_Links das Versuchslaboratorium der Fabrik. Wenn die Tür im
Hintergrunde geöffnet wird, sieht man eine endlose Reihe
weiterer Laboratorien. Links ein Fenster, rechts die Tür
zum Seziersaal. An der linken Wand ein langer Arbeitstisch
mit zahllosen Probiergläsern, Glaskolben, Feuerkannen,
Chemikalien, einem kleineren Thermostat. Dem Fenster
gegenüber ein Mikroskopapparat mit einer Glaskugel. Über dem
Tische hängt eine Reihe brennender Glühbirnen. Rechts ein
Schreibtisch mit großen Büchern, auf ihm eine elektrische
Lampe: Kästen mit Instrumenten. In der linken Ecke ein
Waschtisch und darüber ein Spiegelchen, in der rechten Ecke
ein Sofa._
_An dem Schreibtisch sitzt ALQUIST, den Kopf in die Hände
gestützt._
ALQUIST _in einem Buche blätternd_ Finde ich es nicht? -- Begreife
ich es nicht? -- Erlerne ich es nicht? -- Verlorene Wissenschaft!
Oh, daß sie nicht alles niedergeschrieben haben! -- Gall, Gall, wie
wurden die Roboter verfertigt? Hallemeier, Fabry, Domin, warum habt
ihr soviel in euren Köpfen davongetragen? Hättet ihr wenigstens eine
Spur von Werstands Geheimnis zurückgelassen! Oh! _Klappt das Buch zu._
Vergeblich! Die Bücher reden nicht mehr. Sie sind stumm wie alles.
Sie sind gestorben, mit den Menschen gestorben. Suche nicht! _Erhebt
sich und geht zum Fenster, öffnet es._ Wiederum Nacht. Wenn ich
schlafen könnte! Schlafen, träumen, Menschen sehn -- -- Wie, es gibt
noch Sterne? Wozu gibt es Sterne, da es keine Menschen gibt? O Gott,
sind sie denn nicht erloschen? -- Kühle, ach, kühle die Stirn, mir,
alte Nacht! Göttlich, erhaben, wie du gewesen -- Nacht, was willst du
hier? Es gibt keine Liebenden, es gibt keine Träume; o Amme, tot ist
ein Schlummer ohne Träume; niemandes Gebete wirst du mehr heiligen;
wirst, Mutter, keine in Liebe pochenden Herzen mehr segnen. Es gibt
keine Liebe. Helene, Helene, Helene! -- _Kehrt sich vom Fenster ab._
Ach, schlafen! Kann ich schlafen? Darf ich schlafen, solange das Leben
sich nicht erneuert? _Untersucht die dem Thermostaten entnommenen
Retorten._ Wieder nichts! Vergebens! Narr, diese Hände sind rauh
geworden an Ziegeln und können nicht -- -- können nicht -- -- Was
damit? _Zerschlägt die Retorte._ Alles ist schlecht! Ihr seht doch, daß
ich nicht mehr kann -- _Horcht beim Fenster._ Maschinen, immerfort die
Maschinen! Roboter, stellt sie ein! Verloren, verloren, verloren ist
das Fabriksgeheimnis! Stellt die tollen Maschinen ein! Glaubt ihr, ihr
werdet ihnen Leben abzwingen? Oh, ich ertrage es nicht! _Schließt das
Fenster._ -- Nein, nein, du mußt suchen, du mußt leben -- Nur nicht
so alt zu sein! Altere ich nicht zu sehr? _Blickt in den Spiegel._
Antlitz, armes Antlitz! Angesicht des letzten Menschen! Zeige dich,
zeige dich, solange sah ich kein Menschenantlitz mehr! Menschenlächeln!
Wie, dies soll ein Lächeln sein? Diese gelben klappernden Zähne? Augen,
wie blinzelt ihr? Pfui, pfui, das sind greisenhafte Tränen, geht doch!
Ihr könnt euer Naß nicht mehr bei euch behalten, schämt euch! Und ihr,
weichliche, blaue Lippen, was stammelt ihr? Wie du zitterst, besudeltes
Kinn! Das da ist der letzte Mensch? _Wendet sich ab._ Ich will
niemanden mehr sehen! _Setzt sich zum Tisch._ Nein, nein, nur suchen!
