Da nun der Ausdruck der Persönlichkeit und nicht der irgende

Anmerkungen zur Transkription

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Die folgenden offensichtlichen Fehler wurden im Text korrigiert:

# S. 70: "Sterben" --> "Streben"

# S. 189: "... zu unserem persönlichen Wesen kommen. so finden wir

..." Satzpunkt wurde durch Komma ersetzt.

# S. 199: nach "befreit." Anführungzeichen («) wurde ergänzt.

# S. 218: "Wagschale" --> "Waagschale"

Dieser Text enthält eine Reihe von Zitaten, die in Sanskrit abgefasst

und in lateinischer Transliteration mit Hilfe diakritischer

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Das Sanskrit-Zitat auf S. 197 wurde wie im ursprünglichen

Text wiedergegeben. Das Originalzitat nach

http://fiindolo.sub.uni-goettingen.de/gretil/1_sanskr/1_veda/1_sam/1_rv/rvpp_05u.htm

lautet:

"viśvā ni deva savitaḥ duḥ-itāni parā suva yat bhadram tat naḥ ā suva"

RABINDRANATH TAGORE

PERSÖNLICHKEIT

MÜNCHEN

KURT WOLFF VERLAG

Einzig autorisierte deutsche Ausgabe. Nach der von Rabindranath Tagore

selbst veranstalteten englischen Ausgabe ins Deutsche übertragen von

Helene Meyer-Franck

1.-40. Tausend

Copyright 1921 by Kurt Wolff Verlag A.-G. in München

C. F. ANDREWS

GEWIDMET

*

INHALT

WAS IST KUNST? 1

DIE WELT DER PERSÖNLICHKEIT 49

DIE WIEDERGEBURT 94

MEINE SCHULE 134

RELIGIÖSE BETRACHTUNG 182

DIE FRAU

PERSÖNLICHKEIT

WAS IST KUNST?

Wir stehen dieser großen Welt Auge in Auge gegenüber, und mannigfach

sind unsre Beziehungen zu ihr. Eine derselben ist die Notwendigkeit zu

leben: wir müssen den Boden beackern, uns Nahrung suchen, uns kleiden,

und zu allem muß uns die Natur den Stoff liefern. Da wir unausgesetzt

bemüht sein müssen, unsre Bedürfnisse zu befriedigen, sind wir in

beständiger Berührung mit der Natur. So halten Hunger und Durst und all

unsre physischen Bedürfnisse die stete Beziehung zu dieser großen Welt

aufrecht.

Aber wir haben auch einen Geist, und dieser Geist sucht sich seine

eigene Nahrung. Auch er hat seine Bedürfnisse. Er muß den Sinn der

Dinge finden. Er steht einer Vielfältigkeit von Tatsachen gegenüber

und ist verwirrt, wenn er kein einheitliches Prinzip finden kann,

das die Verschiedenartigkeit der Dinge vereinfacht. Der Mensch ist

so veranlagt, daß er sich nicht mit Tatsachen begnügen kann, sondern

gewisse Gesetze finden muß, die ihm die Last der bloßen Zahl und Menge

erleichtern.

Doch es ist noch ein drittes Ich in mir neben dem physischen und

geistigen, das seelische Ich. Dies Ich hat seine Neigungen und

Abneigungen und sucht etwas, das sein Bedürfnis nach Liebe erfüllt.

Dies seelische Ich gehört der Sphäre an, wo wir frei sind von aller

Notwendigkeit, wo die Bedürfnisse des Körpers und des Geistes keinen

Einfluß haben, wo nach Nutzen oder Zweck nicht gefragt wird. Dies

seelische Ich ist das Höchste im Menschen. Es hat seine eigenen

persönlichen Beziehungen zu der großen Welt und sucht persönliche

Befriedigung in ihr.

Die Welt der Naturwissenschaft ist nicht eine Welt der Wirklichkeit,

sondern eine abstrakte Welt der Kräfte. Wir können sie uns mit Hilfe

unsres Verstandes zunutze machen, aber wir können sie nicht mit unsrer

Seele erfassen. Sie gleicht einer Schar von Handwerkern, die, wenn

sie auch Dinge für uns als persönliche Wesen herstellen, doch bloße

Schatten für uns sind.

Aber es gibt noch eine andre Welt, die Wirklichkeit für uns hat. Wir

sehen sie, wir fühlen sie, wir nehmen mit all unsern Empfindungen an

ihr teil. Doch wir können sie nicht erklären und messen, und daher

bleibt sie uns ewig geheimnisvoll. Wir können nur in freudigem Erkennen

sagen: »Da bist du ja.«

Dies ist die Welt, von der die Naturwissenschaft sich abwendet, und in

der die Kunst ihren Sitz hat. Und wenn es uns gelingt, die Frage, was

Kunst ist, zu beantworten, so werden wir auch wissen, was für eine Welt

es ist, mit der die Kunst so nahe verwandt ist.

Es ist an sich keine wichtige Frage. Denn die Kunst wächst wie das

Leben selbst aus eigenem Antrieb, und der Mensch freut sich an ihr,

ohne daß er sich genau klar macht, was sie ist. Und wir könnten diese

Frage ruhig im Untergrunde des Bewußtseins schlummern lassen, wo alles

Lebendige im Dunkel gehegt und genährt wird.

Aber wir leben in einem Zeitalter, wo unsre Welt um und um gekehrt und

alles, was auf dem Grunde verborgen lag, an die Oberfläche gezerrt

wird. Selbst den Vorgang des Lebens, der ganz unbewußt ist, bringen

wir unter das Seziermesser der Wissenschaft, -- auf Kosten des Lebens

selbst, das wir durch unsre Untersuchung in ein totes Museumsexemplar

verwandeln.

