»Jetzt will ich vorn anfangen, Dir alles zu erzählen: Als der Fred mir

noch Lebewohl gesagt hatte und ich dann von allen wegfuhr, mußte ich ein

wenig weinen. Aber die Tante Klarissa – denn jetzt soll ich immer ›Tante

Klarissa‹ sagen – war sehr gut mit mir und sprach freundlich zu mir und

sagte, ich soll ihr nur immer alles sagen, was mich traurig mache, wir

wollen es dann miteinander tragen. Die Frau Stanhope hatte die Augen

zugemacht und lag ganz still in der Ecke, und ich dachte, sie sei ein

wenig entschlafen, und dann dachte ich, ich wollte am liebsten gleich

alles sagen mit dem Fani, wie Du es mir gesagt hattest, und dann tat

ich es. Die Tante Klarissa wußte gar nichts von dem Fani und auch nicht,

daß er lebte. Da erzählte ich ihr alles, wie es mit ihm gegangen war und

wie lang ich ihn nicht mehr gesehen hatte. Dann sagte sie gleich, gewiß

müsse ich meinen Bruder noch sehen, wir haben schon Zeit in Basel, da

wir heute nicht weiterreisen. Und sie sagte, sie wolle dann schon mit

mir gehen, den Fani aufzusuchen, Frau Stanhope werde uns das gern

erlauben. Als wir in Basel ankamen, fuhren wir in ein so großes

Wirtshaus, wie ich noch keins gesehen hatte. Ich konnte fast nichts

essen vor Freude, daß ich nun gleich zum Fani gehen durfte. Jetzt war es

drei Uhr. Gleich nach dem Essen sagte die Tante Klarissa zu Frau

Stanhope, wenn es ihr recht sei, so gehen wir nun miteinander, meinen

Bruder zu besuchen. Sie sagte, sie bleibe nicht allein da, sie komme mit

uns. Wir gingen über eine lange Brücke über den Rhein und dann noch

ziemlich weit. Zuletzt kamen wir zu kleinen Häusern, da fragten wir nach

dem Maler Schulz. Da standen wir gerade vor seinem Haus. Frau Stanhope

ging voran und machte die Tür auf und trat in die Werkstatt ein und wir

kamen hinter ihr her. Da tat der Fani einen lauten Freudenschrei und kam

auf die Frau Stanhope zugesprungen und umklammerte sie und hatte vor

Freude die Augen ganz voll Tränen, denn er hatte furchtbar das Heimweh

gehabt, und jetzt sah er jemand, der aus der Heimat kam. Dann sah er

erst, daß ich auch dabei war, da war er noch froher. Aber er lief vor

Freude wieder zur Frau Stanhope zurück und genierte sich gar nicht vor

ihr; aber Du weißt es schon, der Fani hat sich ja nie geniert, er konnte

immer alles sagen. Und er umfaßte immer wieder die Frau Stanhope und

rief: ›O, gottlob, daß ich jemand sehe von daheim!‹ Du kannst Dir nicht

vorstellen, wie freundlich die Frau Stanhope zu ihm war. Zuletzt sagte

sie, er solle seinen Meister rufen, sie wolle mit ihm reden. Dann kam

der Meister und sie ging mit ihm hinaus. Als sie wieder hereinkam, sagte

sie zu Fani: ›Wolltest du gern mit uns kommen und mit deiner Schwester

bei uns leben?‹ Jetzt kann ich Dir nicht sagen, wie es mir wurde. Zuerst

konnte ich gar nicht mehr atmen vor Freude, und dann auf einmal meinte

ich, es sei gewiß nicht möglich, was ich verstanden hatte. Aber der Fani

schrie auf vor Freude und nahm die Frau Stanhope bei der Hand und bat so

mit den Augen und versprach, daß er arbeiten wolle, soviel er nur könne,

daß sie mit ihm zufrieden sei, wenn er nur mitkommen dürfe. Da sagte

Frau Stanhope: ›Du kommst mit uns‹ und erklärte ihm, wann er am anderen

Morgen auf der Eisenbahn sein mußte. O was für eine Nachricht für den

