Die Amaltheidae sind wahrscheinlich die Nachkommen der triadischen
Plychitidae; die vermittelnden Glieder aus der obersten Trias und dem
untersten Jura sind freilich noch unbekannt. Bei den ältesten Amaltheen
zeigt der Aussensattel und Aussenlobus auffallende Aehnlichkeit mit
den gleichen Bildungen der älteren Familie. Auch der linguatiforme
Charakter der Loben, der oft in einer auffallenden Breite der Sättel
seinen Ausdruck findet, bleibt häufig erhalten. Die Aussenseite der
Schale schärft sich in der Regel zu einer Schneide zu, die nicht
selten durch die an ihrem äusseren Ende stark nach vorn geschwungenen
Falten und Rippen gekerbt wird. Der Vorbiegung der Rippen entspricht
ein schmaler Aussenfortsatz der Mündung, während seitliche Fortsätze
fehlen. Eine ähnliche Beschaffenheit der Aussenseite und des Mundrandes
zeigen eine Reihe von Formen, die durch niedrigen Schalenquerschnitt,
weiteren Nabel, starke, meist gespaltene und oft geknotete Rippen
von den echten Amaltheiden abweichen (Cardioceras, Schloenbachia).
Ihre Zugehörigkeit zu dieser Familie ist nicht unbestritten, jedoch
wahrscheinlich.
Die Amaltheidae treten in gewissen Horizonten des Jura und der Kreide
recht häufig, aber ziemlich unvermittelt auf, wodurch die Verfolgung
der Formenreihen sehr erschwert wird.
A. Echte Amaltheidae. (Schale hochmündig, meist glatt).
Amaltheus Mtf. (Fig. 500-503). Schale scheibenförmig, enggenabelt,
glatt oder schwach berippt, seltener mit Knoten verziert. Loben
vollzählig, zuweilen unterzählig. Hilfsloben und häufig Adventivloben
vorhanden. Bei den geologisch jüngeren Formen geht die Zerschlitzung
der Lobenlinie zurück und nimmt wieder einen ceratitischen oder gar
goniatitischen Charakter an.
[Illustration: Fig. 500. Amaltheus (Oxynoticeras) oxynotum Qu. Unterer
Lias (β). Schwäbischer Jura. Schale von vorn und von der Seite. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 501. Amaltheus margaritatus Brug. Mittlerer Lias.
Schale von der Seite, den gekerbten Kiel zeigend. Uebergangsform zu A.
(Pleuroceras) costatus Brug. (Seitenknoten entwickelt). ¹⁄₁.]
Wesentlich nach dem Charakter der Lobenlinie lassen sich folgende 3
Gruppen unterscheiden:
1. Oxynoti. Aussenlobus breit. Loben nach vorn weit geöffnet, nach
hinten gerundet. Sättel breitstämmig, wenig tief zerschlitzt.
Aussenseite meist mit scharfem, aber ungekerbtem Kiel, selten gerundet
(Fig. 500).
a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie ammonitisch
(Fig. 500)
Oxynoticeras. Unterer Lias -- Neocom.
O. oxynotum Qu. (Fig. 500). Leitfossil für die mittlere Abtheilung
des Lias (β) in Mitteleuropa.
O. serrodens Qu. Oberer Lias (ζ). Mitteleuropa.
O. Stauffense Opp. Unterer Dogger (β). -- Mitteleuropa.
O. catenulatum Fisch. }
} Obere Wolga-Stufe. Russland.
O. fulgens Trd. }
b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben. Lobenlinie
ammonitisch bis fast ceratitisch
Sphenodiscus. Obere Kreide.
Sph. lenticularis Ow. (Fig. 502). Oberste Kreide. Europa,
Nordamerika (? Eocän).
2. Fissilobati. Loben tief, nach vorn sich verengend. Sättel tief
zerschlitzt. Kiel scharf und auf dem Luftkammertheile hohl, oder
gekerbt.
[Illustration: Fig. 502. Sphenodiscus lenticularis Owen. Obere
Kreide (Fox Hills group). Upper Missouri. A Schale von der Seite mit
eingezeichneter Lobenlinie. B Dänische Stufe. Limburg. Ansicht des
Querbruches der Schale. p = Projection des vorhergehenden Umganges; al
= Adventivloben.]
