Somit haben wir in seinem Verhalten einen der Haupttypen der

Lebensweise von Tieren kennen gelernt, den +fest angepaßten Typus+,

bei welchem von der Geburt an das Tier Bau und Fähigkeiten mitbekommt,

welche die feinste Abstimmung auf die normalen Lebensbedingungen der

Art darstellen. Einseitige Anpassung haben wir das eben genannt,

wir können vom Ameisenlöwen auch als von einem +Lebensspezialisten+

sprechen.

Das ist ein Typus, der bei niederen Tieren weit verbreitet ist, wenn

wir auch unter ihnen nicht selten Vertreter des anderen Haupttypus,

des +regulatorischen Typus+ finden. Morphologische und physiologische

Regulationen, welche das Tier an verschiedenartige Lebensbedingungen

während seines individuellen Lebens anzupassen vermögen, sind im ganzen

Tierreich weit verbreitet. Bei den höheren Tieren finden wir aber vor

allem eine +Regulierbarkeit der Handlungen+, eine Anpassungsfähigkeit

des einzelnen Individuums in seinem Verhalten von Fall zu Fall an

die wechselnden Bedingungen der Außenwelt. Diese Anpassungsfähigkeit

hat ihre Grundlage vor allem in den höheren psychischen Fähigkeiten

vieler Tiere, in deren Vermögen zur Speicherung von Erfahrungen und

Eindrücken, zur Bildung von Assoziationen usw. Ich habe Studien an

höheren Organismen durchgeführt, welche aber noch bei weitem nicht

reif zur Veröffentlichung sind, die mich bei manchen Tieren merkwürdig

komplizierte psychische Fähigkeiten erkennen ließen, wie wir sie ja als

solche durch die Forschungen vieler Zoologen und Tierpsychologen schon

längst kennen.

So bin ich denn weit davon entfernt, solche Fähigkeiten zu leugnen,

wenn es mir gelang, in einer hochorganisierten Insektenlarve einen

reinen Reflexautomaten zu enthüllen. Aber es scheint mir die Kenntnis

solcher Automaten notwendig, um die Gesetze zu erforschen, welche die

höheren psychischen Funktionen der Tiere beherrschen. Ja, es scheint

mir, daß die Tierautomaten uns die wesentlichen Grundgesetze kennen

lehren, auf denen sich auch das höhere psychische Leben der Tiere und

des Menschen aufbaut.

Literaturverzeichnis.

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+Steinmann, P.+, Ueber Rheotaxis bei Tieren des fließenden Wassers.

In: Verh. Naturf. Ges. Basel. Vol. 24. 1913.

Erklärung der Tafeln.

Fig. 1. Versuch Q. Phototaxisversuch. Einfall des Lichts von + her.

Tier, bei − eingesetzt, führt eine Anzahl Versuchsbewegungen aus, um

dann nach erfolgter Drehung (Hinterleibsspitze gegen +) energisch

gegen die Lichtquelle zu kriechen. Die verhältnismäßig zahlreichen

Versuchsbewegungen bei − sind durch Interferenz mit Thermotaxis zu

erklären. Bei − war das Papier leicht erwärmt durch untergelegtes

Sandbad. Temperatur dort etwa 25° C.

Fig. 2. Versuch N. 3 Exemplare bei vollkommener Dunkelheit auf

verschiedenen Stellen des von 20° C auf 35° C ansteigend erwärmten

Grundes niedergelegt. Sehr viele Versuchsbewegungen; zum Teil ganz

kleine Kreise. Sehr lebhafte Bewegungen durch Dunkelheit und Wärme

angeregt. Alle Tiere langten schließlich in der Region bei 35° an,

zum Teil thigmotaktisch am Rand festgehalten und dort weiterwandernd.

Versuchsdauer 11ᑋ 45′ bis 12ᑋ 45′.

Fig. 3. Versuch P. Unorientierte Bewegung mit zahlreichen

Versuchskreisen bei Einfall starken Lichtes direkt von oben. Wirkung

entsprechend vollkommen diffusem Licht. 3 Tiere im Versuch: _A_, _B_

und _C_.

Fig. 4. Versuch GG. Licht von rechts einfallend in der Richtung

des Pfeils. Schattenregion rechts bis zur Linie _X_. Reichliche

Versuchsbewegungen an der Schattengrenze. An den Rändern die Spuren der

durch Thigmotaxis an den Wänden festgehaltenen Individuen.