Die Frage »Was ist Kunst?« ist oft aufgeworfen und auf verschiedene

Weise beantwortet worden. Solche Erörterungen bringen immer etwas von

bewußter Absicht in ein Gebiet hinein, wo sowohl das Schaffen wie das

Genießen spontan und nur halb bewußt ist. Sie gehen darauf aus, unser

Kunsturteil mit ganz bestimmten Maßstäben zu versehen. Und so hören wir

heutzutage Kunstrichter nach selbstgefertigten Regeln ihr vernichtendes

Urteil fällen über das, was seit Jahrhunderten als groß und unsterblich

anerkannt wurde.

Diese meteorologische Störung in der Sphäre der Kunstkritik, die ihren

Ursprung im Abendlande hat, ist auch an unsre Küste nach Bengalen

gekommen und trübt unsern klaren Himmel mit Nebel und Wolken. Auch

wir haben angefangen, uns zu fragen, ob Schöpfungen der Kunst nicht

danach beurteilt werden sollten, entweder wie weit sie geeignet sind

allgemein verstanden zu werden, oder was für eine Lebensphilosophie

sie enthalten, oder wieviel sie zur Lösung der großen Zeitprobleme

beitragen, oder ob sie etwas zum Ausdruck bringen, was dem Geist des

Volkes, dem der Dichter angehört, eigentümlich ist. Wenn also die

Menschen allen Ernstes dabei sind, für die Kunst Normen und Maßstäbe

aufzustellen, die gar nicht zu ihrem Wesen gehören, wenn man sozusagen

die Herrlichkeit eines Flusses von dem Gesichtspunkt des Kanals aus

beurteilt, können wir die Frage nicht auf sich beruhen lassen, sondern

müssen uns in die Debatte einmischen.

Sollten wir zunächst versuchen, den Begriff »Kunst« zu definieren? Aber

wenn man lebendige Dinge zu definieren sucht, so heißt dies im Grunde,

daß man sein Gesichtsfeld einengt, um deutlicher sehen zu können.

Und Deutlichkeit ist nicht ohne weiteres die einzige oder wichtigste

Seite bei der Wahrheit. Die Blendlaterne gibt uns ein deutliches, aber

nicht ein vollständiges Bild. Wenn wir ein Rad in Bewegung kennen

lernen sollen, so macht es nichts, wenn wir die Speichen nicht zählen

können. Wenn es nicht auf die Genauigkeit seiner Form, sondern auf

die Schnelligkeit seiner Bewegung ankommt, so müssen wir uns mit

einem etwas undeutlichen Bilde des Rades begnügen. Lebendige Dinge

sind eng verwachsen mit ihrer Umgebung und ihre Wurzeln reichen oft

tief hinab in den Boden. Wir können in unserm Erkenntniseifer die

Wurzeln und Zweige eines Baumes abhauen und ihn in einen Holzklotz

verwandeln, der sich leichter von Klasse zu Klasse rollen und in einem

Lehrbuch darstellen läßt. Aber man kann doch nicht sagen, daß solch ein

Holzklotz, weil er nackt und deutlich vor aller Augen liegt, vom Baum

als Ganzem ein richtigeres Bild gäbe.

Daher will ich nicht versuchen, den Begriff der Kunst zu definieren,

sondern ich will nach dem Grunde ihres Daseins fragen und

herauszufinden suchen, ob sie um irgendeines sozialen Zweckes willen

da ist, oder um uns ästhetischen Genuß zu verschaffen, oder ob sie

entstanden ist aus dem Bedürfnis, unser eigenes Wesen zum Ausdruck zu

bringen.

Man hat sich lange um das Wort »L'art pour l'art« gestritten, das bei

einem Teil der abendländischen Kritiker in Mißkredit gekommen ist. Es

ist ein Zeichen, daß das asketische Ideal des puritanischen Zeitalters

wiederkehrt, wo Genuß als Selbstzweck für sündhaft gehalten wurde.

Aber jeder Puritanismus ist eine Reaktion. Er kann die Wahrheit nicht

mit unbefangenem Auge und daher nicht in ihrer wahren Gestalt sehen.

Wenn der Genuß die unmittelbare Berührung mit dem Leben verliert und

in der Welt seiner künstlich und mühsam ausgearbeiteten Konventionen

immer wählerischer und phantastischer wird, dann kommt der Ruf nach

Entsagung, die das Glück selbst als eine Schlinge des Verderbens von

sich weist. Ich will mich nicht auf die Geschichte der modernen Kunst

einlassen, ich fühle mich hierzu durchaus nicht kompetent, doch ich

kann als allgemeine Wahrheit behaupten: wenn der Mensch seinen Trieb

nach Freude zu unterdrücken sucht und ihn in einen bloßen Trieb nach

Erkenntnis oder Wohltun umwandelt, so muß der Grund darin liegen, daß

seine Freudefähigkeit ihre natürliche Frische und Gesundheit verloren

hat.

Die Ästhetiker im alten Indien trugen kein Bedenken zu sagen, daß

Freude, selbstlose Freude, die Seele der Dichtkunst sei. Aber das Wort

»Freude« muß richtig verstanden werden. Wenn wir es analysieren, so

zeigt uns sein Spektrum eine unendliche Reihe von Streifen, deren Farbe

und Intensität je nach den verschiedenen Welten unendlich verschieden

ist. Die Welt der Kunst enthält Elemente, die ganz offenbar nur ihr

angehören und Strahlen aussenden, die ihre besondere Leuchtkraft und

Eigentümlichkeit haben. Es ist unsre Pflicht, sie zu unterscheiden und

ihrem Ursprung und Wachstum nachzugehen.

Der wichtigste Unterschied zwischen dem Tier und dem Menschen ist

der, daß das Tier fast ganz in den Schranken seiner Bedürfnisse

eingeschlossen ist, da der größte Teil seiner Tätigkeit zur

Selbsterhaltung und zur Erhaltung der Gattung nötig ist. Es hat, wie

der Kleinhändler, keinen großen Gewinn auf dem Markt des Lebens,

sondern die Hauptmasse seiner Einnahme muß als Zins auf die Bank

gezahlt werden. Es braucht den größten Teil seiner Mittel nur, um sein

Dasein zu fristen. Aber der Mensch ist auf dem Markte des Lebens ein

Großkaufmann. Er verdient sehr viel mehr, als er unbedingt ausgeben

muß. Daher hat das Leben des Menschen ein ungeheures Übermaß von

Reichtum, das ihm die Freiheit gibt, Verantwortung und Nutzen in weitem

Maße außer acht zu lassen. An den Bereich seiner Bedürfnisse schließen

sich noch weite Gebiete, deren Gegenstände ihm Selbstzweck sind.

