2. Unterklasse Marsupialia.

Die Beutelthiere sind unter den Säugern ausgezeichnet durch den höchst

unentwickelten Zustand, in welchem ihre Jungen zur Welt kommen, indem

dieselben die Entwicklung, welche die höheren Säuger im mütterlichen

Uterus mit Hülfe einer Placenta erreichen, erst nach der Geburt in

einem äusseren Beutel durchlaufen. Hirn klein und glatt. Gebiss sehr

verschiedenartig entwickelt, von carnivorem, insectivorem, herbivorem

oder rodentem Gepräge. Der dritte Backzahn ist der einzige Zahn, dem

ein Milchzahn vorhergeht, dahinter finden sich meist vier einander

ähnliche Backzähne von complicirterem Bau; diese letzteren werden

daher meist als Molaren bezeichnet, obwohl der erste derselben

vielleicht dem letzten Prämolar der Placentalia entspricht. J oft

mehr als drei vorhanden. Gaumenplatten fast stets durchbrochen (Fig.

858), Unterkiefer mit einwärts gebogenem Winkel. Nasenbeine lang,

Nasenöffnung klein und weit vorne; Augenrand hinten offen. Meist fünf

Zehen; Endphalangen oft gespalten; erste hintere Zehe oft opponirbar.

Am Carpus fehlt ein besonderes Centrale. Radius mehr oder weniger um

die Ulna beweglich. Claviculae meist vorhanden. Femur ohne dritten

Trochanter. Hinterfüsse öfter auf Kosten der Vorderfüsse verlängert,

und die vierte Hinterzehe auf Kosten der übrigen Zehen, unter denen die

zweite und dritte nebst ihren Metatarsen ausserordentlich dünn werden

und äusserlich vereinigt sein können (syndactyl).

Beutelthiere finden sich gegenwärtig in grosser Formenmannigfaltigkeit

in der australischen Region entwickelt, wo sie fast ausschliesslich

die Klasse der Säuger vertreten; diesen schliessen sich eine Anzahl

fossiler Formen an, die aus jüngeren (? diluvialen) Ablagerungen von

Australien stammen; viele dieser ausgestorbenen Formen zeichneten sich

durch riesige Körpergrösse vor ihren lebenden Verwandten aus. Lebend

ist sonst nur noch in Amerika eine Gruppe von Beutelthieren entwickelt,

die Didelphidae; diesen nahestehende Formen finden sich fossil auch im

Oligocän und Miocän von Europa und Nordamerika.

Ob einige der Secundärsäugethiere zu den Marsupialia gerechnet

werden dürfen, wird erst eine bessere Kenntniss von deren Skeletbau

entscheiden können.

I. Wenigstens 4/3 kleine J; M trigonodont; C wohlentwickelt.

1. Ordnung Polyprotodontia.

1. Zahnformel (5 · 1 · 3 · 4)/(4 · 1 · 3 · 4).

1. Fam. Didelphidae.

2. Zahnformel (4 · 1 · 3(2) · 4)/(3 · 1 · 3(2) · 4)

2. Fam. Dasyuridae.

3. Zahnformel (4 · 1 · 3 · 6)/(3 · 1 · 3 · 6).

3. Fam. Myrmecobiidae.

II. Der erste untere J stark vergrössert, meist auch der erste obere; C

meist rudimentär oder fehlend.

2. Ordnung Diprotodontia.

A. Vier tetragonodonte M.

1. M prismatisch oder mit zwei Querjochen.

a. Hinterfüsse verlängert, oben drei J.

1. Fam. Macropodidae.

b. Hinterfüsse nicht verlängert, oben drei J.

2. Fam. Diprotodontidae.

c. Hinterfüsse nicht verlängert, oben nur ein J. M

prismatisch.

3. Fam. Phascolomyidae.

2. M bunodont bis selenodont, brachyodont.

4. Fam. Phalangistidae.

B. M rudimentär, der letzte P zu einer sehr langen Schneide

entwickelt.

5. Fam. Thylacoleontidae.

Elemente der Paläontologie · 第 441 / 606 题