Schale ohne Stacheln, meist frei, mit deutlicher Area in jeder Klappe.
Grössere Klappe gewölbt, selten eingedrückt, kleinere gewölbt, flach
oder eingesenkt. In der grösseren Klappe stets 2 Schlosszähne, in der
kleineren ein medianer Schlossfortsatz und jederseits desselben eine
oft zahnartig vorspringende Leiste vorhanden, welche die Zahngrube
nach innen zu begrenzt. Oberfläche mit radialen Streifen oder Rippen,
selten glatt. Das Vorkommen dieser Familie beschränkt sich auf das
paläozoische Zeitalter. Vertreter derselben findet man schon in
cambrischen Schichten.
Die wichtigsten Gattungen unterscheiden sich wie folgt:
A. Schlossrand relativ kurz. Deltidialspalte offen, nicht durch
Pseudodeltidium geschlossen (Fig. 208 B dsp’). Meist beide Klappen
gewölbt (Fig. 208) Orthis.
B. Schlossrand meist sehr lang. Deltidialspalte durch Pseudodeltidium
geschlossen (Fig. 209 ps, Fig. 210 A ps). Kleinere Klappe fast immer
eingedrückt, seltener flach oder gewölbt (Fig. 209, 210)
Streptorhynchus, Strophomena, Leptaena.
[Illustration: Fig. 208. A-E Orthis. A, B O. elegantula Dalm.
Obersilur. England. A kleinere Klappe von innen. a = Area; f =
Schlossfortsatz, in der Deltidialspalte liegend. Unter dem Schlossrande
2 tiefe Zahngruben, deren innere Leisten zahnartig vorspringen. m
= Mittelleiste; s = Schliessmuskeleindrücke. B grössere Klappe von
innen. dsp’ = Deltidialspalte; zp’ = Zähne; a’, m’, s’ wie a, m, s in
Fig. A. C O. biloba Lin. sp. Obersilur. Dudley, England. a’ = Area der
grösseren Klappe. D, E O. striatula Schl. sp. D beschaltes Exemplar,
die mittlere Einsenkung der kleineren Klappe zeigend. Mitteldevon.
Eifel. E Steinkern (»Hysterolithes vulvarius«). Unterdevon. Eifel. m =
Eindruck der Mittelleiste; s = Ausfüllung der Schliessmuskeleindrücke.]
Orthis Dalm. (Fig. 208 A-E). Schale rundlich oder vierseitig,
gewöhnlich beiderseits gewölbt; kleinere Klappe oft mit mittlerer
Einsenkung (D). Schlossrand meist kürzer als die Schalenbreite.
Beide Klappen mit deutlicher Area (a, a’) und offener, dreieckiger
Deltidialspalte (B dsp’). Kleinere Klappe mit kurzem, ungetheiltem
Schlossfortsatze (A f), unterhalb des Schlossrandes mit 2 tiefen, zur
Aufnahme der Schlosszähne der grösseren Klappe (B zp’) bestimmten
Zahngruben. Die inneren Leisten der Zahngruben springen zahnartig vor;
sie dienten vielleicht zur Anheftung der Mundarme (vergl. die Crura
von Rhynchonella p. 218). Zu beiden Seiten der langen Mittelleiste
(m) sind die tiefen paarigen Schliessmuskeleindrücke (s) sichtbar. Die
grössere Klappe besitzt einen grösseren Deltidialspalt (B dsp’) und
2 starke Schlosszähne (zp’). Die Schliessmuskeleindrücke (s’) liegen
höher als in der kleineren Klappe. Schalenoberfläche fast immer radial
gestreift oder gerippt. Vom Cambrium bis ins Perm in sehr zahlreichen
Arten verbreitet, am häufigsten im Silur.
O. lenticularis Wall. sp. (Leth. pal., t. 2, Fig. 4). Cambrisch.
Nordeuropa.
O. testudinaria Dalm. Untersilur. Europa, Nordamerika.
O. redux Barr. Untersilur. Böhmen, Normandie, England.
O. lynx (Leth. pal., t. 12, Fig. 13). Unter-, seltener Obersilur.
Europa, Nordamerika.
O. calligramma Dalm. (Leth. pal., t. 4, Fig. 4). Unter- und
Obersilur. Europa, Nordamerika, China.
O. biloba L. sp. (Fig. 208 C). } Unter-, hauptsächlich
} Obersilur. Europa,
O. elegantula Dalm. (Fig. 208 A, B). } Nordamerika.
O. striatula Schl. sp. (Fig. 208 D, E). In allen Abtheilungen des
Devons. Europa, China.
