Fam. Staurodermidae.
Die Wand des meist kreiselförmigen Schwammkörpers wird von
unregelmässigen, perforirenden Canälen durchbrochen, welche von der
Innen- bis zur Aussenwand reichen. Die Kreuzungsknoten dicht oder
durchbohrt. Eine besondere Deckschicht mit vierstrahligen Nadeln (Fig.
60 b, c) meist vorhanden. Diese Familie reicht vom Jura bis in die
Gegenwart.
[Illustration: Fig. 60. Cypellia rugosa Gf. sp. Oberes Oxford.
Streitberg, Franken. a = Exemplar in halber natürlicher Grösse mit
Deckschicht. b und c = Deckschichten. ¹²⁄₁.]
Cypellia Pomel (Fig. 60 a-c). Die Aussenseite des kreisel- oder
schüsselförmigen Körpers wird von einer meist feinlöcherigen
Deckschicht überkleidet, welche die Oeffnungen der gebogenen und
perforirenden Canäle verdeckt (a). Die Deckschicht besteht aus
sternförmigen Nadeln, welche sich locker mit einander verkitten
(c) oder in einer porösen Kieselhaut liegen (b). Skeletmaschen
unregelmässig. Kreuzungsknoten unregelmässig durchbohrt. Malm.
C. rugosa Gf. sp. (Fig. 60). Mittlerer und oberer Malm. Franken,
Schwaben.
Fam. Ventriculitidae.
Schwammkörper cylindrisch, becher- oder tellerförmig. Die Wand
desselben in Längsfalten gelegt (Fig. 61 B), so dass auf der Aussen-
und Innenseite Längsrippen erscheinen. Letztere sind durch kurze
Querbrücken des Kieselgerüstes derart verbunden (Fig. 61 A), dass die
zwischen den Falten bleibenden Furchen meist in Längsreihen ovaler oder
unregelmässiger Löcher aufgelöst erscheinen. Im Grunde der Furchen
die Oeffnungen kurzer, blinder Canäle. Kreuzungsknoten oktaëdrisch
durchbohrt. Im Jura, besonders aber in der Kreide in mehreren
Gattungen. Jünger unbekannt.
Ventriculites Mant. (Fig. 61 A, B). Trichter- bis schüsselförmige,
zum Theil recht grosse Schwämme, mit weiter, bis auf den Boden des
Trichters reichender Centralhöhle und relativ dünner Wand (A). Die Wand
ist in gedrängte Längsfalten gelegt (B f, f’), die aber oft schwer zu
erkennen sind. Die Falten stehen meist auf der Aussen- (B f), oft auch
auf der Innenwand (B f’) als Längsrippen vor, werden aber häufig durch
Querbrücken verbunden, so dass die zwischen den Falten befindlichen
Längsfurchen als Längsreihen von Canalöffnungen erscheinen. Letztere
befinden sich auf dem Grunde der Furchen. Wurzel verzweigt. Die Gattung
findet sich nur in der oberen Kreide (Turon und Senon) in England,
Norddeutschland, Böhmen.
V. radiatus Mant. Turon. Schlesien, Böhmen. Senon. England.
V. infundibuliformis Woodw. sp. (Fig. 61). Senon. England,
Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 61. A = Ventriculites infundibuliformis Woodw. sp.
Mittleres Senon. Linden bei Hannover. B = ein Querschnitt durch die
Hälfte des Bechers; c = Centralhöhle; f = Falten der Aussen-, f’ =
Falten der Innenseite. fu = Furchen der Innenseite.]
Fam. Maeandrospongidae.
Der Schwammkörper besteht aus unregelmässig getheilten und
verschlungenen, theilweise mit einander verwachsenen Röhren (oder
Blättern) und bildet knollige, birnförmige oder becherförmige
Massen, aber nie einfache Trichter oder Cylinder. Die zwischen den
verschlungenen Röhren (Fig. 62 o) frei bleibenden Höhlungen bilden
ein sog. Intercanalsystem (Fig. 62 i), während die Wandcanäle meist
vollständig fehlen oder auf die Deckschicht sich beschränken. Häufig
ist der ganze Schwamm von einer gemeinsamen Kieselhaut umgeben, die
eine oder mehrere falsche oscula besitzt. Diese Familie ist im Jura
sehr spärlich, in der oberen Kreide dagegen sehr reich und mannigfaltig
entwickelt; mehrere Gattungen kommen noch lebend vor.