Fani und für mich! Wir gingen ins Wirtshaus zurück. Auf dem Wege sagte

Frau Stanhope zu der Tante Klarissa: ›Du hast doch die Ähnlichkeit

bemerkt? Kann er nicht aus den großen braunen Augen einen anschauen, wie

mein Philo tat?‹ Die Tante Klarissa war so froh über diese Ähnlichkeit

und sagte, jetzt wisse sie erst, warum der Fani ihr gleich so lieb

vorgekommen sei. Denn, weißt Du, Philo war der Bruder der Nora. Am Abend

sagte Frau Stanhope noch zwei- oder dreimal von der Ähnlichkeit, und es

war zum ersten Male, daß sie ein wenig mit uns redete. Am anderen

Morgen, als ich erwachte, konnte ich es nicht mehr glauben, daß der Fani

mit uns komme. Ich dachte: ein so großes Glück kann ja nicht sein, ich

habe es gewiß geträumt. Aber beim Kaffeetrinken sagte Frau Stanhope

gleich wieder von der Ähnlichkeit, die ihr aufgefallen sei, sobald der

Fani sie angeblickt habe, und sie sagte, sie freue sich, den Jungen

mitzunehmen. Mußt Du Dich nicht sehr verwundern, daß Frau Stanhope das

von dem Fani sagte? Als wir auf der Eisenbahn anlangten, kam uns der

Fani gleich entgegengelaufen. Er hatte drei Stunden auf uns gewartet.

Er sagte, er sei schon um sechs Uhr dahin gegangen, wenn ihm schon Frau

Stanhope gesagt hatte, wir kommen um neun Uhr, denn er habe es nicht

erwarten können. Da hat die Frau Stanhope zum ersten Male ein wenig

gelacht. Wir fuhren den ganzen Tag in der Eisenbahn, und der Fani kam

gar nicht aus der Freude heraus. Und wenn man an den Stationen stille

hielt und etwas sollte geholt werden und die Tante Klarissa schnell

gehen wollte, dann hielt sie die Frau Stanhope zurück und sagte: ›Nein,

nein! Nun haben wir einen Begleiter, der soll alles verrichten.‹ Dann

erklärte sie dem Fani, wie er es machen müsse, und Du hättest nur sehen

sollen, wie der umherschoß und alles besorgte. Und er schaute dann immer

die Frau Stanhope an, ob er es ihr auch recht mache, und sie war

zufrieden mit ihm, man konnte es schon sehen. Es war schon Nacht, wie

wir wieder ausstiegen, und Frau Stanhope sagte, jetzt seien wir in

Mainz, wieder am Rhein, und morgen würden wir erst recht den Fluß sehen.

O, wo kamen wir hin am folgenden Morgen! Auf ein so prachtvolles

Dampfschiff, wie man sich gar nicht vorstellen kann, wenn man es nicht

gesehen hat. Der Fani war den ganzen Tag wie ein Unsinniger vor Freude,

daß er so etwas Schönes sehe, und die Frau Stanhope erlaubte ihm, daß

er auf dem ganzen Schiff umherlaufen und alles, alles ansehen dürfe.

Dann habe ich ihn manchmal eine ganze Stunde lang nicht mehr gesehen.

Zuletzt kam er und holte sein Geschenk von Dir und nahm Papier und

Bleistift heraus und sagte, er wolle alles abzeichnen, daß er sich immer

wieder erinnern könne, was er alles gesehen habe und wie das ganze

Schiff eingerichtet sei. Und er läßt Dir viel-, vielmal danken für Dein

schönes Geschenk; das habe ich noch vergessen im Anfang des Briefes. Am

Abend, als wir aus dem Schiff stiegen, stand eine große Kutsche da und

noch ein Wagen, denn Du weißt, die Nora fuhr ja immer mit uns. Wir

fuhren wohl eine halbe Stunde in der Kutsche. Dann kamen wir zu einem

Haus, das stand mitten in einem großen Garten mit vielen Bäumen, da war

die Frau Stanhope daheim. Und beim Aussteigen sagte der Fani zu mir:

