3. Fam. Arcestidae.

Schale im Allgemeinen glatt, zuweilen mit feinen Querstreifen oder

flachen, niemals gespaltenen Rippen. Varices häufig. Wohnkammer 1 bis

1½ Umgänge einnehmend, häufig geknickt oder ausgeschnürt. Mundrand

oft verdickt und die Aussenseite verschmälert oder verbreitert, meist

auf der Aussenseite vorgezogen, selten an den Seiten eingebogen. Perm

und Trias. Diese Familie ist im Perm bereits mit ammonitischen Loben

ausgestattet, goniatitische Formen reichen aber bis zum Schluss der

Triasformation.

a. Lobenlinie mit brachyphyller Entwicklung (Fig. 489, 490).

Arcestinae.

Sphingites Mojs. Schale weit genabelt. Umgänge langsam anwachsend,

nur mit Wülsten und Einschnürungen. Im Uebrigen wie Arcestes. Die

ältesten Formen aus der unteren Trias besitzen nur 1 Seitenlobus und

unzerschlitzte Sättel (Prosphingites). Trias.

Sph. (Prosph.) Czekanowskii Mojs. Unterste Trias. Olenekmündung.

Sph. Meyeri v. Kl. Karnische St. Nord- und Südalpen, Bukowina.

[Illustration: Fig. 489. Arcestes gigantogaleatus Mojs. Norisch.

Salzkammergut. A Schale von der Seite, B von vorn. Die gegen aussen

zusammengedrückte, mit schwachen Querstreifen verzierte Wohnkammer

allein sichtbar. Mundrand gegen innen zu verdickt, mit schwachem

Trichterausschnitt.]

[Illustration: Fig. 490. Arcestes subtridentinus Mojs. Norisch.

Bakonyer Wald. Lobenlinie. Die Sättel sind nicht zweitheilig wie bei

Joannites (Fig. 492).]

Arcestes Suess. (Fig. 489, 490). Schale eng- oder nicht genabelt,

aufgeblasen bis fast kugelig. Aussenseite gerundet, auf der abweichend

gebildeten Wohnkammer zuweilen zugeschärft oder abgeplattet. Verzierung

fehlend oder in einfachen Querstreifen oder flachen Rippen bestehend.

Lobenlinie bei den permischen Arten noch wenig, bei den triadischen

sehr stark zerschlitzt. Loben gegen innen langsam an Grösse abnehmend.

Aussenlobus am tiefsten, Aussensattel am höchsten. Mittelsattel stark

zerschlitzt, hoch. Im Perm, besonders häufig in der oberen Trias der

Alpen, Californiens, des Himalaya und Spitzbergens.

A. antiquus Waag. Perm. Ostindien.

A. Bramantei Mojs. Muschelkalk. Nord- und Südalpen, Bosnien.

A. extralabiatus Mojs. Muschelkalk. Nordalpen, Bosnien.

A. subtridentinus Mojs. (Fig. 490). } Norisch. Südalpen, Bakony.

A. Boeckhi Mojs. }

A. gigantogaleatus Mojs. (Fig. 489). }

A. subumbilicatus Br. } Norisch. Nordalpen.

A. intuslabiatus Mojs. }

A. bicarinatus v. Mü. } Karnisch. Nord- und Südalpen.

A. Ausseanus Hau. }

A. Gaytani Kl. Karnisch. Nord- und Südalpen, Bukowina.

b. Lobenlinie mit phylloider Entwicklung (Fig. 491-493).

Joannitinae.

Cyclolobus Waag. (Fig. 491). Schale stark eingerollt, enggenabelt,

mit niedergedrückten Windungen. Oberfläche mit Einschnürungen und

feinen Querstreifen. Lobenlinie bogenförmig, zuweilen mit 2 kleinen

Adventivloben, nicht sehr stark zerschlitzt. Hilfsloben mehr oder

weniger zahlreich. Im Perm Ostindiens und Siciliens.

C. Oldhami Waag. Perm. Ostindien. Mit Adventiv- und zahlreichen

Hilfsloben.

C. (Waagenoceras) Stachei Gem. (Fig. 491). } Perm. Sicilien. Ohne

} Adventiv- und mit

C. (Waagenoceras) Mojsisovicsi Gem. } wenigen Hilfsloben.

[Illustration: Fig. 491. Cyclolobus Stachel Gem. Perm. Sicilien. A

Schale von der Seite, B von hinten. v = Schalenwulst. C Lobenlinie.]

[Illustration: Fig. 492. Joannites Joannis-Austriae Kl. Karnisch

(Cassianer Schichten). St. Cassian, Südtirol, Ein Theil der

Lobenlinie, um den bogigen Verlauf derselben, die Zweitheilung (x) des

Aussensattels (es) und den hohen und reich verzierten Mittelsattel (ms)

zu zeigen.]

