Schale gleichklappig oder ungleichklappig, meist sehr ungleichseitig,
mit Byssus festgeheftet. Vorderer Muskeleindruck klein (selten
fehlend), in der Nähe des Wirbels gelegen (Fig. 281 m), hinterer gross,
vom Wirbel entfernt (Fig. 281 n). Wirbel meist nach vorn gerückt
(Fig. 281 w). Ligament linear, nicht auf eine Grube unter dem Wirbel
beschränkt. Folgende 2 Familien sind besonders wichtig:
Fam. Aviculidae. Schlossrand gerade. Schale meist vorn oder hinten
oder beiderseits geflügelt oder geohrt. Rechte Klappe meist flacher
als die linke und in der Regel mit einem Byssusausschnitt unter dem
vorderen Ohr (Fig. 281 a). Zähne oft vorhanden, aber undeutlich und
unsymmetrisch gestellt (Fig. 281 vz, hz). Eine äussere, prismatische
Schalenschicht vorhanden. Vom Silur bis zur Gegenwart. Nur marin.
Fam. Mytilidae. Schlossrand meist gebogen. Schale gleichklappig,
ohne Ohren oder Flügel. Zähne kaum entwickelt. Aeussere prismatische
Schalenschicht undeutlich prismatisch. Vom Silur bis zur Gegenwart.
Im Meer- und Süsswasser.
[Illustration: Fig. 281. Pterinea laevis Gf. Unterdevon. Rheinisches
Schiefergebirge. Linke Klappe von innen (oben) und Steinkern derselben
(unten). w = Wirbel; vz = Vorderzähne, hz = Hinterzähne; vo = vorderes,
ho = hinteres Ohr; m = vorderer, n = hinterer Muskeleindruck; a =
Ausbuchtung der Schale unter dem vorderen Ohr; r = Bandfeld.]
Fam. Aviculidae.
Gruppe A. Ligament einfach, nicht quergetheilt.
Pterinea Gf. (Fig. 281). Schale dick, ungleichseitig, schief, vorn mit
kurzem (vo), hinten mit langem, flügelartigem Ohr (ho). Oberfläche
meist radial berippt und concentrisch gestreift. Bandfeld lang und
breit, längsgefurcht, dem Schlossrande parallel (r). (Vgl. Arcidae p.
247.) Vor dem Wirbel einige kurze (vz), hinter demselben einige lange
Leistenzähne (hz). Rechte Klappe flacher als die linke und mit einem
tiefen Byssusausschnitt unter dem Vorderohr. Silur und Devon häufig.
Pt. retroflexa His. sp. } (Leth. pal., t. 14, Fig. 1). Obersilur.
} Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe
Pt. reticulata His. sp. } in Norddeutschland.
Pt. fasciculata Gf. }
Pt. lineata Gf. } Unterdevon. Rheinisches
Pt. laevis Gf. (Fig. 281) } Schiefergebirge, Harz.
Pseudomonotis Beyr. (Fig. 282 A-C). Schale schief, rundlich oval,
radial und concentrisch gestreift, geohrt (o). Linke Klappe (A)
gewölbt, mit vorstehendem Wirbel, rechte Klappe (C) schwach gewölbt,
flach oder concav, mit zurücktretendem Wirbel und tiefem, ein schmales,
vorstehendes Byssusohr (b’) abtrennendem Byssusausschnitt, stets
kleiner als die rechte (B). Ligament in einer verlängerten Grube hinter
dem Wirbel. Vorderer Muskeleindruck in der Wirbelhöhlung gelegen.
Zuweilen ein kleiner Schlosszahn entwickelt. Vom Devon bis in die
Kreide häufig, jünger nicht bekannt.
Ps. bifida Sdb. sp. Unterdevon. Nassau.
Ps. speluncaria Schl. sp. Perm. Europa, Indien, Nordamerika.
Ps. Clarai Emmr. sp. Alpiner Buntsandstein (Werfener Sch.).
Südalpen, Balkanhalbinsel.
Ps. ochotica Keys. sp. (Fig. 282 A). Norische Stufe. Ostasien,
Amerika, Neuseeland.
Ps. cygnipes Y. & B. sp. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
Ps. inaequivalvis Münst. sp. Lias. Mitteleuropa.