›Meinst du, daß ich hier in dem großen Garten arbeiten müsse, oder etwa

im Stall?‹ Aber das konnte ich ja nicht wissen, ich wußte auch nicht

einmal, was ich selbst arbeiten sollte. Aber es ist so anders gekommen,

als wir gemeint haben, und als Du gewiß auch meinst. Zuerst war die Frau

Stanhope so traurig, daß wir sie drei Tage lang nicht sahen. Aber die

Tante Klarissa war so gut mit uns, wie noch nie ein Mensch auf der

Welt. Sie führte uns in dem großen Garten herum und zeigte uns alles und

auch, wo der Philo begraben lag. Da stand ein weißes Kreuzchen mit

seinem Namen. Und wir drei aßen zusammen an einem Tische, sonst war

niemand da. Dann wurde die Nora begraben neben ihrem Bruder bei den

großen Lindenbäumen. Die Tante Klarissa sagte uns, jetzt komme Frau

Stanhope noch nicht zu uns, weil sie so traurig sei, daß sie alles

wiedersehe in der Heimat, nur die Nora nicht. Aber am vierten Tage kam

die Frau Stanhope auch zu uns an den Tisch und war freundlich und sagte,

nun wollen wir auch zu arbeiten anfangen. O wie mußten der Fani und ich

staunen darüber, was es war, und jeden Abend freuen wir uns so stark auf

den anderen Morgen, denn so geht es nun immerfort. Was meinst Du, was

für schwere Arbeit wir zu verrichten haben? Gar keine! Das kannst Du nun

fast nicht glauben, aber es ist gewiß wahr. Den ganzen Morgen lang

dürfen wir immer in den Unterrichtsstunden sitzen und so viel neue

Sachen erlernen! Um neun Uhr kommt ein Lehrer zu uns und bleibt bis um

ein Uhr, und zu dem Unterricht sind nur allein der Fani und ich.

Natürlich ist der Fani viel geschickter als ich, aber der Herr Lehrer

ist so gut mit mir; wenn ich nichts kann, so sagt er nur ganz

freundlich: ›Nun wollen wir aber recht tapfer sein, daß wir dem Bruder

nachkommen!‹ Nun muß ich nie, nie mehr Angst haben, daß ich die Aufgaben

nicht machen kann und daß ich mich dann nachher schämen muß vor allen

Kindern in der Schule. Es ist aber immer so schnell ein Uhr, daß wir es

nie glauben können, und immer freuen wir uns, daß es morgen wieder

angeht. Wenn wir dann zu Mittag gegessen haben, gehen wir alle in den

Garten hinaus; dann geht Frau Stanhope immer mit dem Fani und er muß ihr

erzählen von den Stunden und was er will, und man kann schon sehen, Frau

Stanhope hat ihn sehr gern, natürlich viel lieber als mich, denn Du

weißt schon, wie er ist. Er kann alles sagen, was er denkt, und kann so

gut seine Freude zeigen und wie furchtbar froh er ist, daß er da sein

darf und daß er es so gut hat. Und das alles sagt er immer wieder der

Frau Stanhope so vorweg, wie es ihm in den Sinn kommt, und dankt ihr auf

einmal vor Freuden tausend-, tausendmal und hält ihre Hand fest; und

wenn er dann so ganz voll Glück zu ihr aufsieht, dann streichelt sie ihm

das Haar und ist so freundlich mit ihm, wie ich nie Frau Stanhope

gesehen habe, als nur zu der Nora. Aber ich kann nie tun wie Fani, und

wenn ich schon ganz dasselbe im Herzen habe, so kann ich es nicht

sagen, und Frau Stanhope glaubt gewiß gar nicht, daß ich so dankbar sei,

und ich kann auch schon ganz gut begreifen, daß sie nie so zu mir ist,

wie zum Fani. Aber die Tante Klarissa ist so gut mit mir, und wenn wir

aus dem Garten kommen, dann bin ich bei ihr in einer Stube und sie lehrt

mich so schöne Arbeiten machen und auch brodieren – wie Du kannst; und

sag auch dem Oskar, wenn wir vielleicht keine Mitglieder in den Verein

finden, so will ich ihm dafür noch eine Fahne zu dem großen Fest

brodieren – Tante Klarissa hat es mir schon erlaubt –; er soll mir dann

nur schreiben, was für ein Spruch darauf muß. Unterdessen hat in der

anderen Stube der Fani Unterricht im Zeichnen; dazu kommt ein anderer

Lehrer und bleibt zwei Stunden lang. Frau Stanhope sitzt dann fast immer

dabei, weil es ihr so große Freude macht, daß der Fani so schnell lernt

und schon ganz schöne Sachen zeichnet.

