Die Nebenformen der Kreideformation, soweit sie nicht zu den
Lytoceratidae (p. 422) gehören, schliessen sich an die Gruppe der
Tuberculati, z. Th. auch wohl an Olcostephanus (p. 440) an. Sie sind
von jenen sowohl durch die unsymmetrische Zertheilung der Sättel
als auch vielfach durch stärkere und unregelmässigere Skulptur
unterschieden.
[Illustration: Fig. 543. Crioceras Duvali Lév. Neocom. Westalpen. Alle
Umgänge spiral in einer Ebene gerollt.]
[Illustration: Fig. 544. Crioceras Matheroni d’Orb. Aptien.
Südfrankreich. Schale anfangs spiral, später gerade und hakenförmig
umgebogen.]
Crioceras Lév. (= Ancyloceras d’Orb. p.p., Toxoceras d’Orb. --
Fig. 543, 544). Umgänge von einander abgelöst, spiral in einer
Ebene gerollt (Fig. 543) oder auch später hakenförmig gebogen (Fig.
544), seltener unregelmässig schneckenförmig. Rippen meist einfach,
seltener gespalten, häufig mit Knoten oder Stacheln verziert. Unter
den 6 Fundamentalloben sind die zweiten Seitenloben am schwächsten
ausgebildet, so dass scheinbar nur 4 Loben vorhanden. An Hoplites, z.
Th. auch wohl an Acanthoceras anschliessend. Sehr häufig in der unteren
Kreide, namentlich im Neocom. Europa, Ostindien, Südafrika, Südamerika.
Cr. Duvali Lév. (Fig. 543). Mittleres Neocom. Alpengebiet, Chile.
Cr. Emerici Lév. } Oberes Neocom (Barrême-Stufe). Alpengebiet.
Cr. Tabarelli Ast. }
Cr. Matheroni d’Orb. (Fig. 544). Aptien. Südfrankreich.
Cr. gigas Sow. Aptien. England.
Die schneckenartig oder unregelmässig gerollten Formen werden als
Heteroceras d’Orb. abgetrennt. Barrême-Stufe.
H. Astieri d’Orb. Alpengebiet.
Scaphites Park. (Fig. 545, 546). Der gekammerte Theil der Schale
involut, die Wohnkammer ganz, z. Th. oder gar nicht abgelöst, aber
ein kurzes Stück gerade gestreckt, dann gegen die Spirale hakenförmig
zurückgebogen und dieselbe zuweilen mit dem Dorsalfortsatze (Fig. 546)
wieder berührend. Mundrand etwas verengt und verdickt, gegen den Rücken
zu häufig tief ausgebuchtet und am Rücken mit einem plattigen Fortsatze
versehen. Rippen mehrfach gespalten, auf der Wohnkammer häufig
verstärkt, oft mit 1 oder mehreren Reihen Knoten verziert, die meist,
wie bei Holcodiscus, auf einzelne Rippen sich beschränken. Hilfsloben
entwickelt. Ein dünner, gekörnelter Aptychus vorhanden. Die Scaphiten
sind besondere Wachsthumsformen von Holcodiscus, vielleicht auch
von Olcostephanus. Häufig in der oberen Kreide, besonders im Senon,
vielleicht noch im ältesten Tertiär Nordamerikas. Europa, Ostindien,
Nordamerika.
[Illustration: Fig. 545. Scaphites Geinitzi d’Orb. Oberes Turon.
Paderborn. Die Wohnkammer ein kurzes Stück gerade gestreckt, dann
hakenförmig zurückgebogen.]
Sc. aequalis Sow. Weit verbreitet im Cenoman Europas und Ostindiens.
Sc. Geinitzi d’Orb. (Fig. 545). Im mittleren und oberen Turon
Mitteleuropas.
Sc. Roemeri d’Orb. } Oberes Senon (Mukronatenkreide). Weit
Sc. constrictus Sow. } verbreitet in Europa.
Sc. tridens Kner. }
Sc. nodosus Ow. Oberste Kreide (Fort Pierre Group). Nordamerika.
Sc. Conradi Mort. Oberste Kreide.? Eocän (Fox Hills Group).
Nordamerika.
Geologische Verbreitung und Stammesgeschichte der Ammonoidea.
