2. Dictyonina.

Da die isolirten Fleischnadeln zur Unterscheidung der fossilen

Hexactinelliden bisher noch nicht verwerthet werden konnten, so muss

die Eintheilung derselben zur Zeit noch auf die Form des Skelets und

das Canalsystem gegründet werden. Die wichtigsten Familien lassen sich

folgendermaassen unterscheiden:

A. Canalsystem deutlich entwickelt. Aeussere und innere Oberfläche der

Wand mit zahlreichen kleinen Oeffnungen von Canälen, die blind

endigen oder die Wand durchbohren (Fig. 58 A).

a. Wand ungefaltet (Fig. 58 A).

1. Canäle gerade, kurz, blind endigend, transversal in die

Wand eindringend; Deckschicht, wenn als gesondertes Gebilde

entwickelt, ohne regelmässig sternförmige Nadeln;

Kreuzungsknoten dicht. (Fig. 58) Fam. Coscinoporidae.

2. Canäle unregelmässig angeordnet, die Körperwand schräg oder

in gewundenem Verlaufe durchsetzend; Deckschicht oft als

Kieselhaut mit eingeschlossenen sternförmigen Nadeln

(Fig. 60) Fam. Staurodermidae.

b. Wand gefaltet (Fig. 61); Kreuzungsknoten durchbohrt

Fam. Ventriculitidae.

B. Canalsystem fehlend oder schwach entwickelt. Canalöffnungen einzeln

und unregelmässig (Fig. 62-64).

a. Schwammkörper birnförmig oder knollig, aus verschlungenen oder

verschmolzenen Röhren gebildet, die oft von einer gemeinsamen

Kieselhaut umhüllt werden (Fig. 62; Fig. 63)

Fam. Maeandrospongidae.

b. Schwammkörper pilzförmig; der Hut desselben gefaltet (Fig. 64)

Fam. Coeloptychidae.

Die lebenden Dictyonina bewohnen durchschnittlich geringere

Meerestiefen als die Lyssacina. Die meisten werden in Tiefen von

100-1000 Faden, oft mit Lyssacinen und Lithistiden vergesellschaftet

angetroffen. Eine relativ reichliche Entwickelung zeigen gegenwärtig

die Familien der Staurodermiden und Maeandrospongiden, während

Coscinoporiden nur sehr sparsam, und Ventriculitiden und Coeloptychiden

gar nicht mehr vertreten zu sein scheinen.

Fam. Coscinoporidae.

Schwammkörper cylindrisch oder becherförmig, zuweilen verästelt. Wand

von zahlreichen, geraden, blinden Radialcanälen durchsetzt, deren

Oeffnungen oft in senkrechten und wagerechten Reihen stehen. Oberfläche

häufig vom verdichteten Skelet gebildet, oder ausserdem noch von

einer lockeren Deckschicht bedeckt, welche auch die Canalöffnungen

überkleidet (Fig. 58 B). Kreuzungsknoten dicht, selten durchbohrt.

Vom Jura an, hauptsächlich im Malm und in der Kreide. Mehrere lebende

Gattungen.

Tremadictyon Zitt. (Fig. 58 A-C). Grosse, becher- bis schüsselförmige

Schwämme. Wand auf beiden Seiten mit grossen, ovalen Ostien von blind

endigenden Canälen (A). Gittergerüst ein unregelmässiges Maschenwerk

mit plattigen Armen und dichten Kreuzungsknoten (C). Innen- und

Aussenseite der Wand mit einem dornigen Deckgespinnst (B) überzogen,

welches auch die Canalöffnungen bedeckt. Sehr häufig im Malm.

[Illustration: Fig. 58. Tremadictyon reticulatum Gf. sp. Oberes Oxford.

Streitberg, Franken. A = ein Exemplar ohne die Wurzel mit ovalen

Canalöffnungen auf beiden Seiten der Wand. B = Deckgespinnst aus

verschmolzenen dornigen Sechsstrahlern. C = Gittergerüst mit dichten

Kreuzungsknoten.]

[Illustration: Fig. 59. Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Streitberg,

Franken. Regelmässiges Gittergerüst mit rechteckigen Maschen.]

Tr. reticulatum Gf. sp. (Fig. 58 A-C). Malm (Oxford- und

Kimmeridgestufe). Franken und Schwaben.

Verwandte Gattungen mit regelmässig rechtwinkligem Gitterskelet (Fig.

59) sind:

Craticularia Zitt. Verkehrt kegelförmig. Die Canalöffnungen stehen auf

beiden Seiten der Wand in Längs- und Querreihen. Jura und Kreide.

Cr. paradoxa Münst. sp. }

} Malm. Franken, Schwaben.

Cr. parallela Gf. sp. }

Cr. Fittoni Mant. sp. Obere Kreide. England.

Sporadopyle Zitt. Kleine becherförmige Schwämme mit zerstreut oder im

Quincunx stehenden Canalöffnungen. Jura, selten in der Kreide.

Sp. obliqua Gf. sp. (Fig. 59). Sehr häufig im Malm, namentlich in

den Oxford-Schichten in Süddeutschland und der Schweiz.

Coscinopora Gf. Grosse, becherförmige Körper mit verzweigter

Wurzel. Auf beiden Seiten der Wand sehr zahlreiche und feine, im

Quincunx stehende Canalöffnungen. Skelet sehr dicht und fest, aus

unregelmässig verschmolzenen, zum Theil dichten, zum Theil durchbohrten

Sechsstrahlern bestehend. Oberfläche des Gerüstes verdickt, ohne

besondere Deckschicht. Häufig in der oberen Kreide.

Elemente der Paläontologie · 第 46 / 606 题