Zu dieser Ordnung gehört die grosse Mehrzahl der lebenden wie der
fossil bekannten Fische. Teleostomi finden sich schon im Devon in
grosser Mannigfaltigkeit. In vielen Punkten ihrer Organisation lässt
sich eine allmählich fortschreitende Entwicklung von den ältesten und
primitivsten Formen bis zu den jüngsten und höchststehenden erkennen.
Die anfangs knorpelige Wirbelsäule (mit wohlerhaltener Chorda und
noch ungegliederter Chordascheide wie bei Accipenser) geht durch eine
grosse Anzahl von Zwischenstufen (vgl. p. 517) allmählich in den
vollkommen verknöcherten Zustand über, und zwar zeigen diesen Zustand
die höchsten Formen aus ganz verschiedenen Gruppen der Teleostomi,
die ihn unabhängig von einander erreicht haben (Polypterus unter den
Crossopterygii, Lepidosteus unter den Euganoidei, viele Physostomi und
alle Physoclysti).
[Illustration: Fig. 677. Kopf von Dapedius aus dem Lias. an = Angulare;
br = Kiemenhautstrahlen; co = Circumorbitalia; d = Dentale; f =
Frontale; im = Intermaxillare; iop = Interoperculum; j = Jugularplatte;
m = Maxillare; n = Nasale; op = Operculum; p = Parietale; po =
Postorbitalia; pop = Praeoperculum; pt = Posttemporale; sop =
Suboperculum; sg = Squamosum; st = Supratemporalia.]
Das Primordialcranium nebst dem Visceralskelet ist ebenfalls
ursprünglich noch ganz knorpelig, doch stets von einer mehr oder minder
grossen Zahl von Deckknochen umgeben, die bei vielen älteren Formen
einen äusseren, fast vollständig geschlossenen Kopfpanzer (Fig. 677,
683) darstellen. Erst bei den höchststehenden Teleostomi findet sich
das Primordialcranium grösstentheils verknöchert, z. Th. unter inniger
Verwachsung mit Deckknochen, und eine geschlossene Knochenkapsel um das
Gehirn bildend; ein äusserer geschlossener Kopfpanzer ist bei solchen
Formen nur selten noch ausgebildet.
Auch das Visceralskelet verknöchert bei den höheren Teleostomi oder es
wird, wie ein Theil des Palatoquadratum und des Unterkiefers, durch
Deckknochen ersetzt. Das Hyomandibulare, dessen unterer Theil (als
Symplecticum) vom oberen abgegliedert ist, trägt den Unterkiefer.
Unter den Deckknochen des Schädels (Fig. 677) ist neben anderen (vgl.
p. 523) besonders der am Hyomandibulare befestigte und bewegliche
Kiemendeckel hervorzuheben, der aus dem Praeoperculum (pop) und
Operculum (op) besteht, zu denen noch ein Suboperculum (sop) und
Interoperculum (iop) treten kann. Das Zungenbein trügt fast immer
verlängerte knöcherne Seitenstrahlen, die Kiemenhautstrahlen
(Branchiostegalia Fig. 677 br); fehlen diese, so finden sich zwischen
den Unterkieferästen die Kehl- oder Jugularplatten (Fig. 677, 684
j), die selten auch neben Kiemenhautstrahlen vorhanden sind. Die
Opercularplatten selbst sind nur als die umgewandelten Kiemenstrahlen
des Hyomandibulare anzusehen.
Zähne können in der mannigfaltigsten Ausbildung auf allen den Mund oder
Schlund begrenzenden Knochen auftreten.
Der Schultergürtel (Fig. 678 B, C) der Teleostomi besteht zum grösseren
Theil aus Deckknochen [Secundärer Schultergürtel mit Clavicula (cl),
Supraclavicula (scl), oft auch Postclavicula (pcl) und Infraclavicula],
und ist meist durch ein besonderes Posttemporale (pt) mit dem Schädel
verbunden (vgl. Fig. 688); nur bei rudimentärer Brustflosse kann eine
Verbindung mit dem Schädel unterbleiben (Anguilliformes). Der primäre
Schultergürtel bleibt bei den niederen Formen knorpelig und verknöchert
bei den höheren zu zwei getrennten Stücken, dem Scapulare (sc) und
Coracoideum (co); er tritt aber gegen den secundären Schultergürtel
sehr zurück.
[Illustration: Fig. 678. Schultergürtel und Brustflosse von
A Heptanchus (Selachier), B Polypterus (Crossopterygier mit
quastenartiger Brustflosse) und C Salmo lacustris (Physostome mit
fächerartiger Brustflosse).
Primärer Schultergürtel: co = Coracoid; sc = Scapulare.
Secundärer Schultergürtel: cl = Clavicula; pcl = Postclavicula; scl =
Supraclavicula; pt = Posttemporale, zur Befestigung am Schädel.
Primäres Flossenskelet (= I): p = Propterygium; ms = Mesopterygium; mt
= Metapterygium; r = Radien.
Secundäres Flossenskelet (= II): fs = Flossenstrahlen; 1 = erster
Flossenstrahl.]
Das kleine Becken ist bei den höheren Formen verknöchert und
wahrscheinlich mit einem Theil des primären Bauchflossenskelets
verwachsen; es rückt bei vielen Physoclysti aus seiner ursprünglich
bauchständigen Lage weit nach vorn an die Brust (Fig. 719 v) oder
selbst an die Kehle, wobei es sich mit dem Schultergürtel in Verbindung
setzen kann.
Die äusseren paarigen Flossen besitzen bei den niederen Teleostomi
(Fig. 678 B) noch ein wohlentwickeltes, mit zahlreichen Radien (r)
versehenes primäres Flossenskelet (I), das die Flossenstrahlen (fs)
trägt [quastenförmige Flosse mit langer (Fig. 680) oder kurzer (Fig.