Die Ammonoidea zweigen im Devon (? oder z. Th. schon früher) von den
Nautilidae ab; sie erhalten verhältnissmässig schnell neue Merkmale,
welche sie leicht unterscheiden lassen, wie namentlich die Vermehrung
und Verzweigung der Loben. Zu wiederholten Malen spalten sich von den
ursprünglich glattschaligen, involuten Ausgangsformen mehr oder weniger
weitnabelige, rauhschalige Zweige ab, welche sich rasch und reichlich
entwickeln und früher oder später unter Bildung sog. Nebenformen oder
ohne solche erzeugt zu haben, wie es scheint, erlöschen.
Der älteste trachyostrake Zweig sind die, im Allgemeinen sehr
weitnabeligen Clymenien, welche mit dem Oberdevon verschwinden, ohne
Nebenformen gebildet zu haben. Sehr bald folgen die Tropitidae,
später auch die Ceratitidae nach; nur die letztere Familie bringt
es zur Bildung von Nebenformen, während von ersterer nur Formen mit
ausgeschnürter Wohnkammer gefunden sind; beide gehen nicht in die
Jurazeit über (? Tropites im unteren Lias). Unter den Latisellaten
bleiben die Arcestidae glattschalig, von den Angustisellaten
sterben die Familien der Pinacoceratidae und Cladiscitidae wie die
Arcestidae mit der Trias aus, ohne typisch trachyostrak zu werden und
ohne Nebenformen zu erzeugen, aber die Ausschnürung der Schale ist
hier fast die Regel. Die Ptychitidae erhalten in der Trias z. Th.
Faltenrippen, ihre Nachkommen, die Amaltheidae bleiben in einzelnen
Vertretern glattschalig bis zum Ende der Kreideformation (? Eocän),
aber zu wiederholten Malen geben sie rauhschalige Seitenzweige ab,
wie Pleuroceras im mittleren Lias, Cardioceras im unteren Malm,
Schloenbachia in der unteren, Buchiceras in der oberen Kreide. Mit
dem Auftreten der Berippung ist durchgängig eine Depression des
Windungsquerschnittes und vielfach eine Erweiterung des Nabels
verbunden. Schalen mit ausgeschnürter Wohnkammer sind trotz der starken
Involution der Schale in dieser Familie unbekannt, ebenso Nebenformen,
aber zur Zeit der jüngeren Kreide tritt in allen Zweigen derselben eine
Vereinfachung des Lobenbaues, z. Th. bis zum Ceratiten-Stadium ein.
Die Phylloceratidae, mit welchen die Lytoceratidae und jedenfalls auch
die Aegoceratidae genetisch sehr enge verknüpft sind, verharren in
der Trias noch im leiostraken Zustande. Ihre jüngsten Vertreter (in
der obersten Kreide) unterscheiden sich von manchen Triasformen nur
durch stärkere Lobenzertheilung. Obgleich durchgehends engnabelig,
schnüren sie sich niemals aus, liefern auch keine Nebenformen. Auch
die Lytoceratidae werden in den jüngsten Kreideschichten noch durch
wenige, glattschalige, evolute Formen vertreten, aber der Bildung der
zahlreichen Nebenformen in der Kreide geht ein kurzes trachyostrakes
Stadium voraus und die Nebenformen selbst sind durchgängig rauhschalig,
wenn auch in weniger ausgeprägter Weise, als diejenigen der
Aegoceratidae. Letztere stellen die Trachyostraca ϰατ’ ἐξοχήν vor.
Die Abtheilung der Carinati erhält zwar nur in einzelnen Zweigen
eine reichlichere Verzierung; nur wenige engnabelige Formen des Jura
bilden eine geknickte Wohnkammer, die übrigen werden im Laufe der
Zeit weitnabelig und runden die Umgänge ab. Ihre jüngsten Vertreter,
z. Th. wahre Riesen unter den Ammoniten, erhalten annulate Berippung;
das carinate Stadium ist mit dem Jura überwunden. Ausschnürungen
und Nebenformen fehlen. Anders die Annulati. In manchen Zweigen
derselben entstehen schon im Jura ausgeschnürte Schalen (Hammatoceras,
Sphaeroceras, Stephanoceras) oder Nebenformen (Cosmoceras,? Simoceras).
