II. Zoantharia tabulata.

Die Zoantharia tabulata bilden stets zusammengesetzte Korallenstöcke,

die aus zahlreichen, engen, meist stark verlängerten Röhren mit

festen Wänden bestehen. Die Wände können dicht oder von entfernt

stehenden Poren durchbohrt sein (Fig. 113 a). Die Röhrenzellen berühren

sich meist in ihrer ganzen Länge (Fig. 113), zuweilen sind sie nur

locker verbunden und theilweise frei (Fig. 112), in seltenen Fällen

werden die Röhren durch eine ebenfalls röhrenartige Zwischenmasse

(Cönenchym) verbunden (Fig. 110 r’). Sternlamellen oder Septen (hier

als Pseudosepten bezeichnet) selten deutlich entwickelt -- in der

Sechs- oder Zwölfzahl (Fig. 110 r, wo fälschlich nur 10 gezeichnet) --

zuweilen nur als kurze Dornen auftretend oder gänzlich fehlend. Die

Röhren werden in der Regel durch zahlreiche, ebene oder trichterförmige

Scheidewände (tabulae) in Fächer abgetheilt (Fig. 117 C t; Fig. 112 A

tr). Diese Gruppe besitzt in den paläozoischen Formationen eine weite

Verbreitung, ist aber in mesozoischen nur noch durch vereinzelte Formen

vertreten. Die wichtigsten Familien unterscheiden sich nach F. Römer

wie folgt:

A. Röhrenzellen durch ein ebenfalls röhriges oder blasiges Cönenchym

verbunden (Fig. 110) Heliolitidae.

B. Cönenchym fehlt.

α. Röhrenzellen den benachbarten nicht ringsum fest anliegend

(Fig. 112).

I. Röhrenzellen nur auf zwei Seiten mit den angrenzenden verwachsen

(Fig. 111) Halysitidae.

II. Röhrenzellen mit den benachbarten allseitig durch kurze

Querröhren verbunden (Fig. 112) Syringoporidae.

β. Röhrenzellen ringsum den angrenzenden fest anliegend (Fig. 113).

I. Die Wände der Röhrenzellen von entfernt stehenden Poren

durchbohrt (Fig. 113) Favositidae.

II. Die Wände der Röhrenzellen dicht (Fig. 116).

a. Röhrenzellen durch Theilung sich vermehrend; die beginnende

Theilung durch zackige Vorsprünge in der Röhrenzelle

bezeichnet (Fig. 116 A l). Alle Zellen gleich

Chaetetidae.

b. Röhrenzellen durch seitliche Sprossung sich vermehrend. Meist

verschiedenartige Zellen vorhanden (Fig. 117)

Monticuliporidae.

Fam. Heliolitidae.

Der massige Korallenstock, welcher eine auffallende Aehnlichkeit mit

der lebenden Gattung Heliopora zeigt (p. 86), besteht aus weiten

Röhrenzellen (Fig. 110 r) mit 12 deutlich entwickelten Pseudosepten (A

ps) und weit abstehenden Böden (t). Das diese Röhrenzellen verbindende

Cönenchym wird aus engeren Röhrenzellen (r’) mit enger gestellten Böden

(t’) oder aus Blasengewebe gebildet. Die Wände der Röhrenzellen sind

dicht -- ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal von Heliopora (vgl.

Fig. 81).

[Illustration: Fig. 110. Heliolites porosus Gf. sp. Mitteldevon.

Eifel. A Querschnitt. B Ansicht eines Stockes. C Längsschnitt; r =

Röhrenzellen mit den Pseudosepten (fälschlich 10 anstatt 12 gezeichnet,

ps) und den Böden (t); r’ = Cönenchymzellen mit enger gestellten Böden

(t’).]

Heliolites Dana. Cönenchym aus schmalen, prismatischen Röhren

bestehend. Korallenstock massig, halbkugelig oder birnförmig. Im Silur

und Devon Europas, Nordamerikas, Chinas und Australiens.

H. megastoma M’Coy }

} Untersilur.

