1. Ordnung Stegocephala.

Litteratur über Stegocephala.

Cope, E. D. American Naturalist. 1884.

Credner, H. Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauen’schen

Grundes bei Dresden. (Zeitschr. d. d. geol. Gesellsch. 1881-86.)

Fritsch, A. Fauna der Kalksteine und der Gaskohle der Permformation

Böhmens. 1883-85.

Geinitz und Deichmüller. Die Saurier der unteren Dyas von Sachsen.

Palaeontogr. XXIX. 1882.

Meyer, H. v. Reptilien aus der Steinkohlenformation in Deutschland.

Palaeontogr. VI. 1857.

Zittel, K. Handbuch der Paläontologie. III. Bd. 2. Lief. München u.

Leipzig 1888.

Der Schädel der Stegocephala (Fig. 741 u. 752) bildet ein nach oben und

den Seiten vollständig geschlossenes, nur aus Deckknochen bestehendes

Dach, das ausser den Augen- und Nasenöffnungen (A u. N) sowie dem

stets vorhandenen Scheitelloch (P) nur ganz ausnahmsweise noch weitere

Lücken zeigt. Von Deckknochen des Schädels, die den übrigen Amphibien

fehlen, finden sich wie bei vielen Fischen und Reptilien (Fig. 741):

Postorbitale (o.p) und Supratemporale (ts), ferner das sogenannte

Epioticum (e) und Supraoccipitale (o.s)[H], ausserdem fast stets

ein Scleroticalring (sc). Knorpelknochen fehlen am Schädel vieler

Stegocephalen noch ganz (Fig. 744). Bei anderen sind die Exoccipitalia

mit den Hinterhauptsgelenken (Fig. 756 co), das kleine Quadratum (q)

und das Articulare verknöchert.

[Illustration: Fig. 741. Branchiosaurus amblystomus Credn.

Rothliegendes des Plauenschen Grundes bei Dresden. Schädel von oben.

A = Augenhöhle; N = Nasenhöhle; P = Scheitelloch; e = Epioticum; f =

Frontale; fa = Praefrontale; fp = Postfrontale; im = Intermaxillare;

j = Jugale; m = Maxillare; n = Nasale; op = Postorbitale; os

= Supraoccipitale (Interparietale?); p = Parietale mit dem

Scheitelloch (P); qj = Quadratojugale (von oben kaum sichtbar); sc =

Scleroticalring; sq = Squamosum; ts = Supratemporale.]

Sämmtliche präsacrale Wirbel, meist auch einige Schwanzwirbel,

tragen Rippen (Fig. 743). Eine Hals- und Lendenregion ist nicht zu

unterscheiden.

Die Rippen sind oft deutlich zweiköpfig (Fig. 748), wenn ihre Enden

gut verknöchert sind, im anderen Falle stellen sie dünne hohle Röhren

vor. Die Wirbel sind äusserst verschiedenartig ausgebildet, bei einigen

Gruppen nimmt das Intercentrum noch einen beträchtlichen Antheil an

ihrer Bildung (Fig. 751 u. 754). Chorda stets persistirend.

Am Schultergürtel sind zu unterscheiden (Fig. 742 u. 746): eine

mittlere Thoracalplatte (th.m) und zwei dieselbe theilweise bedeckende

seitliche Thoracalplatten (th.l); letztere sind geknickt oder stark

gebogen. Diese drei oberflächlich gelegenen, für die Stegocephalen

ausserordentlich charakteristischen Hautknochen dürften als Episternum

und Claviculae der übrigen Quadrupeda aufzufassen sein (vgl. Fig. 735).

An die seitlichen Thoracalplatten legen sich dünne spangenförmige,

am distalen Ende oft verbreiterte Knochen an (s), die möglicherweise

die Scapulae darstellen; als Coracoide (co) wären dann zwei runde

oder halbmondförmige Knochenplatten zu deuten. Ein knöchernes Sternum

existirte nicht. Am Becken (Fig. 742 u. 757) stellt das Ischium (is)

meist eine ausgedehnte Knochenplatte dar; das Pubis (p) findet sich

nicht immer verknöchert; das Ileum (il) ist wohl entwickelt, sein

sacrales Ende oft stark verbreitert; es wird von sehr kräftigen

Sacralrippen (sr) getragen. An den meist fünfzehigen Extremitäten ist

nicht selten Carpus und Tarsus noch nicht verknöchert.

