Sie gingen durch dieselben Zimmer, durch die der Fürst bereits gekommen
war. Rogoshin ging voran und der Fürst folgte ihm. Sie kamen in den
großen Saal. Hier hingen an den Wänden mehrere Gemälde, meistens waren
es Porträts von Bischöfen und stark nachgedunkelte Landschaften, deren
Einzelheiten kaum noch zu erkennen waren. Über der Tür zum folgenden
Zimmer hing ein Bild von sehr sonderbarem Format: es war ungefähr zwei
Meter lang und nicht mehr als sechs Zoll hoch. Es war die Darstellung
einer Kreuzabnahme. Der Fürst blickte flüchtig darauf hin, und es war
ihm, als entsänne er sich eines ähnlichen oder auch desselben Bildes,
blieb aber weiter nicht davor stehen, sondern wollte durch die Tür
hinaustreten. Es war ihm sehr schwer zumute, und er wollte schnell aus
diesem Hause hinaus. Da blieb plötzlich Rogoshin in der Tür stehen und
trat wieder einen Schritt zurück.
»Alle diese Bilder hier,« sagte er, »alle sind sie für einen oder für
zwei Rubel von meinem Vater auf Auktionen erstanden, er liebte Bilder
sehr. Ein Kenner hat sie sich hier einmal alle angesehen; taugen nichts,
sagte er, dieses aber, sagte er, dieses hier über der Tür, das
gleichfalls für zwei Rubel erstanden ist -- dieses, sagte er, sei von
großem Wert. Schon damals fand sich einer, der für das Bild
dreihundertfünfzig Rubel bot, Ssaweljeff aber, Iwan Dmitritsch -- das
ist ein Kaufmann, ein großer Bilderliebhaber -- der bot dem Verstorbenen
vierhundert, und in der vorigen Woche hat er meinem Bruder Ssemjon
Ssemjonytsch sogar fünfhundert geboten. Ich hab's für mich behalten.«
»Das ist ... das ist die Kopie einer Kreuzabnahme von Hans Holbein,«
sagte der Fürst, das Bild jetzt aufmerksamer betrachtend. »Ich bin zwar
kein großer Kenner, aber wie mir scheint, ist es eine vorzügliche Kopie.
Ich habe das Original im Auslande gesehen, und seitdem kann ich dieses
Bild nicht mehr vergessen. Aber ... was hast du ...«
Rogoshin hatte sich plötzlich wieder abgewandt und ging bereits durch
die Tür, um den Fürsten dem Ausgang zuzuführen. Freilich konnten seine
Zerstreutheit und seine seltsam gereizte Stimmung diese Plötzlichkeit
sehr wohl erklären; doch trotzdem wunderte es den Fürsten, daß Rogoshin
so schnell das Gespräch abgebrochen, das er doch selbst begonnen hatte,
und seine Bemerkung nicht zu beachten schien.
»Aber wie nun, Lew Nikolajewitsch, ich wollte dich schon lange fragen,
glaubst du an Gott?« fragte plötzlich Rogoshin, nachdem sie ein paar
Schritte gegangen waren.
»Wie sonderbar du fragst und ... mich ansiehst!« sagte der Fürst
unwillkürlich.
»Auf dieses Bild da liebe ich zu sehen,« sagte Rogoshin nach kurzem
Schweigen, als hätte er seine Frage vergessen.
»Auf dieses Bild!« rief der Fürst unter dem Eindruck eines plötzlichen
Gedankens ganz erschrocken aus, »auf dieses Bild! Aber vor diesem Bilde
kann einem ja doch nur noch jeder Glaube vergehen!«
»Der vergeht auch ohnedem,« sagte Rogoshin ganz unerwartet.
Sie waren an der Tür zum Treppenhaus angelangt.
»Was?« Der Fürst blieb vor Überraschung stehen. »Was sagst du! Ich habe
ja doch nur gescherzt, du aber sagst es so ernst! Weshalb fragtest du
mich, ob ich an Gott glaube oder nicht?«
»Nichts, nur so. Ich wollte es dich eigentlich schon immer fragen. Aber
wie nun, ist es wahr -- du hast doch im Auslande gelebt --, mir sagte
einmal einer in der Betrunkenheit, daß es bei uns in Rußland mehr als in
allen anderen Ländern solche geben soll, die an Gott nicht glauben. Uns,
sagte er, falle das leichter als ihnen, denn wir seien darin
fortgeschrittener ...«
Rogoshin lachte kurz und leise auf. Es lag etwas Beißendes in seinem
Lachen. Er öffnete die Tür und wartete, den Türgriff in der Hand, bis
der Fürst hinaustrat.