678 B) Achse bei den Crossopterygii]; bei den höheren Teleostomi
(Fig. 678 C) wird das primäre Flossenskelet (I) aber zu Gunsten des
secundären (II), aus den Flossenstrahlen (fs) bestehenden, immer
mehr zurückgebildet, bis letzteres fast allein die ganze Flosse
zusammensetzt (fächerförmige Flosse); wenigstens ein Flossenstrahl
(1) articulirt dann direkt mit dem Gliedmassengürtel; als Rest des
primären Skelets (Fig. 678 C I) finden sich bei den höheren Formen
am Schultergürtel nur noch wenige, höchstens 5 Knochenstücke (mt und
r), die alle direkt an den Schultergürtel stossen; an der Bauchflosse
dagegen gehen auch diese zuletzt verloren, so dass hier alle
Flossenstrahlen sich direkt an das Becken anlegen können.
Die ältesten Teleostomi sind alle diphycerk (Fig. 680) oder heterocerk
(Fig. 689); erst seit der Trias tritt die hemiheterocerke (Fig. 699)
Schwanzform auf, und die känozoischen Formen sind fast durchweg
homocerk (Fig. 708, 712).
[Illustration: Fig. 679. Flossenstrahlen. A, B Stachelstrahlen;
ungegliedert, hart. C weicher Flossenstrahl; gegliedert, einfach. D
ebenso; gegliedert und fächerförmig.]
Die paarigen und unpaaren Flossen der Teleostomi zeigen stets
gegliederte und meist auch fächerförmig getheilte Flossenstrahlen (Fig.
679 C, D); nur bei den höchsten Formen (Physoclysti) können dieselben
durch ungegliederte Stachelstrahlen (Fig. 679 A, B) in grösserer Anzahl
ersetzt werden (Fig. 719, 720). Die unpaaren Flossen stützen sich auf
stabförmige Flossenträger. Als Fulkren oder Schindeln (Fig. 699 f)
werden stachelförmige Schuppen bezeichnet, die paarig oder unpaar dem
Vorderrande der einzelnen Flossen aufsitzen können; sie finden sich nur
bei primitiveren Formen. Während die älteren Teleostomi fast sämmtlich
eine panzerähnliche Körperbedeckung aus dicken, schmelzüberzogenen
Ganoidschuppen trugen, zeigen die modernen Formen mit wenig Ausnahmen
dünne Cycloid- und Ctenoidschuppen.
Unter dem Namen »Ganoiden« werden gewöhnlich die Teleostomi zu einer
besonderen Gruppe unter den Fischen zusammengefasst, welche gewisse
primitive Charaktere aufweisen, nämlich eine nicht vollständig
verknöcherte Wirbelsäule oder nicht vollständig homocerken Schwanz,
Ganoidschuppen, Fulkren oder Jugularplatten, Merkmale, die von
primitiveren Charakteren der Sehnerven, des Herzens und des
Darmcanals[A] begleitet sein können, wie sie sich auch noch bei
Chondropterygii und Dipnoi finden. Den »Ganoiden«[B] werden die in
allen diesen Punkten moderneren Teleostomi unter dem Namen »Teleostei«
gegenübergestellt. Diese Trennung ist jedoch eine unnatürliche, da sie
nahe verwandte Formen auseinanderreisst, dagegen sehr heterogene Formen
zusammenfasst.
Unter den Teleostomi lassen sich die folgenden fünf Unterordnungen
annehmen.
A. Brustflossen quastenförmig, mit beschuppter Achse; primäres
Flossenskelet wohl entwickelt, mit zahlreichen Radien; keiner der
Flossenstrahlen erreicht den Schultergürtel (Fig. 678 B, 680).
Schwanzflosse diphycerk oder heterocerk.
1. Unterordnung Crossopterygii (p. 560).
B. Brustflossen fächerförmig, fast ganz aus den stark entwickelten
Flossenstrahlen bestehend; primäres Flossenskelet rudimentär mit sehr
wenig Radien, die sämmtlich den Schultergürtel erreichen; auch der
äusserste Flossenstrahl erreicht stets den Schultergürtel
(Fig. 678 C).
I. Schwanz heterocerk; die Schwanzwirbelsäule und die äussere
Beschuppung erstrecken sich fast bis zum Ende der Schwanzflosse
(Fig. 689).
2. Unterordnung Heterocerci (p. 563).
II. Schwanz hemiheterocerk bis homocerk; die Schwanzwirbelsäule und
ebenso die äussere Beschuppung erstrecken sich höchstens bis zum
Beginn der hinteren Hälfte der Schwanzflosse (Fig. 694, 720).
a. Schuppen schmelzbedeckt, rhombisch oder rhomboidisch, dick oder
mit verdickter Innenleiste (Ganoidschuppen -- Fig. 687, 699).
3. Unterordnung Euganoidei (p. 568).
b. Keine rhombischen Ganoidschuppen.
1. Cycloidschuppen (selten rhombisch, dann aber klein und dünn);
Bauchflossen bauchständig; höchstens ein Stachelstrahl in jeder
Flosse; Schwimmblase mit Ausführungsgang (Fig. 711).
4. Unterordnung Physostomi (p. 575).
2. Entweder sind Ctenoidschuppen vorhanden, oder die Bauchflossen
sind brust- oder kehlständig, oder es finden sich mehrere
Stachelstrahlen in einer Flosse; Schwimmblase ohne
Ausführungsgang (Fig. 720).
5. Unterordnung Physoclysti (p. 580).