ununterbrochene Reihe im mittleren und hinteren

Theile der Kiefer, deren vorderer Theil zahnlos und verlängert ist;

vorderster Zahn manchmal etwas verlängert; Skelet ausserordentlich

plump.

Megatherium Cuv. (Fig. 900) 5/4 Backzähne bilden vierseitige Säulen mit

je zwei Querjochen, die durch ein tiefes Thal getrennt sind. Schädel

kurz und hoch. Vorn trägt die zweite bis vierte, hinten nur die dritte

Zehe mächtige Krallen. Mehrere Arten fossil in Südamerika, eine im

Pliocän von Nordamerika.

M. americanum Cuv. (Fig. 900). Grösser und sehr viel plumper als ein

Rhinoceros; vom Kopfe bis zum Schwanzende misst diese Art 7 m Länge;

im jüngeren Pampaslehm. Von dieser Art sind eine Anzahl vollständiger

Skelete bekannt.

M. mirabile Leidy. Pliocän von Nordamerika.

Promegatherium Amegh. unterscheidet sich vom vorigen nur durch das

Auftreten von kleinen Schmelzkappen auf den Zähnen. Aeltere

Pampasbildungen.

[Illustration: Fig. 900. Megatherium americanum Cuv. Pampasformation

von Argentinien. Skelet. A Backzahn von der Seite.]

Scelidotherium Owen. 5/4 Backzähne, die oberen von ovalem Querschnitt;

die unteren sind dreikantig, der letzte untere verlängert, mit hinterem

Ansatze, der letzte obere kleiner als die übrigen. Schädel lang, schmal

und niedrig, erinnert in manchen Arten sehr an den von Myrmecophaga.

4/3 Zehen, vorn trägt die zweite und dritte, hinten die dritte eine

Kralle. Jüngere Ablagerungen von Südamerika.

S. leptocephalum Owen; nähert sich am meisten der Gattung

Myrmecophaga. Patagonien und Argentinien.

S. Bravardi Lyd. Argentinien und Brasilien.

Mylodon Owen nähert sich den Megalonychinae; vordere Zähne oval,

hintere dreiseitig; der erste Backzahn ist verlängert, eckzahnartig.

Zahlreiche kleine Hautverknöcherungen. 5/4 Zehen, die beiden äusseren

ohne Krallen. Pliocän von Süd- und Nordamerika.

M. Harlani Owen. Höhlen von Nordamerika.

M. robustus Owen. Südamerika.

b. Megalonychinae.

Der vorderste Zahn ist stark verlängert und eckzahnähnlich, mit

schiefer Kaufläche; er steht im vordersten Theile der Kiefer, durch

eine grosse Lücke von den übrigen Zähnen getrennt. Skelet weniger plump.

Lestodon Gerv. Zähne elliptisch, der letzte untere zweitheilig. Der

vorderste, die langen Eckzähne tragende Theil der Kiefer ist auffallend

verbreitert. Aeltere und jüngere Ablagerungen von Südamerika. Der

Schädel ähnelt ausserordentlich dem von Choloepus.

L. antiquus Gerv. Paranaschichten.

L. armatus Gerv. erreicht die Grösse des Megatherium americanum.

Südamerika.

Megalonyx Jeff. Zahnkronen in der Mitte ausgehöhlt. Es kommen

Hautverknöcherungen vor. Pliocän, Nordamerika und Brasilien.

M. Jeffersoni Cuv. Höhlen von Nordamerika (Megalonyx-beds im

östlichen Theile der Vereinigten Staaten).

* * * * *

Die Familien der Bradypodidae und Myrmecophagidae finden sich

nur recent in Südamerika; die ersteren, die Faulthiere, dürften

auf Lestodon-ähnliche, die letzteren, die Ameisenfresser, auf

Scelidotherium-ähnliche Megatheriidae zurückzuführen sein.

Elemente der Paläontologie · 第 501 / 606 题