Schale von meist gerundetem, selten eckigem Umriss, punktirt. Armgerüst
eine kürzere oder längere, am Schlossrande befestigte, aber mit der
Schale der kleineren Klappe höchstens durch 2 schmale Querbrücken (Fig.
219 A q) befestigte Schleife bildend (Fig. 217 B, D, F; Fig. 218 B;
Fig. 219 A). Schlossfortsatz kurz. In der kleineren Klappe häufig eine
Mittelleiste. Schnabelspitze durchbohrt. Diese Familie beginnt schon
im paläozoischen Zeitalter, erreicht im Mesozoicum, namentlich in Jura
und Kreide, ihre stärkste Entwickelung (mehrere 100 Arten) und ist
im Tertiär und in der Jetztwelt noch durch eine geringere Anzahl von
Arten vertreten. Die Mehrzahl der lebenden Brachiopoden (ca. 60) gehört
hierher. Man unterscheidet 2 Gattungen, die wiederum in eine grosse
Zahl von Untergattungen oder Gruppen zerlegt werden.
Schlossrand meist gebogen. Schleife frei in das Schaleninnere
herabhängend (Fig. 217 B, D, F; 218 B) Terebratula.
Schlossrand meist gerade. Schleife in der Mitte der Schale durch 2
Querbrücken (Fig. 219 A q) an dieselbe befestigt
Terebratella.
Terebratula (Fig. 217; Fig. 218). Schale beiderseits gewölbt oder eine
Klappe eingedrückt, glatt oder radial berippt, zuweilen auch gefaltet.
Schnabel meist kurz und übergebogen, durchbohrt und abgestutzt.
Kleinere Klappe ohne oder mit Mittelleiste (s’). Das Armgerüst bildet
eine am Schlossrande der kleineren Klappe mit Hülfe zweier Stiele (cr)
befestigte Schleife von W-förmiger Gestalt. Dieselbe besteht aus 2
absteigenden (a) und 2 aufsteigenden Aesten (a’). Letztere vereinigen
sich unter spitzem Winkel (Fig. 217 B, D), oder werden durch eine
plattenförmige Ausbreitung (Fig. 217 F pl) oder durch ein Querband
(Fig. 218 B q) zusammengehalten. Die Crura endigen meist in spitzen
Fortsätzen (Cruralfortsätzen -- Fig. 217 D cf, F cf; Fig. 218 B cf),
die nur selten zu einem Bande verschmelzen (Fig. 217 B cf). Man
unterscheidet kurze (die Mitte der Schale nicht erreichende -- Fig. 217
B, D, F) und lange (über die Mitte hinabgehende Schleifen -- Fig. 218
B). Der Schlossfortsatz (sf) ist stets kurz. Neben der Anheftungsstelle
der Crura befindet sich jederseits eine deutliche Zahngrube (z’).
Die grössere Klappe überragt die kleinere meist nur wenig, besitzt
einen abgestutzten -- nicht spitzen, wie bei Rhynchonella -- und von
einem kleinen oder grossen Loche (f) durchbohrten Schnabel. Eine Area
wird häufig durch scharfe Kanten (sog. Arealkanten -- Fig. 218 A k)
abgetrennt. Das Deltidium befindet sich unterhalb (Fig. 218 A d) oder
auch seitlich vom Schnabelloche (Fig. 217 A d). Die 2 Schlosszähne
werden häufig durch Zahnplatten gestützt, welche als senkrechte
Scheidewände den Schnabel der grösseren Klappe durchsetzen.
[Illustration: Fig. 217. A-K Terebratula. A, B T. (Terebratulina)
gracilis Schl. Obere Kreide (Senon). Dover, England. B kleinere Klappe
von innen. C, D T. biplicata Sow. Cenoman. Warminster, England. D wie
B. E, F T. (Coenothyris) vulgaris Schl. Unterer Muschelkalk. Recoaro,
Südalpen. F wie B. G, H T. (Pygope) Aspasia Men. Lias. Sicilien. H
von unten gesehen. I T. (Pygope) diphya Col. Oberer Malm (Tithon).
Trient, Südtirol. K T. (Dictyothyris) coarctata Park. Oberer Dogger.