Die Tiere brauchen bestimmte Kenntnisse, die sie für ihre Lebenszwecke

anwenden müssen. Aber damit begnügen sie sich auch. Sie müssen ihre

Umgebung kennen, um Obdach und Nahrung finden zu können, sie müssen

die Eigentümlichkeiten bestimmter Dinge kennen, um sich Wohnungen

bauen zu können, die Anzeichen der verschiedenen Jahreszeiten, um sich

dem Wechsel anpassen zu können. Auch der Mensch braucht bestimmte

Kenntnisse, um leben zu können. Aber der Mensch hat einen Überschuß,

von dem er stolz behaupten kann: das Wissen ist um des Wissens willen

da. Dies Wissen gewährt ihm reine Freude, denn es ist Freiheit. Dieser

Überschuß ist der Fonds, von dem seine Wissenschaft und Philosophie

lebt.

Wiederum hat auch das Tier ein gewisses Maß von Altruismus: den

Altruismus der Elternschaft, den Altruismus der Herde und des

Bienenstocks. Dieser Altruismus ist unbedingt nötig zur Erhaltung der

Gattung. Aber der Mensch hat mehr. Zwar muß auch er gut sein, weil es

für die Gattung nötig ist, aber er geht weit darüber hinaus. Seine Güte

ist nicht eine magere Kost, die nur gerade genügt, um sein sittliches

Dasein kümmerlich zu fristen. Er kann mit vollem Recht sagen, daß er

das Gute um des Guten willen tut. Und auf diesem Reichtum an Güte, --

die die Ehrlichkeit nicht darum schätzt, weil sie die beste Politik

ist, sondern weil sie mehr wert ist als Politik und es sich leisten

kann, aller Politik Trotz zu bieten -- auf diesen Reichtum an Güte

gründet sich die Sittlichkeit des Menschen.

Auch die Idee »L'art pour l'art« hat ihren Ursprung in dieser Region

des Überflusses. Wir wollen daher versuchen festzustellen, welche

Tätigkeit es ist, aus deren Überschuß die Kunst entsprießt.

Für den Menschen wie für die Tiere ist es ein Bedürfnis, ihre Gefühle

der Lust und Unlust, der Furcht, des Zorns und der Liebe zum Ausdruck

zu bringen. Bei den Tieren gehen diese Gefühlsausdrücke wenig über

die Grenzen der Nützlichkeit hinaus. Aber wenn sie auch beim Menschen

noch in ihrem ursprünglichen Zweck ihre Wurzel haben, so sind sie

doch aus ihrem Boden hoch in die Luft emporgewachsen und breiten ihre

Zweige nach allen Richtungen weit in den unendlichen Himmel. Der Mensch

hat einen Vorrat an Gefühlskraft, den er für seine Selbsterhaltung

nicht verbraucht. Dieser Überschuß sucht seinen Ausfluß in der

Kunstschöpfung, denn die Kultur des Menschen baut sich auf seinem

Überfluß auf.

Der Krieger begnügt sich nicht mit dem Kampf, zu dem ihn die

Notwendigkeit zwingt, er hat auch das Bedürfnis, seinem gesteigerten

Kriegerbewußtsein durch Musik und Schmuck Ausdruck zu geben, was nicht

nur nicht notwendig, sondern unter Umständen geradezu selbstmörderisch

ist. Ein Mensch von starker Religiosität verehrt seine Gottheit nicht

nur mit aller Andacht, sondern sein religiöses Gefühl verlangt nach

Ausdruck in der Pracht des Tempels und in dem reichen Zeremoniell des

Gottesdienstes. Wenn in unserm Herzen ein Gefühl erregt wird, das weit

hinausgeht über das, was der Gegenstand, der es hervorbrachte, in sich

aufnehmen kann, so schlagen seine Wogen wieder auf uns zurück und

erwecken unser Bewußtsein von uns selbst. Wenn wir arm sind, ist unsre

ganze Aufmerksamkeit nach außen gerichtet, auf die Gegenstände, die

wir zur Stillung unsres Bedürfnisses erwerben müssen. Aber wenn unser

Reichtum weit größer ist als unsre Bedürfnisse, so fällt sein Licht auf

uns zurück, und wir haben das frohlockende Gefühl, daß wir reich sind.

Daher kommt es, daß von allen Geschöpfen nur der Mensch sich selbst

kennt, weil sein Erkenntnistrieb sich draußen nicht ausgibt und so zu

ihm selbst zurückkehrt. Er fühlt seine Persönlichkeit intensiver als

andere Geschöpfe, weil seine Fähigkeit zu fühlen durch die Gegenstände

außer ihm nicht erschöpft wird. Dies Bewußtsein seiner Persönlichkeit

will sich zum Ausdruck bringen. Daher offenbart der Mensch in der Kunst

sich selbst und nicht die Gegenstände. Diese haben ihren Platz in

wissenschaftlichen Lehrbüchern, wo er selbst sich ganz verbergen muß.

Ich weiß, mancher wird Anstoß daran nehmen, wenn ich das Wort

Persönlichkeit gebrauche, das einen so weiten Sinn hat. Solche

unbestimmten Wörter können Begriffe nicht nur verschiedenen Umfangs,

sondern auch verschiedener Art umschließen. Sie sind wie Regenmäntel,

die in der Halle hinter der Haustür hängen und von zerstreuten

Besuchern, die kein Eigentumsrecht an sie haben, weggenommen werden

können.

Als Wissender ist der Mensch noch nicht völlig er selbst, durch

sein bloßes Wissen offenbart er noch nicht sein Wesen. Aber als

Persönlichkeit ist er ein Organismus, der von Natur die Macht hat, sich

die Dinge aus seiner Umgebung auszusuchen und sich zu eigen zu machen.

