Die Beutelthiere sind unter den Säugern ausgezeichnet durch den höchst
unentwickelten Zustand, in welchem ihre Jungen zur Welt kommen, indem
dieselben die Entwicklung, welche die höheren Säuger im mütterlichen
Uterus mit Hülfe einer Placenta erreichen, erst nach der Geburt in
einem äusseren Beutel durchlaufen. Hirn klein und glatt. Gebiss sehr
verschiedenartig entwickelt, von carnivorem, insectivorem, herbivorem
oder rodentem Gepräge. Der dritte Backzahn ist der einzige Zahn, dem
ein Milchzahn vorhergeht, dahinter finden sich meist vier einander
ähnliche Backzähne von complicirterem Bau; diese letzteren werden
daher meist als Molaren bezeichnet, obwohl der erste derselben
vielleicht dem letzten Prämolar der Placentalia entspricht. J oft
mehr als drei vorhanden. Gaumenplatten fast stets durchbrochen (Fig.
858), Unterkiefer mit einwärts gebogenem Winkel. Nasenbeine lang,
Nasenöffnung klein und weit vorne; Augenrand hinten offen. Meist fünf
Zehen; Endphalangen oft gespalten; erste hintere Zehe oft opponirbar.
Am Carpus fehlt ein besonderes Centrale. Radius mehr oder weniger um
die Ulna beweglich. Claviculae meist vorhanden. Femur ohne dritten
Trochanter. Hinterfüsse öfter auf Kosten der Vorderfüsse verlängert,
und die vierte Hinterzehe auf Kosten der übrigen Zehen, unter denen die
zweite und dritte nebst ihren Metatarsen ausserordentlich dünn werden
und äusserlich vereinigt sein können (syndactyl).
Beutelthiere finden sich gegenwärtig in grosser Formenmannigfaltigkeit
in der australischen Region entwickelt, wo sie fast ausschliesslich
die Klasse der Säuger vertreten; diesen schliessen sich eine Anzahl
fossiler Formen an, die aus jüngeren (? diluvialen) Ablagerungen von
Australien stammen; viele dieser ausgestorbenen Formen zeichneten sich
durch riesige Körpergrösse vor ihren lebenden Verwandten aus. Lebend
ist sonst nur noch in Amerika eine Gruppe von Beutelthieren entwickelt,
die Didelphidae; diesen nahestehende Formen finden sich fossil auch im
Oligocän und Miocän von Europa und Nordamerika.
Ob einige der Secundärsäugethiere zu den Marsupialia gerechnet
werden dürfen, wird erst eine bessere Kenntniss von deren Skeletbau
entscheiden können.
I. Wenigstens 4/3 kleine J; M trigonodont; C wohlentwickelt.
1. Ordnung Polyprotodontia.
1. Zahnformel (5 · 1 · 3 · 4)/(4 · 1 · 3 · 4).
1. Fam. Didelphidae.
2. Zahnformel (4 · 1 · 3(2) · 4)/(3 · 1 · 3(2) · 4)
2. Fam. Dasyuridae.
3. Zahnformel (4 · 1 · 3 · 6)/(3 · 1 · 3 · 6).
3. Fam. Myrmecobiidae.
II. Der erste untere J stark vergrössert, meist auch der erste obere; C
meist rudimentär oder fehlend.
2. Ordnung Diprotodontia.
A. Vier tetragonodonte M.
1. M prismatisch oder mit zwei Querjochen.
a. Hinterfüsse verlängert, oben drei J.
1. Fam. Macropodidae.
b. Hinterfüsse nicht verlängert, oben drei J.
2. Fam. Diprotodontidae.
c. Hinterfüsse nicht verlängert, oben nur ein J. M
prismatisch.
3. Fam. Phascolomyidae.
2. M bunodont bis selenodont, brachyodont.
4. Fam. Phalangistidae.
B. M rudimentär, der letzte P zu einer sehr langen Schneide
entwickelt.
5. Fam. Thylacoleontidae.