Dieser letztere Vorgang wiederholt sich im verstärkten Maasse in der
unteren Kreide bei verschiedenen Gattungen (Crioceras), zum letzten
Male in der oberen in Scaphites, wo die Ausrollung der Wohnkammer oft
kaum über die Ausschnürung derselben hinausgeht.
Am Ende der Kreidezeit giebt es nur noch vereinzelte normal
eingerollte und gleichzeitig leiostrake Formen. Fast alle Zweige
des Stammes, soweit sie nicht schon früher verschwunden, sind
trachyostrak geworden; das Ueberwiegen fast durchgängig trachyostraker
Nebenformen verleiht der Cephalopodenfauna der Kreide ein besonderes
Gepräge. Die glattschaligen Ammoniten besitzen im Allgemeinen eine
geringe horizontale Verbreitung, erscheinen oft hier und dort in
wenigen, unvermittelten Vertretern, während die rauhschaligen in den
entferntesten Gebieten häufig gleich stark vertreten sind (Ceratitidae,
Tropitidae, Ptychitidae in der Trias, Aegoceratidae und die
trachyostraken Glieder der Amaltheidae und Lytoceratidae im Jura und in
der Kreide).
Bevor wir eine Erklärung für die erwähnten Thatsachen zu geben
versuchen, lassen wir im Anschluss an die p. 399 mitgetheilte Tabelle
zunächst eine Uebersicht über die verwandtschaftlichen Beziehungen und
die vertikale Verbreitung der wichtigsten Gattungen folgen, wie sich
dieselben nach dem heutigen Standpunkte unserer Kenntnisse darstellen.
Die erste Tabelle enthält die mit der Trias aussterbenden Familien, die
zweite die jüngeren. Die vertikale Verbreitung ist durch Pfeilstriche,
das hauptsächliche Vorkommen durch Doppelstriche bezeichnet; die
Nebenformen sind eingeklammert.
Tabelle I.
+----------+----------------------------------------------------------------------------------+
| Jura | ? |
+==========+==================================================================================+
|Rhätische,| [Choristoceras] ↑ ↑ ↑ ↑ |
|Karnische | ↑ ↑ | ↑ Tropites | ↑ | | |
|Stufe | | | | | | | | | |
+----------+---|--------|-------|-----|----------------↑------|----|-------|----------|-------+
|Norische | | | Trachyceras | | Arcestes | Pinacoceras Cladiscites |
|Stufe | | | | | Joannites | | Sageceras | |
+==========+===|========|=======|=====|================|======|====|=======|==========|=======+
|Muschel- | | | | Celtites | | Sphingites | | |
|kalk |Arpadites Ceratites ↓ |Acrochordiceras | | | | | |
+----------+-----|------|-------------|----------------↓------|----|-------|----------↓-------+
| | | | | | | | | | |
|Bunt- | Dinarites Tirolites | | | | +-----+------+ |
|sandstein | | | | | ↓ | | |
| | | | | | | Cladiscitidae |
+==========+============|====|========↓=======================↓============↓==================+
| | | | | | | | Cyclolobus Popanoceras Medlicottia |
| | +-----+---------+ +---+----+ | | | | |
| | | | +----------+------------+ +----+------+ |
|Perm | Ceratitidae Tropitidae | | |
| | Arcestidae Pinacoceratidae |
+----------+----------------------------------------------------------------------------------+
Tabelle II.