»Nachher gehen der Fani und ich noch allein in den Garten und laufen

herum in alle Ecken, denn da stehen allenthalben die schönen Bänke und

weiße, steinerne Figuren, und das ist so schön, und der Garten ist so

groß und geht bis an den Rhein hinunter, und dort stehen die großen,

schönen Lindenbäume, und es ist so herrlich und prächtig überall, daß

es auf der ganzen Welt nicht schöner sein könnte. Sag auch dem Fred, daß

ich gewiß immer auf die Käfer sehe, aber ich kann sie nicht fangen; er

soll aber nicht bös werden mit mir, vielleicht fang’ ich doch noch

einen. Nach dem Abendessen sitzt die Tante Klarissa ans Klavier und dann

singen wir das Lied, das die Nora so gern hatte, und noch zwei oder drei

andere hat mich nun die Tante Klarissa noch gelehrt. Dann sitzt der Fani

meistens in der anderen Stube und zeichnet noch für sich, aber wenn er

mit uns singt, tönt es viel schöner, und nur wenn er mitsingt, kommt

Frau Stanhope auch und hört zu. Zuletzt machen wir noch unsere Aufgaben.

Aber ein Tag ist so geschwind vorbei, wie ich nicht beschreiben kann,

und jeden Abend reut es uns so stark, den Fani und mich, daß wir nun ins

Bett gehen müssen und nicht noch lang, lang immer fortfahren können. Ich

bin auch fast nie mehr müde, o wie ist es auch so schön, hier zu leben

und immer der Fani und ich zusammen, und wie haben wir es so gut! Wenn

wir zum Essen hereinkommen, dann sagt gewiß die Tante Klarissa jedesmal:

›Gott sei Dank, daß wir wieder mit Kindern zu Tische sitzen können!‹ Und

als sie gestern so sagte, da antwortete die Frau Stanhope: ›Gewiß wäre

dir am wohlsten, wenn wir das ganze Haus voller Kinder hätten.‹ Und die

Tante Klarissa sagte: ›Ich hätte deren nie zu viel.‹ Da sagte Frau

Stanhope: ›Ich weiß etwas: im nächsten Jahre müssen wir die Freunde aus

der Schweiz zu uns einladen; da sollen alle vier Doktorskinder kommen,

und das kleine Rikli kannst du dann in deine besondere Obhut nehmen.‹ Da

hat der Fani vor Freude ganz laut aufgejauchzt und ich konnte keinen Ton

von mir geben, aber vor Freude konnte ich gar nicht mehr schlucken, und

auch die Tante Klarissa freute sich so stark über die Worte, daß sie in

die Hände geklatscht hat, und dann hat sie gesagt: ›Elsli soll es

schnell schreiben; das müssen wir gleich ganz festmachen, daß es uns

nicht entgeht.‹ Und dann sagte sie immer wieder voller Freude: ›Das ist

ein herrlicher Gedanke, Frau Stanhope, das ist ein herrlicher Gedanke.‹

Und der Fani und ich sind gestern Abend im ganzen Garten herumgelaufen

und haben alles, alles aufgesucht, was wir Euch dann zeigen müssen: die

schönen, steinernen Figuren und alle Bänkchen in den Gebüschen, und die

großen, hohen Lindenbäume, wo man unter den langen, langen Zweigen

verborgen sitzen und auf den Rhein schauen kann. Und ich bin auch so

froh wegen der Käfer, der Fred kann sie dann alle selbst fangen. Der

Fani wird Dir bald einen großen Brief schreiben und dann auch einen dem

Oskar. Er will nur zuerst die Lindenbäume und das Plätzchen darunter

fertig zeichnen, zu einem Geschenk für Dich.

»Wir lassen alle in Euerem Hause viel tausendmal grüßen und dann auch

den Vater und die Mutter und die kleinen Buben. Der Fani läßt Dich noch

besonders grüßen.

Deine treue Freundin

Elsli.«

Als der Brief zu Ende gelesen war, brach ein Jubel aus, der gar kein

Ende nehmen wollte. Welche Nachrichten enthielt er auch für die vier

Geschwister. Welche Aussichten auf Dinge und Ereignisse, die zu den

herrlichsten Zukunftsplänen Stoff boten. Auch Mutter und Tante waren

ganz erfüllt von dem, was sie eben vernommen hatten, und voller Dank und

Freude darüber, daß ihnen die große Sorge um den Fani für immer

abgenommen war, und daß der liebe Gott den zwei Kindern, die ihnen so

sehr am Herzen lagen, einen so über alles Erwarten herrlichen Lebensweg

aufgetan hatte.

