5. Ordnung Ichthyopterygia.

Diese merkwürdigen Fischsaurier ähnelten in Gestalt (Fig. 783)

und Lebensweise durchaus unseren heutigen Delphinen und Walen,

deren Rolle sie zur Secundärzeit vertraten. Es sind die am besten

an das Leben im Meere angepassten Reptilien, deren Abstammung von

Rhynchocephala-ähnlichen Landbewohnern viele Wahrscheinlichkeit

hat. Die vielen Analogien zwischen ihnen und den Meersäugethieren

(spindelförmige Körpergestalt, verlängerte Kiefer, grosser Kopf,

kurzer Hals, rudimentäre Gelenkfortsätze, flossenartige Gliedmassen,

rudimentäre hintere Gliedmassen, mächtiger Schwanz, zahlreiche kurze

Wirbel, nackte Haut) sind durch Anpassung an die gleiche Lebensweise zu

erklären. Die übrigen Charaktere sind meist die primitiver Sauropsiden,

ähnlich den Rhynchocephala.

[Illustration: Fig. 783. Ichthyosaurus quadriscissus Quenst.

Posidonienschiefer von Boll in Württemberg. Skelet eines sehr jungen

Individuums (Orig.). A Koprolith.]

Die zahlreichen Wirbel (Fig. 786) sind auffallend biconcav,

scheibenförmig (brettsteinförmig), viel höher als lang, mit den oberen

Bögen locker verbunden. Brustbein und Sacrum fehlen, daher sind nur

Rumpf- und Schwanzwirbel zu unterscheiden. Rumpfrippen zweiköpfig

(Fig. 787), Schwanzrippen einköpfig (Fig. 788). Die warzenartigen

Rippenträger (o u. u) liegen an den Seiten des Wirbelcentrums (k).

Am Schädel (Fig. 789) ist nur die obere Schläfenlücke (S) vorhanden,

während die untere von einem gesonderten Supratemporale (ts) überdacht

ist. Schnauze auffallend verlängert, oft zu einem dünnen Schnabel

ausgezogen, wesentlich vom Intermaxillare (im) gebildet, weshalb die

Nasenöffnungen (N) weit nach hinten liegen. Augenhöhle ausserordentlich

gross, mit mächtigem Scleroticalring (sc). Foramen parietale (F)

vorhanden; Quadratum (q) unbeweglich. Zähne meist in grosser Zahl

vorhanden, conisch, meist gefurcht (Fig. 790), in Alveolarrinnen

stehend (Fig. 784 -- holcodont); sie sind auf die Kieferränder

beschränkt. Unterkiefersymphyse oft sehr lang. Schultergürtel (Fig.

785 A) sehr kräftig entwickelt, aus Scapula (sc), grossem Coracoid

(co), Clavicula (cl) und T-förmigem Episternum (e) bestehend; ein

Sternum ist nicht vorhanden. Die vorderen Gliedmassen sind zu grossen

Flossen entwickelt, indem mit Ausnahme des Humerus (h) alle Knochen

zu rundlichen oder polyedrischen Platten ausgebildet sind, die ohne

Gelenkbildung zusammenstossend, unter beträchtlicher Vermehrung der

Phalangenzahl, mitunter auch der Fingerzahl, eine mosaikartige Fläche

darstellen. Finger ohne Krallen. Aehnlich, aber oft viel kleiner,

selbst rudimentär, sind die hinteren Gliedmassen (Fig. 785 B), die

an einem aus schwachen Knochenstäben gebildeten Becken (Fig. 785 C)

hängen, welches sich nicht mehr an Wirbeln befestigt. Am Vorderrande

der Gliedmassen sind oft mehrere Knochen gekerbt (Fig. 785 B).

Bauchrippen in grosser Anzahl, jede aus zahlreichen Theilen bestehend.

Haut nackt, nur der Vorderrand der Brustflossen mit einer Reihe von

Hornschuppen versehen.

[Illustration: Fig. 784. Ichthyosaurus tenuirostris Conyb. Unterkiefer

mit Zähnen.]

[Illustration: Fig. 785. A Ichthyosaurus intermedius Conyb.

Schultergürtel mit Vorderflosse. B I. multiscissus Quenst.,

Hinterflosse. C I. intermedius Conyb., Beckengürtel. cl = Clavicula;

co = Coracoid; e = Episternum; f = Femur; fi = Fibula; h = Humerus; il

= Ileum; is = Ischium; p = Pubis; r = Radius; sc = Scapula; t = Tibia

(gekerbt wie die äussere Reihe der übrigen Fussknochen); u = Ulna.]

[Illustration: Fig. 786. Zwei vordere Rumpfwirbel mit den oberen Bögen,

halb von hinten.]

[Illustration: Wirbel von Ichthyosaurus.

Elemente der Paläontologie · 第 379 / 606 题