Schale beiderseits gewölbt, meist faserig. Schnabel spitz, umgebogen.
Schlossrand fast immer gebogen. Radiale Berippung herrscht vor. Mehrere
paläozoische, eine paläozoisch -- lebende Gattung. Die wichtigsten
Gattungen lassen sich nach den, durch Anschleifen oder Anätzen leicht
sichtbar zu machenden Mittelleisten folgendermaassen unterscheiden:
A. Eine Mittelleiste nur in der kleineren Klappe vorhanden (Fig. 214 K m)
Rhynchonella.
B. Mittelleisten in beiden Klappen (Fig. 215 B s, s’; Fig. 216 A s’, cp).
a. Mittelleiste der grösseren Klappe kurz (Fig. 215 B s), die der
kleineren stets einfach (Fig. 215 B s’) Camarophoria.
b. Mittelleiste der grösseren Klappe lang (Fig. 216 C s), die der
kleineren meist doppelt (Fig. 216 A cp) Pentamerus.
[Illustration: Fig. 214. A-L Rhynchonella. A, B Rh. cuboides Phill.
Oberdevon. Grund im Harz. w = Wulst der kleineren, s = Sinus der
grösseren Klappe. A von vorn, B von unten gesehen. C, D Rh. cornigera
Schfh. sp. Rhät. Piesting, österreichische Alpen. C von unten, D
von vorn. E Rh. gryphitica Qu. Unterer Lias (α). Metz. F Rh. acuta
Sow. sp. Mittlerer Lias (δ). Uhrweiler, Unterelsass. G Rh. spinosa
Schl. sp. Oberer Dogger (Varians-Schichten). Pfirt, Oberelsass. H,
I Rh. varians Schl. sp. Dieselbe Schicht. Blumberg am Randen. I von
unten. K, L Rh. psittacea Lmk. Lebend. K kleinere, L grössere Klappe
von innen. p’ = Zahngrubenplatte; cr = Crura; m = Mittelleiste; s’ =
Schliessmuskeleindrücke; f = Schnabelloch (Foramen); d = Deltidium; z
= Schlosszähne; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; di = Eindrücke der
Oeffnungsmuskeln.]
Rhynchonella Fisch. (Fig. 214 A-L). Schale meist faserig und radial
gefaltet. Schnabel der grösseren Klappe klein, umgebogen und spitz, mit
gewöhnlich kleinem, vom Deltidium (L d) umschlossenen Schnabelloch (L
f). Schlosszähne (L z) durch Zahnplatten mit der Schale verbunden. Die
Eindrücke der Schliessmuskeln (L s) der grösseren Klappe klein, die
der Oeffnungsmuskeln (L di) gross, tief herabreichend. Kleinere Klappe
mit Zahngrubenplättchen (K p’), hinter welche die Zähne der grösseren
eingreifen, und mit 2 gebogenen, stielartigen Fortsätzen (Crura --
K cr), an welche die Arme sich anheften. Eine kurze Mittelleiste (K
m) trennt die beiden Paare der Schliessmuskeleindrücke (K s’). Meist
besitzt die grössere Klappe eine mittlere Einsenkung (Sinus B s, I
s), welcher ein Wulst der kleineren Klappe entspricht (A w, F w, H
w, I w); sehr selten sind Formen mit Sinus in beiden Klappen (C). In
mehr als 500 Arten vom Silur bis zur Gegenwart, am formenreichsten
im Mesozoicum, namentlich in Jura und Kreide. Tertiär und Lebend nur
wenige Arten.
1. Schale gerippt, mit Sinus und Wulst (Fig. 214 A, B, E, H, I).
Rh. capax Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 13). Untersilur. Nordamerika.
Rh. borealis Schl. sp. Ober-, selten Untersilur. Nordeuropa.
Rh. nucula Sow. sp. Obersilur. Nordeuropa. Häufig in den diluvialen
Geschieben Norddeutschlands (Beyrichienkalk).
Rh. cuneata Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 9). } Obersilur.
} Europa,
Rh. Wilsoni Sow. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 6). } Nordamerika.
Rh. livonica v. B. sp. (Leth. pal., t. 23, Fig. 7). Unter- und
Mitteldevon. Europa, Nordamerika.
Rh. parallelepipeda Bron. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 18).
Mitteldevon. Europa, China.
Rh. pugnus Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 2). Mitteldevon --
Carbon. Europa, China.
Rh. cuboides Sow. sp. (Fig. 214 A, B). Oberdevon. Europa,
Nordamerika, Kleinasien.
Rh. pleurodon Phill. sp. Mitteldevon -- Carbon. Europa.
Rh. fissicostata Suess. Alpiner Rhät.
Nachstehende Arten gehören zu den häufigsten und bezeichnendsten
Vorkommnissen im Jura und in der Kreide Mitteleuropas, fehlen aber
meist in den Ablagerungen der südeuropäischen Facies:
Rh. gryphitica Qu. (Fig. 214 E). Unterer Lias (α).
Rh. rimosa v. B. sp. Mittlerer Lias (γ).
Rh. tetraëdra Sow. sp. Mittlerer Lias (δ).
Rh. concinna Sow. sp. Oberer Dogger.
Rh. varians Schl. sp. (Fig. 214 H, I). Oberer Dogger
(Varians-Schichten).
