Schale gleichklappig oder ungleichklappig, gleichseitig oder schief,
mit ganz oder nahezu mittelständigem Wirbel, frei oder nur mit Byssus
festgeheftet, selten festgewachsen. Schlossrand gerade. Ohren in der
Regel entwickelt. Band central. Bezahnung, wenn vorhanden, taxodont
oder isodont. Band unter dem Wirbel gelegen. Mit seltener Ausnahme ein
einziger (hinterer) Muskeleindruck, dem hinteren Schalenrande genähert.
Im Paläozoicum noch selten, vom Mesozoicum bis in die Gegenwart sehr
häufig und jetzt in zahlreichen Formen in allen Meeren verbreitet. Nur
marin.
A. Schlosszähne fehlen oder, wenn vorhanden, taxodont.
Schale gleichklappig, nicht festgewachsen.
Lima Brug. (Fig. 290; Fig. 291). Schale ganz oder nahezu gleichklappig,
beiderseits geohrt, schief (nach vorn verlängert). Hinteres Ohr grösser
als das (oft sehr kleine) vordere. Unter dem vorderen Ohr ein Spalt.
Oberfläche mit radialen Rippen (Fig. 290) und concentrischen Streifen,
seltener glatt (Fig. 291). Unter dem Wirbel eine Area mit dreieckiger,
halb innerlicher Bandgrube (Fig. 290 B l). Zuweilen kleine Kerbzähne
neben derselben (Limea).
Wenige Arten in jung-paläozoischen Schichten, sehr häufig im Jura,
namentlich in der Kreide, später selten werdend. Etwa 20 lebende
(freischwimmende) Arten.
[Illustration: Fig. 290. Lima striata Schl. sp. Oberer Muschelkalk.
Süddeutschland. A Schale gegen die rechte Klappe gesehen. B Schloss
derselben Klappe, den geraden, kurzen Schlossrand und die dreieckige
Bandgrube (l) unter dem Wirbel zeigend.]
[Illustration: Fig. 291. Lima gigantea Sow. Unterer Lias (α). Elsass.
Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = hinteres Ohr (das vordere
ist bei dieser Stellung der Schale nicht sichtbar).]
a. Schale mit geraden Radialrippen.
L. striata Schl. sp. (Fig. 290 A, B). Sehr häufig im deutschen
Muschelkalke, namentlich im oberen. Auch auf Sardinien.
L. pectinoides Sow. sp. Unterer Lias (α und β). Mitteleuropa.
L. duplicata Sow. }
} Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.
L. gibbosa Sow. }
L. cardiiformis Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
L. ovata Rö. }
} Senon. Norddeutschland, Frankreich.
L. semistriata Desh. }
b. Schale mit welligen Rippen oder glatt.
L. lineata Schl. sp. Häufig im unteren, seltener im oberen
Muschelkalke. Deutschland.
L. succincta Schl. sp. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
L. gigantea Sow. sp. (Fig. 291). Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
Sehr grosse Muschel.
L. semiornata d’Orb. Cenoman. }
} Mittel- und Nordeuropa.
L. Hoperi Mant. sp. Senon. }
Limea Bronn. unterscheidet sich durch den Besitz von Kerbzähnen zu
beiden Seiten des Ligaments.
L. acuticosta Gf. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
L. duplicata Gf. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
Ctenostreon Eichw. (Fig. 292) ist durch eine sehr dicke, mit
kräftigen, schuppigen Rippen bedeckte Schale und grosse, fast gleiche
Ohren ausgezeichnet. Vielleicht zu den Aviculiden (p. 280) zu stellen.
Jura und Kreide.
Ct. proboscideum Sow. sp. (Fig. 292). Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
Nahe verwandte Formen bis in die Kreide.
[Illustration: Fig. 292. Ctenostreon proboscideum Sow. sp. Mittlerer
Dogger. Franken. (Die Ohren sind unvollständig erhalten.)]
[Illustration: Fig. 293. Pecten asper Lmk. Unteres Cenoman. Normandie.
Schale gegen die rechte Klappe gesehen. o = vorderes, o’ = hinteres
Ohr.]
[Illustration: Fig. 294. A, B Pecten pumilus Lmk. Unterer Dogger
(Murchisonae-Sch.). Schwaben. A rechte Klappe mit vollständig
erhaltenen Ohren. o = vorderes Ohr. B Steinkern der linken Klappe. r =
Furchen desselben.]
[Illustration: Fig. 295. Pecten. A P. disciformis Schübl. Unterer
Dogger (Murchisonae-Sch.). Schwaben. Linke Klappe mit nach oben
aufsteigenden Ohren (o). B P. (Vola) atavus Rö. sp. Neocom. Frankreich.