Der Fürst wunderte sich darüber, trat aber doch hinaus. Rogoshin folgte
ihm auf den Treppenflur und zog die Tür hinter sich zu. Beide standen
sie sich gegenüber, und wie es schien, hatten sie beide vergessen, wohin
sie gekommen waren, und was sie hier tun wollten.
»Nun, so leb' denn wohl,« sagte der Fürst sich besinnend und reichte
Rogoshin die Hand.
»Leb' wohl,« sagte Rogoshin, indem er fest, doch ganz mechanisch die ihm
entgegengestreckte Hand drückte.
Der Fürst trat eine Stufe hinunter, wandte sich dann aber nochmals
zurück.
»Und was den Glauben anbetrifft,« sagte er lächelnd -- offenbar wollte
er den anderen nicht so verlassen, und wahrscheinlich war ihm plötzlich
etwas in den Sinn gekommen -- »so hatte ich an zwei Tagen der letzten
Woche vier verschiedene Begegnungen. Am Morgen des einen Tages fuhr ich
auf einer neuen Eisenbahnstrecke und unterhielt mich vier Stunden lang
mit einem gewissen S., mit dem ich im Kupee zusammensaß. Ich hatte schon
früher von ihm gehört, unter anderem auch, daß er ein Atheist sei. Er
war ein allerdings sehr gelehrter Mann, und es freute mich, daß ich mit
einem solchen über dieses Thema sprechen konnte. Außerdem war er
vorzüglich erzogen, so daß er mit mir sprach, als wäre ich ihm an
Gelehrsamkeit vollkommen gleich. An Gott glaubt er nicht. Nur machte
mich eines stutzig: daß er die ganze Zeit gar nicht _davon_ sprach, und
zwar machte mich das gerade deshalb stutzig, weil es mir auch früher
aufgefallen ist, so oft ich mit Atheisten zusammengekommen bin oder
Schriften von ihnen gelesen habe, daß sie gar nicht _davon_ gesprochen
oder geschrieben haben, wenn es auch hundertmal diesen Anschein hat. Ich
sagte ihm, daß ich diese Beobachtung gemacht hätte, doch muß ich mich
wohl nicht ganz verständlich ausgedrückt haben, denn er begriff nicht,
was ich damit sagen wollte ... Am Abend desselben Tages mußte ich im
Gasthof einer kleinen Kreisstadt absteigen, um zu übernachten. Dort
hatte sich in der vorhergehenden Nacht ein Mord zugetragen, und so wurde
natürlich, als ich eintraf, nur davon gesprochen. Zwei vollkommen
nüchterne und bejahrte Bauern, zwei alte Bekannte, oder man kann sogar
sagen, zwei gute Freunde, hatten am Abend Tee getrunken und wollten in
einem kleinen Stübchen die Nacht verbringen. Der eine aber hatte in den
zwei Tagen, die sie schon in der Stadt waren, bemerkt, daß der andere
eine silberne Uhr an einer Glasperlenkette trug, die er früher nicht an
ihm gesehen hatte. Dieser Mann war durchaus kein Dieb, er war sogar ein
ehrlicher Kerl und als einfacher Bauer durchaus nicht arm. Die
Taschenuhr gefiel ihm aber in solchem Maße, und ihr Besitz erschien ihm
so verlockend, daß er sein Messer nahm und, als der Freund sich
abwandte, leise hinterrücks an ihn heranschlich, die Augen zum Himmel
aufschlug, sich fromm bekreuzte und inbrünstig betete: >Gott, verzeihe
mir um Christi willen!< -- um darauf den Freund mit einem einzigen Stoß
niederzustechen wie einen Hammel und ihm die Uhr aus der Tasche zu
nehmen.«
Rogoshin brach in ein schallendes Gelächter aus. Er lachte ungläubig,
lachte, als hätte er einen Lachkrampf. Und dieses plötzliche konvulsive
Lachen erschien um so sonderbarer, als er noch vor einem Augenblick
ernst, ja sogar finster gewesen war.
