DRITTER AUFZUG

_Links das Versuchslaboratorium der Fabrik. Wenn die Tür im

Hintergrunde geöffnet wird, sieht man eine endlose Reihe

weiterer Laboratorien. Links ein Fenster, rechts die Tür

zum Seziersaal. An der linken Wand ein langer Arbeitstisch

mit zahllosen Probiergläsern, Glaskolben, Feuerkannen,

Chemikalien, einem kleineren Thermostat. Dem Fenster

gegenüber ein Mikroskopapparat mit einer Glaskugel. Über dem

Tische hängt eine Reihe brennender Glühbirnen. Rechts ein

Schreibtisch mit großen Büchern, auf ihm eine elektrische

Lampe: Kästen mit Instrumenten. In der linken Ecke ein

Waschtisch und darüber ein Spiegelchen, in der rechten Ecke

ein Sofa._

_An dem Schreibtisch sitzt ALQUIST, den Kopf in die Hände

gestützt._

ALQUIST _in einem Buche blätternd_ Finde ich es nicht? -- Begreife

ich es nicht? -- Erlerne ich es nicht? -- Verlorene Wissenschaft!

Oh, daß sie nicht alles niedergeschrieben haben! -- Gall, Gall, wie

wurden die Roboter verfertigt? Hallemeier, Fabry, Domin, warum habt

ihr soviel in euren Köpfen davongetragen? Hättet ihr wenigstens eine

Spur von Werstands Geheimnis zurückgelassen! Oh! _Klappt das Buch zu._

Vergeblich! Die Bücher reden nicht mehr. Sie sind stumm wie alles.

Sie sind gestorben, mit den Menschen gestorben. Suche nicht! _Erhebt

sich und geht zum Fenster, öffnet es._ Wiederum Nacht. Wenn ich

schlafen könnte! Schlafen, träumen, Menschen sehn -- -- Wie, es gibt

noch Sterne? Wozu gibt es Sterne, da es keine Menschen gibt? O Gott,

sind sie denn nicht erloschen? -- Kühle, ach, kühle die Stirn, mir,

alte Nacht! Göttlich, erhaben, wie du gewesen -- Nacht, was willst du

hier? Es gibt keine Liebenden, es gibt keine Träume; o Amme, tot ist

ein Schlummer ohne Träume; niemandes Gebete wirst du mehr heiligen;

wirst, Mutter, keine in Liebe pochenden Herzen mehr segnen. Es gibt

keine Liebe. Helene, Helene, Helene! -- _Kehrt sich vom Fenster ab._

Ach, schlafen! Kann ich schlafen? Darf ich schlafen, solange das Leben

sich nicht erneuert? _Untersucht die dem Thermostaten entnommenen

Retorten._ Wieder nichts! Vergebens! Narr, diese Hände sind rauh

geworden an Ziegeln und können nicht -- -- können nicht -- -- Was

damit? _Zerschlägt die Retorte._ Alles ist schlecht! Ihr seht doch, daß

ich nicht mehr kann -- _Horcht beim Fenster._ Maschinen, immerfort die

Maschinen! Roboter, stellt sie ein! Verloren, verloren, verloren ist

das Fabriksgeheimnis! Stellt die tollen Maschinen ein! Glaubt ihr, ihr

werdet ihnen Leben abzwingen? Oh, ich ertrage es nicht! _Schließt das

Fenster._ -- Nein, nein, du mußt suchen, du mußt leben -- Nur nicht

so alt zu sein! Altere ich nicht zu sehr? _Blickt in den Spiegel._

Antlitz, armes Antlitz! Angesicht des letzten Menschen! Zeige dich,

zeige dich, solange sah ich kein Menschenantlitz mehr! Menschenlächeln!

Wie, dies soll ein Lächeln sein? Diese gelben klappernden Zähne? Augen,

wie blinzelt ihr? Pfui, pfui, das sind greisenhafte Tränen, geht doch!

Ihr könnt euer Naß nicht mehr bei euch behalten, schämt euch! Und ihr,

weichliche, blaue Lippen, was stammelt ihr? Wie du zitterst, besudeltes

Kinn! Das da ist der letzte Mensch? _Wendet sich ab._ Ich will

niemanden mehr sehen! _Setzt sich zum Tisch._ Nein, nein, nur suchen!

