2. Unterfam. Belemnitinae.

Wenn auch vollständige Uebergangsreihen noch nicht bekannt sind,

so kann es doch nicht zweifelhaft sein, dass die Belemniten aus

den Aulacoceratinen hervorgegangen sind. Sie erscheinen zum ersten

Male im unteren Lias und verschwinden fast ganz mit dem Ende

der Kreideformation. Vereinzelte, durch starke Schalenreduction

ausgezeichnete Formen kennt man aus dem älteren Tertiär.

Die meist allein erhaltene Scheide (Fig. 553 r) ist von keulen- oder

fingerförmiger Gestalt; sie besteht zumeist aus compacter, strahliger,

selten z. Th. schwammiger, durch Bitumen schwach braun gefärbter

Calcitmasse. Die Krystalle stehen senkrecht und radial zu einer

scharf markirten Linie (ap) -- Scheitel oder Apicallinie --, welche

am hinteren Ende des Phragmokons beginnt und die Scheide bis zur

hinteren Spitze durchzieht. Dieselbe liegt stets etwas excentrisch und

zwar der Bauchseite genähert. Die Oberfläche desselben ist glatt oder

mit Furchen oder verzweigten Gefässeindrücken versehen. Man hat zu

unterscheiden:

a. Furchen der Mittelebene. Dieselben sind am vorderen oder

Alveolar-Ende am tiefsten und verflachen sich nach hinten hin. Die

Furche liegt entweder nur auf der Bauchseite (Gastrocoeli -- Fig. 556

B, C) oder nur auf der Rückenseite (Notocoeli -- Fig. 559), sehr

selten beiderseits gleichzeitig. Eine auf die Spitze der Scheide

beschränkte Bauchfurche ist nicht selten (Subquadrati).

b. Seitliche Furchen, meist viel weniger ausgeprägt, finden sich häufig;

sie liegen stets der Rückenseite genähert -- Dorsolateralfurchen (Fig.

555 f). Bald sind sie auf die Spitze beschränkt (Spitzenfurchen --

Fig. 554 Af), bald beginnen sie am Vorderrande und enden nach hinten

schwächer (Seitenfurchen -- Fig. 555 f).

[Illustration: Fig. 553. Ergänzte Belemnitenschale gegen den Rücken

gesehen (der untere Theil bis zur Mitte aufgeschnitten gedacht). r

= Rostrum; ap = Apicallinie; p = Phragmokon; s = die (hier nicht

procöl gezeichneten) Scheidewände desselben; e = Embryonalblase; po =

Proostracum; r = Rückenlinie; b = die bogenförmig convexe Streifung

des Rückenfeldes; a = Asymptotenlinie; h = Hyperbolarstreifen; w = das

hintere Ende der Wohnkammer.]

[Illustration: Fig. 554. Belemnites paxillosus Schl. Mittlerer

Lias (δ). Vieux-Pont, Calvados. Scheide von der Seite gesehen. f

= Dorsolateralfurche. B, C B. irregularis Schl. Oberer Lias (ε).

Heiningen, Württemberg. B von der Seite; C von unten. f = auf die

Spitze beschränkte Bauchfurche. D B. acutus Mill. Scheide von der

Seite. r = Rücken-, b = Bauchseite.]

Die Grösse und Gestalt der Scheiden sind mannigfachen Schwankungen

unterworfen; die grössten werden etwa 1 m lang. In einer trichterförmig

vertieften, stets etwas excentrischen Höhlung des vorderen Theiles des

Rostrums steckt die eigentliche Schale (Fig. 553), deren ostrakale

Hülle als Conothek, deren aus Perlmuttersubstanz bestehende Kammerung

als Phragmokon (p) bezeichnet wird. Die dorsale Verlängerung der

Schale heisst Proostracum (po). Die Oberfläche der Conothek zeigt

eine Zuwachsstreifung, welche auf dem dreieckigen, nach vorn sich

verbreitenden Dorsalfelde bogenförmig (nach vorn convex) verläuft

(b). Zu beiden Seiten setzt diese Streifung an einer Längslinie ab,

der sog. Asymptotenlinie (a). Jenseits derselben (auf der Seite der

Schale) läuft die Streifung bogenförmig bauch- und abwärts (sog.

