1. Unterordnung Camerata.

Zu dieser Unterordnung gehört die Mehrzahl der paläozoischen Gattungen

(gegen 70). Sie werden in 10 Familien gruppirt, von denen wir die

wichtigsten hervorheben.

Fam. Actinocrinidae (Fig. 157 A-D).

Dorsalkapsel mit monocyclischer Basis (Basalia 3, selten 4). I.

Radialkranz aus 6 Tafeln (5 I. Rad. [r₁] und 1 Analtafel [a₁])

bestehend. Die ersten Interradialien (ir₁) ruhen auf den abgeschrägten

Seiten der I. Rad. (r₁). Ventralkapsel aus zahlreichen, meist

interradialen Tafeln bestehend (A).

Actinocrinus Mill. (Fig. 157 B-D). Der kreiselförmige Kelch wird von

zahlreichen Platten gebildet, die mit radialen Erhöhungen verziert

sind (B). Ventralkapsel in eine lange Afterröhre (proboscis, A pr)

ausgezogen, welche häufig die Arme überragt. Durch wiederholte

Dichotomie der Radialia in Distichalia (D d₁-d₃) entstehen zahlreiche

(20 bis über 50) zweizeilige Arme (A br). Der Analinterradius aus

einer Reihe von Analtafeln (D a₁-a₅) und zahlreichen Interradialien

(B ir₁-ir₃) gebildet. Die Zahl der Tafeln in den übrigen Interradien

ist viel geringer. An besonders günstig erhaltenen Stücken hat man

die Beschaffenheit der Kelchdecke unter der Ventralkapsel beobachtet

(B, C). Vom centralen Munde (o) strahlen verzweigte (c), mit kleinen

Plättchen bedeckte (c₁) Ambulacralfurchen aus, die in die Arme führen.

Hinter dem Munde liegt der After (a). Im Inneren des Kelches ein

gefaltetes Organ (oe), dessen Functionen sich noch nicht mit Sicherheit

haben feststellen lassen. Stiel rund.

Actinocrinus ist eine für das Subcarbon bezeichnende Gattung. Sie

findet sich häufig in Europa und Nordamerika.

A. polydactylus Mill. Grossbritannien, Belgien.

A. triacontadactylus Mill. Grossbritannien, Belgien.

A. proboscidalis Hall. (Fig. 157 B-D). Nordamerika.

[Illustration: Fig. 157. A Act. (Batocrinus) pyriformis Shum.

Subcarbon. Burlington, Jowa. Ein zur Hälfte der Arme (br)

entkleidetes Exemplar, um die Dorsalkapsel und die in eine lange

Proboscis (pr) verlängerte Ventralkapsel zu zeigen; st = Stiel. B,

C Actinocrinus proboscidalis Hall. Subcarbon. Burlington, Jowa.

B ein Kelch mit aufgebrochener Ventralkapsel, um die Kelchdecke

mit den Ambulacralfurchen (c₁) und das gefaltete Organ (oe) zu

zeigen. C Kelchdecke (Steinkern) von oben; o = Mund; a = After; c =

Ambulacralfurchen; c₁ = dieselben mit kleinen Plättchen gedeckt. D die

Platten des hinteren Theiles der Dorsalkapsel von Actinocrinus (der

Analinterradius von 2 Radien umschlossen); b = Basalia; r₁, r₂, r₃ =

I., II., III. Radialia; d₁-d₃ = Distichalia; id = Interbrachialia;

a₁-a₅ = Analtafeln; ir = Interradialia.]

Batocrinus Cass. (Fig. 157 A) ist eine nahe verwandte, ebenfalls im

Subcarbon, aber nur in Nordamerika häufig vorkommende Gattung. Ober-

und Unterseite des Kelches von nahezu gleicher Wölbung. Zweiseitige

Symmetrie des Kelches noch deutlicher als bei Actinocrinus.

Interbrachialia fehlen stets. Subcarbon. Nordamerika.

B. pyriformis Shum. (Fig. 157 A), rotundus Yand. & Shum., discoideus

Hall. und zahlreiche andere Arten.

Fam. Melocrinidae.

Die monocyclische Basis besteht aus 3-5 Tafeln. I. Radialkranz nur aus

5 Radialia gebildet (Fig. 158 A r), die Interradialtafeln beginnen erst

über den Radialia. Analinterradius kaum vor den anderen Interradien

ausgezeichnet.