+==========+=============================================================================================================================================+
|? Eocän | |
| | ↑ ↑ ↑ |
+==========+=====|====↑======↑========|===↑=====↑=====↑=========↑====↑=====================================↑============↑===========|=======↑============+
| | | | | | | | | | | | | | | |
|Senon | | | | | | | | |Pachydiscus | | | | |
+----------+-----|----|------|--------|---|-----|-----|---------|----|-------------↑-----------------------|------------|-----------|-------|------------+
|Turon, | | | | | | | | | | | | | [Scaphites] | |
|Cenoman | | | | | | |[Turrilites] | | | | | | | |
+==========+=====|====|======|========|===|=====|===/===========|====|=============|===============↑=======|============|===========|=======|============+
| | | | |[Baculites] | | / | / | | | | / \ | |
|Gault | | Schloen- | \ | | / | / | | | | ------- \ | |
| | | bachia | \| | ↑ | / | | | | / ? | |
+----------+-----|---/-------|------------|-----|-----|---------|------------------|---------------|-------|------------|-------------------|------------+
| | | / | | | | Desmoceras Acanthoceras [Crioceras] | | | |
|Neocom | | / | | | | / \ | Holcodiscus | |
| | |/ | ↑[Hamites]| Haploceras ↑ \| ↑ / ↑ Olcostephanus |
+==========+=====|===========|========|========\|=====|=========↑====↑=========|======================|===========|==/==============|=======|============+
|Tithon, | | | | | | | | | Simoceras | Hoplites | / | \ | |
|Kimmeridge| | ↑ | | | | | | | | | \ |/ | \| |
+----------+-----|----|------|--------|---------|-----|---------|----|---------|----↑-----↑----↓------|-----------|-----------------|-------↓------------+
| | | | | | | | | | | | | / | | | / |
|Oxford | | | | | | | | | | | | / Aspidoceras | ↑ | / |
+----------+-----|----|------|--------|---------|-----|---------|----|---------|----|-----|-----------------------|------------|----|-------↑------------+
| | | Cardio- | | | | | Oppelia | | Peltoceras \ | | | | Macroce- |
|Callovien | | ceras | | | | | | | | \----- ------ | | | | phalites |
| | | | | | | | | | | | \ | | Reineckia | | |
+==========+=====|====|======|========|=========|=====|=========|====|===↑=====|====|=============================|============|============|=====|======+
| | | / | | | | | | | | | | | | / |
|Oberer | | / | | | | | | Parkin- | [Ancylo- | | | / |
|Dogger | | / | | | | | | sonia | ceras] | | | / |
+----------+-----|-----------|--------|---------|-----↓---------|----|------\--|--/-------------------------------|------------|------------------↑------+
| | | | | || | | | \ | / | | | | |
|Mittlerer | | | | |+----+-----+ | | Cosmoceras | Stephanoceras / | | |
|Dogger | | | | | | | | | | | / | | |
| | | | | |Haploceratinae | | | Perisphinctes | Sphaeroceras | |
+----------+-----|-----------|--------|---------|-------\-------|----↓---------↓----------------------------------|------------↓------------------|------+
| | | | | | \ | / | | | ↑ / | |
|Unterer | | | | | \ | / +------+------+ ↓ | / | |
|Dogger | | | | | \ | / | ↑ | / | |
| | | Phylloceras | Lytoceras Harpoceras Cosmoceratinae | | / | |
| | | | | | | ↑ | | | |
+==========+=====|===========|========|=========|===============|===================|=============================|============|==================|======+
| | | | | | | Dumortieria | | | |
|Oberer | | | | | | | Dactylioceras Coeloceras Hammatoceras |
|Lias | | | | | | | | | | | | |
+----------+-----|-----------|--------|---------|---------------↓-------------------| -------------------- +----+------+ +----+-----+ --------|------+
| | | Pleuro- | | | | | ↓ | | | |
| | | ceras | | | +-----+------+ Perisphinc- Stephano- Cycloceras |
|Mittlerer | | / | Rhacophyllites | | tinae \ ceratinae / |
|Lias | Amaltheus | | | Harpoceratinae ↑ \ Aegoceras / |
| | | | | | ↑ | \ | / |
+----------+-----|-----------|--------|---------|---------------|-------------------|------------------------------------------|-------------------------+
| | | | | | | Polymorphites Schlotheimia / |
| | | | | | Arietites -- \ | | / |
|Unterer | | | | | | | \ \ +--------------------+------------------+ / | ------------------------
|Lias | | | | | +----+----+ \ \ | / |
| | | | | | | ------------------- Aegoceratinae / |
| | | | | | Arietitinae Psiloceras / |
+==========+=====↓===========↓========|=========↓========================================================================================================+
| || | | |
|Obere |+----+-----+ | | | |
|Trias | | ↑ ↓ +--------------------------------------------+-----------------------------------------+ |
| | Amaltheidae | | |
| | ↑ | Monophyllites Aegoceratidae |
+----------+-----|-----------|---- ---|------- ----------------------------------------------------------------------------------------------------------+
| | | | | | | / |
|Untere | | | | +-------+-----+ ----------------------------------- |
|Trias | | | | | / |
| | | | | Lytoceratidae / |
| | Ptychites Megaphyllites | ? / |
| | | | | |
+==========+=====|===========|========|==================================================================================================================+
| | Xenodiscus |
| || | | | |
|Perm |+----+-----+ +---------+-----------+ |
| | | | |
| |Ptychitidae Phylloceratidae |
| | |
+----------+---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------+
Keine Abtheilung der Wirbellosen ist uns mit solcher Vollständigkeit
überliefert, wie die Ammonoidea und ihre Vorfahren, die silurischen
Nautiloidea. Wenn auch weitere Forschungen noch manche Verschiebungen
in dem Stammbaum herbeiführen mögen, so werden doch die Grundzüge der
Entwickelung des gesammten Stammes kaum merklich verändert werden. Hier
mehr denn irgendwo ist der Paläontologie die Berechtigung gegeben,
eine Deutung des Entwickelungsganges einer wirbellosen Thiergruppe zu
versuchen, soweit dies überhaupt nach den Schalen allein möglich ist.
