4. Ordnung Testudinata.

Litteratur über Testudinata.

Cope, E. D. Tertiary Vertebrata I. Rep. United St. Geol. Surv. Vol.

III. 1884.

Gray, J. E. Catalogue of Shield Reptiles in the Coll. of Brit. Mus.

1855 und Supplement 1870.

Maak, A. Palaeontographica XVIII. 1869.

Rütimeyer, L. Die fossilen Schildkröten von Solothurn. Neue Denkschr.

d. Schweiz. Ges. f. Naturw. XXV. 1873.

Strauch, A. Chelonologische Studien. 1862, und Vertheilung der

Schildkröten über den Erdball. 1865. Mém. de l’Acad. de St.

Pétersbourg. T. V. u. VIII.

Schildkröten sind Reptilien, die von einem starren knöchernen Bauch-

und meist auch Rückenschilde bedeckt sind.

Das Rückenschild (Carapax) ist von den plattenförmig verbreiterten und

durch Nähte unbeweglich mit einander verbundenen oberen Dornfortsätzen

und Rippen hergestellt, zu denen noch dermale Platten treten können.

Es finden sich daran (Fig. 776) eine mittlere Reihe von meist 8

unpaaren Neuralplatten (n₁-n₈), die den oberen Dornfortsätzen der

Rückenwirbel entsprechen. An sie schliessen sich zu beiden Seiten die

aus den Rippen entstandenen paarigen Costalplatten (c₁-c₈). Meist

ist das Rückenschild von einem Kranze von Hautverknöcherungen, den

Marginal- oder Randplatten (m₁-m₁₁) umgeben, unter denen die vordere

mediane als Nuchal- oder Nackenplatte (nu), die hintere als Pygal-

oder Afterplatte (py) bezeichnet wird. Zwischen Pygal- und letzter

Neuralplatte können eine oder mehrere Supracaudalplatten (Fig. 781 sc)

auftreten.

Das Bauchschild oder Plastron (Fig. 777) besteht meist aus 9 dermalen

Knochenplatten, den vier paarig auftretenden Epi- (es), Hyo- (hs),

Hypo- (hp), Xiphiplastron (xs), und einem mittleren unpaaren

Entoplastron (em), das hinter den Epiplastron liegt[I]. Alle diese

Platten können mit einander durch Nähte innig und lückenlos verbunden

sein, oder es bleiben grössere oder kleinere Lücken (Fontanellen)

zwischen den einzelnen Platten (Fig. 776 u. 780). Bei vielen

Schildkröten finden sich solche Lücken nur in jugendlicherem Alter,

während sie beim erwachsenen Thiere sich schliessen; bei anderen Arten

sind sie das ganze Leben hindurch vorhanden.

[Illustration: Fig. 776. Eurysternum Wagleri H. v. M. Oberer Malm

von Solnhofen. Skelet von oben. c₁, c₄, c₈ = Costalplatten; hp =

Hypoplastron (Bauchschild); hs = Hyoplastron (Bauchschild); il = Ileum;

m₁, m₅, m₈, m₁₁ = Marginalplatten; n₁, n₄, n₈ = Neuralplatten; nu =

Nuchalplatte; py = Pygalplatte. Auf c₁, c₃, c₅, c₈ sind Eindrücke der

Hornschilder sichtbar.]

[Illustration: Fig. 777. Plesiochelys Etalloni Pict. Oberer Malm von

St. Claude (Schweiz). Bauchschild von aussen mit kleiner mittlerer

Fontanelle. em = Entoplastron; es = Epiplastron; hs = Hyoplastron; hp

= Hypoplastron; xs = Xiphiplastron; m = Marginalplatten. Die gezähnten

Linien sind Nähte zwischen den Platten, die einfachen Linien sind

Schilderfurchen auf den Panzerplatten.]