Welches von den vier Kindern des Hauses aber das allerglücklichste ist

in der Aussicht auf die bevorstehende Rheinreise, das kann man gar nicht

sagen, und so sehr sind sie alle vier davon erfüllt, daß sie fast von

nichts anderem mehr reden können. Ein jedes von ihnen ist auch in einer

außerordentlichen Weise von den Plänen und Gedanken in Anspruch

genommen, welche die Aussicht auf das große Ereignis hervorbringt. Oskar

sieht mit Wonne die Scharen der Schweizer im Auslande vor sich, die er

dann, von Fani unterstützt, in den neuen Verein hereinziehen wird. Mit

nicht geringerer Begeisterung sieht er der zweiten Fahne entgegen, die

das Stiftungsfest zu einem außerordentlich glänzenden erheben wird. Er

sucht nun rastlos in allen Werken der Literatur nach einem Spruche, der

den Zweck und die Größe des Festes in würdigster Weise dartun würde.

Sollte ihm da oder dort eins der Kinder, die diese Ereignisse

durchlesen, etwa einen Spruch einsenden wollen, so daß er unter vielen

den schönsten auswählen könnte, so wäre er sehr erfreut darüber. – Emmi

ist in einem ununterbrochenen Freudenfieber. Nun ist ja der Fani

wirklich auf dem Wege, nach dem sie so lange für ihn gestrebt hatte: auf

dem Wege, ein großer Maler zu werden. Denn da Frau Stanhope eine solche

Vorliebe für ihn gefaßt hat, wird er gewiß alles von ihr erbitten

können, auch seinen Beruf. Emmi kann aber das Zusammenkommen mit dem

Fani fast nicht erwarten, denn jeden Tag kommt ihr ein neuer Vorschlag

in den Sinn, den sie ihm durchaus für seinen künftigen Lebensweg machen

muß. – Fred hat alle Hände voll zu tun. Er sieht einer so ungeheuren

Bereicherung seiner Insekten- und Amphibiensammlungen entgegen, daß er

jetzt nur darum besorgt ist, wie er denn alle seine Reichtümer

unterbringen werde. Er hat der Tante das feste Versprechen abgenommen,

daß jede große und kleine Schachtel des Hauses, die nicht weiter

gebraucht wird, in sein Zimmer kommt, wo schon ein beträchtlicher Haufen

aufgeschichtet steht. Auch er würde gern, wie Oskar, eine Bitte in die

Welt hinausschicken, daß man ihm alle entbehrlichen Schachteln von

überallher zusenden möchte; aber die Mutter ist nicht einverstanden

damit, denn die freundlichen Beiträge könnten für den vorhandenen Raum

zu großartig werden. – Das Rikli aber kann zum ersten Male in seinem

Leben sich ohne geheime Schrecken der Freude auf einen großen Genuß

hingeben. Da ihm bisher alle Freuden in Gemeinschaft mit seinem Bruder

Fred zuteil geworden waren, so hatte in seinem Empfinden hinter jeder

derselben etwas Erschreckliches gelauert, das auf einmal hervorkriechen

oder einen fürchterlichen Sprung tun konnte. Jetzt weiß das Rikli, daß

es unter den Schutz der guten Tante Klarissa kommen wird, und von da aus

ohne Gefahr alles mitmachen kann, was in dem herrlichen Haus und Garten

am Rhein ausgeführt werden soll.

Der Fani und das Elsli aber werden von Tag zu Tag glücklicher und

heimischer in ihrem neuen Leben und haben gar keinen Wunsch mehr, als

nur, daß bald die Zeit komme, da ihre guten Freunde anlangen und all das

Schöne, das sie umgibt, kennen lernen und es mit ihnen teilen können.

Die gute Klarissa aber sorgt dafür, daß der Fani und das Elsli den

lieben Gott nicht vergessen, der sie zu solchen Freunden geführt hat.

Sie geht gern mit den Kindern auf die Stätte, wo Philo und Nora begraben

liegen, und erinnert sie hier daran, wie schnell und unerwartet das

Leben der Menschen aus Leid in Freude sich verwandeln kann, wie sie

beide, Fani und Elsli, es erfahren hatten; daß es aber ebenso schnell

sich aus Freude in Leid verkehren und mitten in seinen Sonnenschein

hinein der Schatten des Todes fallen kann, und daß nur diejenigen sicher

und fröhlich bleiben, die auf den lieben Gott vertrauen, der alles in

seiner Hand hält und zum Guten führt.

