In diese Unterfamilie gehören zumeist nur liasische, durch allmähliche
Uebergänge mit Psiloceras verbundene Formen, welche sich im Allgemeinen
durch gerade oder schwach gebogene, oft gegabelte und geknotete
Rippen und eine gerundete, abgeplattete oder vertiefte Aussenseite
von den gleichaltrigen Vertretern der Carinati unterscheiden. Wenn
die Aussenseite sich kielartig zuschärft (sog. Falcoid-Formen), so
entstehen Harpoceras-artige Schalen, die aber in den meisten Fällen
entweder durch nicht typisch sichelförmige und oft unregelmässige
Berippung oder durch das Auftreten eines Schalenkiels sowie durch die
schmale, langgezogene Gestalt des ersten Seitensattels von den echten
Harpoceratiden getrennt werden können. Innerhalb der Aegoceratinae
unterscheiden wir 2 Abtheilungen, die aus 2 verschiedenen Gruppen von
Psiloceras sich entwickeln, nämlich:
A. Polymorphi. Berippung häufig polymorph, d. h. stärkere und
schwächere Rippen und Streifen wechseln ab, oder Berippung im
Alter anders als in der Jugend. Aussenseite häufig zugeschärft
oder gekielt. Knoten selten entwickelt. An Psiloceras-Formen mit
feinen, unregelmässigen, aber über die Aussenseite fortsetzenden
Streifen und Rippen anschliessend (Ps. miserabile). Unterer Lias
-- Unterer Dogger.
B. Capricorni. Berippung regelmässig. Aussenseite oft glatt oder
berippt, zuweilen mit scharfem Schalenkiel. Knoten und Stacheln
häufig entwickelt. Aus Psiloceras durch Ausbildung scharfer,
gegen die Aussenseite sich verstärkender Rippen hervorgehend.
Unterer Lias -- Mittlerer Dogger.
A. Polymorphi.
Polymorphites Sut. Schale meist weitnabelig. Umgänge von eiförmigem,
kreisrundem oder quadratischem Querschnitt. Rippen auf den Flanken
gerade, auf der Aussenseite nach vorn gerichtet und häufig an einem
kielartigen Mittelstrange zusammenstossend. Unterer und Mittlerer Lias
in Mittel- und Südeuropa.
P. polymorphus Qu. }
} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
P. Bronni Rö. }
Eine verwandte, aber durch engen Nabel, gerundete Aussenseite,
aufgeblähte Windungen und geknotete Rippen ausgezeichnete Gruppe des
Mittleren Lias wird als
Liparoceras Hy. unterschieden.
L. striatum }
} Mittlerer Lias. Mittel- und Südeuropa.
L. Bechei Sow. }
Dumortieria Haug. Schale weit oder mässig weit genabelt.
Windungsquerschnitt rechteckig oder oval. Aussenseite meist schwach
gekielt oder zugeschärft. Rippen auf der Flanke meist gerade, auf der
Aussenseite nach vorn geschwungen. Suspensivlobus vorhanden. Erster
Seitensattel schmal und hoch. Mittlerer Lias -- Unterer Dogger.
D. Jamesoni Sow. Zonenammonit des mittleren Lias (γ) in Mittel- und
Südeuropa.
D. radiosa Seeb. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Nord- und
Süddeutschland.
B. Capricorni.
a. Aussenseite ungekielt.
Schlotheimia Bayle (Fig. 525). Schale meist flach, scheibenförmig,
weit genabelt, niedrig- oder hochmündig. Rippen meist scharf,
einfach oder gespalten, gegen aussen zu sich verstärkend und nach
vorn geschwungen; auf der Aussenseite richten sie sich unter spitzem
Winkel meist alternirend gegen einander, setzen aber vor einem glatten
Mittelstreifen (B f) ab, indem sie am Ende oft knotig anschwellen.
Suspensivlobus entwickelt. Derartig charakterisirte, früher als Gruppe
der Angulati bezeichnete Schalen sind durch zahlreiche Uebergänge
mit den Psilonoten verbunden. Sie erscheinen in Europa ausserhalb
und innerhalb der Alpen unmittelbar nach den Psilonoten, in den sog.
»Angulaten-Schichten« des Lias α, kommen aber auch noch im Lias β vor.
Auch im unteren Lias von Peru.
[Illustration: Fig. 525. Schlotheimia angulata Schl. Unterer Lias
(Angulatenschichten). England. A Schale von der Seite, B von hinten. f
= der glatte Mittelstreifen (Aussenfurche).]
Schl. angulata Schl. (Fig. 525). Angulatenschichten. In den Alpen
und Mitteleuropa.