Joannites Mojs. (Fig. 492). Schale enggenabelt, aber flach und

glatt. Steinkern mit bogenförmigen Furchen. Lobenlinie bogig, stark

zerschlitzt, ohne adventive Elemente, von Arcestes durch die tiefe

Zweitheilung der Sättel (x) unterschieden. In der norischen, besonders

aber in der karnischen Stufe der alpinen Trias.

J. cymbiformis Wulf. }

} Karnisch. Nord- und Südalpen.

J. Klipsteini Mojs. }

J. Joannis-Austriae Kl. (Fig. 492). Karnisch. Nord- und Südalpen.

Bukowina.

Popanoceras Hyatt (Fig. 493). Schale enggenabelt oder ungenabelt, ohne

Furchen oder Varices. Die Schlusswindung oft abweichend gestaltet.

Oberfläche mit S-förmiger Streifung, die auf der Aussenseite stark

nach rückwärts biegt. Lobenlinie gerade oder schwach gebogen,

wenig zerschlitzt; Sattelenden breit, blattförmig. Im Perm des

Urals und Siciliens; nahe verwandte, aber durch das Fehlen des

Trichterausschnittes unterschiedene Formen in der älteren Trias

(Muschelkalk) Spitzbergens.

P. Sobaleskyanum d. Vern. Perm. Ural.

P. multistriatum Gem. (Fig. 493). }

} Perm. Sicilien.

P. clausum Gem. }

[Illustration: Fig. 493. Popanoceras multistriatum Gem. Perm.

Sicilien. A Schale von der Seite, B von hinten. C Lobenlinie. t =

Trichterauswölbung.]

[Illustration: Fig. 494. Lobites pisum Mnstr. Karnische Stufe

(Cassianer Sch.). St. Cassian, Südtirol. A Schale von der Seite. B von

vorn, die kapuzenförmig vorgezogene Mündung zeigend. C Lobenlinie.]

c. Lobenlinie goniatitisch. Sättel an der Basis verschmälert.

Hilfsloben spärlich (Fig. 494).

Lobitinae.

Lobites Mojs. (Fig. 494). Kleine, involute Schalen mit abweichender

Schlusswindung; letztere hinter der Mündung oft eingeschnürt.

Oberfläche glatt oder schwach quergefaltet. Mundrand auf der

Aussenseite meist kapuzenartig vorgezogen. Seitensättel oft abwechselnd

hoch und niedrig. Loben gerundet oder spitz. Norische und karnische

Stufe der alpinen Trias.

L. pisum Mnstr. (Fig. 494). Karnisch. Nord- und Südalpen.

L. delphinocephalus Hau. Karnisch. Nordalpen.

B. Angustisellati.

Die erste Scheidewand mit einem relativ schmalen Aussensattel und

mit mehr oder minder ausgeprägten Seitensätteln (Fig. 495 ss).

Loben vollzählig oder überzählig, meist mit Hilfs- und häufig mit

Adventivloben, nur bei den ältesten Formen noch mehr oder weniger

goniatitisch. Schale glatt oder verziert. Vom Perm bis in die jüngste

Kreide (? Alttertiär). Nach dem allgemeinen Charakter der Loben, wie er

schon bei den goniatitischen Vorfahren sich ausdrückt, theilen wir die

Angustisellati in folgende 3 Gruppen:

I. Serratiformes. Loben und Sättel zahlreich, an der Spitze

verschmälert. Adventive Elemente fast immer vorhanden. Schalenskulptur

fehlend oder schwach. Perm und Trias.

II. Linguatiformes. Loben mehr oder weniger zahlreich, gerundet, in

der Kreide z. Th. mit adventiven Elementen. Lobenentwicklung

brachyphyll. Aussenlobus oft wenig tief, so dass Mittel- und

Aussensattel nicht scharf geschieden. Wenn der Aussenlobus tief,

leiten meist die zugeschärfte oder gekielte, häufig gekerbte

Aussenseite und die an der Aussenseite stark nach vorn geschwungenen

Rippen. Mundrand mit schmalem Aussenfortsatz. Einschnürungen der

Schale fehlen. Perm -- Obere Kreide.

III. Lanceolatiformes. Loben und Sättel meist baumförmig verästelt und

zerschnitten, ihre Entwicklung phylloid (Sattelenden häufig

blattförmig). Schale glatt oder mannigfaltig verziert, oft mit

Einschnürungen. Mundrand abgestutzt oder aussen und an der Seite

vorgezogen. Nebenformen häufig. Perm -- Obere Kreide.

[Illustration: Fig. 495. Embryonalblase eines angustisellaten Ammoniten

(Coeloceras crassum Phill.) von vorn. si = Sipho; n = Nabel; es =

Aussensattel; ss = Seitensattel; is = Innensattel; sl₁ = Seitenlobus;

il = Innenlobus.]

Elemente der Paläontologie · 第 200 / 606 题