Als Aglaja diesen kurzen und eigentlich recht sinnlosen Brief zu Ende
gelesen hatte, wurde sie plötzlich dunkelrot, biß sich dann auf die
Lippe und wurde nachdenklich. Ihren Gedankengang wiederzugeben, würde
nicht leicht fallen. Unter anderem fragte sie sich auch, ob sie den
Brief jemandem zeigen solle. Es war ihr doch ein wenig so zumute, als
schämte sie sich. Schließlich warf sie den Brief mit einem spöttischen
und seltsamen Lächeln in das Schubfach ihres Tischchens. Am nächsten
Tage jedoch nahm sie ihn von dort heraus und legte ihn in ein dickes, in
Leder eingebundenes Buch, wie sie es mit allen ihren Papieren tat, um
sie »schneller zu finden«, wenn sie sie suchte. Erst nach einer Woche
sah sie zufällig auf das Titelblatt des Buches: es stand darauf in
dicken Lettern: »_Don Quijote de la Mancha_«. Aglaja lachte hellauf --
der Grund ihres Lachens blieb aber unaufgeklärt. Auch wäre es schwer,
festzustellen, ob sie den Brief jemals den Schwestern gezeigt hat.
Während sie ihn aber noch las, kam ihr plötzlich ein Gedanke: sollte
dieser eingebildete Bengel vom Fürsten zum Vertrauensmann erkoren sein,
und war er vielleicht gar sein einziger Korrespondenzvermittler? Sie
beschloß, Koljä auf den Zahn zu fühlen. Sie setzte eine möglichst
geringschätzige Miene auf und fragte ihn wie von ungefähr, wie er denn
zu diesem Brief gekommen sei. Doch der sonst stets empfindliche »Bengel«
übersah diesmal ihre Geringschätzung und erklärte, allerdings ziemlich
kurz und trocken, daß er dem Fürsten vor dessen Abreise zwar seine
ständige Adresse mitgeteilt und seine Dienste angeboten habe, doch sei
dies der erste Auftrag, der ihm vom Fürsten zuteil geworden, worauf er
als Beweis den Brief hervorzog, den der Fürst an ihn persönlich
gerichtet hatte. Aglaja wollte den Brief zuerst nicht lesen, nahm ihn
dann aber doch und las folgendes:
»Lieber Koljä, seien Sie so freundlich und übergeben Sie das
beigefügte Schreiben Aglaja Iwanowna. Ich wünsche Ihnen das Beste.