7. Fam. Amaltheidae.

Die Amaltheidae sind wahrscheinlich die Nachkommen der triadischen

Plychitidae; die vermittelnden Glieder aus der obersten Trias und dem

untersten Jura sind freilich noch unbekannt. Bei den ältesten Amaltheen

zeigt der Aussensattel und Aussenlobus auffallende Aehnlichkeit mit

den gleichen Bildungen der älteren Familie. Auch der linguatiforme

Charakter der Loben, der oft in einer auffallenden Breite der Sättel

seinen Ausdruck findet, bleibt häufig erhalten. Die Aussenseite der

Schale schärft sich in der Regel zu einer Schneide zu, die nicht

selten durch die an ihrem äusseren Ende stark nach vorn geschwungenen

Falten und Rippen gekerbt wird. Der Vorbiegung der Rippen entspricht

ein schmaler Aussenfortsatz der Mündung, während seitliche Fortsätze

fehlen. Eine ähnliche Beschaffenheit der Aussenseite und des Mundrandes

zeigen eine Reihe von Formen, die durch niedrigen Schalenquerschnitt,

weiteren Nabel, starke, meist gespaltene und oft geknotete Rippen

von den echten Amaltheiden abweichen (Cardioceras, Schloenbachia).

Ihre Zugehörigkeit zu dieser Familie ist nicht unbestritten, jedoch

wahrscheinlich.

Die Amaltheidae treten in gewissen Horizonten des Jura und der Kreide

recht häufig, aber ziemlich unvermittelt auf, wodurch die Verfolgung

der Formenreihen sehr erschwert wird.

A. Echte Amaltheidae. (Schale hochmündig, meist glatt).

Amaltheus Mtf. (Fig. 500-503). Schale scheibenförmig, enggenabelt,

glatt oder schwach berippt, seltener mit Knoten verziert. Loben

vollzählig, zuweilen unterzählig. Hilfsloben und häufig Adventivloben

vorhanden. Bei den geologisch jüngeren Formen geht die Zerschlitzung

der Lobenlinie zurück und nimmt wieder einen ceratitischen oder gar

goniatitischen Charakter an.

[Illustration: Fig. 500. Amaltheus (Oxynoticeras) oxynotum Qu. Unterer

Lias (β). Schwäbischer Jura. Schale von vorn und von der Seite. ¹⁄₁.]

[Illustration: Fig. 501. Amaltheus margaritatus Brug. Mittlerer Lias.

Schale von der Seite, den gekerbten Kiel zeigend. Uebergangsform zu A.

(Pleuroceras) costatus Brug. (Seitenknoten entwickelt). ¹⁄₁.]

Wesentlich nach dem Charakter der Lobenlinie lassen sich folgende 3

Gruppen unterscheiden:

1. Oxynoti. Aussenlobus breit. Loben nach vorn weit geöffnet, nach

hinten gerundet. Sättel breitstämmig, wenig tief zerschlitzt.

Aussenseite meist mit scharfem, aber ungekerbtem Kiel, selten gerundet

(Fig. 500).

a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie ammonitisch

(Fig. 500)

Oxynoticeras. Unterer Lias -- Neocom.

O. oxynotum Qu. (Fig. 500). Leitfossil für die mittlere Abtheilung

des Lias (β) in Mitteleuropa.

O. serrodens Qu. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.

O. Stauffense Opp. Unterer Dogger (β). -- Mitteleuropa.

O. catenulatum Fisch. }

} Obere Wolga-Stufe. Russland.

O. fulgens Trd. }

b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben. Lobenlinie

ammonitisch bis fast ceratitisch

Sphenodiscus. Obere Kreide.

Sph. lenticularis Ow. (Fig. 502). Oberste Kreide. Europa,

Nordamerika (? Eocän).

2. Fissilobati. Loben tief, nach vorn sich verengend. Sättel tief

zerschlitzt. Kiel scharf und auf dem Luftkammertheile hohl, oder

gekerbt.

[Illustration: Fig. 502. Sphenodiscus lenticularis Owen. Obere

Kreide (Fox Hills group). Upper Missouri. A Schale von der Seite mit

eingezeichneter Lobenlinie. B Dänische Stufe. Limburg. Ansicht des

Querbruches der Schale. p = Projection des vorhergehenden Umganges; al

= Adventivloben.]