H. dubius Fr. Schm. }

H. interstinctus L. Obersilur. Europa, Nordamerika, China.

H. porosus Gf. sp. (Fig. 110). Mitteldevon. Deutschland, England,

Australien.

Fam. Halysitidae.

Die einzige Gattung dieser Familie ist:

Halysites Fischer (Fig. 111 A-C). Der Korallenstock besteht aus

einer Anzahl seitlich zusammengedrückter, langer Röhrenzellen (k),

welche, an den schmalen Seiten mit einander kettenförmig verwachsen,

sich zu dünnen, längsgefurchten Blättern vereinigen, welch letztere

in verschiedenen Richtungen an einander stossen (C) und freie Räume

zwischen sich lassen. Die Aussenwand ist mit einer Epithek bekleidet.

Zwischen den grösseren Röhrenzellen (k), welche von gebogenen, weit

abstehenden, oft unvollständigen Böden (t) durchsetzt werden, finden

sich jeweilen mehrere, kleinere Zwischenröhren (k’) mit ebenen, enger

gestellten Böden (t). Zwölf dornförmige Pseudosepten vorhanden oder

fehlend. Wand dicht. Auf das Silur beschränkt.

H. catenularia L. sp. (Fig. 111). Obersilur. Nordeuropa,

Nordamerika, China. Häufig als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

[Illustration: Fig. 111. A-C Halysites catenularia L. sp. Obersilur.

Gothland. A Querschnitt. B Längsschnitt. C Ansicht des Stockes. k

= Röhrenzellen mit weiter abstehenden, gebogenen Böden (t). k’ =

Zwischenröhren, enger und mit dichter gestellten, ebenen Böden (t)

versehen.]

Fam. Syringoporidae.

Syringopora Gf. (Fig. 112). Korallenstock aus langen, gebogenen,

cylindrischen Röhren zusammengesetzt, die durch kurze, cylindrische

Querröhren mit einander verbunden (C) und mit einer Epithek bedeckt

sind. Im Inneren der Röhren und Querröhren finden sich gebogene,

trichterförmige Böden (tr). Die Wand der Röhren ist dicht. Eine

wechselnde Anzahl von dornförmigen Pseudosepten (A p, B ps) vorhanden.

Vom Obersilur bis in die Steinkohlenformation verbreitet.

S. bifurcata Lonsd. Obersilur. Nordeuropa. Als Diluvialgeschiebe

in Norddeutschland.

S. reticulata Gf. (Fig. 112 A, B) }

} In der Steinkohlenformation von

S. geniculata Phill. } England, Russland, Belgien etc.

S. ramulosa Gf. (Fig. 112 B) }

[Illustration: Fig. 112. A, B Syringopora reticulata Gf. Subcarbon.

England. Längsschnitt und Querschnitt. p u. ps = Pseudosepten. tr =

trichterförmige Böden. C Syringopora ramulosa Gf. Subcarbon. Schlesien.

Ansicht in natürlicher Grösse.]

Fam. Favositidae.

Meist massige, seltener verzweigte Stöcke aus prismatischen, meist eng

an einander liegenden Röhrenzellen von gleichartiger Beschaffenheit

zusammengesetzt. Die Wände derselben sind von groben, entfernt

stehenden Poren durchbohrt (Fig. 113 a). Pseudosepten durch Längsreihen

von Dornen oder Körnern angedeutet. Von den zahlreichen Gattungen sind

besonders wichtig:

Favosites Lmk. (= Calamopora Gf.) (Fig. 113; Fig. 114 A). Die

Röhrenzellen des gewöhnlich massigen Stockes sind polygonal, von

zahlreichen Horizontalböden durchsetzt und ihre Wände von entfernt

stehenden, meist in Längsreihen angeordneten Poren durchbrochen (a).

Ihre Aussenseite längsgestreift. Pseudosepten als dornige oder körnige

Längsstreifen entwickelt (Fig. 114 A). Unterseite des Stockes mit

Epithek bekleidet.

Diese häufigste Gattung der Tabulaten ist durch zahlreiche Arten im

Silur und Devon vertreten.