Ps. substriata Münst. sp. Oberer Lias (Posidonien-Sch.).
Mitteleuropa.
Ps. Münsteri Bronn. sp. Dogger. Mitteleuropa, Südamerika.
Ps. echinata Sow. sp. (Fig. 282 B). Oberer Dogger. Mitteleuropa.
[Illustration: Fig. 282. A-C Pseudomonotis. A Ps. ochotica Keys. sp.
Norische Stufe. Californien. Linke Klappe. o = hinteres Ohr. C dieselbe
von Wershojank, Ostsibirien. Rechte Klappe. b’ = Byssusohr; o’ =
hinteres Ohr. B Ps. echinata Sow. sp. Oberer Dogger. (Great Oolite)
Wiltshire. Schale gegen die kleinere (rechte) Klappe gesehen.]
Avicula Klein (Fig. 283). Schale weniger ungleichklappig als bei
der vorigen Gattung. Byssusohr der rechten Klappe weniger scharf
abgetrennt. Meist beiderseits abgesetzte Ohren. Ligament doppelt: ein
äusseres am Schlossrande, ein inneres in einer breiten Grube. Von
Pseudomonotis nicht scharf zu trennen. Von der Steinkohlenformation bis
zur Gegenwart.
A. contorta Portl. (Fig. 283). Leitfossil für den oberen Keuper
(Contorta-Sch.) innerhalb und ausserhalb der Alpen.
A. exilis Stop. Leitfossil für den Hauptdolomit (Karnische Stufe)
der Südalpen.
A. Gesneri Thurm. Kimmeridge. Norddeutschland, Schweizer Jura.
A. seminuda Dam. Als cenomanes Geschiebe in Norddeutschland häufig.
A. phalaenacea Lmk. }
} Unteres Miocän (Meeresmolasse). Schweiz.
A. Studeri May. }
A. margaritifera L. (Echte Perlmuschel.) Lebend. Indischer Ocean.
Aviculopecten M’Coy schliesst sich durch sein verlängertes (aber
einfaches) Ligament und die schiefe Gestalt der Schale hier an. Wegen
des Fehlens der äusseren prismatischen Schalenschicht wird diese
Gattung auch wohl zu den Pectinacea (p. 285) gestellt. Silur -- Perm,
sehr häufig in der Steinkohlenformation.
A. papyraceus Sow. sp. (Leth. pal., t. 44, Fig. 1).
Steinkohlenformation. England, Deutschland.
[Illustration: Fig. 283. Avicula contorta Portl. Schale gegen die linke
Klappe gesehen. Rhätische Schichten. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 284. Gervillia socialis Schl. sp. Muschelkalk.
Deutschland. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ½.]
Gruppe B. Ligament mehrfach quergetheilt, in einer Reihe zum
Schlossrande senkrechter Gruben gelegen (Fig. 286 b).
Gervillia Dfr. (= Hoernesia) (Fig. 284). Schale schief verlängert, oft
gekrümmt, mehr oder weniger ungleichklappig, concentrisch gestreift.
Wirbel fast endständig. Ohren nur undeutlich von der Schale geschieden.
Band in einer Anzahl zum Schlossrande senkrechter Gruben. Zähne mehr
oder weniger entwickelt. Trias -- Eocän. Lebend nicht bekannt.
G. socialis Schl. sp. (Fig. 284). Sehr häufig im ausseralpinen
Muschelkalke, seltener im unteren; sehr selten im mittleren Keuper.
G. costata Schl. sp. Ausseralpiner Muschelkalk und unterer Keuper.
G. bipartita Mer. Karnische Stufe (Raibler Sch.). Alpen.
G. salvata Brun. Leitfossil des Hauptdolomites (Karnische Stufe) in
den Alpen.
G. inflata Schafh. Leitfossil für die Kössener (Gervillien-)
Schichten (Rhätische Stufe) in den Alpen.
G. praecursor Qu. Leitfossil für die rhätischen Schichten innerhalb
und ausserhalb der Alpen.