Zur Verbindung des Bauch- und Rückenschildes mit einander schickt das

Hyoplastron und Hypoplastron Fortsätze (Flügel) aus, die entweder

mit fingerförmigen Enden (Fig. 778 hs u. i) sich nur locker an das

Rückenschild legen, oder kräftige senkrecht aufsteigende Axillar-

und Inguinalpfeiler bilden, welche durch Ligament fester mit den

Marginal- und selbst Costalplatten verbunden sind; die ursprüngliche

Fontanelle zwischen beiden Flügeln kann verschwinden, manchmal unter

Bildung eines besonderen »Mesoplastron« (Fig. 782 ms). So entsteht

eine zusammenhängende Plastronbrücke, die zuletzt unter inniger

Nahtverbindung das Bauchschild unbeweglich mit dem Rückenschilde

vereinigen kann (Fig. 782).

[Illustration: Fig. 778. Idiochelys Fitzingeri H. v. M. Malm von Cirin

bei Lyon. Panzer von unten. a = Abdominalschild; c = Caudalschild; co

= nichtverbreitertes Rippenende der Costalplatten; f = Femoralschild;

g = Gularschild; h = Humeralschild; hs = Hyoplastronflügel; i =

Inguinalschild auf dem Hypoplastronflügel; m₁-m₁₁ = Marginalplatten;

p = Pectoralschild. Die gezackten Linien sind Nähte, die geraden sind

Eindrücke der Hornschilder.]

Dieser ganze Panzer ist beim lebenden Thiere selten mit weicher

Haut, meist mit Hornschildern bedeckt, welch letztere in ihrer

Umgrenzung durchaus nicht den Knochenplatten entsprechen. Die

Ränder der Hornschilder sind auf den Panzerplatten durch Furchen

angedeutet; man unterscheidet auf dem Rückenschilde meist (Fig.

781) 5 mediane Centralschilder (cs₁-cs₅) und 4 Paare von seitlichen

Pleuralschildern (p₁-p₄), die von 24 oder 25 Marginalschildern

(ms) umgehen sind, darunter in der Mittellinie ein unpaares

Nuchalschild vorn und ein paariges oder unpaares Analschild hinten.

Auf dem Bauchschilde finden sich (Fig. 778) von vorn nach hinten

die paarigen Gular-(g), Humeral-(h), Pectoral-(p), Abdominal-(a),

Femoral-(f) und Caudalschilder(c), zu denen noch auf dem Brückentheile

Inframarginalschilder (Fig. 782), darunter ein vorderes Axillar- und

ein hinteres Inguinalschild (Fig. 778 i), treten können, ausserdem vorn

ein medianes Intergularschild (Fig. 782 ig).

Alle Schildkröten besitzen 8 Halswirbel, 10 Rumpfwirbel, deren erster

und meist auch letzter nicht an der Bildung des Rückenpanzers Theil

nehmen, 2 Sacralwirbel und einen ziemlich kurzen Schwanz.

Neurocentrale Naht meist vorhanden. Hals- und Schwanzwirbel sehr

beweglich, amphicöl, procöl, opisthocöl und selbst biconvex. Die durch

Nähte von den Wirbeln getrennten Rumpf- und Sacralrippen sind

einköpfig und liegen meist intervertebral; am Halse sind sie ganz

rudimentär. Bei vielen Schildkröten findet sich noch ein

vollständiger, aber nicht skulptirter Kopfpanzer; bei anderen Formen

sind Schläfenlücken in der mannigfaltigsten Weise ausgebildet.

Das Hinterhauptsgelenk ist in Folge sehr starker Betheiligung der

Exoccipitalia dreitheilig. Quadratum unbeweglich; Foramen parietale

fehlt; Unterkieferäste mit einander verwachsen. Kiefer zahnlos und

von einer Hornscheide bedeckt. Schulter- und Beckengürtel liegen

innerhalb des Panzers (beim Embryo liegen sie noch vor und hinter den

zu Costalplatten werdenden Rippen). Scapula und Coracoid sind durch

Naht getrennt, die Scapula hat (wie Plesiosaurus) einen ventralen

Fortsatz nach vorn (Präcoracoid, oft als Clavicula bezeichnet). Von

den Beckenknochen schliessen die etwas plattenförmigen Scham- und

Sitzbeine oft ein Foramen obturatorium ein; bei den Pleurodira

können sie mit dem Bauchschild, das Darmbein mit dem Rückenschild

verschmelzen. Phalangenzahl sehr verschieden, Extremitäten als

Gehfüsse, Schwimmfüsse oder Flossen ausgebildet.