Rh. Thurmanni Voltz sp. Oxford. Besonders häufig im Terrain à
chailles.
Rh. lacunosa Schl. sp. Oberer Malm.
Rh. multiformis Rö. sp. Neocom.
Rh. depressa Sow. sp. Untere Kreide.
Rh. compressa Lmk. sp. Cenoman.
Rh. plicatilis Sow. sp. Obere Kreide.
Rh. limbata Sow. sp. Senon.
Rh. psittacea Lmk. sp. (Fig. 214 K, L). Pliocän, Quartär und Lebend.
Nordeuropa, Nordamerika.
2. Schale gerippt, mit Sinus in beiden Klappen (Fig. 214 C, D).
Rh. pedata Bronn. sp. Alpiner Keuper.
Rh. cornigera Schfh. sp. (Fig. 214 C, D). Alpiner Rhät.
3. Schale schwach gefaltet oder glatt, mit kielartigem Wulst in der
kleinen Klappe (Fig. 214 F w).
Rh. acuminata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 3). Mitteldevon --
Subcarbon. Ueberall verbreitet.
Rh. acuta Sow. sp. (Fig. 214 F). Mittlerer Lias (δ). Mitteleuropa.
4. Schale gerippt, ohne Sinus und Wulst.
Rh. peregrina v. B. sp. Neocom. Westalpen, Cevennen, Apennin,
Ostkarpathen. Die grösste Art der Gattung.
5. Die Rippen der Schale mit Stacheln verziert (Fig. 214 G).
Rh. spinosa Schl. sp. (Fig. 214 G). Mittlerer Dogger -- Callovien.
Mitteleuropa.
Camarophoria King (Fig. 215 A, B). Im Habitus von Rhynchonella nicht
unterschieden (A), aber durch die stärkere Ausbildung der Mittelleisten
abweichend. An die Zähne der grösseren Klappe schliessen sich
starke Zahnplatten (B zp) an, welche sich zu einer Mittelleiste (s)
vereinigen. Die hohe Mittelleiste der kleineren Klappe (s’) seitlich
durch flügelartige Zahnplatten (zp’) mit der Schale verbunden.
Schlossfortsatz (f) stärker entwickelt als bei Rhynchonella. Die
Stiele (cr) lang und dünn. Devon -- Perm. Im Perm viel häufiger als
Rhynchonella.
[Illustration: Fig. 215. A, B Camarophoria Schlotheimi v. B. sp.
Perm (Zechstein). England. B das Schloss von innen gesehen; oben die
grössere, unten die kleinere Klappe. s = Mittelleiste, zp = Zahnplatten
der grösseren Klappe; f = Schlossfortsatz, cr = Stiele, zp’ =
Zahnplatten, s’ = Mittelleiste der kleineren Klappe.]
C. rhomboidea Phill. sp. Mitteldevon -- Carbon. Russland,
Deutschland, Belgien, England.
C. globulina Phill. Subcarbon -- Perm. Europa, Indien.
C. Schlotheimi v. B. sp. (Fig. 215). Perm. Russland, Thüringen,
England.
[Illustration: Fig. 216. A-D Pentamerus. A P. galeatus Dalm. sp.
Obersilur. England. B P. Knightii Sow. Ebendaher. In der Mitte
durchgespalten. C, D P. brevirostris Phill. Devon. England. C
Innenansicht der grösseren, D der kleineren Klappe. s = Mittelleiste
der grösseren, s’ = diejenige der kleineren Klappe; zp = Zahnplatten;
cp = Cruralplatten; zg = Zahngruben.]
Pentamerus Sow. (Fig. 216 A-D). Schale meist stark gewölbt, mit
grossem, umgebogenem und spitzem Schnabel, ohne Area und Deltidium,
häufig radial gerippt, selten glatt. Gewöhnlich ein Sinus und Wulst
vorhanden. Die Schlosszähne der grösseren Klappe werden durch starke
Zahnplatten (C zp, B zp) gestützt, die sich gegen die Schale hin zu
einer langen Mittelleiste (A s, B s, C s) vereinigen. In der Mitte der
kleineren Klappe befinden sich an die Schale angeheftet 2 getrennte --
oder eine einfache, aber aus 2 Blättern bestehende -- Mittelleisten
(s’), die sich ebenfalls in schräge Platten (sog. Cruralplatten --
cp) fortsetzen. Letztere reichen bis über die Zahngruben hinauf und
dienten an Stelle der Crura zur Anheftung der Arme. Durch die Zahn-
und Cruralplatten wird eine, nur nach unten mit der Schalenhöhlung
communicirende Kammer gebildet. Da die Mittelleisten gewöhnlich aus 2
gesonderten Blättern bestehen, so spaltet die Schale beim Zerschlagen
leicht in 2 symmetrische Hälften (B). Eine ausschliesslich silurische
und devonische Gattung.
P. Knightii Sow. (Fig. 216 B) (Leth. pal., t. 13, Fig. 3). Obersilur.
Nordeuropa, Nordamerika.
P. conchidium Dalm. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 5). Obersilur.
Nordeuropa, Nordamerika.
P. galeatus Dalm. sp. (Fig. 216 A). Häufig im Obersilur Europas und
Nordamerikas; im Devon Europas, Asiens und Nordamerikas.
P. brevirostris Dav. (Fig. 216 C, D). Mitteldevon. Eifel, England.