4. Die Zähne.

Zähne sind verkalkte Papillen der Mundschleimhaut, die zum Ergreifen

und Zerkleinern der Nahrung dienen. Wie sich bei Haien nachweisen

lässt, sind dieselben als umgebildete Placoidschuppen aufzufassen.

Zähne können bei Fischen auf sämmtlichen die Mund- und Kiemenhöhle

begrenzenden Skelettheilen in dichten Haufen auftreten; bei Amphibien

(Fig. 626) und Reptilien (Fig. 624) sind sie auf die Knochen der

Mundhöhle beschränkt, wo sie wenigstens an den Kieferrändern nie mehr

als eine Reihe bilden, trotzdem sie noch in bedeutender Zahl vorhanden

sein können; bei den Säugern (Fig. 625) finden sich Zähne nur noch in

einer Reihe, nur an den Kieferrändern und fast stets in beschränkter

Anzahl; sie verschwinden oft auch ganz.

[Illustration: Fig. 631. Längsschnitt durch einen Säugethierzahn mit

echtem Dentin, schematisch. C = Cement; D = Dentin; P = einfache

Pulpahöhle; S = Schmelz.]

[Illustration: Fig. 632. Schematischer Längsschnitt durch einen

Selachierzahn mit typischem Vasodentin (V, mit weiten Haversischen

Canälen). B = Wurzel; Vi = Vitrodentin.]

An den Zähnen ist der frei hervorragende Theil als Krone von der Wurzel

zu unterscheiden. Die Krone kann kegel- oder pfriemenförmig sein

und spitz enden (Fangzähne, einfach oder mehrspitzig) oder sie ist

schaufel- oder meiselförmig (Schneidezähne), oder verbreitert, polster-

oder plattenförmig (Mahlzähne, oft mit Leisten und Höckern versehen).

Die Wurzel kann einfach oder getheilt sein.

Die Hauptmasse des Zahnes besteht aus Dentinsubstanz (Zahnbein),

das die Pulpa umschliesst; letztere kann in einer einfachen grossen

Höhle (echtes Dentin -- Fig. 631), oder in einer Anzahl von weiten

(Haversischen) Canälen (Vasodentin -- Fig. 632) enthalten sein.

Die Krone ist gewöhnlich mit einer Schmelzschicht (Fig. 631 S --

Email) bedeckt; an der Wurzel kann sich mehr oder weniger reichliches

Knochengewebe (Fig. 631 C -- Cement, selten auch die Krone umgebend)

entwickeln. Das eigentliche Dentin (Fig. 631 D) ist sehr gleichmässig

und wird aus etwa parallel laufenden, sehr feinen Röhrchen gebildet.

Die Zähne können lose, nur durch Weichtheile befestigt, den sie

tragenden Skelettheilen aufsitzen; mitunter stehen sie in einer

gemeinschaftlichen Rinne (holcodont), oder jeder Zahn steckt in einer

besonderen Vertiefung, der Alveole (thecodont); die Zähne können aber

auch mehr oder weniger fest mit dem sie tragenden Knochen verwachsen

sein (acrodont; pleurodont heissen seitlich festgewachsene Zähne).

Zahnwechsel kann das ganze Leben hindurch stattfinden (polyphyodont);

die neuen Zähne entstehen dabei unter oder neben den alten; doch können

auch die einmal entstandenen Zähne das ganze Leben hindurch ausdauern,

ohne Zahnwechsel (monophyodont). Zähne mit grosser Pulpahöhle, in der

oft der Ersatzzahn sich entwickelt, heissen cölodont, ohne solche sind

sie pleodont. Sind die Zähne in einem Gebiss einander ähnlich, so ist

dasselbe isodont, sind sie sehr verschieden von einander, anisodont.

* * * * *

Die Wirbelthiere lassen sich in sechs Klassen eintheilen:

A. Ohne paarige Gliedmassen.

a. Leptocardii, mit Chorda, doch ohne weitere feste Skeletbildung,

ohne Schädel und Gehirn.

1. Klasse: Leptocardii.

b. Cyclostomi, mit Chorda und Knorpelskelet, mit Schädel und

kieferlosem Saugmund.

2. Klasse: Cyclostomi.

B. Mit paarigen (selten rudimentären) Gliedmassen, mit Schädel und

Unterkiefer.

a. Pisces; paarige Gliedmassen sind als Flossen ausgebildet und

mit Flossenstrahlen versehen; ohne Sacralwirbel (p. 529).

3. Klasse: Pisces.

b. Quadrupeda; paarige Gliedmassen sind als fünfzehige Beine

ausgebildet oder auf solche zurückzuführen; ohne

Flossenstrahlen; mit Sacralwirbeln (p. 587).

α. Hinterhauptsgelenk doppelt; Parasphenoid gross; ein

Sacralwirbel.