»Das gefällt mir! Nein, das ist aber doch unübertrefflich!« stieß er
zwischendurch hervor. »Der eine glaubt überhaupt nicht an Gott, der
andere aber glaubt schon so sehr, daß er, zu ihm betend, sogar Menschen
ermordet! Nein, das, Bruder, das ist zu wundervoll, so etwas kann man
nur erleben, das kann man sich nicht ausdenken, Fürst, Freund!
Ha--ha--ha--ha--ha! Nein, das ist unübertrefflich! ...«
»Am folgenden Morgen machte ich einen Spaziergang durch die Stadt,« fuhr
der Fürst fort, sobald Rogoshin sich ein wenig beruhigt hatte, wenn auch
sein Mund immer noch krampfhaft zuckte und das Lachen aus seinem Gesicht
nicht verschwinden wollte. »Da sehe ich, vor mir auf dem Trottoir kommt
mir im Zickzack ein betrunkener Soldat entgegen, zerzaust, unordentlich
und schmutzig. Wie er sich mir nähert, sagt er plötzlich: >Kauf', Herr,
ein silbernes Kreuz, gebe es dir für zwanzig Kopeken; ein echt
silbernes!< Ich sehe, er hat in der Hand ein Kreuz, das er offenbar
soeben erst vom Halse genommen, an einem hellblauen, nur schon sehr
abgetragenen Bande, doch ist es ein schweres Bleikreuz, das sieht man
auf den ersten Blick, ziemlich groß, achtendig, mit echt byzantinischem
Muster. Ich gab ihm ein Zwanzigkopekenstück und legte mir sogleich das
Kreuz um den Hals. Man sah seinem Gesicht an, wie zufrieden er darüber
war und wie es ihn freute, daß er den dummen Herrn so geschickt hatte
betrügen können, worauf er sich zweifellos in die nächste Schenke begab,
um das Geld für sein Kreuz zu vertrinken. Weißt du, Freund, ich war
damals noch so unter dem Einfluß all der Eindrücke, die hier in Rußland
auf mich eingestürmt waren, daß ich mitunter glaubte, sie würden mich
erdrücken. Hatte ich doch früher nichts von unserem Vaterlande
begriffen, war ich doch wie ein Taubstummer aufgewachsen, und nur
phantastisch entsann ich mich in diesen fünf Jahren im Auslande des
einen oder des anderen. Ich ging weiter und dachte bei mir: Nein, ich
werde doch damit warten, diesen Christusverkäufer zu verurteilen. Kann
doch nur Gott allein wissen, was diese trunkenen, schwachen Herzen in
sich bergen. Nach einer Stunde, als ich zum Gasthof zurückkehrte,
begegnete ich einem jungen Weibe, das ein kleines Kindchen auf den Armen
trug. Es war ein noch junges Weib, und das Kleine wird so sechs Wochen
alt gewesen sein. Da sehe ich, wie sie sich plötzlich so fromm bekreuzt,
so inbrünstig geradezu. >Weshalb bekreuzt du dich, junge Mutter?< fragte
ich sie -- ich frage doch nach allem auf Schritt und Tritt. Da sagte
sie: >Ebenso groß, wie die Freude der Mutter ist, wenn sie das erste
Lächeln ihres Kindes erblickt, ist auch die Freude Gottes jedesmal, wenn
er sieht, wie ein Sünder vor ihm zum Gebet niederkniet.< Fast mit
denselben Worten sagte es mir das Weib, und damit sprach sie einen so
tiefen, so feinen und wahrhaft religiösen Gedanken aus, einen Gedanken,
in dem sich das ganze Wesen des Christentums ausdrückt, das heißt, der
ganze Begriff von Gott, als von unserem leiblichen Vater, und von der
Freude Gottes am Menschen, als von der Freude eines Vater an seinem
leiblichen Kinde -- das aber ist ja doch der Grundgedanke Christi! Es
war ein ganz einfaches junges Bauernweib! Freilich, sie war Mutter ...