England. Bezeichnung der Buchstaben: Kleinere Klappe: o = Ohr; s’ =
Mittelleisten; w = Wulst; s = Sinus; f’ = Falte; l = Mittelloch; fl =
Flügel; e = Gefässeindrücke; sf = Schlossfortsatz; z’ = Zahngrube; sp =
Zahngrubenplättchen; cr = Crura; cf = Cruralfortsatz; a = absteigender,
a’ = aufsteigender Ast der Schleife; pl = Schleifenplatte. Grössere
Klappe: f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium.]
[Illustration: Fig. 218. A-F Terebratula. A T. (Zeilleria) lagenalis
Schl. sp. Oberer Dogger (Cornbrash). England. B T. (Zeilleria) digona
Sow. Oberer Dogger (Great Oolit). England. Innenansicht der kleineren
Klappe. C T. (Zeilleria) numismalis Lmk. Mittlerer Lias. England.
D, E T. (Aulacothyris) impressa Br. Unteres Oxford (Impressathone).
Schwaben. E Ansicht von unten. F T. (Antiptychina) bivallata Desl.
Oberer Dogger. La Voulte, Ardèche. f = Schnabelloch; k = Arealkanten; d
= Deltidium; s’ = Mittelleiste; w = Wulst; f’ = Falte; s = Sinus; sp =
Zahngrubenplättchen; z’ = Zahngrube; cr = Crura; cf = Cruralfortsätze;
a = absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband.]
Die mesozoische Brachiopodenfauna erhält durch das Ueberwiegen der
Terebrateln (und der Rhynchonellen) über alle anderen Formen ihr
eigenthümliches Gepräge. Mehr als 300 Arten sind bekannt; davon
kommen nur wenige in paläozoischen Schichten (Silur -- Perm) vor, die
meisten sind auf das Mesozoicum beschränkt; auf Tertiär und Jetztzeit
kommen nur noch etwa 50. Wegen der grossen Formenmannigfaltigkeit
hat man sich zur Unterscheidung zahlreicher, zum Theil sehr gut
charakterisirter Gruppen oder Untergattungen genöthigt gesehen, deren
wichtigste wegen der hohen geologischen Bedeutung der Gattung im
Nachstehenden aufgeführt sind. Zur Unterscheidung derselben ist häufig
ein Anschleifen oder Anätzen (mit HCl) der Schale erforderlich, um
über die Länge der Schleife, oder das Fehlen oder Vorhandensein einer
Mittelleiste, ev. auch der Zahnstützen, Gewissheit zu erlangen.
A. Schalenoberfläche mit feinen radialen Streifen bedeckt. Schleife
kurz. Schlossrand gerade oder schwach gebogen. Schnabelloch gross
(Fig. 217 A, K).
a. Schale ungefaltet oder schwach gefaltet. Kleinere Klappe oft mit
ohrförmigen Ausbreitungen. Cruralfortsätze zu einem Querband
verwachsen. Jura -- Lebend. (Fig. 217 A, B -- Terebratulina.)
T. substriata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. chrysalis Schl. }
} Obere Kreide. Mittel- und Nordeuropa.
T. rigida Schl. }
T. gracilis Schl. (Fig. 217 A, B). Senon. Mittel- und Nordeuropa.
T. striatula Sow. Eocän. Europa.
T. caput serpentis L. sp. Pliocän. England. Lebend. Norwegen.
b. Schale gefaltet. Kleinere Klappe mit Mittelwulst und 2
einschliessenden Falten. Dogger -- Neocom.
(Fig. 217 K -- Dictyothyris.)
T. coarctata Park. (Fig. 217 K). Oberer Dogger. England, Frankreich.
B. Schalenoberfläche glatt oder grob gefaltet, nie fein gestreift.
a. Kleinere Klappe ohne deutliche Mittelleiste.
α. Schale beiderseits mehr oder minder regelmässig gewölbt oder
am Stirnrand gefaltet (meist mit 2 Falten in beiden Klappen).
Arealkanten undeutlich. Schnabelloch gross. Devon -- Lebend.
(Fig. 217 C, D -- Terebratula s. str. [Biplicatae].)