G. Hartmanni Gf. Unterer Dogger (Opalinus-Sch.). Mitteleuropa.
G. subtortuosa Gf. Unterer Dogger (Murchison-Sch.). Mitteleuropa.
G. aviculoides Sow. Oxford. Mitteleuropa.
G. anceps Desh. Neocom. England, Frankreich.
G. solenoides Dfr. Senon. Europa, Indien.
Inoceramus Sow. (Fig. 285; Fig. 286). Schale gleichklappig bis sehr
ungleichklappig, gerundet, längs- oder queroval, ohne Ohren, aber
oberer Schalenrand hinten etwas niedergedrückt. Zähne fehlen. Der
gerade, kurze oder lange Schlossrand mit zahlreichen kleinen Bandgruben
(Fig. 285 rechts; Fig. 286 b). Zähne fehlen. Wirbel vorstehend,
zuweilen eingerollt. Oberfläche stets mit concentrischer Streifung oder
Runzelung (Fig. 285 links), zuweilen auch mit Radialrippen (Fig. 286).
Die Schale besteht meist nur noch aus der dicken äusseren prismatischen
Schicht. Manche Arten erreichen bedeutende Dimensionen. Von der Trias
bis in die jüngste Kreide, in letzterer sehr häufig und als Leitfossil
weit verbreitet (Europa, Afrika, Indien, Nord- und Südamerika).
[Illustration: Fig. 285. Inoceramus labiatus Schl. Unteres Turon.
Links: rechte Klappe. Rechts: Schlossrand der linken Klappe, die
Bandgrubenreihe zeigend. ½.]
[Illustration: Fig. 286. Inoceramus sulcatus Park. Oberer Gault. Perte
du Rhône. Schale gegen die rechte Klappe gesehen. b = Bandgrubenreihe
der linken, grösseren Klappe.]
I. dubius Sow. Oberer Lias (Posidonienschiefer). Mitteleuropa.
I. polyplocus Rö. Bezeichnend für die Schichten des In. p. (Brauner
Jura β u. γ) in Deutschland, Frankreich und der Schweiz.
I. Falgeri Mer. Oberer Lias. Nordalpen.
I. aucella Trd. Neocom. Russland. (»Inoceramenthon«.)
I. concentricus Park. }
} Gault. Mitteleuropa.
I. sulcatus Park. (Fig. 286) }
I. orbicularis Münst. Cenoman. Norddeutschland.
I. labiatus Schl. (= mytiloides) (Fig. 285). Unterstes Turon.
Norddeutschland (Mytiloides-Pläner), England, Frankreich.
I. Brongniarti Sow. Mittleres und oberes Turon. Norddeutschland
(Brongniarti-Pläner), Frankreich, England.
I. Cuvieri Sow. Oberes Turon und unterstes Senon. Norddeutschland
(Cuvieri-Pläner), Frankreich, England.
I. digitatus Sow. Unterstes Senon (Emscher). Europa, Asien.
I. lobatus Münst. Unteres Senon. Norddeutschland, England.
I. Cripsii Mant. Senon und Danien. Europa, Asien, Nordamerika.
Fam. Mytilidae.
Mytilus Lin. (Fig. 287; Fig. 288). Schale gleichklappig,
ungleichseitig, hoch und schmal, oft dreiseitig. Unterrand gerundet,
Vorderrand ausgehöhlt, Hinterrand convex. Wirbel ganz oder fast
endständig. Ligament verlängert, halb innerlich, am hinteren
Schlossrande (Fig. 287 oben). Zuweilen kleine Kerbzähne vorhanden.
Vorderer Muskeleindruck unter dem Wirbel, klein. Oberfläche
concentrisch (Fig. 287) oder auch radial gestreift oder gerippt (Fig.
288). Von der Trias bis zur Gegenwart. Lebend in fast allen Meeren.
Nahe verwandte Gattungen schon vom Untersilur an.
[Illustration: Fig. 287. Mytilus (Modiola) asper Sow. Oberer Dogger
(Grossoolith). Normandie. Oben: rechte Klappe von innen (die schwarze
Linie bezeichnet das Ligament). Unten: dieselbe von aussen. ¹⁄₁.]
[Illustration: Fig. 288. Mytilus (Modiola) imbricatus Sow. Oberer
Dogger. Balin bei Krakau. Schale gegen die linke Klappe gesehen. ¹⁄₁.]