[Illustration: Fig. 503. Buchiceras Ewaldi v. B. Unteres Senon
(Coniacien). Dép. du Drôme. A gekammerter Steinkern von der Seite,
B von vorn. kn = die schwachen Knoten des Aussenrandes. Ein Ast des
Aussenlobus (el) theilt vom breiten Aussensattel einen Adventivsattel
(x) ab. Die Lobenlinie ist ceratitisch mit Ausnahme des schwach
getheilten Adventivsattels.]
a. Ohne deutlich gesonderte Adventivloben. Lobenlinie stark
zerschlitzt.
Amaltheus s. str. Mittlerer Lias -- Neocom.
A. ibex Qu. Zonenammonit des Lias (γ). Mitteleuropa.
A. margaritatus Brug. (Fig. 501). Zonenammonit des unteren Lias (δ).
Mitteleuropa.
A. (Pleuroceras) costatus Brug. Zonenammonit des oberen Lias (δ).
Mitteleuropa.
A. Truellei d’Orb. Mittlerer Dogger. }
} Mitteleuropa.
A. pustulatus Ziet. Callovien. }
b. Mit mehr oder minder zahlreichen Adventivloben.
Placenticeras. Untere und obere Kreide (? Eocän).
P. ? clypeiformis d’Orb. Neocom. Mittel- und Südeuropa.
P. ? Nisus d’Orb. Aptien. Mitteleuropa.
P. syrtalis Mort. Senon. Europa, Indien, Nordamerika.
P. placenta Dek. Oberste Kreide. Nordamerika.
3. Ceratitiformes. Hierher werden die ceratitischen und goniatitischen
Formen der beiden Gruppen gerechnet und als Buchiceras bezeichnet.
Obere Kreide.
B. Vibrayei d’Orb. Cenoman. Frankreich.
B. Syriacum v. B. Turon. Syrien.
B. Ewaldi v. B. (Fig. 503). Unterer Senon. Südfrankreich.
B. Tissoti Bayle. Senon. Nordafrika, Peru.
B. Niedrigmündige, rauhschalige Amaltheidae.
Zu wiederholten Malen entwickeln sich aus den glattschaligen oder
schwach berippten, hochmündigen echten Amaltheen trachyostrake
Schalen mit niedrigem Windungsquerschnitt, z. B. A. costatus Brug.
(Pleuroceras) aus A. margaritatus Brug. im mittleren Lias, A.
pustulatus Ziet. aus der Truelli-Gruppe im Callovien. Von letzterer
Gruppe scheint die Gattung
Cardioceras Neum. (Fig. 504) abzuzweigen. Schale mehr oder weniger
weit genabelt, mit gespaltenen, zuweilen auch geknoteten, gegen
die zugeschärfte oder gekielte, nie zugerundete Aussenseite nach
vorn geschwungenen Rippen bedeckt, welche die Aussenseite kerben.
Windungsquerschnitt herzförmig bis rechteckig. Mittelsattel breit.
Hilfsloben wenig entwickelt. Hilfssättel viel kleiner als die
Seitensättel. Unterer und mittlerer Malm.
C. cordatum Sow. (Fig. 504). Leitend für die Grenzschichten zwischen
Callovien und Oxford in Mitteleuropa.
C. alternans Buch. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 504. Cardioceras cordatum Sow. Unterstes Oxford.
Vieil St. Remy, Ardennen. Schale von der Seite. Die Rippen (r) spalten
sich gegen die Aussenseite und kerben dieselbe (k).]
Schloenbachia Neum. (Fig. 505). Schale weiter genabelt als bei
Cardioceras. Aussenseite mit scharfem, selten gekerbtem Kiel, der am
Mundrande stielartig verlängert (f) und zuweilen zurückgebogen ist.
Kräftige, meist gespaltene und häufig geknotete Rippen. Loben wenig
stark verästelt, zuweilen fast ceratitisch. Ein einziger Hilfslobus.
Untere, besonders aber obere Kreide.
Schl. cristata Del. Oberer Gault. Mitteleuropa.
Schl. varicosa Sow. Oberer Gault. Mitteleuropa, Südamerika.
Schl. inflata Sow. Leitfossil für die Grenzschichten zwischen Gault
und Cenoman. Europa, Indien, Westafrika, Südamerika.
Schl. varians Sow. }
} Cenoman. Mitteleuropa.
Schl. Coupei Bgt. (Fig. 505). }
Schl. tricarinata d’Orb. Unterstes Senon. Europa, Indien.
Schl. Texana Rö. Unterstes Senon. Europa, Nordamerika.
[Illustration: Fig. 505. Schloenbachia Coupei Brgt. Cenoman. Rouen. A
Schale von der Seite, B von vorn. k = Kiel; kn = Seitenknoten; kn’ =
Knoten der Aussenseite; f = stielartiger Trichterfortsatz.]