Er hat seine Anziehungs- und Abstoßungskraft, durch die er nicht nur

Dinge um sich her anhäuft, sondern auch sein Selbst hervorbringt. Die

hauptsächlichsten schöpferischen Kräfte, welche die Dinge in unser

lebendiges Selbst umwandeln, sind Gefühlskräfte. Ein religiöser Mensch

ist als solcher eine Persönlichkeit, aber er ist es nicht als bloßer

Theologe. Sein Gefühl für das Göttliche ist schöpferisch. Aber sein

bloßes Wissen um das Göttliche läßt sich nicht in sein eigenes Wesen

umwandeln, weil ihm der schöpferische Funke des Gefühls fehlt.

Wir wollen versuchen, uns klarzumachen, worin diese Persönlichkeit

besteht und welcher Art ihre Beziehungen zur äußeren Welt sind.

Diese Welt erscheint uns als eine Einheit, und nicht als ein bloßes

Bündel unsichtbarer Kräfte. Dies verdankt sie, wie jeder weiß, zum

großen Teil unsern eigenen Sinnen und unserm eigenen Geiste. Diese

Welt der Erscheinungen ist die Welt des Menschen. Sie erhält ihre

charakteristischen Züge in bezug auf Gestalt, Farbe und Bewegung

durch den Umfang und die Qualitäten unsrer Wahrnehmung. Sie ist das,

was unsre beschränkten Sinne eigens für uns erworben, aufgebaut und

umgrenzt haben. Nicht nur die physischen und chemischen Kräfte, sondern

auch die Wahrnehmungskräfte des Menschen sind die in ihr wirksamen

Faktoren, denn es ist eine Welt des Menschen und nicht eine abstrakte

Welt der Physik oder Metaphysik.

Diese Welt, die durch die Form unsrer Wahrnehmung ihre Gestalt

erhält, ist doch erst die unvollkommene Welt unsrer Sinne und unsres

Verstandes. Sie kehrt als Gast bei uns ein, aber nicht als Verwandter.

Erst im Bereich unsres Gefühls machen wir sie uns ganz zu eigen.

Wenn unsre Liebe und unser Haß, unsre Freude und unser Schmerz,

unsre Furcht und unser Staunen beständig auf sie wirken, wird sie

ein Teil unsrer Persönlichkeit. Sie wächst und wandelt sich, wie wir

wachsen und uns wandeln. Wir sind groß oder klein in dem Maße, wie

wir sie uns einverleiben. Wenn diese Welt verschwände, so würde unsre

Persönlichkeit ihren ganzen Inhalt verlieren.

Unsre Empfindungen sind die Magensäfte, die diese Welt der

Erscheinungen in die innere Welt der Gefühle umwandeln. Doch auch

diese äußere Welt hat ihre besonderen Säfte, die ihre besonderen

Eigenschaften haben, kraft deren sie unser Gefühlsleben anregen. Eine

Dichtung enthält solche Säfte. Sie bringt uns Vorstellungen, die durch

Gefühle Leben erhalten haben und die unsre Natur als Lebenssubstanz

aufnehmen kann.

Bloße Mitteilung von Tatsachen ist nicht Literatur, denn die bloßen

Tatsachen hängen nicht mit unserm innern Leben zusammen. Wenn man

uns immer die Tatsachen wiederholte, daß die Sonne rund, das Wasser

durchsichtig und das Feuer heiß ist, so wäre dies unerträglich. Aber

eine Schilderung der Schönheit des Sonnenaufgangs verliert nie ihr

Interesse für uns, denn hier ist es nicht die Tatsache, sondern das

Erlebnis des Sonnenaufgangs, was der Gegenstand unsres dauerndes

Interesses ist.

Die Upanischaden lehren, daß wir den Reichtum lieben nicht um des

Reichtums willen, sondern um unsrer selbst willen. Das heißt: wir

fühlen uns selbst in unserm Reichtum, und daher lieben wir ihn. Die

Dinge, die unsre Gefühle erregen, erregen unser Selbst-Gefühl. Es ist,

wie wenn wir die Harfensaite berühren: ist die Berührung zu schwach, so

spüren wir nichts anderes als die Berührung selbst; aber wenn sie stark

ist, so kehrt sie in Tönen zu uns zurück und erhöht unser Bewußtsein.

Es gibt die Welt der Naturwissenschaft. Aus ihr ist alles Persönliche

sorgfältig ausgeschieden. Hier sind unsre Gefühle nicht am Platze. Aber

zu der großen weiten Welt der Wirklichkeit stehen wir in persönlicher

Beziehung. Wir müssen sie nicht nur erkennen und dann beiseite lassen,

sondern wir müssen sie fühlen, denn indem wir sie fühlen, fühlen wir

uns selbst.

Aber wie können wir unsre Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, die

wir nur durch unser Gefühl kennen? Ein Naturwissenschaftler kann das,

was er gelernt hat, durch Analyse und Experiment bekannt machen. Aber

was ein Künstler zu sagen hat, kann er nicht einfach durch lehrhafte

Auseinandersetzung ausdrücken. Um zu sagen, was ich von der Rose

weiß, genügt die einfachste Sprache, aber ganz anders ist es, wenn

ich sagen will, was ich bei der Rose empfinde. Dies hat nichts mit

äußeren Tatsachen oder Naturgesetzen zu tun, sondern ist eine Sache

des Schönheitssinnes, der nur durch den Schönheitssinn wahrgenommen

werden kann. Daher sagen unsre alten Meister, daß der Dichter Worte

brauchen muß, die ihren eigenen Duft und ihre eigene Farbe haben, die

nicht nur reden, sondern malen und singen. Denn Bilder und Lieder sind

keine bloßen Tatsachen, sie sind persönliche Erlebnisse. Sie sind nicht

nur sie selbst, sondern drücken auch unser Selbst aus. Sie lassen sich

nicht analysieren und haben unmittelbaren Zugang zu unserm Herzen.