Melocrinus Gf. (Fig. 158 A, B). Kelch mehr oder weniger aufgebläht.

Basalkranz aus 4 Basalia zusammengesetzt (B). I. Radialkranz mit 5

grossen Rad. (r₁). Darüber noch 2 Radialia (r₂, r₃). Die Distichalia

lassen eine breite, oft von Interbrachialien ausgefüllte Spalte

zwischen sich (ib), oberhalb welcher die Arme sich wieder vereinigen.

Der Analinterradius zeichnet sich zuweilen durch eine grössere

Anzahl von Platten aus, meist aber zeigt die Dorsalkapsel einen fast

regelmässig fünfstrahligen Bau. Ventralkapsel fast flach oder gewölbt,

aus kleineren Platten zusammengesetzt. Afteröffnung dem Rande mehr oder

weniger genähert. Arme zweitheilig, lang, mit langen Pinnulis (p).

Stiel rund. Obersilur und Devon, sehr häufig im Mitteldevon der Eifel.

M. typus Bronn (Fig. 158 A, B). Unterdevon. Rheinisches

Schiefergebirge. Immer als Steinkern erhalten. Die Stielglieder mit

ihren scharf vorspringenden Ringen (A st) liefern die sog.

»Schraubensteine«.

M. hieroglyphicus Gf. Mitteldevon. Eifel, Belgien.

M. gibbosus Gf. Mitteldevon. Eifel.

[Illustration: Fig. 158. A Melocrinus typus Bronn. Unterdevon. Coblenz.

Die Arme oben abgeschnitten gezeichnet. st = Stiel; b = Basis; r₁-r₃ =

Radialia; ir = Interradialia; d = Distichalia; ib = Interbrachialraum;

p = pinnulae. B Basis von M. gibbosus Gf. von unten gesehen.

Mitteldevon. Eifel. c = Centralcanal; n = Nähte der Basalia.]

Fam. Rhodocrinidae (Fig. 159 A, B).

Dorsalkapsel mit dicyclischer Basis. Der I. Radialkranz enthält

5 Radialia (r) und 5 Interradialia (ir₁), welch’ letztere direct

auf den Parabasalien aufruhen. Der Analinterradius kaum durch ein

hervorstechendes Merkmal ausgezeichnet. Silur -- Subcarbon.

Der typischen Gattung Rhodocrinus steht eine im Eifeler Devon häufige

Form nahe:

Rhipidocrinus Beyr. (Fig. 159 A, B). Die Basis des breiten, niedrigen,

unten etwas eingedrückten Kelches besteht aus 5, zu einer fünfseitigen

Platte vereinigten Infrabasalien (if) und 5 trapezförmigen Parabasalien

(pb). Die fünfseitigen I. Radialia (r₁) keilen sich zwischen die

letzteren ein, werden aber durch die grossen siebenseitigen I.

Interradialia (ir₁) von einander getrennt. Die anale Interradialtafel

(air₁) ist achtseitig. Eine grössere Anzahl von Rad., Brachial. und

Interradial. vorhanden. Die Platten der Dorsalkapsel mehr oder weniger

deutlich skulptirt. Ventralkapsel nur schwach gewölbt, aus zahlreichen

kleinen, glatten Täfelchen zusammengesetzt. Die 10 Arme mit zahlreichen

Nebenästen. Stiel (B) rund; entweder alle Glieder gleich, oder

abwechselnd dicker und geknotet (g) und dünner und ungeknotet (g₁).

Centralcanal fünflappig (A c). Mitteldevon. Eifel.

Einzige Art: Rhip. crenatus Gf. sp. (Fig. 159 A, B).

[Illustration: Fig. 159. Rhipidocrinus crenatus Gf. sp. Mitteldevon.

Eifel. A Ansicht des Kelches von unten; c = Centralcanal; if =

Infrabasalia, scheinbar zu einem Stücke verschmolzen; pb = Parabasalia;

r₁ = I. Radialia und ir₁ = I. Interradialia, zusammen den ersten

Radialkranz bildend; air₁ = das anale Interradiale, durch welches die

Symmetrieebene (↕) geht. B ein Stück des Stieles, aus abwechselnd

breiteren, geknoteten (g) und schmäleren, ungeknoteten Gliedern (g’)

zusammengesetzt.]

