3. Unterordnung Ostracea.

Schale meist dick, blätterig, ungleichklappig, verlängert, in der

Regel mit der grösseren (linken) Klappe festgewachsen. Schlossrand

gerundet, ohne Zähne. Ligament innerlich, unter dem mehr oder

weniger mittelständigen, oft gebogenen Wirbel gelegen (Fig. 298

lg). Mantellinie meist undeutlich. Muskeleindruck etwas hinter

der Mitte gelegen (Fig. 298 n). Meeresbewohner (gelegentlich auch

im Brackwasser), die vom Silur bis zur Trias selten, vom Jura an

ausserordentlich häufig sich finden und ihre stärkste Entwickelung in

der Kreide besitzen.

Die Familie der Anomidae zeichnet sich durch dünne Schalen aus, die

sich mit der rechten Klappe festheften oder mit derselben aufliegen.

Vom Jura an entwickelt.

Die Schalen der Ostreidae sind meist dick und in der Regel mit der

linken Klappe festgewachsen. Der wichtigste Vertreter dieser Familie

ist die Gattung:

Ostrea L. (Auster) (Fig. 298-303). Schale oft unregelmässig, dick,

ungleichklappig. Die aufgewachsene, sehr selten freie (linke)

Unterklappe grösser und stärker gewölbt, als die flachere (rechte)

Deckelklappe (Fig. 301 s, s’). Schale stets ungleichseitig, weil nach

hinten zu ausgezogen (Fig. 298). Wirbel fast oder ganz mittelständig,

mehr oder weniger vorstehend, oft gekrümmt (Fig. 301 u) oder seitwärts

spiral gedreht (Fig. 302 u) (bald nach vorn, bald nach hinten).

Ligamentgrube (Fig. 298 lg) verlängert, dreieckig. Muskeleindruck

hinter der Mitte (Fig. 298 n). Die Oberfläche der Schale ist glatt,

gestreift oder gerippt; die concentrische Anwachsstreifung meist sehr

deutlich. Manche Austernschalen werden bis über 0,5 m lang und mehrere

cm dick. Man trifft sie fossil und lebend in der Regel zu Bänken

angehäuft (Austernbänke). Ihre hohe Bedeutung als Leitfossilien wird

durch die Häufigkeit und gute Erhaltung der meisten Arten bedingt.

[Illustration: Fig. 298. Ostrea Gingensis Schl. sp. Miocän. Wiener

Becken. Linke Klappe von innen. lg = Ligamentgrube; n = Muskeleindruck.

(Links = hinten.)]

[Illustration: Fig. 299. Ostrea flabelloides Lmk. Mittlerer Dogger.

Schwaben. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. (Links = hinten.)]

[Illustration: Fig. 300. Gryphaea arcuata Lmk. Unterer Lias (α)

(Gryphitenkalk). Metz. Von hinten gesehen. s = linke (gewölbte), s’

= rechte (flache) Klappe; f = Furche, auf der Hinterseite der linken

Klappe vom Wirbel zum Unterrande ziehend.]

[Illustration: Fig. 301. Gryphaea vesicularis Lmk. Oberes Senon. Rügen.

Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. st = Radialstreifen auf

derselben; s = linke Klappe mit übergebogenem Wirbel (u).]

Manche präjurassische austernartige Muscheln sind mit der rechten

Klappe aufgewachsen und werden meist an Spondylus angeschlossen

(Terquemia Tate). Echte Austern werden erst im Jura häufig. Man kennt

ca. 500 fossile und ca. 100 lebende Arten. Am häufigsten sind sie in

Jura und Kreide.

[Illustration: Fig. 302. Exogyra columba Lmk. Cenoman. Regensburg.

Schale gegen die rechte Klappe (s’) gesehen. s = linke Klappe mit

seitwärts und spiral gedrehtem Wirbel (u).]

[Illustration: Fig. 303. Exogyra virgula Dfr. Oberes Kimmeridge

(Virgulien). Berner Jura. A Schale gegen die linke, B gegen die rechte

Klappe gesehen.]

Mehrere Untergattungen werden unterschieden:

A. Wirbel gerade, nicht gekrümmt oder eingerollt. Schale glatt oder

gerippt (Fig. 298, 299)

Ostrea.

B. Wirbel der (linken) gewölbten Klappe gekrümmt. Rechte Klappe flach,

mit kaum hervortretendem Wirbel. Schale ungerippt, im Alter oft frei

(Fig. 300, 301)

Gryphaea.

C. Wirbel (einer oder beider Klappen) seitwärts gedreht. Schale glatt,

gestreift oder gerippt, gewöhnlich frei (Fig. 302, 303)

Exogyra.

Ostrea Lin. s. st. Steinkohlenformation -- Gegenwart.

A. Beide Klappen mit Rippen oder Falten (Alectryonia).

O. montis-caprilis Klipst. Norische Stufe (Wengener Sch.). Südtirol.

O. Haidingeri Emmr. Rhätische Schichten. Alpen.

O. flabelloides Lmk. (Fig. 299). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.

O. Marshi Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

O. costata Sow. }

} Oberer Dogger. Mitteleuropa.

O. Knorri Voltz. }

O. gregaria Sow. Oxford. Westeuropa.

O. rastellata Mnstr. Dogger und Malm. Mitteleuropa.

O. macroptera Sow. Neocom. England, Frankreich, Norddeutschland,

Schweiz.

O. Boussingaulti d’Orb. Grenzschichten der unteren und oberen Kreide.

Südwesteuropa, Südamerika.

O. carinata Lmk. Cenoman. Europa, Indien. Obere Kreide. Texas.

O. diluviana Lin. Cenoman, seltener Turon. Europa, Indien, Texas.

O. frons Park. Senon. Frankreich, Holland, Schweden.

O. larva Lmk. Senon und Danien. Europa, Nordamerika, Indien.

O. plicatula Gmel. Miocän -- Lebend. Südeuropa.

O. crista galli Lmk. Lebend. Indischer Ocean.

B. Unterklappe gefaltet, Deckelklappe glatt.

O. bellovacina Lmk. Untereocän. England, Frankreich.

O. flabellula Lmk. Mitteleocän. England, Frankreich, Belgien, Indien.

O. cyathula Lmk. Oligocän. Mitteleuropa.

O. Gingensis Schl. sp. (Fig. 298) } Miocän, Pliocän. Mittel- und

O. digitalina Dub. } Südeuropa.

O. edulis L. Lebend. Europäische Meere.

Elemente der Paläontologie · 第 146 / 606 题