F. Gothlandica Lmk. } Obersilur. Nordeuropa und

F. Forbesi E. & H. (Fig. 113 A) } Nordamerika.

F. polymorpha Gf. sp. (Fig. 113). Mitteldevon. Eifel etc.

[Illustration: Fig. 113. Favosites polymorpha Gf. sp. Mitteldevon.

Eifel. a mehrere Röhrenzellen vergrössert, die Böden, die Wandporen und

die Längsstreifen auf der Aussenseite der Wand zeigend. b ein Stock in

natürlicher Grösse.]

[Illustration: Fig. 114. A Favosites Forbesi E. & H. Obersilur.

Nordamerika. Querschnitt, die dornförmigen Pseudosepten zeigend. B

Alveolites suborbicularis Lmk. Mitteldevon. Eifel. Querschnitt, die

halbmondförmigen Röhrenzellen und die Längsleisten (d) zeigend.]

Alveolites Lmk. (Fig. 114 B). Von Favosites durch die halbmondförmigen,

schief auf der Oberfläche des Stockes mündenden Röhrenzellen

(Fig. 114 B) leicht unterscheidbar. Im Inneren der Zelle eine oder mehrere

Längsleisten (Fig. 114 B d) vorhanden, die als Pseudosepten zu deuten

sind. Im Obersilur und Devon verbreitet.

A. Labechei E. & H. Obersilur. Grossbritannien, Gothland. Als

Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

A. suborbicularis Lmk. (Fig. 114 B). Mitteldevon. Eifel, Ostalpen.

[Illustration: Fig. 115. A Pleurodictyon problematicum Gf. Unterdevon.

Coblenz. Steinkern. s = ein fremder, wurmartiger Körper, von der

Koralle umwachsen. w = die von enge stehenden Poren durchbrochenen

Wände der Zellen. B, C Pl. stylophorum Eat. sp. Devon. Nordamerika.

B von oben gesehen. C Vertikalschnitt. t = Böden. p = Wandporen. Die

schraffirten Ringe deuten den umwachsenen fremden Körper an.]

Pleurodictyon Gf. (Fig. 115 A-C). Korallenstock flach oder halbkugelig,

aufgewachsen, mit runzeliger Epithek auf der Unterseite. Die wenig

zahlreichen Röhrenzellen kurz, trichterförmig (C), mit wenigen oder gar

keinen Böden (C t) versehen. Wandporen gedrängt (C p). Im rheinischen

Unterdevon immer als Steinkern (A) erhalten. Der hakenförmige Körper im

Centrum (s) ist ein fremder wurmartiger Rest, den die Coralle umwuchs.

Die Wände (w) erscheinen als durchbrochene Linien. Die Abdrücke der

Unterseite zeigen eine concentrische Runzelung und feine radiale

Linien. Im Devon, vielleicht schon im Silur.

Pl. problematicum Gf. (Fig. 115 A). Häufig im rheinischen,

französischen, belgischen und englischen Unterdevon, aber stets als

Steinkern.

Pl. stylophorum Eat. sp. (Fig. 115 B, C). Im Devon (Hamilton-Gruppe)

Nordamerikas.

Eine nahe verwandte Gattung ist:

Michelinia de Kon. (L. p., t. 39, Fig. 7). Dieselbe unterscheidet

sich von Pleurodictyon nur durch ihre blasenförmigen Böden und durch

sparsamere, ungleichmässig vertheilte Wandporen. Sie kommt im Devon und

Subcarbon vor.

M. cylindrica Nich. Im älteren Devon (Corniferous-Group)

Nordamerikas.

M. favosa Gf. sp. Subcarbon. Grossbritannien, Belgien, Deutschland.

Fam. Chaetetidae.

Chaetetes Fisch. (Fig. 116). Massige Stöcke. Die langen, prismatischen

Röhrenzellen fest miteinander verbunden; ihre Wände dick, undurchbohrt.

Pseudosepten fehlen. Die Vermehrung der Röhrenzellen geschieht durch

Theilung; die in der Bildung begriffenen Wände sind im Querschnitte

als vorspringende Lamellen sichtbar (A l). Böden zahlreich, eben, in

ungleichen Abständen von einander (B t). In der Steinkohlenformation

häufig, selten im Lias der Südalpen.