Fam. Hexacrinidae (Fig. 160 A-D).

Die monocyclische Basis besteht aus 2 oder 3 (Fig. 160 D b) Tafeln.

I. Radialkranz aus 5 gleichen Rad. (r) und 1 Analtafel (a₁)

zusammengesetzt, durch welche die Hinterseite der Dorsalkapsel leicht

kenntlich wird. Nur im Devon und in der Steinkohlenformation.

[Illustration: Fig. 160. Hexacrinus. Mitteldevon. Eifel. A, B H.

exsculptus Gf. sp. A Kelch mit Stiel. B Ansicht der Ventralkapsel. C H.

spinosus Müll. Ein Stielstück. D zerlegte Dorsalkapsel. a = After; a₁ =

I. Analtafel; b = Basalia; r = Radialia.]

Hexacrinus Aust. (Fig. 160 A-D). Der meist verzierte Kelch zeigt

ausgesprochene zweiseitige Symmetrie durch die grosse Analtafel,

welche sich in den ersten Radialkranz einschiebt (a₁). Basis aus 3

gleichen Platten bestehend (b). Das zweite Rad. als kleine, dreieckige

Tafel über dem ersten (r). Erste Analtafel schmäler als die Rad.

Ueber derselben bis zum excentrischen After (a) noch 2 oder 3 weitere

Analtafeln. Ventralkapsel flach, aus wenigen grösseren Tafeln gebildet

(B). Die Centralplatte derselben oft mit einem starken Stachel (A).

Stiel rund. Die Glieder abwechselnd breiter (oft gedornt) und enger

(C). Ausschliesslich im Devon, besonders in Europa (Eifel) häufig.

H. anaglypticus Gf. sp. }

H. exsculptus Gf. sp. (Fig. 160 A, B). } Mitteldevon. Eifel.

H. ornatus Gf. sp. }

H. interscapularis Phill. sp. Mitteldevon. Eifel und England.

Fam. Platycrinidae (Leth. pal., t. 40, Fig. 1, 2).

Durch das Fehlen der Analtafel im I. Radialkränze erscheint der Kelch

weniger deutlich zweiseitig als bei den Hexacriniden. Allein die Basis

besteht stets aus 3 Tafeln, von welchen die eine viel schmäler ist

als die 2 anderen. Eine Anzahl Gattungen vom Silur -- Carbon, deren

wichtigste:

Platycrinus Mill. (Leth. pal. t. 40. Fig. 1, 2). Dorsalkapsel nur

aus den 3 Basalia und 5 Radialia bestehend, anscheinend regulär. Die

schmälere Basalplatte viereckig, in dem vorderen rechten Interradius

gelegen, die beiden anderen fünfeckig. Das zweite, bereits freie

Radiale ruht auf einem hufeisenförmigen, oft von einem vorspringenden

Knopfe getragenen Ausschnitte. Ventralkapsel in eine Proboscis

verlängert. Sehr häufig und in zahlreichen Arten im Subcarbon, sehr

selten im Devon. Europa und Nordamerika.

Pl. granulatus Mill. }

Pl. laevis Mill. }

Pl. ornatus McCoy. } Grossbritannien und Belgien (Kohlenkalk).

Pl. tuberculatus Mill. }

Pl. trigintadactylus Aust. }

Fam. Calyptocrinidae (Fig. 161 A-E).

Die Ventralkapsel überragt die Arme oder befindet sich in gleicher Höhe

mit denselben. Je 2 Arme zwischen leistenartigen, radialen Vorsprüngen

der Ventralkapsel gelegen. Bas. ganz, Rad. fast immer auf der

Unterseite der Dorsalkapsel gelegen. Letztere regelmässig fünfstrahlig

gebaut, abgesehen von der viertheiligen Basis. Fast ausschliesslich

silurisch. 2 Gattungen.

Eucalyptocrinus Gf. (Fig. 161 A-E). Die Unterseite der Dorsalkapsel

ist flach, die Mitte derselben meist zapfenartig in den Kelch

hinaufgezogen (B b r). 4 Bas. (b) und 5 I. Rad. (r₁) betheiligen sich

an dem Zapfen. Ueber dem ersten Radialkranze folgen noch 2 weitere,

doch fehlt r₂ oft, so dass r₃ direct auf r₁ ruht. Die sich zwischen

die Radialkränze einschiebenden grossen I. Interradialia (ir₁) meist

von gleicher Grösse, zuweilen das anale (E ir₁) tiefer eingekeilt als

die übrigen, wodurch der fünfstrahlige Bau gestört wird. Auf dem III.