Schl. catenata Sow. }
} Angulatenschichten. Mitteleuropa.
Schl. Morei d’Orb. }
Schl. megastoma Gü. Zonenammonit für die unteren } Angulatenschichten
Schl. marmorea Opp. Zonenammonit für die oberen } in den Alpen.
Schl. lacunata Buckm. Lias β. Mitteleuropa.
Aegoceras Waag. (Fig. 526). Meist weitgenabelte, niedrigmündige Schalen
mit gerundeter oder abgeplatteter, aber nie gefurchter, selten mit
Schalenkiel versehener Aussenseite. Rippen auf der Flanke gerade oder
schwach gebogen, oft mit 1 oder 2, seltener mehr Reihen Knoten oder
Stacheln verziert, auf der Aussenseite sich zerspaltend, verflachend
oder verdickend. Die ältesten Formen erscheinen in den oberen Schichten
des Lias α und schliessen sich an die Gattung Schlotheimia an; ihre
Hauptverbreitung fällt in den Lias β und den mittleren Lias. Europa,
Südamerika. Aegoceras bildet den Ausgangspunkt für die Mehrzahl, wenn
nicht für alle jüngeren Familien der Annulati und ausserdem für 2
falcoide Gruppen, die sich hieran schliessen.
[Illustration: Fig. 526. Aegoceras capricornu Schl. Mittlerer Lias
(γ). England. Ein grosses Exemplar, welches auf der Wohnkammer 2
Knotenreihen und Spaltrippen trägt. A von der Seite, B von vorn.]
Ae. Birchi Sow. }
Ae. planicosta Sow. } Untere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.
Ae. ziphus Ziet. }
Ae. bifer Qu. Mittlere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.
Ae. capricornu Schl. (Fig. 526). }
Ae. laticosta Sow. }
Ae. armatum Sow. }
} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.
Ae. brevispina Sow. }
Ae. Heberti Opp. }
Ae. Taylori Sow. }
b. Aussenseite gekielt (Falcoidformen der Capricorni).
Hammatoceras Hy. (Fig. 527). Die erwachsenen Schalen sind durch den
engen Nabel und ihre zugeschärfte, aber stets nur mit Schalenkiel
versehene Aussenseite den Harpoceraten ähnlich, unterscheiden sich aber
von den meisten derselben durch die am Nabelrande oder auf der Flanke
gespaltenen, nur geschwungenen oder fast geraden, nicht eigentlich
sichelförmigen Rippen, welche zudem in der Regel Nabelknoten,
seltener Seitenknoten tragen. Sie gehen aus Aegoceraten mit doppelter
Stachelreihe und Schalenkiel (A. Heberti) hervor. Die inneren Windungen
zeigen auch noch den Charakter derselben. Lobenlinie tief zerschlitzt.
Aussenlobus seicht. Die Formen des oberen Lias und unteren Dogger
zeichnen sich durch einen herzförmigen oder elliptischen Querschnitt
und starke Berippung aus; die des mittleren Dogger werden z. Th. flach
und die Berippung tritt zurück. Jünger nicht bekannt. Europa und
Südamerika.
[Illustration: Fig. 527. Hammatoceras Sowerbyi Mill. Mittlerer Dogger
(Sowerbyi-Zone). Frankreich. A Schale von der Seite, B von vorn. C
Lobenlinie. k = Schalenkiel (auf dem Steinkern fehlend).]
H. insigne Schübl. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
H. variabile d’Orb. Oberer Lias (ζ) Mitteleuropa.
H. subinsigne Opp. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
H. gonionotum Ben. }
} Unterer Dogger. Alpengebiet.
H. fallax Ben. }
H. Sowerbyi Mill. (Fig. 527). Zonenammonit des mittleren Doggers.
H. patella Waag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Zone). Mitteleuropa.
H. mesacanthum Waag. Mittlerer Dogger (Sauzei-Zone). Mitteleuropa.
Eine zweite falcoide Gruppe der Aegoceraten, welche sich ebenfalls
wohl von Formen mit doppelter Knotenreihe (Ae. brevispina) abzweigt,
hat den Namen
Cycloceras erhalten. Sie unterscheidet sich von Hammatoceras durch
einfache Rippen, welche von einer kielartigen Erhöhung der Aussenseite
absetzen. Sie ist auf den mittleren Lias beschränkt.
C. Maugenesti d’Orb. }
C. binotatum Opp. } Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa, z. Th. auch
C. Actaeon d’Orb. } in den Alpen und Südeuropa.
C. Massei d’Orb. }