Wir müssen allerdings zugeben, daß der Mensch auch in der Welt

des Nützlichen seine Persönlichkeit offenbart. Aber hier ist

Selbstoffenbarung nicht sein erster und wesentlicher Zweck. Im

Alltagsleben, wo wir zumeist durch unsre Gewohnheiten bestimmt werden,

sind wir sparsam damit, denn dort ist unser Seelenbewußtsein im

Zustand der Ebbe; es hat eben Fülle genug, um in den Rinnen seiner

Gewohnheit dahinzugleiten. Aber wenn unser Herz in Liebe oder in einem

andern großen Gefühl voll erwacht, dann hat unsre Persönlichkeit ihre

Flutzeit. Dann möchte sie ihr innerstes Wesen offenbaren, -- nur um

der Offenbarung willen. Dann kommt die Kunst, und wir vergessen die

Forderungen der Notdurft und die Vorteile der Nützlichkeit, -- dann

suchen die Türme unsres Tempels die Sterne zu küssen und die Töne

unsrer Musik die Tiefe des Unaussprechlichen zu ergründen.

Die Energien des Menschen, die in zwei getrennten Bahnen, der des

Nutzens und der der Selbstoffenbarung, nebeneinander herlaufen,

haben immer das Bestreben, sich zu treffen und zu vereinen. Um unsre

Gebrauchsgegenstände lagert sich nach und nach eine ganze Schicht von

Gefühlen, die die Kunst einladen, sie zu offenbaren. Und so tut sich im

verzierten Schwert des Kriegers sein Stolz und seine Liebe kund, und im

prunkenden Weinkelch die Kameradschaftlichkeit festlicher Gelage.

In der Regel zeichnet sich das Bureau des Rechtsanwalts nicht gerade

durch Schönheit aus, und das ist begreiflich. Aber in einer Stadt, wo

die Menschen stolz sind auf ihr Bürgertum, müssen die öffentlichen

Gebäude durch ihre Bauart diesen Stolz zum Ausdruck bringen. Als

der Sitz der britischen Regierung von Kalkutta nach Delhi verlegt

und dies die Hauptstadt wurde, beratschlagte man über den Baustil,

den die neuen Gebäude haben sollten. Einige waren für den indischen

Stil der Mongolenzeit -- den Stil, der aus der Vereinigung des

mongolischen und des indischen Geistes entsprungen war. Man übersah

dabei die Tatsache, daß jede echte Kunst ihren Ursprung im Gefühl

hat. Sowohl das mongolische Delhi wie das mongolische Agra bringen

in ihren Bauten menschliche Persönlichkeit zum Ausdruck. Die

Mongolenkaiser waren Menschen, nicht bloße Verwaltungsbeamte. Sie

lebten und starben, liebten und kämpften in Indien. Das Andenken an

ihre Herrschaft lebt nicht in Trümmern von Fabriken und Amtsgebäuden,

sondern in unsterblichen Werken der Kunst, nicht nur der Baukunst,

sondern auch der Malerei, der Musik, des Kunsthandwerks in Stein und

Metall und der Webekunst. Aber die britische Regierung in Indien hat

nichts Persönliches. Sie ist amtlich und daher abstrakt. Sie hat

nichts in der wahren Sprache der Kunst auszudrücken. Denn Gesetz,

mechanische Tüchtigkeit und Ausbeutung gestaltet sich nicht zu

steinernen Heldengedichten. Lord Lytton[1], der zu seinem Unglück

mit mehr Phantasie ausgestattet war als ein indischer Vizekönig

braucht, versuchte eine der mongolischen Staatsfeierlichkeiten, die

Durbar[2]-Zeremonie, nachzumachen. Aber solche Staatsfeierlichkeiten

sind Kunstwerke. Sie haben ihren natürlichen Ursprung in der

wechselseitigen persönlichen Beziehung zwischen dem Volk und seinem

Monarchen. Wenn sie nachgemacht werden, tragen sie alle Anzeichen der

Unechtheit.

Wie sich Zweckmäßigkeit und Gefühl in verschiedenen Formen zum Ausdruck

bringen, sehen wir, wenn wir die Kleidung des Mannes mit der der Frau

vergleichen. Der Mann vermeidet im allgemeinen alles Überflüssige, was

nur als Schmuck dient. Die Frau dagegen wählt von Natur das Dekorative,

nicht nur in ihrer Kleidung, sondern auch in ihrem Benehmen und in

ihrer ganzen Lebensart. Sie muß schön und harmonisch sein, um das zu

offenbaren, was sie in Wahrheit ist, denn sie ist durch die Aufgabe,

die sie in dieser Welt hat, konkreter und persönlicher als der Mann.

Sie will nicht nach ihrem Nutzen gewertet werden, sondern nach der

Freude, die sie gibt. Daher ist sie immer darauf bedacht, nicht ihren

Beruf, sondern ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

Da nun der Ausdruck der Persönlichkeit und nicht der irgendeiner

abstrakten oder analysierbaren Sache auch das Hauptziel der Kunst

ist, so bedient sie sich mit Notwendigkeit der Sprache der Malerei

und Musik. Dies hat uns zu der falschen Annahme geführt, daß die

Hervorbringung von Schönheit das Ziel der Kunst sei. Doch die Schönheit

ist für die Kunst nichts weiter als ein Mittel, sie ist nicht ihr

ganzer und letzter Sinn.

Infolgedessen hat man oft die Frage erörtert, ob nicht die Form

mehr als der Stoff das wesentliche Element der Kunst sei. Mit

solchen Erörterungen kommt man ebensowenig zum Ziel, als wollte man

ein bodenloses Faß mit Wasser füllen. Denn man geht dabei von der

Vorstellung aus, daß die Schönheit das letzte Ziel der Kunst sei, und

da der Stoff an sich nicht die Eigenschaft der Schönheit haben kann,

fragt man sich, ob nicht die Form der wesentliche Faktor der Kunst sei.