Plocoscyphia Rss. (Fig. 62). Knollige, unregelmässige Massen, aus
getheilten, mässig dickwandigen, am Ende offenen Röhren bestehend. Die
Wand der Röhren mit unregelmässig vertheilten Canalöffnungen (o’).
Gemeinsame Deckschicht fehlt. Kreuzungsknoten der Sechsstrahler meist
durchbohrt. Untere und obere Kreide. Häufig.
Pl. pertusa Gein. Untere Kreide (Neocom); England. Obere Kreide
(Cenoman); Sachsen.
Pl. labrosa T. Sm. sp. (Fig. 62). Im Cenoman Nordfrankreichs und
Englands häufig.
[Illustration: Fig. 62. Plocoscyphia labrosa T. Sm. sp. Unteres
Cenoman. Folkestone, Südengland. o = die Oeffnungen der verzweigten
Röhren. i = die Höhlungen des Intercanalsystems. o’ die Oeffnungen der
Wandcanäle.]
[Illustration: Fig. 63. Becksia Soekelandi Schlüt. Mittleres
Senon (Zone der B. Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. A = Ansicht
des Schwammkörpers; o = die Oeffnungen der radialen Röhren; f =
die wurzelartigen Fortsätze der Aussenwand. B = Skeletstück. Die
Kreuzungsknoten oktaëdrisch durchbohrt und die Arme der Nadeln mit
Zacken verziert. k = Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme.]
Becksia Schlüt. (Fig. 63 A, B). Die Wand des niedrig becherförmigen,
mit weiter Centralhöhle versehenen Schwammkörpers wird aus radial
gestellten Röhren gebildet, die an der Aussenseite mit einander
verwachsen sind, so dass nur einzelne grössere Oeffnungen (o), die
Mündungen der Röhren, sichtbar bleiben. Im Innern münden die Röhren in
einen Hohlring. Zwischen den Röhren ein weites Intercanalsystem (nur
von innen sichtbar). Die Aussenwand verlängert sich zu wurzelartigen
Fortsätzen (f). Gittergerüst aus zackig verzierten Nadeln mit
oktaëdrisch durchbohrten Kreuzungsknoten bestehend (B). Aussenwand
mit unregelmässigen, sehr feinen Ostien. Eine den Körper einhüllende
Kieselhaut oder besondere Deckschicht fehlt. Nur aus dem Senon bekannt.
B. Soekelandi Schlüt. (Fig. 63 A, B). Mittleres Senon (Zone der
Becksia Soekelandi). Westfalen.
Die im oberen Turon (Cuvieri-Pläner) Norddeutschlands häufige Gattung
Cystispongia (C. bursa Qu.) zeichnet sich durch eine, den ganzen
Schwamm einhüllende Kieselhaut aus. Sie ist auch lebend bekannt.
Fam. Coeloptychidae.
Die einzige Gattung dieser ausgestorbenen, bisher nur aus dem Senon
bekannten Familie ist:
Coeloptychium Gf. (Fig. 64). Der pilz- oder schirmförmige Körper
besteht aus einer verzweigten Wurzel (w), einem Stiele (st) und dem
Hute (h).
[Illustration: Fig. 64. Coeloptychium lobatum Gf. Mittleres Senon
(Zone der Becksia Soekelandi). Coesfeld, Westfalen. w = Wurzel. st
= Stiel. h = Hut. s = Hutfalte. o = Centralhöhle. m = Unterseite. n
= Seitenflächen. sb = Siebplatten. p = Canalöffnungen. (Combinirte
Figur.)]
Die Oberseite des Hutes kann nach Art einer runden Tischplatte eben,
oder mehr oder weniger tief eingesenkt (o) sein, so dass der Schwamm
einem Trichter gleicht. Die Wand des gewölbten oder plattigen Hutes
ist nach Art der Ventriculiten (p. 66, Fig. 61) in Längsfalten (s)
gelegt, die immer auf der Unterseite (m), zuweilen auch auf den
Seitenflächen (n) als freie, meist getheilte Rippen hervortreten.