Druck von Friedrich Andreas Perthes, Aktiengesellschaft, Gotha.

Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha.

Johanna Spyri.

Geschichten für Kinder und auch für solche, welche die Kinder lieb

haben.

16 Bände. 8°. Illustriert. Eleg. gebunden a M 3.–

Jeder Band ist für sich abgeschlossen.

Heimatlos.

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Aus unserem Lande.

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Kurze Geschichten I.

Gritli I.

Gritli II.

Kurze Geschichten II.

Artur und Squirrel.

Aus den Schweizer Bergen.

Cornelli wird erzogen.

Keines zu klein, Helfer zu sein.

Schloß Wildenstein.

Einer vom Hause Lesa.

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Im Rhonetal.

geb. M. 2.40

Verschollen, nicht vergessen.

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Was soll denn aus ihr werden?

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Im Leuchtensee. Illustriert.

geb. M 3.–

Ein goldener Spruch und Anderes.

Illustr. geb. M 3.–

Die Vorzüge der =Jugend- und Volksschriften= von =Johanna Spyri=, die in

den weitesten Kreisen, bei alt und jung, bei hoch und niedrig gleich

beliebt und geschätzt sind, haben von der Presse wie vom Publikum eine

so rückhaltlose und warme Anerkennung gefunden, daß es wohl nicht mehr

nötig ist, auf den Wert und die Eigenart dieser von =»jung und alt im

Volk«= mit Jubel und Freude begrüßten Gaben noch besonders hinzuweisen.

Es ist unbestritten, daß die =Erzählungen von Johanna Spyri= in der

Jugendschriften-Literatur =einen der ersten Plätze= einnehmen.

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Von =E. Schaffner=. Zweiter Band von Johanna Spyri:

»Einer vom Hause Lesa«. Mit 4 Bildern. Geb. M 3.–

Auf der Grimsel.

Eine Erzählung von =Anna Ulrich=. Mit 1 Titelbild. M 1.–, geb. M 1.60

Die Verfasserin hat mit ihrem Vorbilde Johanna Spyri nahe

Berührungspunkte. Auch _ihre_ Erzählung ist reich an landschaftlichen

Schilderungen, die Handlung ist fesselnd und nicht ohne dramatische

Höhepunkte und ergreifende Episoden, die Seelenschilderungen sind

feinsinnig und eindringend. Besonders jungen Mädchen von 14 bis 20

Jahren ist die Schrift zu empfehlen.

Zu beziehen durch jede Buchhandlung.

Friedrich Andreas Perthes A.-G. Gotha.

Märchen und Schwänke für Jung und Alt.

Seinen Kindern erzählt von =Rudolph Vogel=.

Mit Bildern von Johannes Gehrts.

Frau Märe.

4. Aufl. Ill. geb. M 4.–

Glückskindle.

2. Aufl. Ill. geb. M 4.–

Spinnweiblein.

2. Aufl. Ill. geb. M 4.–

Was darüber begeisterte Eltern und Lehrer, Schriftsteller und Künstler

geschrieben haben, würde all in ganze Bogen füllen. Ihr aller Urteil ist

Lobes voll und mag hier, in wenige Sätze zusammengefaßt, folgen:

»... Nicht altklug wie die Neunmalweisen redet sie, des Dichters »Frau

Märe«, nein so einfach und doch so warm und tief, daß sie dem

lauschenden Kinde die Welt in Sonnenglanz taucht. Wer seinem Kinde und

sich selbst das gleiche gönnt, der lasse die Bücher, die Künstlerhand

trefflich geschmückt hat, unter dem Christbaum nicht fehlen.«

=Martinus i. d. »Tägl. Rundschau«.=

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Lebensbilder hervorragender Männer unserer Tage.

Von =H. Stökl=. Mit 16 Porträts.

M 2.40, geb. M 3.–

Dieses Buch ist in erster Linie für die heranwachsende =Jugend=

bestimmt, der es in lebensvollen Zügen den Entwicklungsgang von

_sechzehn Männern_ schildert, die kraft ihres Willens und ihrer

Beharrlichkeit sich zu den Höhen der Menschheit emporschwangen. Die

_sechzehn Männer_, deren Lebensbilder das Buch bietet, gehören der

Gegenwart und jüngsten Vergangenheit an; sie entwickelten sich unter den

gleichen Lebensbedingungen wie wir, und daher ist ihr Beispiel geeignet,

lebhaft und eindringlich auf Phantasie und Willen der Jugend zu wirken.

