Die hierher gestellten Formen schliessen sich z. Th. an die
Eucystoidea, z. Th. durch das Vorhandensein freier Arme an die
Palaeocrinoidea an.
Echinoencrinus (Fig. 178 A-D). An der Unterseite des eckig-eiförmigen
Kelches haftet ein kurzer, dicker Stiel (B s). Die zierliche Berippung
des Kelches erschwert die Erkennung der einzelnen Kelchtafeln, da die
Rippen oder Streifen ohne Unterbrechung über die Nähte fortlaufen.
Der Kelch besteht aus 19 Tafeln (D), von denen einige mit Porenrauten
versehen. Der Basalkranz setzt sich aus 4 Tafeln zusammen (D c).
Drei davon sind zugespitzt, die vierte (hintere) abgestutzt. Die 3
folgenden Kränze (I-III) bestehen aus je 5 Platten. Zwischen dem
ersten und zweiten Kranze liegt die Afteröffnung (a) seitlich rechts
hinten. Drei Hydrospiren (h, h’, h’’) entwickelt, deren jede auf 2
angrenzenden Tafeln liegt. Zwei (h und h’) liegen vorn symmetrisch
zu der Symmetrieebene der Basis; die dritte liegt ausserhalb der
Symmetrieebene rechts hinten, oberhalb des Afters auf je einer Tafel
des zweiten und dritten Kranzes. Die strahlige Scheitelöffnung (Mund --
C o) wird von kurzen, einzeiligen Armen umgeben (A).
[Illustration: Fig. 178. A-D Echinoencrinus. A E. granatum Volb.
Untersilur. St. Petersburg. Mit erhaltenen Armen. a = Afteröffnung. B,
C E. angulosus Pand. sp. Ebendaher. B von vorn. s = Stiel; h u. h’ =
die zwei vorderen Hydrospiren. C von oben. o = Mundöffnung; h’’ = die
dritte Hydrospire. D zerlegter Kelch. c = Basalkranz; I = erster Kranz
mit dem Hydrospirenpaar h und h’; II = zweiter Kranz, zwischen dem
ersten und zweiten liegt die Afteröffnung (a); III = dritter Kranz mit
der dritten unpaarigen Hydrospire (h’’).]
Der Kelchbau zeigt grosse Aehnlichkeit mit manchen Eucystoideen
(Lepadocrinus -- p. 180), während die frei entwickelten, einzeiligen
Arme mehr auf die Crinoideen hinweisen. Im baltischen Untersilur nicht
selten.
E. granatum Volb. (Fig. 178 A). }
} Umgegend von Petersburg.
E. angulosus Pand. sp. (Fig. 178 B, C). }
Caryocrinus Say (Fig. 179 A-C). Der Kelch ist gestielt (s) und trägt
eine wechselnde Anzahl von freien Armen (br). Es lässt sich eine
Dorsal- und Ventralkapsel nach Art der Palaeocrinoidea unterscheiden.
Die erstere besteht aus 3 alternirenden Kränzen grosser Platten. Zum
basalen Kranz (I) gehören 4 Platten, von denen je 2 gleich gross
und gleich gestaltet sind. In der Verlängerung der Naht zwischen
den beiden grösseren steht die ventrale Afteröffnung (A a). Der
zweite Kranz (II) besteht aus 6 grossen, etwas ungleichen Platten,
die mit denen des ersten und dritten alterniren. Der dritte Kranz
(III) setzt sich ebenfalls aus 6, etwas niedrigeren Tafeln zusammen.
Ueber demselben entspringt eine nicht constante Zahl (6, 9, 13) von
dünnen, peitschenförmigen Armen. Alle Tafeln der Dorsalkapsel sind mit
Hydrospiren (C) versehen. Die flache Ventralkapsel (B) ist mit etwa 24
kleinen, polygonalen Tafeln gepflastert, die sich um eine centrale (B
c) herumgruppiren. Die grosse Afteröffnung (a) liegt nahe am Rande; sie
wird von einer sechsklappigen Pyramide verschlossen. Alle Tafeln der
Ventralkapsel sind frei von Hydrospiren oder Doppelporen.