Und wer weiß, vielleicht war sie das Weib jenes Soldaten. Höre, Parfen,
ich will dir noch auf deine Frage antworten: Das Wesen des religiösen
Gefühls steht außerhalb aller Verbrechen und atheistischen Lehrsätze;
wenn man von ihm sprechen will, wird man immer irgendwie _nicht davon_
sprechen, und so wird es ewig sein; es ist hierin etwas, von dem alle
Atheismen abgleiten, und ich sage dir, man kann gar nicht _davon_,
sondern nur von etwas ganz anderem sprechen. Doch die Hauptsache ist,
daß man dies am klarsten und schnellsten am russischen Herzen bemerkt,
-- davon bin ich überzeugt! Es ist das eine meiner ersten Überzeugungen,
die ich hier in unserem Rußland gewonnen habe. Es gibt hier etwas zu
tun, Parfen! Es gibt vieles zu tun, hier in unserer russischen Welt,
glaub' es mir! Denk' daran, wie wir in Moskau zusammenkamen und sprachen
... Nein, ich wollte gar nicht mehr hierher zurückkehren! ... Und daß
wir so, daß wir in dieser Weise uns wiedersehen würden, hätte ich
niemals, niemals erwartet! Doch was! ... Leb' wohl, auf Wiedersehen! ...
Möge Gott dich behüten!«
Er wandte sich um und stieg die Treppe hinab.
»Lew Nikolajewitsch!« rief plötzlich Parfen von oben, als der Fürst beim
ersten Treppenabsatz angelangt war, »das Kreuz, das du dem Soldaten
abgekauft hast -- hast du das bei dir?«
»Ja, bei mir.«
Und der Fürst blieb stehen.
»Zeig' mal her.«
Wieder eine neue Seltsamkeit. Der Fürst dachte einen Augenblick nach,
dann entschloß er sich und stieg die Treppe wieder hinauf, zog das Kreuz
hervor und zeigte es Rogoshin, ohne es jedoch abzunehmen.
»Gib's mir,« sagte Rogoshin.
»Weshalb? Willst du denn ...«
Der Fürst wollte sich nicht gern von diesem Kreuz trennen.
»Ich werde es tragen und mein Kreuz dir geben, trag du es.«
»Du willst mit mir die Kreuze tauschen?[14] Wenn du das willst, Parfen,
wird es mich freuen -- seien wir Brüder!«
Der Fürst nahm sein bleiernes Kreuz ab und Parfen sein goldenes, und sie
tauschten die Kreuze. Parfen schwieg. Es fiel dem Fürsten auf und
berührte ihn unangenehm, daß das frühere Mißtrauen, das frühere bittere
und fast spöttische Lächeln immer noch im Gesicht seines »Bruders« zu
zucken schien, wenigstens trat es für Augenblicke sichtbar hervor.
Schweigend nahm schließlich Rogoshin die Hand des Fürsten und behielt
sie eine Weile gleichsam unentschlossen in der seinen; plötzlich zog er
ihn dann nach sich, indem er kaum hörbar ein »Komm!« brummte. Sie gingen
über den Treppenflur, und Rogoshin klingelte an der zweiten Tür, die
jener, aus der sie herausgetreten waren, gegenüberlag. Es wurde ihnen
bald geöffnet. Ein altes, kleines Frauchen in einem schwarzen Kleide,
mit gekrümmtem Rücken und einem kleinen, um die Haare gebundenen Tuch
verbeugte sich schweigend und tief vor Rogoshin. Dieser stellte flüchtig
irgendeine Frage an sie, zog jedoch, ohne stehen zu bleiben oder ihre
Antwort abzuwarten, den Fürsten weiter durch die folgenden Zimmer. Auch
hier waren es dunkle, hohe Räume, in denen eine ganz besondere
Sauberkeit herrschte, und kalt und streng wirkten auch die
altertümlichen Möbel in den weißen, sauberen Überzügen. Ohne Anmeldung
führte Rogoshin den Fürsten in ein nicht großes Zimmer, das etwa als
Gastzimmer eingerichtet zu sein schien, doch wurde ein Teil vom Raume
durch eine glänzend polierte Mahagoniholzwand, in der rechts und links
eine Tür war, abgeteilt, und dieser Teil diente wahrscheinlich als
Schlafzimmer.