Von der Seite gesehen. Die flache Deckelklappe rechts kaum sichtbar.]
B. Zähne fehlen, Schale meist ungleichklappig, nicht
festgewachsen.
Pecten (Fig. 293-295). Schale frei oder mit Byssus festgeheftet, meist
ungleichklappig durch verschiedene Grösse, Wölbung oder Verzierung der
beiden Klappen; selten gleichklappig. Wirbel mittelständig. Umriss
kreisrund oder oval. Das vordere Ohr meist grösser als das hintere.
Unter dem vorderen Ohr der rechten Klappe in der Regel ein Ausschnitt
für den Byssus. Ligament innerlich, in einer dreieckigen Grube unter
den Wirbeln. Muskeleindruck nahezu mittelständig. Schalenoberfläche
sehr mannigfaltig: glatt, concentrisch gestreift, radial gerippt oder
gefaltet. Im Paläozoicum noch selten, von der Trias an häufig, vom
Jura an gemein. Fast 200, meist schwimmende Arten, lebend in allen
Meeren (Kammmuschel).
Es lassen sich zahlreiche Gruppen oder Untergattungen unterscheiden,
deren wichtigste folgende sind:
A. Schale glatt oder nur concentrisch gestreift (Fig.
294 A, B; Fig. 295 A). Perm -- Gegenwart.
a. Innenseite der Schale ohne Radialrippen (Fig. 295).
P. discites Schl. sp. } Häufig im oberen Muschelkalk, selten im
} unteren und im unteren Keuper.
P. laevigatus Schl. sp. } Deutschland.
P. Hehli d’Orb. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
P. liasinus Nyst. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
P. disciformis Schübl. (Fig. 295 A). Unterer und mittlerer Dogger.
Mitteleuropa.
P. crassitesta Rö. Neocom. England, Norddeutschland, Frankreich.
P. laminosus Mant. }
} Cenoman. Mittel- und Nordeuropa.
P. orbicularis Sow. }
P. similis Lmk. Pliocän -- Lebend. Nordeuropa.
b. Innenseite der Schale mit radialen Rippen, die auf dem Steinkerne
als Furchen erscheinen (Fig. 294 A, B).
P. incrustatus Dfr. Oberer Lias (ε). Mitteleuropa.
P. pumilus Lmk. (= personatus Gf.) (Fig. 294 A, B). Unterer und
mittlerer Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.
P. alpinus d’Orb. Neocom. Alpen, Südfrankreich.
P. cristatus Bronn. sp. Miocän. Europa, Nordafrika.
P. pleuronectes Lin. Lebend. Südsee.
B. Oberfläche mit feinen, nach den Seitenrändern zu
divergirenden, punktirten Furchen. Nur Jura und Kreide.
P. lens Sow. Im ganzen Dogger, namentlich im mittleren und oberen.
Europa, Südamerika. Personaten-(= Murchisonae-)Sandstein.
P. striato-punctatus Rö. Neocom. Norddeutschland, Frankreich.
P. divaricatus Rss. Cenoman. Europa, Indien.
P. virgatus Nils. Senon. Nordeuropa.
C. Oberfläche mit gröberen radialen Rippen verziert.
Trias -- Gegenwart.
P. textorius Schl. Unterer Lias (α). Europa.
P. aequivalvis Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
P. vagans Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
P. fibrosus Sow, Callovien. Mitteleuropa.
P. vimineus Sow. Oxford und Kimmeridge. Mitteleuropa.
P. subarmatus Mnstr. Oxford. Mitteleuropa.
P. asper Lmk. (Fig. 293). Leitmuschel für das untere Cenoman in
Mitteleuropa.
P. Beaveri Sow. Cenoman. Europa.
P. muricatus Gf. }
} Senon. Mitteleuropa.
P. cretosus Dfr. }
P. plebejus Lmk. Eocän. England, Frankreich.
P. pictus Gf. Oligocän. Mittel- und Nordeuropa.
P. palmatus Gf. }
}
P. Burdigalenis Lmk. } Häufig im Miocän Mittel- und Südeuropas.
}
P. latissimus Brocch. }
P. opercularis Lin. sp. Pliocän -- Lebend. Europa.
D. Die beiden Klappen sehr ungleich, radial gerippt.
Rechte Klappe hoch gewölbt, linke flach. Lias -- Gegenwart,
hauptsächlich in der Kreide -- Vola (= Janira).
P. alatus Buch. Leitfossil für den südamerikanischen Lias.
P. atavus Rö. (Fig. 295 B). Neocom. Europa.
P. aequicostatus Lmk. Cenoman. Europa.
P. quinquecostatus Sow. }
} Obere Kreide. Europa.