Radiale stehen jederseits 2 Interdistichalia, von denen das untere

gross (A rd₁), das obere sehr niedrig (A rd₂) ist. Zwischen je 2

Distichalreihen befindet sich ein schmales, hohes Interbrachiale (id).

Etwa gleich gestaltet, aber stets durch eine Vertikalnaht getheilt

sind die 2 II. Interradialia (ir₂), welche auf ir₁ folgen. Diese II.

Interrad.-Paare bilden mit den Interbrach. zusammen auf dem Oberrande

der Dorsalkapsel 10 vorstehende Leisten, zwischen denen je ein Paar

zu den Armen führender Ambulacralfurchen (Rinnen) (D ar) sichtbar

wird. Zwischen den Leisten befinden sich die niedrigen Platten der

Distichalia (A). Die Ventralkapsel ist sehr hoch und oben abgestutzt

(A). Auf der flaschenförmigen Kapsel (der weisse innere Raum in Fig.

B) befinden sich 4 Tafelkränze. Die 10 Tafeln des I. (w₁) und IV. (w₂)

Ringes sind stark verlängert, so dass sie über die Arme hinaus reichen.

Sie bilden 10 radiale, flügelartig vorspringende, oben verdickte und

seitlich gekörnelte (k) Scheidewände, welche den Interbrach. (id) und

II. Interrad. (ir₂) unmittelbar aufruhen. Die von je 2 Scheidewänden

seitlich begrenzten Nischen dienen zur Aufnahme je eines Armpaares

(br). Die Arme sind getheilt, bestehen aus zahlreichen niedrigen

Gliedern und legen sich fest an die Nischenwände an. Die Decke der

Ventralkapsel (A d, C) wird von den oberen Flächen der 10 Nischenwände

(C z) und von 4 (oder 2, 3, 5, 6) Deckplatten (C p) gebildet, welch’

letztere die centrale Afteröffnung (a) umschliessen. Stiel rund,

Centralcanal fünflappig (D c, E c). Häufig im Obersilur, selten im

Devon.

[Illustration: Fig. 161. A-E Eucalyptocrinus rosaceus Gf. Mitteldevon.

Eifel. A Ansicht eines vollständigen Kelches, z. Th. mit den Armen

(br), welche aus den mittleren Nischen entfernt sind; d = Decke der

Ventralkapsel. B ein von hinten und vorn aufgebrochener Kelch; b

und r = zapfenartig in die Höhe gezogene Basalia und Radialia; id =

Interbrachialia; w₁ und w₂ = die Platten des ersten und zweiten Ringes

der Ventralkapsel, welche zusammen 10 radiale Nischenwände bilden; k

= Körnelung. C Ventralseite von oben; a = centrale Afteröffnung; p =

Deckplatten, welche sie einschliessen; z = die oberen, vorspringenden

Enden der 10 Platten des IV. Ringes der Ventralkapsel. D Dorsalkapsel

von oben. In der Mitte die emporgezogene Basis (b) mit dem fünflappigen

Centralcanal (c). Auf dem Oberrand der Dorsalkapsel erheben sich

5 einfache Leisten (id Fig. A), die Interbrachialia, dazwischen 5

getheilte (ir₂), die II. Interradialia. Zwischen je einer einfachen

und einer getheilten Leiste ist ein Paar Ambulacralfurchen (ar)

sichtbar, welche in die 20 Arme verlaufen. E Dorsalkapsel von unten; c

= Centralcanal des letzten Stielgliedes; r₁ = I. Radialia, r₃ = III.

Radialia (die II. R. fehlen); ir₁ = das anale Interrad., welches sich

tiefer zwischen die Rad. einkeilt, als die übrigen Interrad.]

E. caelatus Hall. sp. }

E. crassus Hall. } Obersilur. Nordamerika.

E. minor Ang. sp. }

E. regularis His. sp. } Obersilur. Insel Gotland.

E. rosaceus Gf. (Fig. 161 A-E). Mitteldevon. Eifel (häufig).

Elemente der Paläontologie · 第 94 / 606 题