4. Klasse: Amphibia.

β. Hinterhauptsgelenk einfach; Parasphenoid fehlt oder

rudimentär; zwei oder mehr Sacralwirbel.

5. Klasse: Sauropsida.

γ. Hinterhauptsgelenk doppelt; Parasphenoid fehlt; zwei oder

mehr Sacralwirbel.

6. Klasse: Mammalia.

Die beiden ersten Klassen sind nur lebend bekannt, während die vier

übrigen auch fossil von grösster Wichtigkeit sind.

Die Amphibien müssen in vielfacher Hinsicht als Uebergangsformen

zwischen den Fischen und den höheren Wirbelthieren (Sauropsida und

Mammalia) angesehen werden. Obwohl die nahen, besonders auch in der

Entwicklungsgeschichte ausgesprochenen Beziehungen, welche die Amphibia

mit den Pisces verbinden (Ichthyopsida), durchaus nicht verkannt werden

dürfen, scheint es doch gerechtfertigt, die Amphibia mit den Sauropsida

und Mammalia als eine zusammengehörige Gruppe, Quadrupeda (p. 587),

zu betrachten, deren Athmungs- und Bewegungsorgane dem Leben auf dem

festen Lande angepasst sind, und sie den Pisces (p. 529) gegenüber zu

stellen, deren Athmungs- und Bewegungsorgane sie als reine Wasserthiere

kennzeichnen.

Folgende Uebersicht enthält die wichtigsten osteologischen Unterschiede

zwischen diesen beiden Wirbelthiergruppen:

Pisces. Quadrupeda.

Das Intercentrum nimmt einen Das Intercentrum betheiligt sich gar

beträchtlichen Antheil am Aufbau nicht oder in ganz unbedeutender

aller Wirbelkörper (Fig. 611 u. Weise am Aufbau der Wirbelkörper

620). (Fig. 615, 621, 622) (einige

Stegocephalen ausgenommen).

Die Rippen nehmen grösstentheils Die Rippen (oft Doppelrippen) nehmen

ihre Entstehung von den unteren meist ihre Entstehung von den oberen

Bögen (Fig. 620). Bögen (Fig. 621 u. 622).

Kein Sternum. Meist ein Sternum (Fig. 621 u. 622).

Erster Wirbel nicht wesentlich von Erster Wirbel (Atlas) meist viel

den folgenden verschieden. einfacher als die folgenden.

Keine Sacralwirbel. Sacralwirbel vorhanden (Fig. 628;

ausgenommen einige Formen mit

rückgebildeten Hintergliedmassen).

Untere Dornfortsätze meist gegen Dornfortsätze verschwinden stets

das Schwanzende vergrössert. gegen das Ende der Wirbelsäule.

Schädel meist unbeweglich mit der Schädel stets durch einen oder zwei

Wirbelsäule verbunden. Gelenkköpfe beweglich mit der

Wirbelsäule verbunden.

Sind Deckknochen entwickelt, so Kein knöcherner Kiemendeckel.

findet sich stets ein knöcherner

Kiemendeckel (Fig. 644 k).

Kiemenbögen stets wohlentwickelt Kiemenbögen bei Erwachsenen

(mindestens drei). rudimentär (höchstens drei) oder

fehlend.

Becken sehr klein (Fig. 645). Becken wohlentwickelt (Fig. 628; in

manchen Fällen rückgebildet).

Paarige Gliedmassen sind mit Paarige Gliedmassen sind

Flossenstrahlen versehene Flossen pentadactyle Beine ohne

(Fig. 629). Flossenstrahlen (Fig. 630), oder von

solchen abzuleiten.

Unpaare Flossen stets vorhanden, Unpaare Flossen selten vorhanden,

mit Flossenstrahlen und nie mit Flossenstrahlen oder

Flossenträgern versehen (Fig. 643, Flossenträgern versehen.

645).

Pisces finden sich schon im obersten Silur und sind von da an in allen

Formationen reich vertreten. Amphibia erscheinen zuerst im Carbon,

ihre Blüthezeit erreichen sie im Perm, sind auch noch in der Trias

vorhanden; im Jura und in der Kreide fehlen sie fast ganz, erscheinen

wieder im Tertiär und sind in der Gegenwart wohl vertreten. Die ersten

Sauropsida kommen im Perm vor; während der ganzen Secundärzeit sind sie

die herrschenden Landwirbelthiere, aber nur einzelne Gruppen überleben

die Kreidezeit, besonders die Vögel, um ihre Blüthezeit im Tertiär und

in der Gegenwart zu erreichen. Die jüngste und höchstentwickelte Klasse

ist die der Mammalia, deren älteste Vertreter aus der oberen Trias

stammen, die aber erst seit Beginn des Tertiär eine hervorragende Rolle

spielen und von da an die wichtigsten Landwirbelthiere darstellen.

Elemente der Paläontologie · 第 261 / 606 题