Die Flugsaurier (Fig. 796) sind mesozoische Reptilien, deren vordere
Gliedmassen unter gewaltiger Entwickelung des fünften Fingers zu
Flugorganen umgebildet sind, und die infolge ähnlicher Lebensweise
mancherlei Analogien mit echten Vögeln zeigen, ohne deshalb eine
innigere Verwandtschaft mit denselben zu verrathen (Ornithosauria).
Ihre Abstammung ist noch ganz dunkel; sie treten zuerst im Jura auf und
erlöschen in der Kreide.
Die Knochen sind lufthaltig. Wirbel procöl, vollkommen verknöchert;
Hals lang, aus verhältnissmässig wenigen, aber sehr grossen Wirbeln
zusammengesetzt. Sacrum aus 3-6 Wirbeln verwachsen. Die vorderen Rippen
zweiköpfig, mit einem breiten Sternum (Fig. 797 B) in Verbindung, das
einen wohlentwickelten Kiel besitzt; Halsrippen manchmal vorhanden.
Kopf auffallend gross. Der Hinterkopf vogelähnlich gewölbt und die
Nähte früh verwachsen; Hinterhauptsgelenk kugelig, an der Schädelbasis.
Kiefer sehr lang, die stark entwickelten Zwischenkiefer und die dünnen
Unterkieferäste verwachsen. Die beiden seitlichen Schläfenbögen und
Schläfengruben vorhanden; Quadratum unbeweglich. Foramen parietale
fehlt. Augenhöhlen sehr weit, mit grossem Scleroticalring (Fig. 798);
zwischen ihnen und den grossen, weit hinten gelegenen Nasenhöhlen (N)
findet sich noch eine Thränenhöhle (L).
[Illustration: Fig. 796. Pterodactylus spectabilis H. v. M.
Lithographischer Schiefer von Solnhofen. Skelet von der Bauchseite. A
= Augenhöhle; L = Thränenhöhle; N = Nasenhöhle; b = Bauchrippen; c =
Carpus; co = Coracoid; h = Humerus; il = Ileum; mc = Metacarpus; p =
Pubis; sc = Scapula; st = Sternum; I-V = 1.-5. Finger bez. Zehe (an der
Hand: I = Spannknochen).]
Am Schultergürtel (Fig. 796) fehlt Clavicula und Episternum; Scapula
(sc) dünn und säbelförmig, Coracoid (co) schmal und lang. Der kräftige
Humerus (h) ohne Foramen, Radius und Ulna gleich lang und getrennt.
Den wenigen Carpalknochen (c) folgen vier dicht an einander gelegte,
aber nicht verwachsene Metacarpalia (mc); der sogenannte Spannknochen
(I) ist vielleicht das Rudiment eines ersten Metacarpale. Die vier
Finger besassen 2, 3, 4, 4 Phalangen, die drei ersten Finger sind sehr
kurz und trugen starke Krallen; der äusserste (fünfte) Finger ist
krallenlos, seine vier Phalangen dick und ausserordentlich verlängert;
dieser Finger trug eine Flughaut, die wie bei Fledermäusen bis zu den
Hinterfüssen gespannt war. Beckenknochen nicht mit einander verwachsen,
Ileum (il) wie bei Vögeln nach vorn und hinten vom Hüftgelenk
verlängert. Ober- und Unterschenkel ziemlich lang, Fibula mit der
Tibia verwachsen. Am Hinterfusse sind die vier ersten Zehen dünn, aber
wohlentwickelt und bekrallt, mit 2, 3, 4, 5 Phalangen, die fünfte Zehe
(V) ist krallenlos mit zwei Phalangen, oder rudimentär. Bauchrippen (b)
sind wohlentwickelt, ihre Anzahl übertrifft die der Rumpfwirbel nicht.
Die Haut scheint nackt gewesen zu sein.
Es lassen sich drei Familien unterscheiden:
Zähne in Alveolen; Schwanz sehr lang. 1. Fam. Rhamphorhynchidae.
Zähne in Alveolen; Schwanz rudimentär. 2. Fam. Pterodactylidae.
Zahnlos. 3. Fam. Pteranodontidae.