7. Fam. Spiriferidae.

Schale beiderseits gewölbt mit geradem oder gebogenem Schlossrand. Das

Innere der Schale wird zum grössten Theile von 2 kalkigen, spiralen

Hohlkegeln erfüllt, deren Grundflächen gegen einander, deren Spitzen

gegen die Seiten der Schale zu gerichtet sind (Fig. 211 A; Fig. 212 B).

Die wichtigsten Gattungen dieser vom Silur bis in den Jura verbreiteten

Familie unterscheiden sich wie folgt:

a. Schlossrand meist gerade. Schnabelspitze nicht durchbohrt (Fig. 211)

Spirifer.

b. Schlossrand gebogen. Schnabelspitze durchbohrt (Fig. 212).

α. Oberfläche der Schale mit concentrischen Streifen (Fig. 212) oder

glatt. Schale faserig Athyris.

β. Oberfläche der Schale mit radialen Rippen oder Streifen, sehr

selten glatt. Schale punktirt Retzia.

[Illustration: Fig. 211. A-F Spirifer. A Sp. striatus Sow. Subcarbon.

Yorkshire, England. Die kleinere Klappe ist zum grössten Theil

fortgenommen, um die Armspirale (sp) zu zeigen, die vermittelst zweier,

durch ein Querband verbundener Stiele (cr) an dem Schlossrande der

kleineren Klappe befestigt ist. a = Area. B Sp. Mosquensis Fisch.

Carbon. Moskau. Innenansicht der grösseren Klappe. a = Area; ps =

Pseudodeltidium; zp = Zahnplatten, in welche die -- in der Zeichnung

nicht angegebenen -- Zähne sich verlängern. C Sp. cuspidatus Mart.

sp. Subcarbon. Irland. Von oben gesehen. s = grössere, s’ = kleinere

Klappe; a = Area mit ausgefallenem Pseudodeltidium (e). D Sp.

laevicosta Val. sp. Mitteldevon. Eifel. a = Area; e = Deltidialspalt. E

Sp. macropterus Gf. Unterdevon. Lahneck, Rheinisches Schiefergebirge.

Steinkern der grösseren Klappe, die hohe dreieckige Area, die mittlere

Schalendepression und den schlitzförmigen Eindruck der Mittelleiste

zeigend. F Sp. rostratus Schl. Mittlerer Lias. Cheltenham, England. a =

Area; ps = Pseudodeltidium.]

Spirifer Sow. (Fig. 211 A-F). Schale faserig oder durchbohrt

(punktirt), meist querverlängert, mit beiderseits gewölbten Klappen

(selten die kleinere Klappe fast flach). Schlossrand lang, gerade.

Area meist auf beiden Klappen, auf der grösseren breit (a), auf der

kleineren schmal; beiderseits mit dreieckiger Deltidialspalte (C e),

welche in der grösseren Klappe mehr oder weniger vollständig durch ein

Pseudodeltidium geschlossen sein kann (B ps, F ps), in der kleineren

Klappe durch den Schlossfortsatz (nicht ganz) ausgefüllt ist. Schnabel

gerade (C) oder gekrümmt (A, B, D, F), undurchbohrt. Die 2 Zähne der

grösseren Klappe verlängern sich meist in 2 starke, tief hinabreichende

Zahnplatten (B zp), zwischen denen zuweilen eine Mittelleiste auftritt.

An den Schlossrand der kleineren Klappe heften sich vermittelst zweier

Stiele (Crura A cr) die Kalkspiralen (A sp) an, welche, sich immer

mehr verjüngend, bis an die Seiten der Schale reichen. Ein Querband

verbindet die Enden der Stiele (A). Die Schale ist meist radial gerippt

(A, D, E), seltener glatt (F). Häufig zeigt die Mitte der grösseren

Klappe eine Einsenkung (E), die Mitte der kleineren dementsprechend

eine wulstförmige Erhöhung (D). Diese ausserordentlich formenreiche

Gattung ist im Paläozoicum durch mehrere Hundert, in Trias und Lias

durch einige Dutzend Arten vertreten.

Nach den Verschiedenheiten des nur selten gut sichtbaren Armgerüstes

unterscheidet man mehrere Untergattungen. Im Nachstehenden findet man

die wichtigsten Arten nach äusserlich erkennbaren Merkmalen gruppirt:

A. Schale gefaltet oder gerippt.

1. Mit gefaltetem Sinus und Wulst. Schale faserig.

Sp. disjunctus Sow. (Leth. pal., t. 35, Fig. 2). Mittel-,

hauptsächlich Oberdevon. Europa, Kleinasien, China, Australien,

Nordamerika.

Sp. striatus Mart. sp. (Fig. 211 A). Subcarbon -- Perm. Europa,

Amerika, Indien.

Sp. Mosquensis Fisch. (Fig. 211 B). Subcarbon und Carbon. Belgien,

Russland.

