V. Kreis: Echinodermata.

Die Echinodermen (oder Stachelhäuter) sind ausschliesslich marine,

freie oder festsitzende Thiere von auffallend strahligem (meist

fünfstrahligem), in Wirklichkeit aber zweiseitig-symmetrischem Baue.

Der Weichkörper enthält ein System gesetzmässig angeordneter Röhren,

das sog. Wassergefäss- oder Ambulacralsystem, dessen schlauchförmige

Endigungen (die ambulacra) meist zur Fortbewegung dienen. Ein von

der Leibeshöhle gesonderter Darm, ein Blutgefäss und Nervensystem

entwickelt. Fortpflanzung geschlechtlich. Geschlechter meist

getrennt. Die Mehrzahl der Echinodermen besitzen ein aus Kalkplatten

zusammengefügtes, fossil gut erhaltbares Hautskelet, welches die

Form und zum Theil auch die Organisation des Thieres wiedergiebt.

In dem Hautskelet finden sich grosse Oeffnungen für den Mund und

After, ferner kleinere für den Austritt der Ambulacra, Augennerven

und Geschlechtsproducte. Die Kalkskelete aller Echinodermen bestehen

aus durchsichtigem, krystallisirtem, kohlensaurem Kalk (Calcit).

Die Kalkmasse ist aber keineswegs compact, vielmehr besteht sie aus

einem zierlichen Gitterwerk von Kalkbälkchen (Fig. 121). An dieser

Gitterstructur lassen sich selbst die kleinsten Fragmente auch in

fossilem Zustande unter dem Mikroskope leicht wiedererkennen. Zur

makroskopischen Wiedererkennung hilft die späthige Structur (die

Spaltbarkeit nach dem Grundrhomboëder des Kalkspaths).

[Illustration: Fig. 121. Stück eines Querschnittes durch einen

Seeigelstachel (Arbacia nigra) ³⁵⁄₁.]

Die lebenden Echinodermen zerfallen in folgende Klassen:

A. Körper wurmförmig gestreckt, frei, ohne Arme und ohne

zusammenhängendes, kalkiges Hautskelet. In der lederartigen Haut

finden sich mikroskopisch kleine Kalkkörperchen eingestreut.

Fossil unwichtig I. Holothurioidea.

B. Körper mit festem, kalkigem, mit Stacheln bewehrtem Hautskelet,

frei. Mund auf der Unterseite.

a. Körper kugelig oder scheibenförmig, im Umriss rund, oval oder

herzförmig, ohne Arme. Die Platten des Hautskelets in meridianartig

angeordneten Reihen. Ambulacralporen auf der Ober- und Unterseite

(Fig. 123). Fossil häufig II. Echinoidea.

b. Körper plattig, meist von fünfzackigem Umriss, mit Armen, die

innere Kalkwirbel besitzen. Ambulacralporen nur auf der Unterseite.

1. Arme von einer runden Centralscheibe scharf abgesetzt (Fig.

146 A). Armwirbel ungetheilt (Fig. 145 B). Ambulacralporen nicht

in einer offenen Längsrinne (Fig. 146 E p). Fossil nicht häufig

III. Ophiuroidea.

2. Arme von der Centralscheibe nicht scharf geschieden (Fig. 152 A).

Armwirbel aus zwei Stücken zusammengesetzt. Ambulacralporen in

einer offenen Längsrinne (Fig. 150 p). Fossil nicht häufig

IV. Asteroidea.

C. Körper mit einem kelchförmigen, kalkigen Hautskelet, meist gestielt

und festsitzend. Mund auf der Oberseite (Fig. 154 o). Arme wohl

entwickelt (Fig. 152 A). Fossil häufig V. Crinoidea.

Dazu kommen noch zwei ausgestorbene Klassen:

α) Körper meist gestielt, kugelig, oft aus unregelmässig angeordneten

Kalkplatten bestehend. Arme schwach entwickelt (Fig. 177 A) oder

fehlend (Fig. 172 A). Paläozoisch VI. Cystidea.

β) Körper gestielt, knospenförmig, ohne Arme. Die Kalktafeln

regelmässig angeordnet. Oberseite mit fünf ovalen oder

lanzettlichen Ambulacralfeldern (Fig. 181 F). Paläozoisch

VII. Blastoidea.

Elemente der Paläontologie · 第 71 / 606 题