T. sacculus Mart. sp. Mitteldevon -- Carbon. Europa.
T. hastata Sow. (Leth. pal., t. 43, Fig. 1). Kohlenformation. Europa,
China.
T. elongata Schl. (Leth. pal., t. 62, Fig. 11). Perm (Zechstein).
Europa.
T. gregaria Suess. Alpiner Rhät. Unterer Lias in und ausserhalb der
Alpen.
T. punctata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. perovalis Sow. Unterer Dogger. Mitteleuropa.
T. maxillata Sow. }
} Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. intermedia Sow. }
T. Galliennei d’Orb. Oxford. Mitteleuropa.
T. insignis Schübl. }
} Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
T. bisuffarcinata Schl. }
T. subsella Leym. Oberer Malm (Kimmeridge). Mitteleuropa.
T. praelonga Sow. Neocom. Mitteleuropa.
T. Moutoniana d’Orb. Untere Kreide (Gault). Mitteleuropa.
T. biplicata Sow. (Fig. 217 C, D). Gault und Cenoman. Mitteleuropa.
T. semiglobosa Sow. Gault -- Turon. Mitteleuropa.
T. carnea Sow. Turon und Senon. Mitteleuropa.
T. grandis Blum. Oligocän -- Pliocän. Mitteleuropa.
T. ampulla Brocc. Miocän. Mitteleuropa.
T. vitrea Born. sp. Lebend. Mittelmeer.
β. Kleinere Klappe mit tief zurückgebogenem Sinus (Fig 217 G s,
H s) oder Schale dreieckig und meist gelocht (Fig. 217 I l).
Arealkanten meist scharf. Schnabelloch meist klein. Jura und
untere Kreide. (Fig. 217 G-I -- Pygope.)
1. Schale niedrig, undurchbohrt [Nucleatae].
T. Aspasia Men. (Fig. 217 G, H). Lias. Südeuropa.
T. nucleata Schl. Mittlerer und oberer Malm. Mitteleuropa.
2. Schale dreieckig, hoch, meist von einem Loche durchbohrt (Fig.
217 I l). In der Jugend von der Form der Nucleatae, aus denen
sie durch flügelartige Verlängerung der Schale nach unten und
Verwachsen der Flügel (I fl) entstehen. [Diphyae]. Südeuropa.
T. diphya Col. (Fig. 217 I). } Bezeichnend für die tithonische Facies
} des oberen südeuropäischen Malm
T. janitor Pict. } (Diphya-Kalk); seltener im Neocom.
T. diphyoides d’Orb. Bezeichnend für die gleiche Facies der untersten
Kreide.
b. Kleinere Klappe mit deutlicher Mittelleiste (s’), die oft durch
die Schale durchschimmert.
α. Schleife die Schalenmitte nicht erreichend. Die aufsteigenden
Arme in einer Platte (Fig. 217 F pl) vereinigt. Schnabelloch
gross. Gestalt wie Terebratula. Trias
(Fig. 217 E, F -- Coenothyris.)
T. vulgaris Schl. (Fig. 217 E, F). Leitfossil für den Muschelkalk,
in den Alpen nur in der unteren Abtheilung desselben.
»Terebratula-Bänke«.
β. Schleife bis zur oder (meist) über die Schalenmitte reichend.
Die aufsteigenden Aeste durch Querband vereinigt. Arealkanten
meist scharf. (Fig. 218 -- Waldheimia.)
1. Schnabelloch sehr gross. Schale mit zahlreichen, nie mit
wenigen Falten oder glatt.
T. cardium Lmk. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. flavescens Val. (Fig. 195). Lebend. Australien.
2. Schnabelloch meist klein; wenn mässig gross, Schale mit wenigen
Falten.
* Schale ungefaltet oder mit correspondirenden Wülsten oder
Falten auf beiden Klappen. Silur -- Eocän, hauptsächlich Jura.
(Fig. 218 A-C -- Zeilleria [Cinctae].)
T. melonica Barr. sp. Unterdevon (Silur F). Böhmen.
T. cornuta Sow. Alpiner Rhät. Im unteren und mittleren Lias
ausserhalb der Alpen.
T. perforata Piette. Unterer Lias (α). Mitteleuropa.
T. numismalis Lmk. (Fig. 218 C). Mittlerer Lias (γ)
(Numismalismergel). Mitteleuropa.