Aber auf dem Wege der Analyse werden wir das wahre Wesen der Kunst

nie entdecken. Denn das wahre Prinzip der Kunst ist das Prinzip

der Einheit. Wenn wir den Nährwert gewisser Speisen wissen wollen,

so müssen wir die Bestandteile, aus denen sie sich zusammensetzen,

untersuchen; aber ihr Geschmackswert besteht in ihrer Einheit

und läßt sich nicht analysieren. Sowohl Stoff wie Form sind

Abstraktionen, die wir vornehmen; der Stoff für sich genommen fällt

der naturwissenschaftlichen Betrachtung zu, die Form als solche fällt

unter die Gesetze der Ästhetik. Aber wenn sie unlösbar eins sind,

finden sie die Gesetze ihrer Harmonie in unsrer Persönlichkeit, die ein

organischer Komplex von Stoff und Form, Gedanken und Dingen, Motiven

und Handlungen ist.

Daher sehen wir, daß alle abstrakten Ideen in der wahren Kunst nicht

am Platze sind; um Zutritt zu gewinnen, müssen sie persönliche

Gestalt annehmen. So kommt es, daß die Dichtkunst Worte zu wählen

sucht, die voll von Leben sind, Worte, die nicht nur der bloßen

Mitteilung dienen und durch beständigen Gebrauch abgegriffen sind,

sondern in unserm Herzen Heimatrecht haben. Zum Beispiel ist das

deutsche Wort »Bewußtsein« noch nicht aus seinem scholastischen

Verpuppungszustand zum Schmetterlingsdasein vorgedrungen, daher kommt

es in der Poesie selten vor, während das ihm entsprechende indische

Wort _cetana_ lebendige Kraft hat und in der Dichtkunst ganz heimisch

ist. Dagegen ist das deutsche Wort »Gefühl« von Leben durchblutet,

aber das bengalische _anubhūti_ findet in der Dichtung keinen

Zutritt, weil es nur Sinn, aber keinen Duft hat. Und so gibt es auch

naturwissenschaftliche und philosophische Wahrheiten, die Farbe und

Geschmack des Lebens gewonnen haben, und andere, die abstrakt und

unpersönlich geblieben sind. Solange sie dies sind, müssen sie wie

ungekochte Gemüse beim Festmahl der Kunst draußen bleiben. Solange die

Geschichte sich die Naturwissenschaft zum Vorbild nimmt und sich in

Abstraktionen bewegt, bleibt sie außerhalb der Domäne der Literatur.

Aber wenn sie Begebenheiten darstellt, stellt sie sich dem Epos an die

Seite. Denn die Darstellung von Begebenheiten bringt uns die Zeit, in

der sie sich zutrugen, persönlich nahe. Durch sie wird jene Zeit für

uns lebendig; wir fühlen ihren Herzschlag.

Die Welt und des Menschen Persönlichkeit stehen sich Antlitz in Antlitz

gegenüber wie Freunde, die ihre innersten Geheimnisse austauschen. Die

Welt fragt den innern Menschen: »Freund, siehst du mich? liebst du

mich? -- nicht als einen, der dir Nahrung und Genuß verschafft, nicht

als einen, dessen Gesetze du entdeckt hast, sondern als persönliches

Wesen?«

Der Künstler antwortet: »Ja, ich sehe dich, ich kenne und liebe dich,

-- nicht weil ich deiner bedarf, nicht weil ich deine Gesetze zu meinen

eigenen Machtzwecken brauchen will. Ich kenne die Kräfte, die in dir

wirken und treiben und die zu Macht führen, aber das ist es nicht. Ich

sehe und liebe dich da, wo du mir gleich bist.«

Aber wie können wir wissen, daß der Künstler dieses Welt-Ich erkannt

und von Angesicht zu Angesicht geschaut hat?

Wenn wir jemand zum erstenmal begegnen, der noch nicht unser Freund

ist, so bemerken wir zahllose unwesentliche Züge, die beim ersten Blick

unsre Aufmerksamkeit anziehen; und in dem Gewirr der verschiedenen

Einzelheiten verlieren wir den, der unser Freund werden sollte.

Als unser Schiff an der japanischen Küste landete, befand sich

unter den Passagieren ein Japaner, der von Rangoon in die Heimat

zurückkehrte, während wir andern zum erstenmal in unserm Leben diese

Küste betraten. Es war ein großer Unterschied in der Art, wie wir

Ausschau hielten. Wir sahen jede kleine Besonderheit, und unzählige

bedeutungslose Dinge zogen unsre Aufmerksamkeit an. Aber der Japaner

tauchte sogleich in die Persönlichkeit, in die Seele des Landes ein,

wo seine eigene Seele Befriedigung fand. Er sah weniger Dinge als

wir, aber was er sah, war die Seele Japans. Zu ihr konnte man nicht

gelangen, indem man eine möglichst große Masse von Einzelheiten ins

Auge faßte, sondern durch etwas Unsichtbares, das tiefer lag. Weil wir

all jene unzähligen Dinge sahen, sahen wir Japan nicht besser als er,

im Gegenteil, die Dinge verbauten uns das eigentliche Japan.

Wenn wir jemand, der nicht Künstler ist, bitten, irgendeinen besonderen

Baum zu zeichnen, so versucht er, jede Einzelheit genau wiederzugeben,

aus Furcht, die Eigentümlichkeit könne sonst verloren gehen; er

vergißt, daß die Eigentümlichkeit des Baumes nicht seine Persönlichkeit

ist. Doch wenn der wahre Künstler kommt, so kümmert er sich nicht um

die Einzelheiten und geht auf das, was wesentlich und charakteristisch

für den Baum ist.

Auch unser Verstand sucht für die Vielheit der Dinge ein inneres,

einheitliches Prinzip; er sucht sich von den Einzelheiten zu befreien

und in den Kern der Dinge einzudringen, wo sie eins sind. Aber der

Unterschied ist der: der Naturwissenschaftler sucht ein unpersönliches

Einheitsprinzip, das sich auf alle Dinge anwenden läßt. Er zerstört zum

Beispiel den menschlichen Leib, der etwas Individuelles ist, um der

Physiologie willen, die unpersönlich und allgemein ist.