2. Mit glattem Sinus und Wulst.

α. Schale faserig.

Sp. macropterus Gf. (Fig. 211 E). Leitmuschel für das Unterdevon.

Rheinisches Schiefergebirge, Harz etc. (Spiriferensandstein).

Sp. speciosus Schl. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 2). Unter-,

hauptsächlich Mitteldevon. Eifel, England, Belgien.

Sp. cultrijugatus F. Rö. Unterdevon und Basis des Mitteldevons

(Cultrijugatusschichten). Europa. Upper Helderberg Gr. Nordamerika.

Sp. laevicosta Val. sp. (Fig. 211 D). Unter-, hauptsächlich

Mitteldevon. Eifel, Belgien, England.

Sp. alatus Schl. (Leth. pal., t. 67, Fig. 7). Perm. Deutschland,

England, Spitzbergen, Indien.

β. Schale punktirt.

Sp. (Syringothyris) cuspidatus Mart. sp. (Fig. 211 C). Subcarbon.

Belgien, England.

Sp. (Cyrtina) heteroclytus Dfr. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 4).

Unter-, namentlich Oberdevon. Eifel, Belgien, Frankreich, England.

Sp. (Spiriferina) cristatus Schl. sp. Subcarbon -- Perm.

Deutschland, England, Indien, Timor.

Sp. (Spiriferina) fragilis Schl. sp. Unterer und Oberer Muschelkalk.

Deutschland.

Sp. (Spiriferina) Walcotti Sow. Unterer und mittlerer Lias. Europa,

Südamerika.

Sp. (Spiriferina) Muensteri Dav. Alpiner Rhät. Unterer und mittlerer

Lias. Europa.

B. Schale ohne Falten und Rippen.

a. Schale gestreift.

Sp. (Cyrtia) exporrectus Wahl. sp. (Leth. pal., t. 13, Fig. 13).

Obersilur. England, Skandinavien, Böhmen.

b. Schale glatt.

α. Schale faserig.

Sp. glaber Mart. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 11). Oberdevon und

häufig im Subcarbon. Europa, Nordamerika.

β. Schale punktirt.

Sp. (Spiriferina) rostratus Schl. sp. (Fig. 211 F). Unterer und

mittlerer Lias. Europa.

c. Schale mit netzförmiger Streifung und feinen Stacheln.

Sp. (Reticularia) lineatus Mart. sp. Oberdevon -- Perm. Europa,

Amerika, Indien.

Athyris M’Coy (Fig. 212 A, B). Schale faserig, mit concentrischen

Anwachsstreifen oder glatt. Schlossrand gebogen. Schnabel mit runder

Oeffnung (A f). Deltidium kaum entwickelt. Das Armgerüst (B) zeigt

einen verwickelteren Bau als bei Spirifer, indem auf die Stiele (cr)

jederseits ein kurzer erster Spiralumgang (a) folgt, von welchem sich

ein Anhang (r) abzweigt. Beide Anhänge vereinigen sich in der Mitte zu

einer Platte (p). Vielleicht schon im Silur, häufig im Devon, in der

Steinkohlenformation und im Perm, seltener in der Trias.

A. concentrica v. B. sp. (Fig. 212 A). Im Devon über die ganze Erde

verbreitet.

A. spiriferoides Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.

A. ambigua Phill. (Fig. 212 B). Subcarbon. England, Belgien etc.

A. subtilita Hall. Subcarbon, namentlich Carbon. Europa, Amerika.

A. Roissyi Lev. Subcarbon -- Perm. Europa, Indien.

A. oxycolpos Emmr. sp. Alpiner Rhät.

[Illustration: Fig. 212. A Athyris concentrica v. B. sp. Mitteldevon.

Eifel. f = Schnabelloch. B A. ambigua Sow. Subcarbon. England.

Die grössere Klappe ist entfernt. sp = Spiralkegel; a = erster

Spiralumgang; r = mittlere Anhänge, sich in einer Platte (p)

vereinigend; cr = Stiele.]

Retzia King. Durch punktirte und meist gerippte Schale unterschieden;

kommt in vielen Arten vom Silur bis in die Trias vor.

R. Salteri Dav. Obersilur. Nordeuropa.

R. ferita v. B. sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 16). Mitteldevon.

Eifel.

R. radialis Phill. Subcarbon. Russland, Belgien, Grossbritannien.

R. Mormonii Marc. Carbon. Nord- und Südamerika.

R. trigonella Schl. sp. unterer und oberer Muschelkalk. Südalpen,

Deutschland.

Uncites Dfr. mit grossem, übergebogenem Schnabel, hohem Deltidium und

radialer Schalenstreifung, ist durch eine Art vertreten. Devon.

U. gryphus Dfr. (Leth. pal., t. 32, Fig. 2) im Mitteldevon

(Stringocephalenkalk) Deutschlands häufig. Auch in England und in den

Ostalpen.

Elemente der Paläontologie · 第 124 / 606 题