Hyperbolarfelder -- h), um auf der Bauchseite in horizontale Linien

überzugehen. Dieser Verlauf der Zuwachsstreifung zeigt, dass die

Schale nur auf der Rückenseite normal wuchs, während das Wachsthum

auf der Bauchseite zurückgedrängt war; der obere Theil der Schale

war vom Bauche her vom Thiere zum grossen Theil umwachsen, während

das Rückenschild wahrscheinlich noch nicht ganz in den Mantel

eingeschlossen war. Die Luftkammern des Phragmokons sind niedrig, die

Septa (s) schwach procöl (in der Zeichnung irrthümlicher Weise ganz

flach). Der Sipho liegt hart an der Bauchseite, eine kurze Septaldüte

schliesst ihn ein. Die Scheidewandlinie zeigt keinerlei Lobenbildung,

was darauf schliessen lässt, dass die Muskeln sich aus der Schale

gelöst und von aussen an derselben angeheftet hatten.

[Illustration: Fig. 555. Belemnites clavatus Schl. Mittlerer

Lias. England. Scheide von der Rückenseite. f, f = die beiden

Dorsolateral-(Seiten-)Furchen.]

[Illustration: Fig. 556. Belemnites hastatus Blv. Oxford. Dives,

Calvados. A Scheide von der Seite, die Dorsolateralfurche zeigend.

B dieselbe von der Bauchseite, die Bauchfurche (c) zeigend. C

Querschnitt. c = Bauchfurche.]

[Illustration: Fig. 557. Belemnites giganteus Schl. Mittlerer Dogger.

Württemberg. Scheide von der Seite gesehen. Das Alveolarende ist

verdrückt. ½.]

Man unterscheidet gewöhnlich folgende 2 Gattungen:

Belemnites List. (Fig. 554-562). Alveolarende der Scheide ohne Spalt.

Unterer Lias -- Cenoman. Diese im Jura besonders häufige Gattung

zerfällt in folgende Abtheilungen:

A. Sect. Acoeli Br. Eine am Alveolarende beginnende Bauch- oder

Rückenfurche fehlt; zuweilen eine kurze Bauchfurche an der Spitze (Fig.

554, 555, 557). Jura -- Untere Kreide.

1. Gruppe: Acuti. Scheide kurz, pflockförmig, sich rasch zuspitzend.

Alveole tief, stark excentrisch (Fig. 554 D). Unterer Lias --

Oberer Dogger.

B. acutus Mill. (Fig. 554 D). Unterer Lias (Oberregion von α und

Lias β). Mitteleuropa.

B. brevis Blv. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.

B. breviformis Ziet. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

B. Gingensis Opp. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

2. Gruppe: Paxillosi. Scheide verlängert, verkehrt kegelförmig bis

keulenförmig. Alveole mehr oder weniger central. Meist

Spitzenfurchen vorhanden (Fig. 554). Mittlerer und oberer Lias.

B. paxillosus Schl. (Fig. 554 A). Sehr häufig im mittleren Lias.

Mitteleuropa.

B. elongatus Mill. Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.

B. umbilicatus Blv. }

B. compressus Stahl. } Mittlerer Lias. Mitteleuropa.

B. ventroplanus Voltz. }

3. Gruppe: Irregulares. Scheide fingerförmig, unten abgestutzt,

seitlich abgeplattet. Andeutung einer Bauchfurche an der Spitze

(Fig. 554 B, C). Mittlerer und oberer Lias.

B. Lotharingicus Stnmn. Mittlerer Lias (δ). Lothringen, Franken.

B. irregularis Schl. (= digitalis) (Fig. 554 B, C). Oberer Lias (ε).

Mitteleuropa.

4. Gruppe: Rhenani. Scheide verlängert, schlank, meist sehr gross.

Mehrere Spitzenfurchen vorhanden (Fig. 557). Vom mittleren Lias

an, hauptsächlich im unteren und mittleren Dogger.