Aber der Künstler erkennt das Eigenartige, das Individuelle, das im

Kern des Universalen ist. Wenn er den Baum ansieht, so sieht er im

Baum das Einzigartige, nicht das allgemein Typische wie der Botaniker,

der alles in Klassen einteilt. Es ist die Aufgabe des Künstlers, die

Eigenart dieses einen Baumes darzustellen. Wie macht er das? Nicht

indem er die besondere Eigentümlichkeit aufweist, die der Mißklang der

Eigenart ist, sondern die Seele, die Persönlichkeit des Baumes, die

Harmonie ist. Daher muß er den Zusammenklang dieses einen Dinges mit

allen Dingen ringsum zum Ausdruck bringen.

Die Größe und Schönheit der orientalischen, besonders der japanischen

und chinesischen Kunst besteht darin, daß die Künstler diese Seele der

Dinge erkannt haben und an sie glauben. Das Abendland glaubt wohl an

die Seele des Menschen, aber es glaubt nicht wirklich, daß das Weltall

eine Seele hat. Doch dies ist der Glaube des Morgenlandes, und alles,

was der Osten der Menschheit an geistigem Gut gebracht hat, ist von

dieser Idee erfüllt. Daher haben wir Bewohner des Ostens nicht das

Bedürfnis, auf Einzelheiten Nachdruck zu legen, denn das Wesentliche

ist für uns die Weltseele, über die unsre Weisen nachgesonnen und die

unsre Künstler zum Ausdruck gebracht haben.

Weil wir im Osten den Glauben an diese Weltseele haben, wissen wir, daß

Wahrheit, Macht und Schönheit da zu finden sind, wo Schlichtheit ist,

wo der innere Blick nicht durch Außendinge gehemmt wird. Daher haben

all unsre Weisen versucht, ihr Leben einfach und rein zu gestalten,

weil sie so in einer Wahrheit leben, die, wenn auch unsichtbar, doch

wirklicher ist als das, was durch Umfang und Zahl sich aufdrängt.

Wenn wir sagen, daß die Kunst es nur mit persönlichen Wahrheiten zu tun

hat, so wollen wir damit nicht die philosophischen Ideen ausschließen,

die scheinbar abstrakt sind. Sie sind ganz heimisch in unsrer indischen

Dichtung, da sie mit allen Fasern unsres persönlichen Wesens verbunden

sind. Ich möchte hier ein Beispiel zur Erklärung geben. Das Folgende

ist die Übersetzung eines indischen Liedes, das eine Dichterin des

Mittelalters gedichtet hat und das das Leben besingt.

Ich grüße das Leben, das wie das keimende Saatkorn

Mit dem einen Arm hinauf in das Licht, mit dem andern hinab in das

Dunkel greift;

Das Leben, das eins ist in seiner äußern Form und in seinem innern

Saft;

Das Leben, das immer wieder emportaucht und immer wieder

entschwindet.

Ich grüße das Leben, das kommt, und das Leben, das scheidet;

Ich grüße das Leben, das sich offenbart, und das in Verborgenheit

schlummert;

Ich grüße das Leben, das wie der Berg in reglosem Schweigen gebannt

ist,

Und das Leben, das wie ein Feuermeer auftobt;

Das Leben, das zart ist wie ein Lotus, und das Leben, das hart ist

wie Donnerkeil.

Ich grüße das Leben des Geistes, um das Licht und Dunkel sich

streiten.

Ich grüße das Leben, das seine Heimstatt gefunden, und das Leben,

das draußen in der Fremde irrt;

Das Leben, das freudejauchzend dahintanzt, und das Leben, das

leidmüde seine Straße schleicht;

Das ewig schaukelnde Leben, das die Welt zur Ruhe wiegt,

Das tiefe, stille Leben, das hervorbricht in brausenden Wogen.

Diese Idee vom Leben ist keine bloße logische Abstraktion; sie ist der

Dichterin ebensosehr lebendige Wirklichkeit wie die Luft dem Vogel,

der sie bei jedem Flügelschlag fühlt. Die Frau hat das Geheimnis des

Lebens in ihrem Kinde tiefer gespürt, als der Mann es je gekonnt. Diese

Frauennatur in der Dichterin hat gefühlt, wie überall in der Welt das

Leben sich regt. Sie hat seine Unendlichkeit erkannt -- nicht auf

dem Wege verstandesmäßiger Überlegung, sondern durch die Erleuchtung

ihres Gefühls. Daher wird dieselbe Idee, die für den, dessen

Lebensgefühl auf eine enge Sphäre beschränkt ist, bloße Abstraktion

bleibt, für einen Menschen mit weitem Lebensgefühl leuchtend klare

Wirklichkeit. Wir hören oft, daß die Europäer den indischen Geist als

metaphysisch bezeichnen, weil er immer bereit ist, sich ins Unendliche

aufzuschwingen. Aber man muß dabei bedenken, daß das Unendliche für

Indien mehr ist als ein Gegenstand philosophischer Spekulation; es

ist uns ebensosehr Wirklichkeit wie das Sonnenlicht. Wir können ohne

es nicht leben, wir müssen es sehen und fühlen und unserm Leben

einverleiben. Daher begegnen wir ihm immer wieder in der Literatur und

in der Symbolik unsres Gottesdienstes. Der Dichter der Upanischad sagt:

»Auch nicht das leiseste Sichregen von Leben wäre möglich, wenn nicht

der Raum von unendlicher Freude erfüllt wäre[3].« Diese Allgegenwart

des Unendlichen war ebenso wirklich für ihn wie die Erde unter seinen

Füßen, ja sie war es noch mehr. Ein Lied eines indischen Dichters aus

dem 15. Jahrhundert[4] gibt diesem Gefühl Ausdruck:

Dort wechseln Leben und Tod in rhythmischem Spiel,

Dort sprudelt Entzücken und strahlt der Raum von Licht,

Dort ertönt die Luft von Musik, dem Liebeschor dreier Welten,

Dort brennen Millionen Lampen von Sonnen und Monden,

Dort schlägt die Trommel und schwingt sich die Liebe im Spiel,

Dort erklingen Lieder der Minne, und Licht strömt in Schauern herab.