Häufig im Obersilur (Niagara-Gruppe) Nordamerikas.
Die einzige Art: C. ornatus Say (Fig. 178 A-C).
[Illustration: Fig. 179. A-C Caryocrinus ornatus Say. Obersilur.
Lockport, New-York. A Kelch mit Stiel (s) und theilweise erhaltenen
Armen (br). I = erster, II = zweiter, III = dritter Tafelkranz der
Dorsalkapsel; p = Porenrauten; i = Insertionsstellen der Arme; a =
Afteröffnung. B Ansicht der Ventralkapsel. c = centrale Scheitelplatte;
i und a wie oben. C eine Tafel des zweiten Kranzes von innen, um die
Poren der Hydrospiren (p) und ihre Verbindungscanäle (c) auf der
Innenfläche der Tafeln zu zeigen.]
Porocrinus Bill. (Fig. 180 A-C). Nur durch den Besitz von Porenrauten
ist diese Gattung von den Palaeocrinoidea, spec. Poteriocrinus
unterschieden. Wir haben 3 Reihen von Kränzen, einen infrabasalen
(ib), einen parabasalen (pb), je aus 5 Platten bestehenden, und einen
radialen (r), in welchen 2 interradiale Platten (C ir), eine grössere
und eine kleinere, etwas tiefer gestellte (in der Figur B schwarz
gezeichnete) eingeschoben sind. Die Radialia sind ausgeschnitten
wie bei Cyathocrinus (B r). An den durch die Vereinigung von 3
Nähten gebildeten Ecken finden sich 3 kleine Ergänzungstäfelchen
eingeschoben (C p). Dieselben sind mit Porenrauten bedeckt, welche auf
die Kelchtafeln übergreifen. Arme einfach, einzeilig. Untersilur in
Nordamerika und in Russland.
P. conicus Bill. (Fig. 180 A, B). Canada.
P. radiatus Beyr. (Fig. 180 C). St. Petersburg.
[Illustration: Fig. 180. A-C Porocrinus. A, B P. conicus Bill.
Untersilur. Canada. B Hinterseite des Kelches mit den 2 interradialen
Platten (ir), welche oberhalb und rechts über dem hinteren Parabasale
(pb) gelegen sind. C P. radiatus Beyr. Untersilur. St. Petersburg. Drei
Gruppen von je 3 Porenrauten. ib = Infrabasalia; pb Parabasalia; r =
Radialia; ir = Interradialia; br = Brachialia; p = Porenrauten.]
Wie bereits hervorgehoben, findet man Cystoideen nur in paläozoischen
Schichten, und zwar vorzugsweise im Silur, während im Devon und in
der Steinkohlenformation nur noch wenig zahlreiche Gattungen und
Arten dieser Klasse auftreten. Auch aus dem Cambrium kennt man eine
Anzahl von Gattungen. Als hauptsächliche Fundpunkte sind zu nennen:
Die untersilurischen Schichten der russischen Ostseeprovinzen und
des südlichen Schwedens, wo z. B. die Gattung Echinosphaerites in
den oberen Lagern des sog. Vaginaten-Kalkes geradezu gesteinbildend
vorkommt. Auch das nordamerikanische Untersilur ist reich an
Cystideen, doch sind die Gattungen fast durchgängig von den
europäischen verschieden. Das nordeuropäische (England, Schweden) und
nordamerikanische Obersilur beherbergt noch eine erhebliche Anzahl von
Gattungen, wenn auch weniger als das Untersilur. Im Devon werden sie
seltener und in der Steinkohlenformation sterben sie aus.
Die vielfachen Beziehungen, welche zwischen manchen Cystideen
einerseits und den Echinoidea, Asteroidea und Crinoidea andererseits
vorhanden sind, haben wohl mit Recht zu der Annahme geführt, dass
die gemeinsamen Stammformen der drei letztgenannten Klassen bei den
Cystideen zu suchen sind, wenn auch nicht unter denjenigen Formen
derselben, die wir aus den paläozoischen Ablagerungen kennen, da diese
jedenfalls nicht als die ältesten Vertreter der Klasse angesehen werden
dürfen.