B. Rhenanus Opp. unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.

B. spinatus Qu. Unterer Dogger (Murchisonae-Sch.). Mitteleuropa.

B. giganteus Schl. (Fig. 557). Mittlerer, seltener oberer Dogger.

Mitteleuropa, Südamerika.

5. Gruppe: Tripartiti. Schlanke, oft fast cylindrische Scheiden mit

3 (oder mehr) deutlichen Furchen an der Spitze. Die

Dorsolateralfurchen reichen oft weit an der Scheide hinauf.

Structur der Scheide oft locker. Oberer Lias.

B. tripartitus Schl. Oberer Lias. }

B. acuarius Schl. Oberer Lias (ε). } Mitteleuropa.

B. longisulcatus Voltz. Oberer Lias (ζ). }

6. Gruppe: Clavati. Scheide keulenförmig, nach oben verjüngt, mit

schwachen Seitenfurchen am oberen Ende (Fig. 555). Mittlerer Lias

-- Oxford.

B. clavatus Schl. (Fig. 555). Mittlerer, seltener }

oberer Lias. } Mitteleuropa.

B. subclavatus Voltz. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). }

[Illustration: Fig. 558. Belemnites Brunsvicensis Stromb. Urgon.

Umgegend von Braunschweig. Scheide von der Seite und (oben rechts) von

oben gesehen, um die Abplattung der Bauchseite (unten) zu zeigen. ¹⁄₁.]

[Illustration: Fig. 559. Belemnites latus Bl. Unterste Kreide (Sch.

d. Bel. latus). Chardavon, Bss. Alpes. A Scheide von der Seite. r

= Rücken-, b = Bauchseite. B dieselbe von der Rückenseite. c’ =

Rückenfurche.]

B. Sect. Gastrocoeli d’Orb. Eine am Alveolarende beginnende Bauchfurche

vorhanden oder Bauchseite abgeplattet oder vertieft (Fig. 558, 559).

Oberer Lias -- Cenoman.

7. Gruppe: Canaliculati. Bauchfurche deutlich. Dorsolaterallinien

fehlen. Mittlerer Dogger -- Untere Kreide.

B. canaliculatus Schl. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.

B. Blainvillei Voltz. Mittlerer Dogger. England, Frankreich.

B. semicanaliculatus Bl. Aptien. Mittel- und Südeuropa.

8. Gruppe: Hastati. Ausser der (zuweilen sehr kurzen) Bauchfurche

gedoppelte Dorsolaterallinien vorhanden. Scheide verkehrt kegel-,

meist aber keulenförmig (Fig. 556). Oberer Dogger -- Cenoman.

B. Beyrichi Opp. } Oberer Dogger. Mitteleuropa.

B. Württembergicus Opp. }

B. subhastatus Ziet. Unteres Callovien. }

B. latisulcatus d’Orb. Mittleres Callovien. } Mitteleuropa.

B. hastatus Mtf. (Fig. 556). Oberes Callovien und }

unteres Oxford. }

B. semisulcatus Mnstr. Oberer Malm. } Mittel- und Südeuropa.

B. pistilliformis Bl. Neocom. }

B. minimus List. Oberer Gault. } Mitteleuropa.

B. ultimus d’Orb. Cenoman. }

9. Gruppe: Subquadrati. Bauchfurche nur am hinteren Ende deutlich

oder fehlend, aber Bauchseite abgeplattet. Von den beiden

vorigen Gruppen nicht scharf geschieden (Fig. 558). Callovien

-- Aptien.

B. Puzosi d’Orb. Callovien. Mitteleuropa, Russland.

B. Beaumonti d’Orb. } Callovien und unteres Oxford. Mitteleuropa,

B. Panderi d’Orb. } Russland.

B. absolutus Fisch. Kimmeridge (untere Wolga-St.). Russland.

B. Russiensis d’Orb. } Oberster Malm (ob. Wolga-St.). Russland.

B. corpulentus Nik. }

B. subquadratus Rö. Neocom. Mitteleuropa.

B. Brunsvicensis Stromb. (Fig. 558). Urgon. Norddeutschland.

C. Sect. Notocoeli. Eine am Alveolarende beginnende Rückenfurche

vorhanden. Scheide meist platt (Fig. 559). Oberer Malm -- Neocom.