Entweder erscheint der Hut scharf vom Stiele abgesetzt oder allmählich
in denselben übergehend (Fig. 64). Der Stiel selbst ist nicht gefaltet,
sondern einfach cylindrisch, hohl und meist mit mehreren horizontalen,
siebförmig durchbrochenen Kieselplatten (sb), den sog. Siebplatten
versehen. Eine poröse Deckschicht bekleidet die Oberseite (resp.
trichterförmige Innenseite) des Hutes und oft auch die Seitenflächen
(n), so dass die Falten und ihre Zwischenräume nicht direct sichtbar
werden, sondern ihr Vorhandensein nur durch die abwechselnd grob-
und feinporösen radiären Streifen der Deckschicht angedeutet wird.
Oeffnungen von Canälen finden sich nur auf der Unterseite der Falten
(p) oder auch am Stiele. Das Gittergerüst besteht aus regelmässig
verschmolzenen, meist verzierten Laternennadeln, wie bei Becksia (Fig.
63 B). Diese wahrscheinlich mit den Ventriculitiden nahe verwandte
Gattung ist bisher nur aus dem Senon bekannt geworden. Der obere Theil
der sog. Quadraten- und die Mucronaten-Kreide sind das Lager mehrerer
Arten (Coeloptychien-Kreide).
C. agaricoides Gf. Norddeutschland häufig. England selten.
C. lobatum Gf. (Fig. 64). Westfalen, Hannover.
Auch im krakauer, russischen und südfranzösischen Senon kommen
Coeloptychien vor.
Geologische Verbreitung der Lithistiden und Hexactinelliden.
Weitaus die Mehrzahl der fossilen Spongien gehört den Lithistiden
und Hexactinelliden (spec. der Gruppe der Dictyonina) an. Meist
treten dieselben zusammen und in grösseren Mengen vereinigt auf,
so dass gewisse Schichten ganz mit ihren Skeleten angefüllt sind
(Schwammschichten, Schwammfacies). Selbst wenn die äussere Form wohl
erhalten zu sein scheint, zeigt sich die ursprüngliche Kieselsubstanz
verändert oder gar fortgeführt und pseudomorphosirt. Die wasserhaltige
amorphe Kieselsäure der meisten Kieselschwämme ist in die wasserfreie
krystalline Modification umgewandelt worden; oder die Kieselsubstanz
ist vollständig aufgelöst und fortgeführt, so dass an Stelle der
Skeletelemente Hohlräume sich vorfinden. Diese letzteren wurden
dann später oft mit anderen Mineralien (Kalkspath, Brauneisenstein)
ausgefüllt. Viele Feuersteine und Chalcedone verdanken den
Kieselschwämmen (sowie den Radiolarien und Diatomeen) ihre Entstehung.
Die wasserhaltige Kieselsäure ihrer Skelete wurde im Meerwasser gelöst,
ballte sich zu Klumpen zusammen und lieferte durch Festwerden die
Feuersteine. In denselben treffen wir noch vielfach die Reste von
Kieselschwämmen an.
Aus dem paläozoischen Zeitalter kennen wir mit Sicherheit von
Lithistiden nur Vertreter der Familien der Anomocladina und
Tetracladina. Daneben treten auch Lyssacinen, aber, wie es scheint,
noch keine Dictyoninen auf. Erst seit der Jurazeit finden sich
ausgedehnte Schwammlager, an deren Zusammensetzung sich Lithistiden
und Dictyoninen betheiligen. Die wichtigsten Vorkommnisse sind aus
nachstehender Tabelle ersichtlich:
Tertiär: Miocän: Oran Lithistiden und
Dictyoninen.
Kreide: Senon: England, Nordfrankreich, Lithist. u. Dictyon.
Norddeutschland, Touraine,
Nizza, Gouv. Saratow
Turon: England, Norddeutschland, „ „
Schlesien
Cenoman: England, Nordfrankreich, „ „
Sachsen, Böhmen, Bayern