Litteratur über Foraminiferen.
Brady, H. B. Monograph of Carboniferous and Permian Foraminifera.
Palaeontogr. Society. 1876.
---- Report on the Foraminifera. Scient. Results of Challenger Voyage
Zoology Vol. XI 1884, woselbst ein vollständiges Literaturverzeichniss.
Carpenter, W. B. Introduction to the study of the Foraminifera. Roy.
Society 1862.
Moeller, V. v. Die Foraminiferen des russischen Kohlenkalks. Mémoir. de
l’Acad. impér. d. Sc. d. St.-Pétersbourg Bd. XXV, No. 9, XXVII, No. 5.
1878–9.
d’Orbigny, A. Foraminifères du bassin tertiaire de Vienne. Paris 1846.
[Illustration: Fig. 1. Typus Imperforata. Eine lebende Miliola mit den
nur aus der Mündung austretenden Pseudopodien.]
[Illustration: Fig. 2. Typus Perforata. Eine lebende Rotalide mit den
aus den Poren austretenden Pseudopodien.]
Der Sarkodeleib der Foraminiferen wird von einer kalkigen, seltener
agglutinirenden, d. h. aus fremden Partikelchen (Sandkörnern etc.)
zusammengekitteten, oder chitinösen Hülle oder Schale umgeben,
die entweder bis auf eine oder mehrere grössere Oeffnungen (die
sog. Mündung) vollständig geschlossen (Fig. 1) oder, abgesehen
von der Mündung, von zahlreichen feinen Canälen, den sog. Poren,
siebartig durchbrochen wird (Fig. 2). Bei den erstgenannten Formen
(Imperforata) können die Pseudopodien nur aus der Mündung, bei den
letzteren (Perforata) ausserdem auch durch die Poren austreten.
Die undurchbohrten Schalen erscheinen bei auffallendem Lichte
porcellanartig weiss, im durchfallenden hellbraun (Fig. 3 A),
die durchbohrten sind glasartig durchsichtig und zeigen feinere
oder gröbere Porencanäle (Fig. 3 B a feinperforirt; Fig. 3 C c
grobperforirt). Die agglutinirenden Schalen bestehen aus fremden,
nicht vom Thiere erzeugten, Sand- oder Kalkkörnchen, die durch ein
kieseliges, oft eisenschüssiges oder chitinöses Cement verkittet sind
(Fig. 3 D).
Bei manchen Perforata findet sich ein sog. Canalsystem. Bestimmte
Theile der Schale, z. B. die Kammerscheidewände, werden von
verzweigten, oft mit einander anastomosirenden Canälen durchzogen,
welche mit Sarkode erfüllt sind (Fig. 3 B b). Mit den Poren steht das
Canalsystem in keiner Verbindung. (Vergl. auch Fig. 22 c, f, 19 a, d.)
Als Zwischenskelet werden solche Schalentheile der Perforata
bezeichnet, welche frei von echten Poren die Schalenwände überziehen
(Fig. 3 C a) oder als Rippen, Stacheln etc. verzieren (Fig. 3 C b)
oder der Schalenwand eingekeilt sind (Fig. 22 i c). Wenn grobe,
unregelmässig angeordnete -- meist auch gewundene -- Canäle im
Zwischenskelet verlaufen (Fig. 3 C a, b; Fig. 22 i c), so spricht man
von einem Intercanalsystem.
[Illustration: Fig. 3. A undurchbohrte Schale (Miliola) im Dünnschliff.
B feinporige Schale (Rotalia) im Dünnschliff; a = Porencanäle; b
= Canalsystem. C grobporige Schale (Calcarina) im Dünnschliff;
c = Porencanäle; a und b = Zwischenskelet von groben Canälen
(Intercanalsystem) durchzogen. D agglutinirende Schale (Haplophragmium)
im Dünnschliff.]