Der Bauch ist fast stets durch einen äusseren Bauchpanzer geschützt

(Fig. 742 b), der aus dicken, oft spindelförmigen und in zahlreiche

schiefe Reihen angeordneten Schüppchen besteht (Fig. 749 B), und den

sogenannten »Bauchrippen« vieler Reptilien entspricht. Dünne rundliche

verknöcherte Schuppen bedecken oft auch den übrigen Körper (Fig. 742

sch, 748).

Die oberflächlich liegenden Schädelknochen und Thoracalplatten sind

meist mehr oder weniger reich skulptirt und schmelzartig glänzend

(Ganocephala). Auf der Oberfläche des Schädels finden sich manchmal

glatte Rinnen, in ihrer Gesammtheit Lyra (Fig. 756 l) genannt; sie sind

als sog. Schleimkanäle anzusehen. Die Zähne sind spitz, kegelförmig,

oft mit grosser Pulpahöhle (Fig. 744 A); das Dentin ist manchmal mehr

oder weniger stark gefältelt, indem die Pulpa radiale Ausstülpungen

zeigen kann, die einfach sind (Fig. 742 C) oder mäandrisch gewunden

(Fig. 755); ihnen entsprechen von aussen in das Dentin eindringende

Falten, in welchen sich Cement ablagert; solche Zähne erscheinen

äusserlich gefurcht (Fig. 742 B); die Falten sind an der Basis des

Zahnes am complicirtesten ausgebildet und verschwinden allmählich gegen

die Spitze.

[Illustration: Fig. 742. Archegosaurus Decheni Gf. Sphärosiderite

des unteren Perms (Lebacher Schichten). Lebach bei Saarbrücken. A

Ansicht eines der vollständigsten Exemplare, die bekannt sind, von der

Bauchseite. b = Bauchpanzer; c = Rippen (nur zum Theil eingezeichnet);

co = Coracoid; f = Femur; fi = Fibula; h = Humerus; il = Ileum;

is = Ischium; r = Radius; s = Scapula; sch = Körperschuppen; sr =

Sacralrippen; t = Tibia; th.l = seitliche Thoracalplatten (Clavicula);

th.m = mittlere Thoracalplatte (Episternum); u = Ulna. B Fangzahn

(²⁄₁). C Querschnitt desselben in der Nähe der Basis.]

Die Stegocephala zeigen sehr viel innigere Beziehungen zu den

Sauropsida als irgend eine der übrigen Amphibienordnungen; manche

hierher gehörige Formen sind nur mit Schwierigkeit von Sauropsida

zu trennen; sie erscheinen in jeder Beziehung als die primitivsten

Formen unter den Quadrupeda; sie treten auch früher auf als die übrigen

Quadrupeda und sind auf die Steinkohlenformation, das Perm und die

Trias beschränkt; die Stegocephala dürften die Stammformen nicht nur

der übrigen Amphibia, sondern auch der Sauropsida enthalten.

Innerhalb der Stegocephalengruppe lässt sich eine fortschreitende

Entwickelung von den niederen Formen zu den höheren nicht verkennen.

Das Innenskelet verknöchert mehr und mehr: es bilden sich

Knorpelknochen am Schädel, das Wirbelcentrum verknöchert allmählich

vollständig und verwächst zuletzt mit den Bögen; es verknöchern die

Gelenkenden an den Rippen und Beinknochen, ebenso Pubis, sowie Carpus

und Tarsus; die Zähne erhalten Radiärfalten, die zuletzt auffallend

mäandrisch gewunden sind (Labyrinthstruktur).

Die Eintheilung der Stegocephala gründet sich auf den Wirbelbau. Es

lassen sich fünf Unterordnungen annehmen:

A. Intercentrum fehlt oder rudimentär (Microsauria).

a. Wirbelcentrum nicht oder nur in äusserst geringem Maasse

verknöchert; Chorda vertebral nicht eingeschnürt.

1. Unterordnung Branchiosauri.

b. Wirbelcentrum wohl verknöchert; Chorda vertebral eingeschnürt;

Wirbelkörper amphicöl, verlängert (Fig. 747).

2. Unterordnung Sauromorphi.

B. Intercentrum sehr wohl entwickelt (Ganocephala).

a. Intercentrum und Wirbelcentrum getrennt.

α. Statt eines Wirbelcentrums treten paarige Pleurocentra auf.

Wirbel rhachitom (Fig. 751).

3. Unterordnung Rhachitomi.

β. Wirbelcentrum und Intercentrum ringförmig verknöchert; Wirbel

embolomer (Fig. 754).

4. Unterordnung Embolomeri.

b. Intercentrum amphicöl, scheibenförmig. Kein gesondertes

Wirbelcentrum bekannt.

5. Unterordnung Labyrinthodontia.

Elemente der Paläontologie · 第 338 / 606 题