[Illustration: Fig. 503. Buchiceras Ewaldi v. B. Unteres Senon

(Coniacien). Dép. du Drôme. A gekammerter Steinkern von der Seite,

B von vorn. kn = die schwachen Knoten des Aussenrandes. Ein Ast des

Aussenlobus (el) theilt vom breiten Aussensattel einen Adventivsattel

(x) ab. Die Lobenlinie ist ceratitisch mit Ausnahme des schwach

getheilten Adventivsattels.]

a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie stark

zerschlitzt.

Amaltheus s. str. Mittlerer Lias -- Neocom.

A. ibex Qu. Zonenammonit des Lias (γ). Mitteleuropa.

A. margaritatus Brug. (Fig. 501). Zonenammonit des unteren Lias (δ).

Mitteleuropa.

A. (Pleuroceras) costatus Brug. Zonenammonit des oberen Lias (δ).

Mitteleuropa.

A. Truellei d’Orb. Mittlerer Dogger. }

} Mitteleuropa.

A. pustulatus Ziet. Callovien. }

b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben.

Placenticeras. Untere und obere Kreide (? Eocän).

P. ? clypeiformis d’Orb. Neocom. Mittel- und Südeuropa.

P. ? Nisus d’Orb. Aptien. Mitteleuropa.

P. syrtalis Mort. Senon. Europa, Indien, Nordamerika.

P. placenta Dek. Oberste Kreide. Nordamerika.

3. Ceratitiformes. Hierher werden die ceratitischen und goniatitischen

Formen der beiden Gruppen gerechnet und als Buchiceras bezeichnet.

Obere Kreide.

B. Vibrayei d’Orb. Cenoman. Frankreich.

B. Syriacum v. B. Turon. Syrien.

B. Ewaldi v. B. (Fig. 503). Unterer Senon. Südfrankreich.

B. Tissoti Bayle. Senon. Nordafrika, Peru.

B. Niedrigmündige, rauhschalige Amaltheidae.

Zu wiederholten Malen entwickeln sich aus den glattschaligen oder

schwach berippten, hochmündigen echten Amaltheen trachyostrake

Schalen mit niedrigem Windungsquerschnitt, z. B. A. costatus Brug.

(Pleuroceras) aus A. margaritatus Brug. im mittleren Lias, A.

pustulatus Ziet. aus der Truelli-Gruppe im Callovien. Von letzterer

Gruppe scheint die Gattung

Cardioceras Neum. (Fig. 504) abzuzweigen. Schale mehr oder weniger

weit genabelt, mit gespaltenen, zuweilen auch geknoteten, gegen

die zugeschärfte oder gekielte, nie zugerundete Aussenseite nach

vorn geschwungenen Rippen bedeckt, welche die Aussenseite kerben.

Windungsquerschnitt herzförmig bis rechteckig. Mittelsattel breit.

Hilfsloben wenig entwickelt. Hilfssättel viel kleiner als die

Seitensättel. Unterer und mittlerer Malm.

C. cordatum Sow. (Fig. 504). Leitend für die Grenzschichten zwischen

Callovien und Oxford in Mitteleuropa.

C. alternans Buch. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.

[Illustration: Fig. 504. Cardioceras cordatum Sow. Unterstes Oxford.

Vieil St. Remy, Ardennen. Schale von der Seite. Die Rippen (r) spalten

sich gegen die Aussenseite und kerben dieselbe (k).]

Schloenbachia Neum. (Fig. 505). Schale weiter genabelt als bei

Cardioceras. Aussenseite mit scharfem, selten gekerbtem Kiel, der am

Mundrande stielartig verlängert (f) und zuweilen zurückgebogen ist.

Kräftige, meist gespaltene und häufig geknotete Rippen. Loben wenig

stark verästelt, zuweilen fast ceratitisch. Ein einziger Hilfslobus.

Untere, besonders aber obere Kreide.

Schl. cristata Del. Oberer Gault. Mitteleuropa.

Schl. varicosa Sow. Oberer Gault. Mitteleuropa, Südamerika.

Schl. inflata Sow. Leitfossil für die Grenzschichten zwischen Gault

und Cenoman. Europa, Indien, Westafrika, Südamerika.

Schl. varians Sow. }

} Cenoman. Mitteleuropa.

Schl. Coupei Bgt. (Fig. 505). }

Schl. tricarinata d’Orb. Unterstes Senon. Europa, Indien.

Schl. Texana Rö. Unterstes Senon. Europa, Nordamerika.

[Illustration: Fig. 505. Schloenbachia Coupei Brgt. Cenoman. Rouen. A

Schale von der Seite, B von vorn. k = Kiel; kn = Seitenknoten; kn’ =

Knoten der Aussenseite; f = stielartiger Trichterfortsatz.]

Elemente der Paläontologie · 第 205 / 606 题