Verwünschte Formeln, belebet euch! _Blättert._ Finde ich's nicht? --

Fasse ich's nicht? -- Erlerne ich es nicht? --

_Es pocht._

ALQUIST Herein.

_Ein ROBOTER-DIENER tritt ein und bleibt bei der Tür stehen._

ALQUIST Was gibt's?

DIENER Herr, der Zentralausschuß der Roboter wartet, wann du ihn

empfängst.

ALQUIST Ich will niemanden sehn.

DIENER Herr, Damon aus Havre ist gekommen.

ALQUIST Er mag warten. _Dreht sich um._ Sagte ich euch denn nicht,

ihr sollt Menschen suchen? Findet mir Menschen! Findet mir Männer und

Frauen! Geht hin und suchet!

DIENER Herr, sie sagen, sie haben überall gesucht. Überallhin haben sie

Expeditionen und Schiffe gesandt.

ALQUIST Nun und?

DIENER Es gibt keinen einzigen Menschen mehr.

ALQUIST _steht auf_ Keinen einzigen? Was, keinen einzigen? -- Bringe

mir den Ausschuß her!

_DIENER ab._

ALQUIST _allein_ Keinen einzigen? Ließet ihr denn niemand am Leben?

_Stampft auf._ Verzieht euch, Roboter! Wieder werdet ihr mich

anwinseln! Wieder werdet ihr flehen, ich solle euch das Geheimnis der

Fabrik finden! Wie denn, jetzt ist euch der Mensch gut, jetzt ist er

für euch der Herr, da ihr keine Roboter machen könnt? Jetzt soll ich

euch helfen? Ach, helfen! Domin, Fabry, Helene, ihr seht doch, ich tue

was ich vermag! Gibt es keine Menschen, so seien wenigstens Roboter da,

wenigstens der Schatten eines Menschen, wenigstens ein Werk, wenigstens

ein Ebenbild! Kameraden, Kameraden, es gebe wenigstens Roboter! Gott,

wenigstens Roboter! -- Oh, welcher Wahnsinn ist die Chemie!

_Der Ausschuß, FÜNF ROBOTER, tritt ein._

ALQUIST _setzt sich_ Was wollen die Roboter?

ERSTER ROBOTER (RADIUS) Herr, die Maschinen können nicht arbeiten. Wir

können die Roboter nicht vermehren.

ALQUIST Rufet Menschen herbei!

RADIUS Es gibt keine Menschen.

ALQUIST Nur Menschen können das Leben vermehren. Haltet mich nicht auf!

ZWEITER ROBOTER Herr, hab' Erbarmen. Grauen befällt uns. Alles werden

wir gutmachen, was wir getan.

DRITTER ROBOTER Wir haben die Arbeit vervielfacht. Wir haben eine

Milliarde Tonnen Kohle aus der Erde gehoben. Neun Millionen Spindeln

laufen bei Tag und Nacht. Wir haben keinen Platz mehr für das Erzeugte.

Überall in der Welt werden Häuser gebaut. Herr, frage, was wir in dem

einen Jahre vollbracht haben.

ALQUIST Für wen?

DRITTER ROBOTER Für die künftigen Geschlechter.

RADIUS Nur Roboter können wir nicht erzeugen. Die Maschinen liefern

nur blutige Stücke Fleisch. Die Haut haftet nicht am Fleische und

das Fleisch nicht an den Knochen. Unförmige Klumpen regnen aus den

Maschinen.

VIERTER ROBOTER Acht Millionen Roboter starben in dem Jahr. In zwanzig

Jahren wird niemand sein. Herr, die Welt stirbt aus.

ZWEITER ROBOTER Grauen hat uns befallen. Sage, wie man Roboter erzeugt.

DRITTER ROBOTER Den Menschen war das Geheimnis des Lebens bekannt. Sage

uns ihr Geheimnis.

VIERTER ROBOTER Sagst du es nicht, so gehen wir unter.

DRITTER ROBOTER Sagst du es nicht, so gehst du unter. Wir haben den

Auftrag, dich zu töten.

ALQUIST _steht auf_ Tötet! Nun, so tötet mich doch!

W U R · 第 93 / 99 题