In der einen Ecke des Gastzimmers saß dicht am Ofen in einem großen
Lehnstuhl eine kleine, alte Frau. Übrigens war sie vielleicht noch gar
nicht so sehr alt; ihr angenehmes, rundes Gesicht hatte noch eine
ziemlich gesunde Farbe, doch ihr Haar war schon ganz silbergrau, und auf
den ersten Blick konnte man erkennen, daß sie bereits vollkommen
kindisch geworden war. Sie trug ein schwarzes Wollenkleid, um die
Schultern ein weiches, schwarzes Tuch und auf dem Kopf eine saubere,
weiße Haube, die unter dem Kinn nach alter Art festgebunden war. Die
Füße stützte sie auf ein kleines Fußbänkchen. Neben ihr saß ein anderes,
ebenso sauberes Frauchen, vielleicht etwas älter an Jahren, gleichfalls
in einem Trauerkleide und einer weißen Haube -- offenbar eine arme, alte
Bekannte, die im Hause lebte und von Rogoshins ernährt wurde. Sie
strickte schweigend an einem Strumpf. Augenscheinlich hatten sie beide
die ganze Zeit geschwiegen. Als die ältere, fremde Frau Rogoshin und den
Fürsten erblickte, lächelte sie freundlich und nickte mehrmals zum
Zeichen ihrer Freude mit dem Kopf.
»Mütterchen,« sagte Rogoshin, nachdem er seiner alten Mutter die Hand
geküßt hatte, »hier ist mein Freund, Fürst Lew Nikolajewitsch Myschkin;
wir haben beide die Kreuze getauscht; er war eine Zeitlang in Moskau wie
ein leiblicher Bruder zu mir, er hat viel für mich getan. Segne du ihn,
Mütterchen, wie du deinen leiblichen Sohn segnen würdest. Wart,
Mütterchen, gib her, ich werde dir die Hand zum Segnen zurechtlegen ...«
Doch noch bevor Parfen ihre Hand ergreifen konnte, hatte sein Mütterchen
schon ihre rechte Hand erhoben, die drei Finger zusammengelegt und
andächtig dreimal das Kreuz über den Fürsten geschlagen. Es war ein fast
zärtlicher Ausdruck in ihrem Gesicht, als sie ihm darauf freundlich mit
dem Kopfe zunickte.
»Nun, gehen wir, Lew Nikolajewitsch,« sagte Parfen, »ich habe dich nur
deshalb hierhergeführt ...«
Als sie wieder auf den Treppenflur hinaustraten, fügte er noch hinzu:
»Sie versteht doch sonst nichts, was man zu ihr sagt, und auch meine
Worte hat sie nicht verstanden, und doch segnete sie dich; sie muß es
selbst gewollt haben ... Nun leb' wohl, es ist Zeit für uns beide, für
dich wie für mich.«
Und er öffnete die Tür, die zu seiner Wohnung führte.
»Aber so laß mich dich doch zum Abschied wenigstens umarmen, du
sonderbarer Mensch!« rief der Fürst aus, indem er ihn mit liebevollem
Vorwurf anblickte, und er näherte sich ihm.
Doch Parfen hatte kaum die Hände erhoben, als er sie auch schon wieder
sinken ließ. Er konnte sich nicht entschließen, er wandte sich von ihm
ab, um ihn nicht ansehen zu müssen. Er wollte ihn nicht umarmen.
»Hab' keine Angst! Ich habe wohl von dir dein Kreuz genommen, aber wegen
einer Taschenuhr werde ich dich doch nicht ermorden!« brummte er
undeutlich und lachte dann ganz eigentümlich auf.
Doch plötzlich veränderte sich sein ganzes Gesicht: er erbleichte
unheimlich, seine Lippen erzitterten und seine Augen wurden dunkel und
flammten auf. Er erhob die Arme, umarmte den Fürsten krampfhaft und
stieß, vor Erregung ganz atemlos, hervor:
»So _nimm_ sie denn, wenn's das Schicksal so will! Sie sei dein! Ich
lasse sie dir! ... Gedenke Rogoshins!«
Und hastig verließ er den Fürsten, ohne ihn anzusehen, und trat durch
die Tür, die er krachend hinter sich zuschlug.