Schale mit Stacheln besetzt, meist frei, selten mit dem Schnabel
der grösseren Klappe oder mit den Stacheln festgewachsen. Kleinere
Klappe eingesenkt oder flach, nie convex, mit einem Schlossfortsatz
in der Mitte des Schlossrandes (Fig. 205 D f) und mit nierenförmigen
Armleisten (Fig. 205 D n). Diese Familie ist auf das paläozoische
Zeitalter beschränkt, gegen dessen Ende sie ihre Maximalentwickelung
erreicht. Die drei hierher gehörigen Gattungen unterscheiden sich wie
folgt:
a. Grössere Klappe ohne Schlosszähne und Schnabelöffnung. Area fehlend
oder kaum entwickelt (Fig. 205) Productus.
b. Grössere Klappe mit 2 Schlosszähnen und Deltidialspalte. Area
deutlich.
1. Schale überall (die Area ausgenommen) mit Stacheln bedeckt.
Schlossrand schmäler als die Schale lang (Fig. 206)
Strophalosia.
2. Schale meist nur am Arealrande der grösseren Klappe mit Stacheln.
Schlossrand breiter als die Schale lang (Fig. 207)
Chonetes.
Productus Sow. (Fig. 205 A-D). Schale in der Regel frei, mit Stacheln
besetzt (A). Grössere Klappe gewölbt, oft in der Mitte eingesenkt,
mit eingekrümmtem, undurchbohrtem Wirbel. Kleinere Klappe meist tief
eingesenkt oder flach. Area nie deutlich entwickelt. Schlossrand
meist so breit wie die Schale. Auf der Innenseite der grösseren
Klappe (C) liegen dicht unter dem Wirbel die länglichen Eindrücke (C
s’) der Schliessmuskeln (B s’), welche sich an ebenfalls längliche
Anheftstellen der kleineren Klappe ansetzen (D s, B s). Etwas
tiefer und seitwärts von ihnen finden sich in der grösseren Klappe
die rundlichen Eindrücke (C d) der Oeffnungsmuskeln (B d’), die
sich an den vorspringenden Schlossfortsatz der kleineren Klappe (D
f, B d) anheften. Alle Muskeleindrücke sind stark vertieft. Die
fleischigen Arme wurden durch ein Paar nierenförmige Armleisten
der kleineren Klappe (D n) gehalten. Ihre Spiralwindungen lagen in
napfförmigen Vertiefungen der grösseren Klappe (C sp’) und wurden durch
kleine, runde Höcker auf der kleineren Klappe (D sp) gestützt. Der
Schlossfortsatz verlängert sich nach unten in eine lange Mittelleiste
(D), welche die Muskeleindrücke, die Spiralhöcker und die Armleisten
von einander trennt. Die Schalenstructur ist punktirt. Meist ist die
ganze Oberfläche der Schale, seltener nur der Schlossrand mit langen,
hohlen und sehr zerbrechlichen Stacheln besetzt (A).
[Illustration: Fig. 205. A-D Productus. A P. longispinus Sow.
Subcarbon. England. B-D P. giganteus Mart. sp. Subcarbon. England.
B Querschnitt durch die Schale mit den reconstruirten Schliess- (s,
s’) und Oeffnungsmuskeln (d, d’). sp’ = Spiralnapf der grösseren, sp
= Spiralhöcker der kleineren Klappe. C grössere Klappe von innen.
Der Wirbel ist fortgenommen. s’ = Eindrücke der Schliessmuskeln; d =
Eindrücke der Oeffnungsmuskeln; sp’ = Spiralnäpfe. D kleinere Klappe
von innen. f = Schlossfortsatz; s = Eindrücke der Schliessmuskeln; n =
nierenförmige Eindrücke von den Armleisten umgeben; sp = Spiralhöcker.]
Die Gattung Productus beginnt im Devon und findet sich in allen marinen
Bildungen der Steinkohlenformation und des Perms über die ganze Erde in
zahlreichen und zum Theil sehr grossen Arten (Pr. giganteus bis 0,18
m breit) verbreitet. (Productus limestone [Oberes Carbon und Perm] in
Indien).
Gruppe A: Dorsati. Grössere Klappe ohne mittlere Einsenkung:
Pr. subaculeatus Murch. Mittel- und Oberdevon. Europa, Nordamerika,
Asien, Australien.
Pr. giganteus Mart. sp. (Fig. 205 B-D). Subcarbon. Ueberall.