Fossil finden sich Schildkröten in grösserer Anzahl erst seit dem

oberen Jura, zwei verschiedene Formen auch schon im oberen Keuper;

häufig sind sie in der Kreide und im Tertiär, und noch jetzt in allen

Erdtheilen so wie in den tropischen Meeren verbreitet.

Die jurassischen Formen zeichnen sich in ihrer grossen Mehrheit aus

durch eine unvollständigere Entwickelung des Panzers, der grosse

Fontanellen zeigt oder nur ein schmales Bauchschild besitzt; unter den

jüngeren Formen überwiegen die mit vollständig entwickeltem Panzer

ohne Fontanellen weitaus.

Uebersicht der wichtigsten Familien fossiler Schildkröten:

A. Rippen (Costalplatten) von einander vollständig getrennt, keinen

Carapax bildend; Hautverknöcherungen über den Rippen.

1. Unterordnung Atheca.

Fam. Protostegidae.

B. Rippen mit einander durch Naht fest verbunden, einen Carapax bildend,

über dem keine Hautverknöcherungen liegen. Thecophora.

AA. Entoplastron quer bogenförmig, ohne medianen Fortsatz.

Panzerplatten mit grubiger Oberfläche (Fig. 779), von weicher

Haut bedeckt.

2. Unterordnung Trionychoidea.

Fam. Trionychidae.

BB. Entoplastron (selten fehlend) mit verlängertem medianem Theile,

meist rhomben-, <f>T</f>- oder kreuzförmig. Panzerplatten nicht

mit grubiger Oberfläche, von Hornschildern bedeckt.

I. Becken ohne Nahtverbindung mit dem Bauchschilde. Selten ein

Intergularschild. Kopf zurückziehbar in <f>S</f>-förmigem Bogen.

3. Unterordnung Cryptodira.

1. Keine festere Verbindung zwischen Bauch- und Rückenschild.

Plastronflügel mit geraden fingerförmigen Fortsätzen (Fig.

778). Dactyloplastra.

a. Phalangen mit Gelenken; alle Finger mit Krallen.

α. Bauchschild klein, kreuzförmig, ohne mittlere Fontanelle.

1. Fam. Chelydridae.

β. Bauchschild gross und breit, mit oder ohne mittlere

Fontanelle (Fig. 780).

2. Fam. Thalassemydae.

b. Phalangen der Vordergliedmassen ohne Gelenke, einige Finger

krallenlos (Flossen); Rücken- und Bauchschild mit grossen

Fontanellen.

3. Fam. Chelonidae.

2. Feste Ligament- oder Nahtverbindung zwischen Rücken- und

Bauchschild vermittelst der senkrecht vom Bauchschilde

aufsteigenden Axillar- und Inguinalpfeiler. Keine Fontanellen.

Clidoplastra.

a. Intergularschild vorhanden.

4. Fam. Platychelydae.

b. Intergularschild fehlt.

α. Finger mit 3 Phalangen; Schale flach.

5. Fam. Emydae.

β. Finger mit 2 Phalangen; Schale hoch gewölbt.

6. Fam. Testudinidae.

II. Becken mit Rücken- und Bauchschild verwachsen. Intergularschild

(Fig. 782) stets vorhanden. Kopf nicht zurückziehbar. Feste

Nahtverbindung zwischen Rücken- und Bauchschild.

4. Unterordnung Pleurodira.

1. Mesoplastron vorhanden, bis zur Mittellinie reichend (Fig.

782); Nuchalplatte fehlt.

1. Fam. Pleurosternidae.

2. Mesoplastron vorhanden, nicht bis zur Mittellinie reichend.

Nuchalplatte fehlt.

2. Fam. Pelomedusidae.

3. Mesoplastron fehlt (Fig. 777); Nuchalplatte vorhanden.

3. Fam. Plesiochelydae.

Elemente der Paläontologie · 第 365 / 606 题