2. Ordnung Selachii.

Die Wirbelsäule der Selachier (Plagiostomi oder Elasmobranchii) besitzt

bei den älteren Formen noch eine ungegliederte Chordascheide. Erst seit

dem Lias finden sich Formen mit biconcaven mehr oder weniger verkalkten

Wirbelkörpern (Fig. 662 B). Bei der Verkalkung der Wirbel entstehen

zunächst:

Cyclospondyli, bei denen der Querschnitt des Wirbels einen einfachen

Kalkring zeigt; von diesen sind abzuleiten:

Tectospondyli mit mehreren concentrischen Ringen;

Asterospondyli mit radienförmigen Kalkstrahlen (Fig. 662 A u. C).

[Illustration: Fig. 653. Scyllium canicula Cuv. Lebend. Schädel und

Visceralskelet von der Seite. N = Nasenregion, A = Augenregion, O =

Ohrregion des Primordialcraniums. br = Kiemenstrahlen des Hyoidbogens

(Kiemenhautstrahlen); hm = Hyomandibulare; hy = Hyoideum; k =

Kiemenstrahlen der Kiemenbögen; l = Lippenknorpel; md = Mandibula; pq

= Palatoquadratum; r = Rostrum; x = Ectobranchialia; 1-5 = erster bis

fünfter Kiemenbogen.]

Die oberen Wirbelbögen sind meist kümmerlich ausgebildet und

umschliessen nur das Rückenmark, ohne sich dorsalwärts zu verlängern;

ähnlich sind oft auch die unteren Bögen; Rippen sind meist rudimentär.

Schädel und Visceralskelet zeigen ein ursprüngliches Verhalten (Fig.

653; s. p. 521); nur bei primitiveren Formen (Notidanidae etc.)

articulirt das Palatoquadratum direct mit dem Cranium wie bei den

Proselachii. An den grossen paarigen Flossen (Fig. 654) ist das

primäre Flossenskelet (I) mächtig entwickelt; es zeigt mehrere, wohl

durch Verwachsung entstandene, grosse Basalplatten (Pro-, Meso- und

Metapterygium), welche, meist nur einseitig, zahlreiche Radien (r)

tragen (präaxial an den Brust-, postaxial an den Bauchflossen). Diesen

Radien sitzen die aus feinen Hornfäden bestehenden Flossenstrahlen

(Fig. 654 fs) auf. Die sehr kurzen (1 oder 2) Rückenflossen und die

Afterflosse werden von meist rudimentären, zusammengedrängten und oft

zu Platten verschmolzenen Flossenträgern gestützt. Vor den Rücken- und

Afterflossen stehen häufig kräftige Stacheln (Ichthyodoruliten). Der

Schwanz ist diphycerk bis heterocerk. Die 5 (selten 6-7) Kiemenspalten

sind unbedeckt. Der Körper trägt meist Placoidschuppen.

[Illustration: Fig. 654. Schultergürtel und Brustflosse von Heptanchus.

co + sc = Schultergürtel; fs = Flossenstrahlen; ms = Mesopterygium;

mt = Metapterygium; p = Propterygium; r = Radien; I = primäre, II =

secundäre (aus Hornfäden bestehende) Flosse.]

[Illustration: Fig. 655. Längsschnitt (schematisch) durch einen

Selachierzahn mit eigentlichem Dentin (D) und einfacher Pulpahöhle (P);

B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]

[Illustration: Fig. 656. Längsschnitt (schematisch) durch einen

Selachierzahn mit typischem Vasodentin (V, mit weiten anastomosirenden

Canälen). B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]

Zähne stehen in meist zahlreichen, regelmässigen Reihen auf dem

Palatoquadratum und Unterkiefer; es sind comprimirte, haken-,

pfeilspitzen-, sägeähnliche, Fangzähne oft mit schneidenden

Seitenrändern (Fig. 661 A-F, H, I), oder stumpfe Mahlzähne, die ein

Zahnpflaster (Fig. 660) bilden; die innersten Zähne jeder Reihe sind

die jüngsten, die äusseren die ältesten; indem die inneren Zähne

allmählich nach aussen rücken, ersetzen sie die ausfallenden älteren,

abgenutzten Zähne; die Wurzel, ursprünglich wie bei Placoidschuppen

eine breite Basalplatte bildend, wird meist stark comprimirt und

verlängert, einfach oder getheilt. Der feinere Bau der Zähne (ebenso

der Placoidschuppen) ist sehr charakteristisch für die einzelnen

Gattungen und Familien; er bleibt constant, während die äussere Gestalt

der einzelnen Zähne je nach ihrer Stellung im Gebiss sehr verschieden

sein kann. Häufig besteht der Zahn aus eigentlichem Dentin mit

einfacher Pulpahöhle (Fig. 655) oder aber aus Vasodentin mit weiten

Canälen statt oder neben der einfachen Pulpahöhle; das Vasodentin kann

grobe, vielfach mit einander anastomosirende Canäle zeigen (Fig. 656);

oder es findet sich nur ein baumförmig verzweigter Canal (Fig. 657);

oder (bei Mahlzähnen) es lassen sich zahlreiche, wenig verzweigte,

ungefähr parallel verlaufende, nicht anastomosirende Canäle (Fig. 658)

erkennen.

Die Selachier sind beinahe ausschliesslich Meeresbewohner; ihre

Reste, meist nur einzelne Zähne, Ichthyodoruliten und Wirbel, selten

vollständigere Exemplare, liegen fast in allen marinen Ablagerungen,

manchmal in ausserordentlicher Menge. Schon im obersten Silur und im

Devon finden sich Zähne und Ichthyodoruliten (Onchus), die zu Selachii

gehören können. Unzweifelhafte Selachii erscheinen erst im Carbon;

noch in der Gegenwart spielen sie eine nicht unbedeutende Rolle.

Die zahlreichen Familien werden auf die beiden Unterordnungen der

Squaloidei und Batoidei vertheilt, die sich allerdings fossil schwer

trennen lassen.

[Illustration: Fig. 657. Längsschnitt durch eine Placoidschuppe

von Scymnus lichia. B = Basalplatte; V = Vasodentin mit baumförmig

verästelten Canälen und kleiner Pulpahöhle (P); Vi = Vitrodentin.]

[Illustration: Fig. 658. Längsschnitt (schematisch) durch einen

polsterförmigen Mahlzahn eines Selachiers. Vasodentin mit ungefähr

parallel laufenden Canälen.]

Elemente der Paläontologie · 第 269 / 606 题