10. Gruppe: Conophori. Scheide rund oder schwach abgeplattet.

Dorsolaterallinien fehlend oder schwach.

B. conophorus Opp. Leitfossil für das Tithon in den Karpathen,

Alpen und im Apennin.

B. conicus Blv. Neocom. Alpen.

11. Gruppe: Dilatati. Scheide abgeplattet oder kantig.

Dorsolaterallinien deutlich (Fig. 559).

B. tithonicus Opp. } Tithon. Alpen.

B. ensifer Opp. }

B. latus Blv. (Fig. 559). Unteres Neocom. Westalpen.

B. dilatatus Blv. } Mittelneocom. Westalpen.

B. polygonius Blv. }

Belemnitella d’Orb. (Fig. 560-562). Scheide keulenförmig bis

cylindrisch, unten meist mit Spitze, am Alveolarende mit kurzem,

bauchständigem Siphonalspalt (Fig. 561 sp). Oberfläche in der Regel

gekörnelt (Fig. 561) oder mit Gefässeindrücken (Fig. 562 A e) versehen.

Phragmokon meist mit Rückenkiel, die Alveole mit entsprechender

Furche (Fig. 562 C af). Dorsolaterallinie vorhanden. Diese Gattung

ersetzt Belemnites in der oberen Kreide, wo nur noch 1 echter Belemnit

vorkommt; besonders häufig im Senon (»Belemnitellenkreide«).

A. Actinocamax Mill. Scheide gekörnelt, seltener glatt. Das

Alveolarende derselben leicht zerstörbar und deshalb oft

kegelförmig (Fig. 560, 561) zugespitzt. Cenoman -- Unteres Senon.

B. plena Blv. sp. (Fig. 560). Grenzschichten von Cenoman und Turon

in Mitteleuropa.

B. Westphalica Schlüt. sp. Unteres Senon (Emscher). Norddeutschland,

Südschweden.

B. vera Mill. sp. Unteres Senon (Emscher). Mitteleuropa.

B. quadrata Blv. sp. (Fig. 561). Obere Abtheilung des unteren Senon

(»Quadratenkreide«). Mitteleuropa.

B. subventricosa Wahlb. sp. Unteres Senon. Südschweden. Als

Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

[Illustration: Fig. 560. Belemnitella (Actinocamax) plena Blv. sf.

Unterstes Turon (Mytiloides-Pläner). Essen a. d. Ruhr. Scheide gegen

den Rücken gesehen. Das Alveolarende ist stumpfkegelig abgeblättert.]

[Illustration: Fig. 561. Belemnitella (Actinocamax) quadrata Blv. sp.

Unteres Senon (Quadratenkreide). Schweichelt b. Peine, Hannover. A

Scheide von der Bauchseite. sp = Siphonalspalt. B dieselbe von der

Rückenseite. l = Dorsolaterallinie.]

[Illustration: Fig. 562. Belemnitella mucronata Schl. sp. Oberes Senon

(Mucronatenkreide). Coesfeld, Westfalen. A Scheide von der Seite. b =

Bauch-, r = Rückenseite; sp = Siphonalspalt; l = Dorsolaterallinien. B

dieselbe von der Bauchseite. C dieselbe von oben. sp = Siphonalspalt;

af = Rückenfurche der Alveole.]

B. Belemnitella s. str. Scheide mit verzweigten Gefässeindrücken.

Alveole mit Rückenfurche (Fig. 562 C af). Senon und Danien.

B. mucronata Schl. sp. (Fig. 562 A-C). Weit verbreitet in Europa,

auch in Nordamerika. Selten im unteren Senon, sehr häufig im oberen

(»Mucronatenkreide«); ausserdem in der dänischen Stufe in Frankreich

und Belgien.

Man kennt noch 4 weitere, eocäne Gattungen, die alle durch

verhältnissmässig kleine und zarte Schalen sich auszeichnen.

Elemente der Paläontologie · 第 227 / 606 题