2. Ordnung Sirenia.

Die Seekühe (Fig. 861) sind grosse pflanzenfressende Säugethiere, die

äusserlich viele Aehnlichkeit haben mit Cetacea, doch wohl nur in Folge

ähnlicher Lebensweise, während sie ihrem ganzen Bau nach vielleicht als

marine Ungulata anzusehen sind.

Hintergliedmassen fehlen (selten ein rudimentärer Femur vorhanden);

Vordergliedmassen flossenähnlich, doch ist ein Ellbogengelenk

noch vorhanden; Unterkiefer meist sehr gross, hoch, mit senkrecht

aufsteigendem, kräftigem Kron- und Gelenkfortsatz; Prämaxillare

gross, ebenso wie der vordere Theil des Unterkiefers mehr oder

weniger abwärts gezogen; Jochbeine sehr kräftig. Nasenbeine klein

oder fehlend, Nasenöffnung sehr weit; Halswirbel fast immer frei. Die

meisten Skeletknochen von sehr dichter elfenbeinartiger Struktur.

Zähne vorhanden oder fehlend; bei einigen Formen ein rudimentäres

Milchgebiss. Eocän bis Gegenwart.

Prorastomus Owen. Zwischen- und Unterkiefer vorn kaum abwärts gezogen,

von mässiger Grösse. Nasenöffnung kleiner als bei anderen Sirenen.

Gebiss (3 · 1 · 4 · 4)/(3 · 1 · 4 · 4)?. J schneidezahnähnlich, P

einwurzelig, M mehrwurzelig mit zwei Querjochen. Es ist jedenfalls

die primitivste Form unter den Sirenen, die einerseits zu Manatus,

andererseits durch Halitherium, Metaxytherium, Felsinotherium zu

Halicore und Rhytina führt. Eocän.

P. sirenoides Owen. Eocän von Jamaica.

[Illustration: Fig. 861. Halitherium Schinzi Kaup. Oligocän von

Rheinhessen. Skelet. B = Becken; f = Femur. Die Rippen sind sehr viel

dicker, als auf dieser Figur dargestellt ist, so dass sie sich fast

berühren.]

Halitherium Kaup (Fig. 861). Becken mässig entwickelt; ein

griffelförmiger Femur vorhanden; Nasale klein; Zwischen- und

Unterkiefer vorn stark herabgezogen. Gebiss (1 · 1 · 5-6)/(1 · 1 ·

5-6); oberer J mehr oder weniger vergrössert, hauerähnlich; Untere

J, ebenso C und vordere P rudimentär, frühzeitig ausfallend; P

einwurzelig, M mehrwurzelig, mit mehreren stark gefalteten Höckern,

die eine kleeblattähnliche Usurfläche geben. Oligocän bis Pliocän von

Europa.

H. Schinzi Kaup (Fig. 861). Oligocän von Europa.

H. (Metaxytherium) Cuvieri de Christol. Miocän von Frankreich.

H. (Felsinotherium) Foresti Cap. Pliocän von Italien.

Halicore Illig. Kein Femur; Zwischen- und Unterkiefer sehr mächtig

und sehr stark abwärts gezogen. Keine Nasenbeine. Männchen mit sehr

grossen Hauern. Bei alten Thieren bleiben ausserdem nur die beiden

letzten, griffelförmigen, einwurzeligen M übrig. Recent.

H. dugong Daub. Küsten des Indischen Oceans.

Rhytina Stelleri Cuv., zahnlos, aus der Behringsstrasse, wurde

bereits im vorigen Jahrhundert ausgerottet.

Manatus Rond. mit 8-10 mehrwurzeligen Backzähnen, alle von gleicher

Gestalt, mit je zwei dreihöckerigen Querjochen, lebt an den Küsten und

Flussmündungen des wärmeren Atlantischen Oceans und findet sich fossil

auch im Diluvium von Nordamerika.

b. Landsäugethiere.

Elemente der Paläontologie · 第 459 / 606 题