Aber nicht nur =jugendlichen Lesern= wird das Buch eine anziehende und

wertvolle Gabe sein, sondern auch =Erwachsene= werden sich gerne seiner

Lektüre widmen.

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Allerlei Geschichten aus Heimat und Fremde.

Von =H. Stökl=. Illustriert von =M. Voigt=.

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Vierzehn Erzählungen für die heranwachsende Jugend und die weitesten

Kreise des Volkes. Der Inhalt ist reizvoll, spannend und mannigfaltig.

Das Buch, mit Bildern trefflich geschmückt und schön ausgestattet, ist

als Geschenkwerk bestens zu empfehlen.

Nansens Nordpolfahrt.

Dem Volke und der Jugend erzählt nach _Fridtjof Nansen_ »In Nacht und

Eis« von =G. Schmiedgen=. Mit 1 Karte. Illustriert.

M 2.40, eleg. geb. M 3.–

Unter Zugrundelegung des Originalwerkes eine _volkstümliche Darstellung_

der großen Nordpolexpedition. Der Verfasser bietet unter Ausschließung

alles gelehrten und wissenschaftlichen Beiwerkes nur diejenigen

Erlebnisse und Erfahrungen der kühnen Nordpolfahrer, die bei weiten

Kreisen des Publikums auf Teilnahme und Verständnis rechnen können. Ein

rechtes, empfehlenswertes Geschenk für die wissensdurstige Jugend.

– Kataloge gratis und franko. –

[Anmerkungen zur Transkription: Dieses elektronische Buch wurde auf

Grundlage der ca. 1920 erschienenen neunten Auflage erstellt. Das Buch

bildet den achten Band der Serie »Geschichten für Kinder und auch für

solche, welche die Kinder lieb haben« von Johanna Spyri. Die

nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller im elektronischen

Buch gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.

S. 012: [Punkt ergänzt] bei den alten Lindenbäumen.

S. 029: nachdem er vom Perde gestiegen -> Pferde

S. 042: [Punkt ergänzt] für den großen Tag ernannt hatte.

S. 064: sein Buch herbei, daß er immer -> das

S. 079: zwei- dreimal -> zwei-, dreimal

S. 081: [Komma ergänzt] schwer genug, daß ich nicht

S. 115: das verweiflungsvoll schreiende Rikli -> verzweiflungsvoll

S. 128: mit sehr erleicherten Herzen -> erleichterten

S. 139: manchmal schon wäre ihre diese -> ihr

S. 140: [Komma ergänzt] Hand der Jammernden ergriff, »ich begreife

S. 165: [Punkt ergänzt] sie komme mit uns.

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen

wurden folgendermaßen ersetzt:

Sperrung: _gesperrter Text_

Fett: =fett gedruckter Text=

Antiquaschrift: #Antiquatext# ]

[Transcriber’s Note: This electronic book has been prepared from the

scans of a ninth edition copy, published ca. 1920; the book forms the

eighth volume of the series »Geschichten für Kinder und auch für solche,

welche die Kinder lieb haben« by Johanna Spyri. The table below lists

all corrections applied to the original text.

p. 012: [added period] bei den alten Lindenbäumen.

p. 029: nachdem er vom Perde gestiegen -> Pferde

p. 042: [added period] für den großen Tag ernannt hatte.

p. 064: sein Buch herbei, daß er immer -> das

p. 079: zwei- dreimal -> zwei-, dreimal

p. 081: [added comma] schwer genug, daß ich nicht

p. 115: das verweiflungsvoll schreiende Rikli -> verzweiflungsvoll

p. 128: mit sehr erleicherten Herzen -> erleichterten

p. 139: manchmal schon wäre ihre diese -> ihr

p. 140: [added comma] Hand der Jammernden ergriff, »ich begreife

p. 165: [added period] sie komme mit uns.

The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been

replaced by:

Spaced-out: _spaced out text_

Bold: =bold text=

Antiqua: #text in Antiqua font# ]

Wo Gritlis Kinder hingekommen sind Geschichten für Kinder und auch für solche, welche die Kinder lieb haben, 8. Band · 第 8 / 8 段