Verwünschte Formeln, belebet euch! _Blättert._ Finde ich's nicht? --
Fasse ich's nicht? -- Erlerne ich es nicht? --
_Es pocht._
ALQUIST Herein.
_Ein ROBOTER-DIENER tritt ein und bleibt bei der Tür stehen._
ALQUIST Was gibt's?
DIENER Herr, der Zentralausschuß der Roboter wartet, wann du ihn
empfängst.
ALQUIST Ich will niemanden sehn.
DIENER Herr, Damon aus Havre ist gekommen.
ALQUIST Er mag warten. _Dreht sich um._ Sagte ich euch denn nicht,
ihr sollt Menschen suchen? Findet mir Menschen! Findet mir Männer und
Frauen! Geht hin und suchet!
DIENER Herr, sie sagen, sie haben überall gesucht. Überallhin haben sie
Expeditionen und Schiffe gesandt.
ALQUIST Nun und?
DIENER Es gibt keinen einzigen Menschen mehr.
ALQUIST _steht auf_ Keinen einzigen? Was, keinen einzigen? -- Bringe
mir den Ausschuß her!
_DIENER ab._
ALQUIST _allein_ Keinen einzigen? Ließet ihr denn niemand am Leben?
_Stampft auf._ Verzieht euch, Roboter! Wieder werdet ihr mich
anwinseln! Wieder werdet ihr flehen, ich solle euch das Geheimnis der
Fabrik finden! Wie denn, jetzt ist euch der Mensch gut, jetzt ist er
für euch der Herr, da ihr keine Roboter machen könnt? Jetzt soll ich
euch helfen? Ach, helfen! Domin, Fabry, Helene, ihr seht doch, ich tue
was ich vermag! Gibt es keine Menschen, so seien wenigstens Roboter da,
wenigstens der Schatten eines Menschen, wenigstens ein Werk, wenigstens
ein Ebenbild! Kameraden, Kameraden, es gebe wenigstens Roboter! Gott,
wenigstens Roboter! -- Oh, welcher Wahnsinn ist die Chemie!
_Der Ausschuß, FÜNF ROBOTER, tritt ein._
ALQUIST _setzt sich_ Was wollen die Roboter?
ERSTER ROBOTER (RADIUS) Herr, die Maschinen können nicht arbeiten. Wir
können die Roboter nicht vermehren.
ALQUIST Rufet Menschen herbei!
RADIUS Es gibt keine Menschen.
ALQUIST Nur Menschen können das Leben vermehren. Haltet mich nicht auf!
ZWEITER ROBOTER Herr, hab' Erbarmen. Grauen befällt uns. Alles werden
wir gutmachen, was wir getan.
DRITTER ROBOTER Wir haben die Arbeit vervielfacht. Wir haben eine
Milliarde Tonnen Kohle aus der Erde gehoben. Neun Millionen Spindeln
laufen bei Tag und Nacht. Wir haben keinen Platz mehr für das Erzeugte.
Überall in der Welt werden Häuser gebaut. Herr, frage, was wir in dem
einen Jahre vollbracht haben.
ALQUIST Für wen?
DRITTER ROBOTER Für die künftigen Geschlechter.
RADIUS Nur Roboter können wir nicht erzeugen. Die Maschinen liefern
nur blutige Stücke Fleisch. Die Haut haftet nicht am Fleische und
das Fleisch nicht an den Knochen. Unförmige Klumpen regnen aus den
Maschinen.
VIERTER ROBOTER Acht Millionen Roboter starben in dem Jahr. In zwanzig
Jahren wird niemand sein. Herr, die Welt stirbt aus.
ZWEITER ROBOTER Grauen hat uns befallen. Sage, wie man Roboter erzeugt.
DRITTER ROBOTER Den Menschen war das Geheimnis des Lebens bekannt. Sage
uns ihr Geheimnis.
VIERTER ROBOTER Sagst du es nicht, so gehen wir unter.
DRITTER ROBOTER Sagst du es nicht, so gehst du unter. Wir haben den
Auftrag, dich zu töten.
ALQUIST _steht auf_ Tötet! Nun, so tötet mich doch!