Die Schalen der jurassischen und altcretacischen Vertreter sind
zumeist ganz glatt, zuweilen mit feiner, sichelförmiger Streifung,
seltener mit breiten Faltenrippen an der Aussenseite versehen, und
besitzen eine vollständig gerundete, stets kiellose Wohnkammer. In
der Kreide erhalten die Schalen mehr oder minder starke, nach vorn
geschwungene Rippen, z. Th. auch Einschnürungen und Wülste, die auf
der Flanke sichelförmig gebogen, auf der Aussenseite vorgezogen sind.
Die glatten oder nur mit Einschnürungen versehenen Formen besitzen
grosse Aehnlichkeit mit Rhacophyllites (Fig. 509), sind aber durch
die vollzählige, unsymmetrische und fein zertheilte Lobenlinie
unterschieden. Die Umgänge sind von ovalem, rechteckigem oder
halbmondförmigem Querschnitt. Wenn auch die Uebergänge z. Z. noch
unbekannt sind, so machen doch die sichelförmige Verzierung und die
gefalteten Aptychen, welche diesen Schalen anzugehören scheinen (Fig.
523), den harpoceratiden Ursprung dieser Familie sehr wahrscheinlich.
Die ältesten Vertreter kennt man aus dem mittleren Dogger, die
hauptsächliche Entwickelung fällt in die Kreide, in deren jüngsten
Schichten gerade die grössten Vertreter gefunden werden.
[Illustration: Fig. 523. Gefalteter Aptychus (A. Didayi Coq.),
wahrscheinlich zu Haploceras gehörig. Neocom. Chalançon, Drôme. A
von der Seite, B von der Bauchseite gesehen (Vorderrand nach unten
gerichtet). C Querschnitt nach der Linie s-s. h = Harmonielinie; k =
Kante; r = Rippen (Falten).]
Haploceras Zitt. (Fig. 522, 523). Schale glatt oder mit sichelförmiger
Streifung. Aussenseite gerundet, gegen die Mündung zuweilen mit
Querwülsten (Fig. 522). Nabel mässig weit. Wohnkammer zuweilen
eingeknickt (Fig. 522), aber ohne Einschnürungen; Lobenlinie
vollzählig, unsymmetrisch und fein zertheilt. Unterer Dogger -- Neocom,
häufig im Tithon und Neocom der Alpen und Südeuropas.
H. oolithicum d’Orb. }
} Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
H. Cadomense d’Orb. (Fig. 522). }
H. lingulatum Qu. Oxford. }
} Süddeutschland.
H. nimbatum Opp. Kimmeridge. }
H. elimatum Opp. Tithon. Mittel- und Südeuropa.
H. carachtheis Zeuschn. Tithon, seltener schon im Kimmeridge.
Alpengebiet und Südeuropa.
H. Grasi d’Orb. }
} Neocom. Alpengebiet.
H. inornatum d’Orb. }
Desmoceras Zitt. Schale mässig weit bis weit genabelt, mit Sichelrippen
oder Einschnürungen und Wülsten, welche über die gerundete, selten
zugeschärfte Aussenseite fortsetzen. Neocom -- Senon.
D. difficile d’Orb. }
D. ligatum d’Orb. } Neocom. Alpengebiet.
D. cassida Rasp. }
D. Beudanti d’Orb. }
D. latidorsatum Mich. } Gault. Mitteleuropa.
D. planulatum Sow. }
D. Hernense Schlüt. Unteres Senon. Norddeutschland, Ostindien.
[Illustration: Fig. 524. Pachydiscus peramplus Mant. Turon. England.
A Schale von der Seite, B von vorn. Die Rippen sind nach vorn
geschwungen.]
Pachydiscus Zitt. (Fig. 524). Schale häufig sehr gross, aufgebläht,
im Querschnitt halbmondförmig, in der Jugend mit Einschnürungen, wie
Desmoceras. Nach vorn geschwungene, einfache oder gespaltene, zuweilen
geknotete Rippen. Neocom -- Senon, häufig in der oberen Kreide Europas,
Ostindiens und Südamerikas.
P. peramplus Mant. (Fig. 524). Oberes Turon. England, Frankreich,
Deutschland.
P. Stobaei Nils. Oberes Senon. Schweden, Norddeutschland.
P. Wittekindi Schlüt. Leitend für das oberste Senon
(Mucronatenkreide) in Westfalen.