P. quadricostatus Sow. }
Hinnites Dfr. zeichnet sich durch unregelmässige Berippung aus. Die
rechte Klappe ist im Alter festgewachsen. Trias -- Gegenwart, häufig im
Jura.
H. comptus Gf. sp. Muschelkalk. Deutschland.
H. abjectus Phill. sp. Mittlerer und oberer Dogger. Mitteleuropa.
H. velatus Gf. sp. Malm. Mitteleuropa.
C. Schale ungleichklappig, mit dem Wirbel der rechten
Klappe aufgewachsen. Haken- oder leistenförmige, symmetrisch
vertheilte Schlosszähne vorhanden.
Plicatula Lmk. (Fig. 296 A, B). Schale flach, im Umriss dreieckig,
nach hinten verbreitert, unregelmässig verziert (concentrisch und
radial). Ohren fehlen. Rippen oft schuppig oder stachelig. Area
schwach entwickelt. Rechte Klappe etwas grösser als die linke. Das
dreieckige, innerliche Ligament wird in der rechten Klappe (B l) von
2 divergirenden Leistenzähnen, in der linken von den entsprechenden
Zahngruben eingefasst. Die Leistenzähne der linken Klappe umfassen die
der rechten, werden aber ihrerseits oft noch von einem Paare äusserer
Zähne der rechten (B) eingeschlossen. Muskeleindruck dem Hinterrande
genähert. Vom Trias bis zur Gegenwart. Lebend in wärmeren Meeren.
[Illustration: Fig. 296. Plicatula spinosa Sow. Mittlerer Lias
(Costatus-Schicht). Deutsch-Lothringen. A linke Klappe von aussen. B
Schloss der rechten Klappe. l = Ligamentgrube, von 2 Leistenzähnen
eingefasst; ausserdem 2 seitliche Zähne.]
Pl. spinosa Sow. (Fig. 296 A, B). Mittlerer (selten oberer) Lias.
Mitteleuropa.
Pl. tubifera Lmk. Oxford. Mitteleuropa.
Pl. placunea Lmk. Aptien. Mitteleuropa, Spanien. (»Argile à
Plicatules«.)
Pl. radiola Lmk. Albien. Mitteleuropa.
Pl. aspera Lmk. Senon. Mitteleuropa.
Pl. cristata Lmk. Lebend. Westindien.
Pl. intusstriata Emmr. Rhät. Nord- und Südalpen.
Spondylus Lin. (Fig. 297 A-C). Schale meist dick, mit stacheligen oder
schuppigen Radialrippen verziert (A). Wirbel auseinander gerückt.
Beiderseits mit Ohren (A o). Rechte Klappe grösser und mit grösserer
Area (B a) als die (freie) linke (C a’). Ligament median, in einer
Längsgrube, z. Th. innerlich (B li, C li’), z. Th. äusserlich (B le, C
le’). Bezahnung isodont, wie bei Plicatula, aber die Zähne hakenförmig,
nach aufwärts gekrümmt, 2 in jeder Klappe (B x, C y’). Muskeleindruck
etwas nach hinten gerückt. Vom oberen Jura bis zur Gegenwart,
häufig von der Kreide an. Lebend nur in den wärmeren Meeren, meist
Korallenriffe bewohnend.
Sp. aculeïferus Ziet. Oberer Malm. Mitteleuropa.
Sp. striatus Sow. sp. }
} Cenoman. Mitteleuropa.
Sp. hystrix Gf. }
Sp. truncatus Gf. Unteres Senon. Mitteleuropa.
Sp. spinosus Sow. sp. (Fig. 297 A). Turon und Senon. Mitteleuropa.
Häufig.
Sp. radula Lmk. Eocän. Mittel- und Südeuropa.
Sp. tenuispina Sdb. (Fig. 297 B, C). Oligocän. Mitteleuropa.
Sp. crassicosta Lmk. Miocän. Mittel- und Südeuropa.
Sp. gaederopus Lin. Lebend. Mittelmeer.
[Illustration: Fig. 297. Spondylus. A Sp. spinosus Sow. sp. Oberes
Turon (Scaphiten-Pläner). Strehlen, Sachsen. Schale gegen die rechte
Klappe gesehen. u = Wirbel; o = Ohren. B, C Sp. tenuispina Sdb.
Mitteloligocän. Mainzer Becken. B Schloss der rechten Klappe. a = Area:
le = äusserer, li = innerer Theil des Ligaments; x = Schlosszähne; y =
Zahngruben. C Schloss der linken Klappe. a’, le’, li’ = wie a, le, li
bei B; y’ = Schlosszähne; x’ = Zahngruben.]