T. ornithocephala Sow. Oberer Dogger. Mitteleuropa.
T. lagenalis Schl. (Fig. 218 A). Oberster Dogger. Mitteleuropa.
(Lagenalisschichten.)
T. digona Sow. Oberer Dogger. England, Frankreich.
T. humeralis Rö. Oberer Malm. Mitteleuropa.
T. pseudojurensis Leym. Neocom. Mitteleuropa.
** Kleinere Klappe mit langem mittleren Sinus, grössere mit
entsprechendem Wulst. Silur -- untere Kreide, hauptsächlich
Jura. (Fig. 218 D, E -- Aulacothyris.)
T. angusta Schl. Muschelkalk, besonders in den Alpen.
T. resupinata Sow. Mittlerer Lias. Mitteleuropa.
T. carinata Lmk. Mittlerer Dogger. Mitteleuropa.
T. pala Buch. Callovien. Mitteleuropa, Alpen.
T. hippopus Rö. Neocom. Mitteleuropa.
*** Kleinere Klappe mit langem und tiefem Sinus, der durch einen
Mittelwulst in 2 Falten zerlegt ist. Silur -- untere Kreide.
(Fig. 218 F -- Antiptychina.)
T. Mawii Dav. Obersilur. England.
T. bivallata Del. (Fig. 218 F). Oberer Dogger. Südfrankreich, Nord-
und Südalpen.
T. Vilsensis Opp. Alpines Callovien.
Terebratella d’Orb. (Fig. 219 A-E). Schale meist beiderseits gewölbt
oder kleinere Klappe flach. Schnabel in der Regel gross, mit meist
grossem Schnabelloch (f), hoher Area (a) und deutlichem Deltidium
(d). Schlossrand mehr oder weniger gerade. Mittelleiste (s’) stark
entwickelt, stets durch eine Querbrücke (q) mit dem absteigenden Aste
(a) der langen Schleife verbunden. Schale meist gefältelt und oft mit
concentrischen Streifen (B, C), seltener glatt (D, E). Die mannigfachen
Modificationen der Armschleife haben auch bei dieser Gattung zur
Abzweigung zahlreicher Untergattungen Veranlassung gegeben. Von weit
geringerer Wichtigkeit als Terebratula. Beginnt im Lias, ist häufig in
Jura und Kreide und wird jetzt noch durch zahlreiche lebende Formen
vertreten.
[Illustration: Fig. 219. A-E Terebratella. A, B T. Menardi Lmk.
sp. Untere Kreide (Aptien). Farringdon, England. A kleinere Klappe
von innen. z’ = Zahngruben; sl = Schlossfortsatz; cr = Crura; a =
absteigender, a’ = aufsteigender Ast der Schleife; q = Querband,
welches den absteigenden Ast (a) mit der Mittelleiste (s-s’) verbindet;
B-E f = Schnabelloch; a = Area; d = Deltidium. C T. (Megerlea)
pectunculus Schl. sp. Oberer Malm. Franken. D T. (Kingena) lima Dfr.
sp. Senon. England. E T. (Magas) pumilus Sow. Senon. England.]
A. Schale radial gerippt oder gestreift.
T. (Megerlea) pectunculus Schl. sp. (Fig. 219 C). Mittlerer und
oberer Malm. Mitteleuropa.
T. (Megerlea) loricata Schl. sp. Mittlerer und oberer Malm.
Mitteleuropa.
T. (Megerlea) truncata Gmel. sp. Lebend. Mittelmeer.
T. oblonga Sow. sp. Neocom -- Aptien. Mitteleuropa.
T. Menardi Lmk. sp. (Fig. 219 A, B). Obere Kreide. Mitteleuropa.
T. pectita Sow. sp. Cenoman. Mitteleuropa.
B. Glatte Formen.
T. (Magas) Geinitzi Schlönb. Cenoman und Turon. Mitteleuropa.
T. (Magas) pumilus Sow. (Fig. 219 E). Senon. Mitteleuropa.
T. (Kingena) lima Dfr. sp. (Fig. 219 D). Gault -- Senon.
Mitteleuropa.