4. Unterfam. Aegoceratinae.

In diese Unterfamilie gehören zumeist nur liasische, durch allmähliche

Uebergänge mit Psiloceras verbundene Formen, welche sich im Allgemeinen

durch gerade oder schwach gebogene, oft gegabelte und geknotete

Rippen und eine gerundete, abgeplattete oder vertiefte Aussenseite

von den gleichaltrigen Vertretern der Carinati unterscheiden. Wenn

die Aussenseite sich kielartig zuschärft (sog. Falcoid-Formen), so

entstehen Harpoceras-artige Schalen, die aber in den meisten Fällen

entweder durch nicht typisch sichelförmige und oft unregelmässige

Berippung oder durch das Auftreten eines Schalenkiels sowie durch die

schmale, langgezogene Gestalt des ersten Seitensattels von den echten

Harpoceratiden getrennt werden können. Innerhalb der Aegoceratinae

unterscheiden wir 2 Abtheilungen, die aus 2 verschiedenen Gruppen von

Psiloceras sich entwickeln, nämlich:

A. Polymorphi. Berippung häufig polymorph, d. h. stärkere und

schwächere Rippen und Streifen wechseln ab, oder Berippung im

Alter anders als in der Jugend. Aussenseite häufig zugeschärft

oder gekielt. Knoten selten entwickelt. An Psiloceras-Formen mit

feinen, unregelmässigen, aber über die Aussenseite fortsetzenden

Streifen und Rippen anschliessend (Ps. miserabile). Unterer Lias

-- Unterer Dogger.

B. Capricorni. Berippung regelmässig. Aussenseite oft glatt oder

berippt, zuweilen mit scharfem Schalenkiel. Knoten und Stacheln

häufig entwickelt. Aus Psiloceras durch Ausbildung scharfer,

gegen die Aussenseite sich verstärkender Rippen hervorgehend.

Unterer Lias -- Mittlerer Dogger.

A. Polymorphi.

Polymorphites Sut. Schale meist weitnabelig. Umgänge von eiförmigem,

kreisrundem oder quadratischem Querschnitt. Rippen auf den Flanken

gerade, auf der Aussenseite nach vorn gerichtet und häufig an einem

kielartigen Mittelstrange zusammenstossend. Unterer und Mittlerer Lias

in Mittel- und Südeuropa.

P. polymorphus Qu. }

} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.

P. Bronni Rö. }

Eine verwandte, aber durch engen Nabel, gerundete Aussenseite,

aufgeblähte Windungen und geknotete Rippen ausgezeichnete Gruppe des

Mittleren Lias wird als

Liparoceras Hy. unterschieden.

L. striatum }

} Mittlerer Lias. Mittel- und Südeuropa.

L. Bechei Sow. }

Dumortieria Haug. Schale weit oder mässig weit genabelt.

Windungsquerschnitt rechteckig oder oval. Aussenseite meist schwach

gekielt oder zugeschärft. Rippen auf der Flanke meist gerade, auf der

Aussenseite nach vorn geschwungen. Suspensivlobus vorhanden. Erster

Seitensattel schmal und hoch. Mittlerer Lias -- Unterer Dogger.

D. Jamesoni Sow. Zonenammonit des mittleren Lias (γ) in Mittel- und

Südeuropa.

D. radiosa Seeb. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Nord- und

Süddeutschland.

B. Capricorni.

a. Aussenseite ungekielt.

Schlotheimia Bayle (Fig. 525). Schale meist flach, scheibenförmig,

weit genabelt, niedrig- oder hochmündig. Rippen meist scharf,

einfach oder gespalten, gegen aussen zu sich verstärkend und nach

vorn geschwungen; auf der Aussenseite richten sie sich unter spitzem

Winkel meist alternirend gegen einander, setzen aber vor einem glatten

Mittelstreifen (B f) ab, indem sie am Ende oft knotig anschwellen.

Suspensivlobus entwickelt. Derartig charakterisirte, früher als Gruppe

der Angulati bezeichnete Schalen sind durch zahlreiche Uebergänge

mit den Psilonoten verbunden. Sie erscheinen in Europa ausserhalb

und innerhalb der Alpen unmittelbar nach den Psilonoten, in den sog.

»Angulaten-Schichten« des Lias α, kommen aber auch noch im Lias β vor.

Auch im unteren Lias von Peru.

[Illustration: Fig. 525. Schlotheimia angulata Schl. Unterer Lias

(Angulatenschichten). England. A Schale von der Seite, B von hinten. f

= der glatte Mittelstreifen (Aussenfurche).]

Schl. angulata Schl. (Fig. 525). Angulatenschichten. In den Alpen

und Mitteleuropa.

Schl. catenata Sow. }

} Angulatenschichten. Mitteleuropa.