Im rheinischen Unterdevon als charakteristischer Steinkern, sog.
Hysterolithes vulvarius, häufig.
O. resupinata Sow. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 4). Subcarbon.
Europa.
O. Michelini Lev. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 5). Subcarbon.
Europa, Nordamerika.
O. Lamarcki Fisch. sp. Carbon. Russland.
Streptorhynchus King (Fig. 209). Schale beiderseits gewölbt oder
convex-concav. Schlossrand meist so breit wie die Schale. Grössere
Klappe mit hoher Area (a’) und grossem Pseudodeltidium (ps), an dessen
innerem Rande ein Stielspalt (sp) mit dem grossen, zweitheiligen,
mehrfach gezähnten Schlossfortsatze der kleineren Klappe bleibt.
Area der letzteren schmal. Oberfläche der Schale mit radialen, meist
gekörnten Streifen bedeckt. Devon bis Perm.
Str. umbraculum Schl. sp. (Fig. 209). Devon, hauptsächlich
Mitteldevon. Eifel, Nordfrankreich, England.
Str. crenistria Phill. sp. (Leth. pal., t. 43, Fig. 6). Subcarbon.
In allen Erdtheilen.
Str. pelargonatus Schl. sp. (Leth. pal., t. 67, Fig. 12). Perm.
Deutschland, England, Indien.
[Illustration: Fig. 209. Streptorhynchus umbraculum Schl. sp.
Mitteldevon. Eifel. a’ = Area; ps = Pseudodeltidium; sp = Spalt zum
Austritt des Stieles, im Grunde den getheilten Schlossfortsatz zeigend.]
Strophomena Blv. (Fig. 210 A-C). Schale zusammengedrückt,
convex-concav, meist breiter als hoch, mit langem Schlossrande.
Meist die kleinere, selten die grössere Klappe concav. Zwischenraum
der beiden Klappen eng. Schlossrand oft mit zahlreichen feinen
Kerben. Schlossfortsatz der kleineren Klappe zweispaltig (C sf). Die
Innenseite der Klappen zeigt die tiefen, von halbkreisförmigen Leisten
umzogenen Eindrücke der Schliessmuskeln (B m, C m), die durch ein
medianes Septum (s) getheilt werden, sowie häufig die verzweigten
Gefässeindrücke (gf). Die Sculptur der Oberfläche fehlt oder besteht
in radialen Streifen oder Rippen, die oft von concentrischen
Anwachsstreifen gekreuzt werden (A). Silur -- Subcarbon.
[Illustration: Fig. 210. A-C Strophomena rhomboidalis Wilk. sp.
Obersilur. Dudley, England. A Ansicht der Schale von vorn. a =
Area; ps = Pseudodeltidium. B innere Ansicht der grösseren, C der
kleineren Klappe. a = Area; m = Eindrücke der Schliessmuskelpaare; gf
= Gefässeindrücke; s = Mittelleiste; sf = Schlossfortsatz. D Leptaena
sericea Sow. Untersilur. England. E (Leptaena) Koninckella liasina
Bouch.[C] Mittlerer Lias. Ilminster, England.]
Str. rhomboidalis Wilk. sp. (Fig. 210 A-C). Silur und Devon. Europa,
Nordamerika. Subcarbon. England.
Str. deltoidea Conr. (Leth. pal., t. 4, Fig. 8). Untersilur. Europa,
Nordamerika.
Str. euglypha His. sp. Unter- und Obersilur. Nordeuropa.
Leptaena Dalm. (Fig. 210 D, E) unterscheidet sich durch die dünne
Schale, die stark verlängerten Muskeleindrücke der kleineren und durch
die wenig scharf umschriebenen der grösseren Klappe; findet sich häufig
in paläozoischen Schichten (Silur -- Kohlenformation).
L. sericea Sow. (Fig. 210 D). Untersilur. Europa, Nordamerika.
L. transversalis Wahl. sp. (Leth. pal., t. 8, Fig. 9). Unter- und
Obersilur. Europa, Nordamerika.
L. lepis Bronn sp. (Leth. pal., t. 28, Fig. 27). Mitteldevon. Eifel,
Belgien, Spanien.
(L.) Koninckella liasina Bouch. sp. (Fig. 210 E) wurde früher zu
Leptaena gestellt. Verbreitet in den Schichten des oberen Lias
innerhalb und ausserhalb der Alpen (sog. Leptaenabett)[C].
Fußnoten:
[C] Neuerdings werden die liasischen Formen in die Nähe der triadischen
Gattung Koninckina gestellt und zu den Atrypidae gerechnet, da sie
kalkige Spiralen besitzen.