1. Sedentaria (Tubicolae) oder Röhrenwürmer.

Manche Röhrenwürmer aus der Familie der Serpulidae wohnen in kalkigen

Röhren, die sich sehr wohl zur Fossilisation eignen. Die Röhren sind

am unteren Ende geschlossen, am oberen offen. Trotz der grossen

Mannigfaltigkeit der Gestaltung sind dieselben allein doch zur

Charakterisirung der Gattungen nicht ausreichend, weshalb es sich

empfiehlt, die zahlreichen fossilen Funde mit dem Collectivnamen des

hauptsächlichsten lebenden Repräsentanten der Familie

Serpula L. (Fig. 118 A-E) zu bezeichnen. Die Röhre ist bald in ihrer

ganzen Länge von nahezu gleicher Dicke oder nach aussen nur mässig

erweitert und fast gerade oder unregelmässig eingeweideartig durch

einander geschlungen (Serpula s. str. Fig. 118 D), bald liegen

mehrere zu Bündeln gruppirt in nahezu paralleler Lage neben einander

(Galeolaria Fig. 118 B, C), oder aber die Röhre rollt sich spiral nach

Art einer Schneckenschale auf und erweitert sich stark nach aussen

(Spirorbis Daud. Fig. 118 A; Rotularia Fig. 118 E). Im Querschnitt

können die Röhren rund oder kantig erscheinen. Die Schalen sind meist

mit dem unteren Ende, oft auch ihrer ganzen Länge nach fremden Körpern

aufgewachsen, seltener frei. In paläozoischen Schichten, auch noch

in der Trias selten, in jüngeren Formationen häufig und oft geradezu

gesteinbildend.

S. (Spirorbis) omphalodes Gf. (Fig. 118 A). Häufig im Mitteldevon

der Eifel.

S. (Spirorbis) valvata Gf. Muschelkalk.

S. (Galeolaria) socialis Gf. (Fig. 118 B, C). Häufig im Jura,

besonders im mittleren und oberen Dogger. Mitteleuropa.

S. coacervata Blum. Den »Serpulit«, die oberste (brackische) Stufe

des Malms (Purbeck) in Norddeutschland und im Boulonnais fast

ausschliesslich zusammensetzend.

S. gordialis Schl. (Fig. 118 D). Gesteinbildend im oberen Cenoman

der sächsischen Schweiz (Serpulasand).

S. spirulaea Lmk. (Fig. 118 E). Oberstes Eocän und tiefstes

Oligocän. Südeuropa.

Zahlreiche lebende Arten in geringen Meerestiefen.

[Illustration: Fig. 118. Serpula. A S. (Spirorbis) omphalodes Gf.

Mitteldevon. Eifel. B, C S. (Galeolaria) socialis Gf. Oberer Dogger

(Hauptrogenstein). Elsass. C Querschnitt des Röhrenbündels. D Serpula

gordialis Schl. Ob. Cenoman. Bannewitz, Sachsen. E S. (Rotularia)

spirulaea Lam. Obereocän. Vicentin.]

Fam. Tentaculitidae.

Wahrscheinlich schliessen sich an die Serpuliden eine Gruppe

paläozoischer Fossilien an, für die wir keine lebenden

Vergleichsobjecte kennen, deren Schalen aber grosse Aehnlichkeit

mit den Röhren der Sedentaria besitzen[B]. Sie sind durch eine sehr

regelmässige, verkehrt conische Gestalt, geringe Grösse und zierliche

Querberippung ausgezeichnet. Das untere Ende der freien, nicht

festgewachsenen, runden Kalkröhre ist blasenförmig abgeschnürt (Fig.

119 B a) oder zugespitzt (Fig. 119 A), nach oben nimmt die Röhre

an Weite allmählich zu. Meist umgürten in regelmässigen Abständen

Querringe (Fig. 119 r) die Röhre. Zwischen den Ringen erscheinen

entweder ringförmige Querstreifen (A r’) oder feine Längsstreifen (B s)

oder die Schale ist glatt. Die wichtigste Gattung dieser auf Silur und

Devon beschränkten Gruppe ist:

Tentaculites Schloth. (Fig. 119). Die zierlichen, im Durchschnitt

einige mm grossen Röhren erfüllen oft ganze Schichten, namentlich an

der Grenze zwischen Silur und Devon sowohl in Europa als in Amerika

(Tentakulitenschichten).

T. ornatus Sow. (Fig. 119 A). Obersilur. Nordeuropa. Als Geschiebe

(Beyrichienkalk) in der norddeutschen Tiefebene.

T. elegans Barr. Obersilur. Böhmen, Thüringen.

T. irregularis Hall. Obersilur. Nordamerika.

T. acuarius Richt. (Fig. 119 B). Unterdevon (Hercyn).

Mitteldeutschland, Böhmen.

[Illustration: Fig. 119. A Tentaculites ornatus Sow. Obersilurisches

Geschiebe. Norddeutschland. r = die gröberen Ringe; r’ = die feineren

Querstreifen. B T. acuarius Richt. Unterdevon (Hercyn). Thüringen. r =

die Ringe; s = Längsstreifen; a = das blasenförmig abgeschnürte untere

Ende.]

Elemente der Paläontologie · 第 69 / 606 题