Litteratur über Polypomedusae.
Hall, J. Graptolites of the Quebec Group. -- Geolog. Survey of Canada.
Dec. II 1865.
Lapworth, C. Geolog. Magaz. vol. X 1873. -- Ann. & Mag. Nat. Hist. V
ser. vol. III 1879, vol. IV 1879, vol. V 1880.
Nicholson, H. A. Monograph of the British Graptolitidae 1872.
---- Monograph of the British Stromatoporoids. Palaeont. Society 1885.
Steinmann, G. Palaeontographica Bd. XXV 1877.
Von den drei Ordnungen dieser Klasse sind die Siphonophora fossil
noch nicht gefunden worden. Die Acalephae, grosse Lappenquallen ohne
Mundsaum, finden sich gelegentlich als Abdrücke; nur den zuweilen mit
chitinösen oder kalkigen Skeleten versehenen Hydroidea kommt einige
Bedeutung zu.
Ordnung Hydroidea.
Die Medusenformen dieser Ordnung besitzen einen ungelappten Schirmrand
(Unterschied von den Acalephae) und sind stets geschlechtlich. Die
Polypen weisen eine ungetheilte Magenhöhle auf und entbehren des
Magenrohrs (Unterschied von den Anthozoa). Polypen oft zu Stöcken
vereinigt, welche zuweilen mit chitinösen oder kalkigen Skeleten --
letztere ähnlich denen der Korallen oder Bryozoen -- versehen sind.
Solche Skeletbildungen finden sich nur bei den beiden Unterordnungen
der Diplomorpha und Hydrocoralliae.
Unterordnung Diplomorpha.
1. Calyptoblastea. Polypenstöckchen festsitzend, Polypen von
becherförmigen Chitinzellen umgeben. Hierher gehören von lebenden
Formen u. a. die Sertularien und Campanularien. Von fossilen dürfte
Dictyonema Hall (Fig. 69) vielleicht hierher zu stellen sein. Das korb-
oder trichterförmige Hydrosom besteht aus zahlreichen, durch feine
Querbalken verbundenen Aesten und läuft am unteren Ende in eine Spitze
aus, war also nicht festgewachsen, wie die lebenden Calyptoblastea.
Sägezahnförmige Zellen bekleiden nicht allein die freien Enden der
Aeste (wie Fig. 69 gezeichnet), sondern auch die verbundenen Theile.
Eine stabförmige Achse scheint zu fehlen (Unterschied von den
Graptolithen!). Cambrisch, Silurisch und ? Devonisch.
D. flabelliforme Eichw. Oberstes Cambrium. England, Skandinavien,
Russland (Dictyonema-Schiefer).
D. retiforme Hall. Obersilur. Nordamerika.
2. Gymnoblastea. Polypenstöckchen nur zum Theil von einer chitinösen
oder auch kalkigen Hülle bekleidet. Polypen nicht von einer
becherförmigen Zelle umgeben.
[Illustration: Fig. 69. Dictyonema. Idealisirtes Bild. Auch die unteren
Theile der Aeste sind mit Zellen besetzt und der Stock läuft nach unten
in eine freie Spitze (sicula) aus.]
[Illustration: Fig. 70. Hydractinia echinata Flem. Lebend. Nordsee.
Vergrössert. hph = das mit spitzen Warzen besetzte, von einem
Chitinskelet durchzogene Hydrophyton. hy = Ernährungspolypen oder
Hydranthen. go = Fortpflanzungspolypen oder Gonophoren.]
Fam. Hydractinidae.
Hydractinia v. Ben. (Fig. 70, Fig. 71 A-C). Die krustenförmige, meist
Schneckenschalen aufsitzende Wurzelmasse (Hydrophyton, Fig. 70 hph)
enthält ein chitinöses (H. echinata Flem.) oder kalkiges (H. calcarea
Cart.) Gerüst. Auf der Oberfläche desselben erheben sich zweierlei
freie Polypen, länger gestielte, sog. Hydranthen (Fig. 70 hy), welche
zur Aufnahme der Nahrung dienen, und kürzer gestielte, sog. Gonophoren
(Fig. 70 go), welche die Fortpflanzung besorgen.
