Der Fuss der Pteropoda ist zu einem Paare flügelförmiger Flossen
umgestaltet, mit Hülfe derer sie sich fortbewegen. Manche Pteropoden
(Ordn. Thecosomata) besitzen eine knorpelige, hornige oder kalkige,
aber stets sehr zarte Schale, welche meist eine mehr oder weniger
trichterförmige und zweiseitig-symmetrische, seltener schneckenförmig
gewundene Gestalt aufweist. Die Thiere leben ausschliesslich im
offenen Meere, wo sie Nachts in Schwärmen an der Oberfläche schwimmend
angetroffen werden. Die Schalen der abgestorbenen Thiere häufen sich
auf dem Meeresgrunde local an und bilden den sog. »Pteropodenschlamm«.
Fossil sind sie von geringer Wichtigkeit, da sie nur im jüngeren
Tertiär Mittel- und Südeuropas gelegentlich, dann aber oft in
zahlreichen Exemplaren angetroffen wurden, z. B. im Schlier.
Anhang: Conularida.
Litteratur über Conularida.
Barrande, J. Système silurien du centre de la Bohême. Vol. III.
Pteropodes. 1867.
Eine ausgestorbene, fast ausschliesslich paläozoische Gruppe von
unsicherer Stellung. Die allein bekannten Schalen besitzen eine
verkehrt pyramidale Gestalt (Fig. 395 A) und einen elliptischen (B),
quadratischen, rhombischen (D) oder gewölbt dreiseitigen Umriss. Die
Spitze der Schale ist in der Regel durch concave Scheidewände (E s’)
gekammert, die Mündung durch einen Deckel verschlossen oder durch die
umgeschlagenen Seiten der Schalen verengt (C). Die Schale besteht
entweder aus kohlensaurem Kalk oder aus phosphorsaurem Kalk und
horniger Substanz. Vom Cambrium an bekannt und in allen paläozoischen
Formationen ziemlich häufig, vereinzelt noch in der alpinen Trias,
angeblich auch noch im Lias. Zwei Gattungen sind besonders wichtig:
Conularia Mill. (Fig. 395). Schale meist gerade, verkehrt pyramidal,
von annähernd quadratischem (B) oder rhombischem (D) Querschnitt.
Die Ecken sind durch mehr oder minder tiefe und breite Furchen
(Kantenfurchen kf) der Schale ausgezeichnet. Auf jeder Seitenfläche ist
eine mittlere oder aus der Mitte gerückte Segmentallinie (sl) sichtbar,
welcher auf der Innenseite der Schale eine niedrige Segmentalleiste
(B l, D l) entspricht. An ihrer Stelle wird auf dem Steinkerne eine
Segmentalfurche (A sf) sichtbar. An gut erhaltenen Stücken zeigt sich
die Mündung durch die Umschläge der Seitenwände -- Mündungslappen
(C ml) verengt; die 4 Lappen sind aber durch Zwischenräume
(Mündungsfurchen C mf) getrennt. Die Spitze des Gehäuses ist durch
dünne, concave Scheidewände (E s’) gekammert; die Spitze selbst meist
abgegliedert. Die Oberflächenverzierung besteht aus feinen welligen (E
r) oder gröberen convexen (A r) Querrippen. Eine zarte Längsstreifung
bringt auf letzteren häufig eine Körnelung hervor. Die Schale ist dünn
und besteht z. Th. aus horniger Substanz, z. Th. aus phosphorsaurem
(milchweissem) Kalke. Die Schalen erreichen eine Grösse von fast 0,4
m. Vom Silur bis in die Steinkohlenformation häufig, selten im Perm
und in der Trias. Ca. 100 Arten. Sog. »Conularienschichten« finden
sich besonders häufig im Untersilur (D) in Böhmen und im Unter- resp.
Mitteldevon in Nordamerika und Bolivien.
C. pyramidata Hörn. Untersilur (Grès de May). Normandie.
C. anomala Barr. Untersilur. Böhmen.
C. acuta F. Rö. (Fig. 395 A, B). Devon. Europa, Bolivien.
C. Quichua Ulr. (Fig. 395 D, E). Devon. Bolivien.
C. quadrisulcata Sow. (Fig. 395 C). Subcarbon. Grossbritannien.
[Illustration: Fig. 395. Conularia. A, B C. acuta F. Rö. Devon
(Hamilton-Gr.?). Chahuarani, östl. Bolivien. A die unten abgebrochene
Schale gegen einer Seitenfläche gesehen; B dieselbe im Querschnitt.
s = Schale; st = Steinkern; kf = Kantenfurchen; sl = Segmentallinie
der Schale; sf = Segmentalfurchen des Steinkernes; r = Querrippen;
l = innere Segmentalleisten der Schale; dieselben verursachen die
Segmentalfurchen auf dem Steinkerne. C C. quadrisulcata Sow. Subcarbon.
Glasgow. Mündung von oben gesehen. ml = Mündungslappen, durch die
Mündungsfurchen (mf) getrennt; sl = Segmentallinien. D, E C. Quichua
Ulr. Devon. Bolivien. D Querschnitt der Schale. E unteres Ende der
plattgedrückten Schale, z. Th. aufgebrochen, gegen die Kante gesehen.
s, st, kf, sl, l, r = wie oben; s’ = Querscheidewände.]
Hyolithes Eichw. Schale aus kohlensaurem Kalke bestehend, dreikantig,
glatt oder fein gestreift. Mündung nicht verengt, aber an der einen
Seite ausgezogen, durch einen kalkigen, meist spiralen Deckel
verschlossen. Scheidewände wie bei Conularia vorhanden. Hauptsächlich
im Cambrium und Silur, seltener im Devon, nur noch vereinzelt in der
Steinkohlenformation und im Perm.
H. maximus Barr. (Leth. pal., t. 2, Fig. 9). Cambrium. Böhmen.
H. elegans Barr. Untersilur. Böhmen.
H. acutus Eichw. (Leth. pal., t. 5, Fig. 11). Untersilur.
Nordeuropa.
Die Conularida (Conularia, Hyolithes und einige andere, ausschliesslich
paläozoische Gattungen) werden von vielen Autoren zusammen mit
den Tentaculitidae (p. 115) an die Pteropoden angeschlossen. Eine
äusserliche Aehnlichkeit mit denselben, besonders durch zweiseitige
Symmetrie und verkehrt pyramidale Gestalt der Schale hervorgerufen,
kann wohl nicht geleugnet werden. Doch trennt eine bedeutende zeitliche
Kluft die geologisch alten Conularida von den erst seit der Tertiärzeit
bekannten und zart beschalten Pteropoden. Eine gleichzeitig hornige
und aus grossen Mengen phosphorsauren Kalkes bestehende Schalenmasse,
wie sie bei Conularia vorkommt, findet sich weder bei den Gastropoden
noch bei den Pteropoden, sondern nur bei fossilen Cephalopoden
(Chondrophora) und bei den niedrig organisirten Brachiopoden
(Ecardines). Gegen ihre Zurechnung zu den Cephalopoden wird wiederum
das Fehlen eines, die Scheidewände durchbrechenden Siphos angeführt.