Die ältesten Cephalopoden besitzen eine gerade, kegelförmige Schale,
in deren hinterem Ende das Thier festgeheftet war. Das ringförmige
Haftband verhinderte das Entweichen der am Hinterleibe ausgeschiedenen
Luft und so wurde das Thier in der Schale vorgetrieben. Dabei konnten
die successiv sich bildenden Lagen von Perlmutterschicht nicht wie in
den Muscheln mit einander in Berührung bleiben, sondern sie wurden
durch Luftkammern von einander geschieden, ein Vorgang, der auch
gelegentlich an den Schneckenschalen und bei den Conularida (p. 342)
zu beobachten ist. Da nun eine gerade, zum grossen Theil mit Luft
erfüllte Schale einerseits leicht zerbrechlich ist, andrerseits für
die Fortbewegung eine wenig zweckmässige Gestalt besitzt, so griff im
Nautiloideen-Stamm jedenfalls, im Ammonoideen-Stamm wahrscheinlich
mehrere Male eine spiral-symmetrische Einrollung des Thieres vom
Rücken aus Platz. Die in der Mitte durchbohrten Schalen der älteren
Nautiloidea (Fig. 412) und Ammonoidea (Fig. 473) zeigen uns, dass das
ausgewachsene Thier bereits die Fähigkeit besass, sich an den früher
gebildeten Theil der Schale dauernd anzulegen, während in der Jugend
die Windungen sich noch nicht berührten. Die meisten Goniatiten und
die glattschaligen Ammoniten der Trias, z. Th. auch die des Jura
regelten die Einrollung der Schale in derselben Weise wie der lebende
Nautilus, indem das Thier mit einem ungetheilten Lappen (Kopfklappe bei
Nautilus) dem vorhergehenden Umgange auflag und darauf weiter kroch;
daher die Runzelschichten vor der Mündung bei Goniatitidae, Arcestidae,
Pinacoceratidae etc. Die Bewegung des Thieres war hierdurch erheblich
beschränkt. Leiostrake Beschaffenheit der Schale und starke Involution
bezeichnen im Allgemeinen dieses Stadium der Einrollung, über welches
hinaus es der lebende Nautilus nicht gebracht hat. Die Herausbildung
der Skulptur, wie sie bei den meisten Ammoniten, in beschränktem Maasse
auch bei einigen Nautiloidea, früher oder später Platz greift, geht
Hand in Hand mit dem Verluste der Runzelschichten, mit der Verringerung
der Involution und bei hochmündigen Formen mit einer Depression des
Windungsquerschnitts, wie uns das die Uebergangsreihe des Amaltheus
margaritatus -- Pleuroceras costatum deutlich zeigt. Wahrscheinlich
trat bei dem Thier der trachyostraken Schalen an Stelle des einfachen
Rückenlappens ein mehr oder minder differenzirtes Armpaar, welches die
Einrollung der Schale regelte, indem es die Rauhigkeiten der Schale zum
Anklammern benutzte. Hierdurch war die Möglichkeit für eine geringere
Involution und für eine erhöhte Beweglichkeit gegeben, da die dorsalen
Arme die Schale seitlich umfassen konnten. Das Auftreten eines dorsalen
Mündungsausschnitts für die Rückenarme fällt durchgängig mit der
Trachyostrakie zusammen (vgl. Ceratites nodosus Fig. 483, Harpoceras
opalinum Fig. 519, Haploceras Cadomense Fig. 522, Stephanoceras
Humphriesi Fig. 529, Sphaeroceras microstoma Fig. 530 A, Scaphites
spiniger Fig. 546), den leiostraken Schalen fehlt derselbe in der Regel
(vgl. Fig. 487, 497).