Fig. 5. Versuch JJ. Licht von rechts einfallend in der Richtung des

Pfeils; Beleuchtung schwach und nicht sehr tief unter das Schattendach

rechts eindringend. Daher Exemplar 2 gar nicht durch das Licht

orientiert. Exemplar 1 viele Versuchsbewegungen ausführend, ehe

Orientierung in der Nähe der Schattengrenze erfolgt. Nach Eintritt

in das Lichtfeld bald Umkehr unter dem Einfluß der Licht+richtung+,

dann im Schatten bald wieder Umkehr zum Licht. Kein Stocken an der

Schattengrenze. Später Thigmotaxis.

Fig. 6. Versuch FF. Lichteinfall von rechts. Rechte Seite bis Linie

_X_ beschattet. 1 Tier im Experiment. Erst Versuchsbewegung, dann

Wanderung zur Helligkeit, im Hellen Umkehr in die Richtung gegen die

Lichtstrahlen, dann viele Versuchsbewegungen an der Schattengrenze,

schließlich energische Wanderung zum Licht und deren Beendigung durch

Thigmotaxis.

Fig. 7. Versuch RR. Ausgeführt 6. Nov. 1914. Lichtgefälle in der

Pfeilrichtung, hergestellt durch +Oltmanns’+ Prisma. Versuch in

Dunkelkammer; Wärmewirkung verhindert durch gekühlten Boden und

Kühlwanne zwischen Licht und Experimentierfläche. _A_ Exemplar zum

erstenmal eingesetzt 10ᑋ 50′, nach geringen Versuchsbewegungen in

der Richtung des stärkeren Lichtes in Bewegung gesetzt, bald durch

Thigmotaxis abgelenkt. _B_ Dasselbe Exemplar noch einmal eingesetzt 11ᑋ

50′. Kriecht auch schwankend, doch direkt in die hellere Zone, bewegt

sich, dort zum Teil thigmotaktisch etwas gestört, im helleren Raum,

ohne Bevorzugung einer bestimmten Region, bleibt aber im Hellen.

Fig. 8. Versuch R. Interferenz von Licht- und Wärmewirkung. Tier _x_

bei 35° Bodentemperatur niedergesetzt, Versuchsbewegung, dann Wanderung

zur höheren Wärme, viele Versuchsbewegungen, kriecht schließlich in die

wärmste Ecke und wird dort thigmotaktisch abgelenkt. Tier _y_ kriecht

sofort von 25° C in die höhere Temperatur, einige Schwankungen gegen

das Licht. Endlich Ankunft in der wärmsten Ecke. Thigmotaxis.

Fig. 9. Versuch K. Thermotaxis. 26. Sept. 1914. Versuch in

vollständiger Dunkelheit in Versuchsdunkelkammer. Ein Tier auf

abgestuft von 20° bis 40° C erwärmten Boden niedergesetzt bei

20°, kriecht sofort in die Wärme; verweilt am längsten unter

Versuchsbewegungen bei 30-35°. Infolge der Dunkelheit und Wärme sehr

lebhaft beweglich, kriecht es weiter und gerät zurück zur Region 20°

C, deren Temperatur sich im Lauf des Experiments erhöht hatte, dann

thigmotaktisch aus dem Versuchsfeld.

Fig. 10. Versuch O. Zusammenwirken von Photo- und Thermotaxis.

Bei + Lichteinfall, bei − dunkelste Region. Die Grade geben die

Bodentemperatur der betreffenden Region an. Tier _a_ beginnt bei 35° C

seinen Weg, ehe das Rußpapier die Temperatur angenommen hatte, kriecht

zuerst aufs Licht zu, wird dann thermotaktisch erregt, kriecht zurück

in die Wärme und verläßt, thigmotaktisch gereizt, das Versuchsfeld.

Tier _b_ kriecht aus dem Licht in die Wärme und verläßt, bei der

Höchsttemperatur thigmotaktisch gereizt, das Versuchsfeld. Tier _c_

macht zuerst einen Versuchskreis, geht dann in die Wärme, schwankt

zwischen Wärme und Licht, um schließlich energisch sich zum Licht zu

wenden.

Frommannsche Buchdruckerei (Hermann Pohle) in Jena. -- 4557

[Illustration:

_Taf. I._

Fig. 1. Versuch Q.]

[Illustration:

_Taf. II._

Fig. 2. Versuch N.]

[Illustration:

_Taf. III._

Fig. 3. Versuch P.]

[Illustration:

_Taf. IV._

Fig. 4. Versuch GG.]

[Illustration:

_Taf. V._

Fig. 5. Versuch JJ.]

[Illustration:

_Taf. VI._

Fig. 6. Versuch FF.]

[Illustration:

_Taf. VII._

Fig. 7. Versuch RR.]

[Illustration:

_Taf. VIII._

Fig. 8. Versuch R.]

[Illustration:

_Taf. IX._

Fig. 9. Versuch K.]

[Illustration:

_Taf. X._

Fig. 10. Versuch O.]

Der Ameisenlöwe · 第 12 / 12 段