Schl. Morei d’Orb. }

Schl. megastoma Gü. Zonenammonit für die unteren } Angulatenschichten

Schl. marmorea Opp. Zonenammonit für die oberen } in den Alpen.

Schl. lacunata Buckm. Lias β. Mitteleuropa.

Aegoceras Waag. (Fig. 526). Meist weitgenabelte, niedrigmündige Schalen

mit gerundeter oder abgeplatteter, aber nie gefurchter, selten mit

Schalenkiel versehener Aussenseite. Rippen auf der Flanke gerade oder

schwach gebogen, oft mit 1 oder 2, seltener mehr Reihen Knoten oder

Stacheln verziert, auf der Aussenseite sich zerspaltend, verflachend

oder verdickend. Die ältesten Formen erscheinen in den oberen Schichten

des Lias α und schliessen sich an die Gattung Schlotheimia an; ihre

Hauptverbreitung fällt in den Lias β und den mittleren Lias. Europa,

Südamerika. Aegoceras bildet den Ausgangspunkt für die Mehrzahl, wenn

nicht für alle jüngeren Familien der Annulati und ausserdem für 2

falcoide Gruppen, die sich hieran schliessen.

[Illustration: Fig. 526. Aegoceras capricornu Schl. Mittlerer Lias

(γ). England. Ein grosses Exemplar, welches auf der Wohnkammer 2

Knotenreihen und Spaltrippen trägt. A von der Seite, B von vorn.]

Ae. Birchi Sow. }

Ae. planicosta Sow. } Untere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.

Ae. ziphus Ziet. }

Ae. bifer Qu. Mittlere Abtheilung des Lias β. Mitteleuropa.

Ae. capricornu Schl. (Fig. 526). }

Ae. laticosta Sow. }

Ae. armatum Sow. }

} Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa.

Ae. brevispina Sow. }

Ae. Heberti Opp. }

Ae. Taylori Sow. }

b. Aussenseite gekielt (Falcoidformen der Capricorni).

Hammatoceras Hy. (Fig. 527). Die erwachsenen Schalen sind durch den

engen Nabel und ihre zugeschärfte, aber stets nur mit Schalenkiel

versehene Aussenseite den Harpoceraten ähnlich, unterscheiden sich aber

von den meisten derselben durch die am Nabelrande oder auf der Flanke

gespaltenen, nur geschwungenen oder fast geraden, nicht eigentlich

sichelförmigen Rippen, welche zudem in der Regel Nabelknoten,

seltener Seitenknoten tragen. Sie gehen aus Aegoceraten mit doppelter

Stachelreihe und Schalenkiel (A. Heberti) hervor. Die inneren Windungen

zeigen auch noch den Charakter derselben. Lobenlinie tief zerschlitzt.

Aussenlobus seicht. Die Formen des oberen Lias und unteren Dogger

zeichnen sich durch einen herzförmigen oder elliptischen Querschnitt

und starke Berippung aus; die des mittleren Dogger werden z. Th. flach

und die Berippung tritt zurück. Jünger nicht bekannt. Europa und

Südamerika.

[Illustration: Fig. 527. Hammatoceras Sowerbyi Mill. Mittlerer Dogger

(Sowerbyi-Zone). Frankreich. A Schale von der Seite, B von vorn. C

Lobenlinie. k = Schalenkiel (auf dem Steinkern fehlend).]

H. insigne Schübl. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.

H. variabile d’Orb. Oberer Lias (ζ) Mitteleuropa.

H. subinsigne Opp. Unterer Dogger. Mitteleuropa.

H. gonionotum Ben. }

} Unterer Dogger. Alpengebiet.

H. fallax Ben. }

H. Sowerbyi Mill. (Fig. 527). Zonenammonit des mittleren Doggers.

H. patella Waag. Mittlerer Dogger (Sowerbyi-Zone). Mitteleuropa.

H. mesacanthum Waag. Mittlerer Dogger (Sauzei-Zone). Mitteleuropa.

Eine zweite falcoide Gruppe der Aegoceraten, welche sich ebenfalls

wohl von Formen mit doppelter Knotenreihe (Ae. brevispina) abzweigt,

hat den Namen

Cycloceras erhalten. Sie unterscheidet sich von Hammatoceras durch

einfache Rippen, welche von einer kielartigen Erhöhung der Aussenseite

absetzen. Sie ist auf den mittleren Lias beschränkt.

C. Maugenesti d’Orb. }

C. binotatum Opp. } Mittlerer Lias (γ). Mitteleuropa, z. Th. auch

C. Actaeon d’Orb. } in den Alpen und Südeuropa.

C. Massei d’Orb. }

Elemente der Paläontologie · 第 216 / 606 题