Trotz der grossen Mannigfaltigkeit in der Gesammtform der
Hexactinelliden sind doch alle Vertreter dieser Ordnung durch
relativ dünne Wände und eine sehr lockere Structur ihres Skelets
ausgezeichnet. Hierdurch wird ein complicirtes Canalsystem, wie es
bei den dickwandigen Tetractiden häufig vorkommt, überflüssig. In die
Wand des kugeligen, cylindrischen, becher- oder schüsselförmigen oder
auch unregelmässig knolligen Kieselskelets dringen meist von aussen
und innen einfache, kurze, blind endigende -- selten perforirende --
Canäle ein, die oft in regelmässigen Reihen stehen, vielfach aber
unregelmässig vertheilt sind (Fig. 58 A; Fig. 60 A).
Das Kieselskelet der Hexactinelliden besteht aus sechsstrahligen
Nadeln, deren Arme sich meist unter rechtem Winkel in dem Mittelpunkte
der Nadel, dem sog. Kreuzungsknoten treffen (Fig. 54 k). Ein ebenfalls
sechsstrahliger, meist sehr feiner Achsencanal durchzieht die Nadel.
Diese Skeletbildungen dienen zur Stütze des lockeren Weichkörpers,
indem sie entweder frei in demselben liegen (Lyssacina, Fig. 53) oder
in mehr oder minder paralleler Stellung sich so an einander legen,
dass je ein Arm der einen Nadel mit je einem Arme der benachbarten
verschmilzt, d. h. durch ausgeschiedene Kieselsäure verkittet wird
(Dictyonina, Fig. 54). Die Achsencanäle der zu zwei verschiedenen
Sechsstrahlern gehörigen Arme verschmelzen aber nicht mit einander,
sondern bleiben getrennt (Fig. 54 s u. s’). Durch die Vereinigung der
sechsstrahligen Nadeln entsteht ein lockeres Gitterskelet mit meist
regelmässig cubischen Maschen (Fig. 56). Bei weniger regelmässiger
Aneinanderlagerung der Sechsstrahler kommt es zur Bildung eines
unregelmässigeren Gerüstes (Fig. 55), in dem sich die einzelnen
Nadeln oft nur an dem Verlauf der Achsencanäle erkennen lassen. Die
Kreuzungsknoten der Sechsstrahler können dicht (Fig. 54 k, Fig.
55) oder octaëdrisch durchbohrt (Fig. 56) sein, d. h. die sechs
Arme der Nadel werden am Kreuzungsknoten durch 12 Kieselbalken
(o) zusammengehalten, welche die Lage der Octaëderkanten besitzen,
bei Annahme der Arme als Achsen. Solche Nadeln mit durchlöchertem
Kreuzungsknoten heissen Laternennadeln.
[Illustration: Fig. 53. Ein freier Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi
Young aus dem Subcarbon von Schottland (Lyssacine).]
[Illustration: Fig. 54. Vier mit einander verschmolzene Sechsstrahler
von Sporadopyle obliqua Gf. sp. Oxford. Franken (Dictyonine). k =
Kreuzungsknoten. s, s’ = die getrennten Achsencanäle zweier mit
einander verschmolzener Arme. Die nach vorn gerichteten Arme sind
durchschnitten gezeichnet, die nach hinten gerichteten nicht sichtbar.]
[Illustration: Fig. 55. Unregelmässiges Gittergerüst von Tremadictyon
reticulatum Gf. sp. Oxford. Streitberg, Franken.]
[Illustration: Fig. 56. Regelmässiges Gittergerüst von Becksia
Soekelandi Schlüt. Mittleres Senon. Coesfeld, Westfalen. k =
Durchbohrte Kreuzungsknoten. o = Oktaëderarme derselben.]
Die Oberfläche der Schwammwand, namentlich die äussere, wird häufig von
einer sog. Deckschicht überzogen, welche in ihrer Structur nicht mit
dem eigentlichen Skelet übereinstimmt. Dieselbe entsteht entweder durch
eine plattige Wucherung der äussersten Gerüstnadeln unter Verkümmerung
des nach aussen gerichteten Strahles oder durch Ausbildung einer mit
dem Gerüst nur locker zusammenhängenden Schicht von regelmässig oder
unregelmässig verschmolzenen, oft zierlich gedornten (Fig. 57) Nadeln,
die spinnwebartig oder als mehr oder weniger dichte Kieselhaut (Fig.
60 A) das Gerüst überzieht. An der Bildung solcher Deckschichten
betheiligen sich wohl auch die sog. Fleischnadeln, d. h. meist sehr
kleine, ursprünglich frei in der Sarkode liegende, oft sehr zierliche
Sechs- bis Einstrahler, die für die Unterscheidung der Familien bei
lebenden Hexactinelliden von grosser Wichtigkeit sind, bei den fossilen
aber nur sehr selten angetroffen werden.
[Illustration: Fig. 57. Deckschicht von Tremadictyon reticulatum Gf.
sp. Oxford. Streitberg, Franken.]
Die Hexactinelliden zerfallen in die zwei Unterordnungen:
1. Lyssacina. Nadeln meist unverbunden, selten durch plattige
Kieselmasse vereinigt. Fleischnadeln mannigfaltig.
2. Dictyonina. Nadeln zu einem festen Gerüst verschmolzen.
Fleischnadeln vorhanden oder fehlend.