Das Skelet besteht aus mehr oder weniger deutlich concentrischen,
chitinösen oder kalkigen Lagen (Laminae), die durch senkrecht dazu
gerichtete Pfeiler verbunden sind, so dass zwischen je zwei Laminae
ein von verticalen Pfeilern durchsetzter Interlaminarraum (Fig. 71
C a) entsteht. Die über einander folgenden Interlaminarräume sind
durch die Laminae nicht vollständig von einander abgeschlossen,
sondern stehen durch vertikale Röhren (Fig. 71 C b) mit einander in
Verbindung. Auf der mit Warzen und Höckerchen bedeckten Oberfläche des
Skelets (und auch auf den früher gebildeten Laminis) erscheinen die
Mündungen der Vertikalröhren (Zooidröhren) als kleine Löcher (Fig. 71
B b). Die Oberfläche wird noch von verzweigten Furchen (die Eindrücke
der Stolonen des Cönosarks) (Fig. 71 B d) durchzogen, den sog.
Cönosarkfurchen oder Astrorhizen. Vom Cenoman an bekannt.
H. cretacea Fisch. Cenoman.
H. incrustans Gf. sp. (Fig. 71). Pliocän. Piemont.
H. circumvestiens Wood sp. Pliocän (Crag). England.
H. echinata Flem. sp. (Fig. 70) }
} Lebend.
H. calcarea Cart. }
[Illustration: Fig. 71. Hydractinia incrustans Gf. sp. Pliocän. Asti.
A eine Colonie, eine Purpura-Schale umwachsend; st = die Stacheln
der letzteren. B ein Stück der Oberfläche, mit Wärzchen, den runden
Oeffnungen der Zooidröhren (b) und den Astrorhizen (d). C Querschnitt;
a = Interlaminarräume; b = die vertikalen Zooidröhren.]
Unterordnung Hydrocoralliae.
Polypenstöcke korallenähnlich. Skelet kalkig, ein unregelmässig poröses
Gewebe mit senkrecht zur Oberfläche gestellten Röhrchen bildend;
die Polypen können sich in letzteres zurückziehen (Fig. 72 A u. B).
Polypen zweierlei Art: grosse, mit einem Munde versehene Nährpolypen
(Gastrozooide) und kleinere, mundlose Tastpolypen (Dactylozooide).
Fam. Milleporidae.
Millepora L. (Fig. 72 A, B). Massige, ästige oder incrustirende Stöcke.
Oberfläche mit grösseren, rundlichen Oeffnungen (Gastroporen, A k) für
die Nährpolypen und zahlreicheren kleineren und unregelmässig geformten
(Dactyloporen, A c) für die Tastpolypen. Die Gastroporen setzen als
verticale, durch horizontale Böden (B t) getheilte Röhren (B k), die
Dactyloporen als wurmförmig gekrümmte Canäle (B c) in das Skelet
hinein. Beide communiciren mit einander, so dass das Skelet ganz porös
erscheint. Lebend und Tertiär.
[Illustration: Fig. 72. Millepora nodosa Esp. Lebend. A
Oberflächenansicht des Skelets; k = Gastroporen; c = Dactyloporen.
B Querschnitt des Skelets; k = Vertikalröhren (Gastroporen) mit
horizontalen Böden (t); c = wurmförmige Röhren des Skelets, mit den
Gastroporen communicirend (Dactyloporen).]
[Illustration: Fig. 73. Porosphaera globularis Phill. sp. Obere Kreide:
Oberes Senon. Rügen. A Aussenansicht; l = die weite Röhre, ursprünglich
von einem fremden Körper eingenommen, welchen die Colonie umwuchs. B
Radialschnitt; r = die radial gestellten Röhren der Gastroporen.]
Die Milleporen betheiligen sich an dem Aufbau der heutigen
Korallenriffe. Fossil selten.