Ch. radians Fisch. (Fig. 116). Steinkohlenformation. Russland,

England.

[Illustration: Fig. 116. Chaetetes radians Fisch. Carbon. Moskau. A

Querschnitt einiger in Theilung begriffener Röhrenzellen; l = die neu

entstehenden Zellwände. B Längsschnitt; t = Böden. C Ansicht eines

angebrochenen Stückes.]

Fam. Monticuliporidae.

Korallenstöcke massig, meist verzweigt. Röhrenzellen durchschnittlich

sehr klein, fest an einander liegend, meist dünnwandig, oft von

verschiedener Grösse, durch Sprossung sich vermehrend. Böden zahlreich,

dünn. Pseudosepten und Wandporen fehlen. Silur -- Muschelkalk.

Die Hauptentwickelung dieser Familie fällt in das Untersilur. Die

wichtigste Gattung ist:

Monticulipora d’Orb. (Fig. 117). Korallenstock knollig, plattig oder

verästelt. Die Röhrenzellen (auch Coralliten genannt) entweder alle

gleichartig (Monotrypa) und dünnwandig, oder von zweierlei Art,

weitere, mit entfernt stehenden, und engere, mit gedrängt stehenden

Böden (c und c’); dazwischen oft sehr feine, sog. dornförmige

Coralliten (s) ohne Böden. Diplotrypa mit dünnen, Heterotrypa

(Fig. 117) mit dicken Wänden. Zahlreiche Arten im Silur, besonders

im Untersilur Nordamerikas und Russlands, seltener im Devon und

Muschelkalk.

M. (Monotrypa) pavonia d’Orb. Untersilur. Nordamerika.

M. (Monotrypa) fibroglobosa Qu. sp. Mitteldevon. Eifel.

M. (Monotrypa) Recubariensis Schaur. sp. Muschelkalk. Südtirol.

M. (Diplotrypa) petropolitana Pand. Untersilur. Nordeuropa. Als

Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.

M. (Heterotrypa) mammulata d’Orb. (Fig. 117 A, B) } Untersilur.

M. (Heterotrypa) ramosa d’Orb. (Fig. 117 C) } Nordamerika.

[Illustration: Fig. 117. A, B M. (Heterotrypa) mammulata d’Orb.

Untersilur. Cincinnati, Ohio. A Ein Stück des Korallenstockes

verkleinert, mit warzenartigen Erhebungen auf der Oberfläche (w). B

Tangentialschnitt; c = grössere Coralliten; c’ = kleinere Coralliten;

s = dornförmige Coralliten. C M. (Heterotrypa) ramosa d’Orb.

Längsschliff. Ebendaher. w = verdickte Wände; t = Böden; c und c’

wie bei B. Die kleineren Coralliten sind fälschlich mit c statt c’

bezeichnet.]

Geologische Verbreitung der Tabulata.

Die Tabulata sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, auf das

Palaeozoicum beschränkt. Sie werden meist in Gesellschaft der Rugosa

angetroffen und bilden mit diesen und den Stromatoporoidea zusammen

oder auch allein Bänke und Riffe.

Dem Silur eigenthümlich sind die Halysitiden, vorwiegend in dieser

Formation verbreitet die Monticuliporiden. Die Favositiden und

Syringoporiden reichen vom Silur bis in die Steinkohlenformation. Die

Chaetetiden kommen in der Steinkohlenformation (selten auch im Jura)

vor.

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| | Silur | Devon | Steinkohlenform. | Mesozoicum |

+---------------+---------+---------+------------------+------------+

| Heliolites | † † | † † | | |

| Halysites | † † | | | |

| Syringopora | † † | † | † † | |

| Favosites | † † | † † | | |

| Alveolites | † † | † † | | |

| Pleurodictyon | ? | † † | | |

| Michelinia | | † | † † | |

| Chaetetes | | | † † | † |

| Monticulipora | † † | † | † | † |

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Elemente der Paläontologie · 第 66 / 606 题