Pr. cora d’Orb. Subcarbon. In allen Erdtheilen.
Pr. striatus Fisch. Subcarbon. Europa, Asien.
Gruppe B: Lobati. Grössere Klappe mit einer mittleren Einsenkung:
Pr. semireticulatus Mart. sp. (Leth. pal., t. 42, Fig. 8). Subcarbon
und Carbon. Ueberall.
Pr. longispinus Sow. (Fig. 205 A). }
} Subcarbon und Carbon. Ueberall.
Pr. punctatus Mart. sp. }
Pr. horridus Sow. (Leth. pal., t. 62, Fig. 10). Perm. Deutschland,
England, Nordamerika, Spitzbergen.
Strophalosia King (Fig. 206). Schale meist höher als breit, ganz mit
Stacheln bedeckt. Beide Klappen mit deutlicher Area (a-a’). Grössere
Klappe mit einer schmalen, dreieckigen, von einem Pseudodeltidium
geschlossenen Deltidialspalte (ps) und mit 2 kurzen Schlosszähnen.
Kleinere Klappe eingesenkt, mit Schlossfortsatz, Mittelleiste und
Armleisten, wie bei Productus. Vom Devon bis zum Perm, aber weit
seltener als Productus.
Str. productoides Murch. (Leth. pal., t. 35, Fig. 4). Mittel- und
Oberdevon. Russland, Deutschland, Belgien, England, China.
Str. Goldfussi Mnstr. sp. (Fig. 206). Perm (Zechstein). England,
Mitteldeutschland.
Str. lamellosa Gein. Perm (Zechstein). England, Mitteldeutschland.
Str. horrescens d. Vern. Perm. Russland, Indien.
[Illustration: Fig. 206. Strophalosia Goldfussi Mnstr. sp. Unterer
Zechstein. Gera. a = Area der kleineren, a’ = der grösseren Klappe; ps
= Pseudodeltidium, die Deltidialspalte verschliessend.]
[Illustration: Fig. 207. A-C Chonetes. A Ch. striatella Dalm.
Obersilur. England. a’ = Area der grösseren Klappe; st = Stacheln
des Arealrandes; ps = Pseudodeltidium. B, C Ch. sarcinulata Schl.
sp. Unterdevon (Spiriferensandstein). Rheinisches Schiefergebirge. B
innerer Abdruck der kleineren Klappe mit dem Eindruck der Mittelleiste
(s’) und den Eindrücken der Zahngrubenplatten (z’). C äusserer Abdruck
der grösseren Klappe, die kurzen Stacheln des Schlossrandes zeigend.]
Chonetes Fisch. (Fig. 207 A-C). Schale fast stets breiter als hoch.
Schlossrand so lang als die Schalenbreite. Stacheln auf die Arealkante
der grösseren Klappe (A st, C) beschränkt. Wirbel nicht hervorragend,
nie umgebogen. Grössere Klappe mit breiter Area (a’) und einer von
einem Pseudodeltidium (ps) geschlossenen Deltidialspalte. Im Inneren
mit 2 Zähnen und einer Mittelleiste. Kleinere Klappe mit meist schmaler
Area; ihre Deltidialspalte durch den Schlossfortsatz ausgefüllt.
Unterhalb und seitlich vom Schlossfortsatze mit 2 Zahngruben, die
durch kleine Zahngrubenplatten (B z’) gebildet werden. Mittelleiste (B
s’) und nierenförmige Armleisten wie bei Productus. Schalenverzierung
in zahlreichen, vom Wirbel ausstrahlenden, feinen Rippen bestehend.
Innenseite der Schale körnig-rauh.
Vom Silur bis zum Perm, am häufigsten und in grossen (bis 0,15 m
breiten) Formen in der Steinkohlenformation und im Perm.
Ch. striatella Dalm. sp. (Fig. 207 A). Im Obersilur Nordeuropas und
Amerikas häufig. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Ch. sarcinulata Schloth. sp. (Fig. 207 B, C). Im rheinisch-belgischen
Unterdevon häufig. Im gleichen Niveau in England und Südafrika. Auch in
höheren Schichten des Devons.
Ch. setigera Hall. Devon (Hamilton Gr.). Nordamerika.
Ch. papilionacea Phill. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien,
Russland.
Ch. Hardrensis Phill. (Leth. pal., t. 42, Fig. 13). Subcarbon.
Grossbritannien.
Viele Arten im Perm von Indien und Nordamerika.