[Illustration: Fig. 546. Scaphites spiniger Schlüt. Oberes Senon.
Westfalen. Die Wohnkammer ist z. Th. von der Spirale abgelöst und
hakenförmig auf dieselbe zurückgebogen. Ein Dorsalfortsatz und ein sehr
tiefer Armausschnitt an der Mündung sichtbar. ¹⁄₁.]
Die Skulptur beginnt mit der Entstehung flacher Schalenfalten oder
feiner Streifen, aus denen die Rippen hervorgehen; später folgt
die Bildung der Knoten und Stacheln (Familie der Aegoceratidae,
Lytoceratidae), oder die Stachel- und Knotenbildung geht der Entstehung
der Rippen voraus (Familie der Amaltheidae).
Die sog. Nebenformen werden gewöhnlich als pathologische oder senile
Bildungen aufgefasst (»Krüppelformen«). Als solche erscheinen sie uns,
wenn wir an eine normale Schale die Anforderung der regelmässigen,
geschlossenen spiralen Einrollung stellen; für das Thier hatten sie
aber wohl eine andere Bedeutung. Sie dürften zu den eingerollten,
trachyostraken Schalen in demselben Verhältnisse stehen, wie diese
zu den leiostraken, d. h. sie bekunden das Bestreben des Thieres
nach freierer Bewegung; eine gleiche Deutung lässt die Ausschnürung
zu. Die gesetzmässige Spiralrollung des Thieres war eben nur in
einer Periode der Stammesentwickelung die zweckentsprechende. Die
Ablösung der Umgänge oder das schneckenförmige Wachsthum gestattete
eine freiere Bewegung des Thieres nach hinten (oben) und bedeutet
somit einen Fortschritt. Zumeist wurde die Ausrollung durch
Streckung der Wohnkammer eingeleitet (Macroscaphites), sobald aber
auf den gestreckten Theil Luftkammern zu liegen kamen, wurde die
Zerbrechlichkeit der Schale bedeutend erhöht und das Thier sah sich
gezwungen umzudrehen und gegen die Spirale zurückzuwachsen, wie zu
erwarten steht unter exogastrischer Drehung. Die Zerbrechlichkeit
gerade gestreckter Schalen wird durch die Thatsache illustrirt, dass
vollständige Schalen von Baculites bisher noch nicht gefunden sind.
Das Wachsthum der Scaphiten (Fig. 546) zeigt uns alle Stadien zwischen
einfacher Ausschnürung und Ablösung der Wohnkammer. Die Ablösung
erstreckt sich nur auf ein kurzes Stück, und das Thier legt sich mit
dem Dorsalfortsatze häufig wieder an die Spirale an. Die dorsalen
Ausschnitte sind hier tiefer, als bei irgend einer anderen Nebenform.
Nur wenn wir uns das Ammonitenthier mit verlängerten Armen versehen
vorstellen, wird uns die Bildung der Nebenformen verständlich.
Nicht nur eine Reduction der Loben auf die Fundamentalzahl 6 begleitet
die Entstehung der Nebenformen, sondern zuweilen ist auch eine
Vereinfachung des Lobenbaues damit verbunden (Choristoceras und
Verwandte, Crioceras p. p., Scaphites p. p.). Letztere findet sich in
sehr ausgesprochenem Maasse bei den normal eingerollten Kreideamaltheen
(Buchiceras Fig. 503, Schloenbachia) und darf als gleichbedeutend mit
dem Beginn der Loslösung der Muskeln aus der Schale angesehen werden.
Beide Erscheinungen, die Entstehung der Nebenformen und die
Vereinfachung des Lobenbaues lassen sich ungezwungen deuten als
Ausdruck für das Bestreben des Ammonitenthieres sich behufs freier
Bewegung der Schale zu entledigen, ein Vorgang, der vielleicht durch
den Aufenthalt an felsiger Küste befördert wurde. Einen weiteren Beleg
für die Richtigkeit dieser Auffassung liefert das Auftreten einer
lebenden Cephalopodengruppe, welche den Namen