Die Schalen der Foraminiferen bestehen entweder nur aus einer einzigen
Höhlung (Lagena, Fig. 8 A; Cornuspira, Fig. 4 A): einkammerige
Schalen, oder sie werden durch sog. Kammerscheidewände (Septa),
welche periodisch entstehen, in eine grössere oder geringere Anzahl
von Kammern getheilt (Rotalia, Fig. 3 B; Haplophragmium, Fig. 3 D):
vielkammerige Schalen. Die Scheidewände sind wie die Schalenwand
durchbohrt oder dicht, in seltenen Fällen von einem Canalsystem
durchzogen (Fig. 3 B, Fig. 19 d). Ein oder mehrere Ausschnitte oder
Löcher in der letzten Scheidewand werden als Mündung bezeichnet. Auch
alle früher gebildeten Scheidewände besitzen solche Oeffnungen; durch
dieselben steht die Sarkodemasse der einzelnen Kammern in Verbindung.
(Vergl. Fig. 3 D, Fig. 10 A a, Fig. 15 A a.)
Die Grösse der Foraminiferenschalen schwankt sehr; die meisten sind von
mikroskopischer Kleinheit: sie erreichen nur Bruchtheile von mm. In
wenigen Fällen (Alveolina, Nummulites, Orbitoides) erreichen sie die
Grösse mehrerer cm.
Die Eintheilung der Foraminiferen in Familien und Gattungen erfolgt
sowohl nach der Structur der Schale als nach der Anordnung der Kammern,
welch’ letztere eine sehr mannigfaltige: eine stabförmige, eine zwei-
oder dreizeilige, eine spirale oder kreisförmige (cyclische) sein
kann. In der nachstehenden Tabelle wurde eine Eintheilung versucht,
welche in vielen Punkten den natürlichen Verwandtschaftsverhältnissen
wenig entspricht; welche vielmehr dazu bestimmt ist, dem Anfänger
das Erkennen der wichtigsten Formen zu erleichtern. Es mag dabei
bemerkt werden, dass manche agglutinirende Formen aus der Familie
der Lituoliden wahrscheinlich z. Th. mit solchen aus der Familie
der Milioliden (Ammodiscus), z. Th. mit solchen aus der Familie der
Lageniden (Haplophragmium) in Beziehung zu bringen sind.
A. Schale stets undurchbohrt, fast immer kalkig, sehr selten
agglutinirend (Fig. 4 A-E) Miliolidae.
B. Schale stets agglutinirend, dicht oder durchbohrt. Gehäuse stets
einfach gebaut. Kammern nie alternirend 2- oder 3zeilig.
a. Kammern kugelig, dickwandig, locker an einander gereiht
(Fig. 7 A, B) Saccaminidae.
b. Kammern aufgerollt (Fig. 7 C, D) Lituolidae.
C. Schale kalkig (und dann grobporös) oder agglutinirend. Kammern in
abwechselnden Reihen, 2- oder 3zeilig (Fig. 7 E, F)
Textularidae.
D. Schale stets kalkig, fein- oder grobporös. Kammern nie in
abwechselnden Reihen.
a. Schale unsymmetrisch (Fig. 13).
α. Schale grobporös. Kammern kugelig aufgebläht (Fig. 10)
Globigerinidae.
β. Schale fein- oder grobporös. Kammern höchstens auf einer Seite
aufgebläht, auf der andern mehr oder weniger flach (Fig. 11)
Rotalidae.
b. Schale nach einer oder mehreren Ebenen symmetrisch (-- mit
Ausnahme von Polymorphina (Fig. 9) --), stets feinporös.
α. Mündung am äusseren Rande der Septalfläche (Fig. 8 C a) oder
endständig (Fig. 8 A) gelegen Lagenidae.
β. Mündung am inneren Rande der Septalfläche gelegen
(Fig. 16 B a).
1. Schale mehr oder weniger spindelförmig (Fig. 15)
Fusulinidae.
2. Schale mehr oder weniger linsenförmig (Fig. 20)
Nummulinidae.
Fam. Miliolidae.
Schale fast immer kalkig, bei auffallendem Lichte porcellanartig
weiss, bei durchfallendem bräunlich oder agglutinirend, aber stets
porenlos (Fig. 3 A). Die einfach gebauten Formen bestehen aus einer
schlauchartigen, knäuelartig aufgerollten Röhre; die complicirter
gebauten zeigen dieses Merkmal noch in dem Anfangsstadium.
Cornuspira Schltze. (Fig. 4 A). Eine einfache, ungekammerte, spiral in
einer Ebene gewundene Röhre. Mündung vom Durchmesser der Röhre. Trias
-- lebend.