Unsre indische Dichtung ist zum größten Teil religiös, weil Gott für

uns kein ferner Gott ist. Er ist uns ebenso nahe in unserm Heim wie in

unsern Tempeln. Wir fühlen seine Nähe in allen menschlichen Beziehungen

der Liebe und Freundschaft, und bei unsern Festen ist er der Ehrengast.

In der Blütenpracht des Frühlings, in den Gewitterschauern des Sommers,

in der Früchtefülle des Herbstes sehen wir den Saum seines Mantels und

hören seine Tritte. Wo immer wir wahrhaft verehren, verehren wir Ihn;

wo immer wir wahrhaft lieben, lieben wir Ihn. Im Weibe, das gut ist,

fühlen wir Ihn; im Mann, der wahr ist, erkennen wir Ihn; in unsern

Kindern wird er immer wieder geboren, Er, das Ewige Kind. Daher sind

religiöse Lieder unsre Liebeslieder, und unsre häuslichen Erlebnisse

wie die Geburt eines Sohnes oder die Einkehr der Tochter aus dem Hause

des Gatten ins Haus der Eltern und ihr erneutes Scheiden haben in der

Dichtung symbolische Bedeutung erhalten.

So erstreckt sich das Gebiet der Dichtkunst bis in die Sphäre,

die in geheimnisvolles Dunkel gehüllt ist, und gibt ihr Licht und

Sprache. Es gewinnt immer mehr Raum, wie der menschliche Geist auf dem

Gebiete der Wahrheit. Es greift nicht nur in die Geschichte, in die

Naturwissenschaft und Philosophie über, sondern auch in unser soziales

Leben, in dem Maße, wie sich unser Bewußtsein weitet und unsre Umgebung

liebend und verstehend umfaßt. In der klassischen Literatur der alten

Zeit gab es nur Heilige, Könige und Helden. Sie warf ihr Licht nicht

auf die Menschen, die im Dunkel liebten und litten. Aber wie das Licht

des menschlichen Geistes seinen Schein über einen immer größeren Raum

wirft und in verborgene Winkel dringt, so geht auch die Kunst über ihre

Schranken hinaus und dehnt ihre Grenzen in unerforschte Gebiete aus.

So verkündet die Kunst des Menschen Siegeszug über die Welt, indem

sie Symbole von Schönheit aufrichtet an Orten, wo sonst keine Stimme

ertönt und keine Farbe leuchtet. Sie webt ihm sein Banner, unter dem

er vorwärtsschreitet im Kampf gegen Leere und Trägheit und weit und

breit in Gottes Schöpfung die Rechte des Lebens geltend macht. Selbst

der Geist der Wüste hat seine Verwandtschaft mit ihm anerkannt, und die

einsamen Pyramiden stehen da als Denkmäler des erhabenen Schweigens,

in dem sich die Natur und der menschliche Geist begegneten. Das

Dunkel der Höhlen hat der Menschenseele seine Stille gegeben und ist

dafür heimlich mit dem Kranz der Kunst gekrönt. Glocken läuten in

Tempeln, in Dörfern und volkreichen Städten und verkünden, daß das

Unendliche dem Menschen keine bloße Leere ist. Dies Sichausbreiten der

menschlichen Persönlichkeit hat keine Grenze, und selbst die Märkte und

Fabriken unsrer Zeit, selbst die Gefängnisse, in die man Verbrecher

einsperrt, und die Schulen, in die man Kinder einsperrt, werden durch

die Berührung der Kunst gemildert und verlieren etwas von ihrer

unerbittlichen Lebensfeindlichkeit. Denn des Menschen Persönlichkeit

ist immer bestrebt, allem, wozu sie nähere Beziehung hat, den Stempel

ihres Geistes aufzudrücken. Und die Kunst ist der grüne Pflanzenwuchs,

der zeigt, wie weit der Mensch sich die Wüste zu eigen gemacht hat.

Wir haben schon gesagt, daß überall, wo die Beziehung unsres Herzens

zur Welt über das Notwendige hinausgeht, Kunst geboren wird. Mit andern

Worten: wo unsre Persönlichkeit ihren Reichtum fühlt, entfaltet sie

sich in Schönheit. Was wir für unsre Bedürfnisse brauchen, wird ganz

verbraucht und hinterläßt keine Spur. Was über sie hinausgeht, nimmt

Gestalt an. Bloße Nützlichkeit gleicht der Hitze, sie ist dunkel. Wenn

sie über sich hinausgeht, wird sie weiß und leuchtend, dann hat sie

ihren Ausdruck gefunden.

Nehmen wir zum Beispiel unsre Freude am Essen. Sie ist bald erschöpft,

sie gibt uns keine Ahnung von dem Unendlichen. Daher hat sie, obwohl

sie allgemeiner und weiter verbreitet ist als irgendeine andre

Leidenschaft, im Reich der Kunst keinen Zutritt. Da geht es ihr wie

dem Einwanderer an der amerikanischen Küste, wenn er mit leerem Beutel

kommt.

In unserm Leben haben wir eine endliche Seite, wo wir uns mit jedem

Schritt ganz ausgeben, und wir haben eine andre Seite, wo unser

Streben, unsre Freude und unsre Opfer unendlich sind. Diese unendliche

Seite des Menschen offenbart sich in Symbolen, die etwas von dem Wesen

der Unsterblichkeit haben. In ihnen sucht sie Vollendung zum Ausdruck

zu bringen. Daher verschmäht sie alles, was nichtig und schwach und

widersinnig ist. Sie erbaut sich zum Wohnsitz ein Paradies und wählt

dazu nur solche Baustoffe, die die Vergänglichkeit des Irdischen

abgestreift haben.

Denn die Menschen sind Kinder des Lichts. Sobald sie sich ganz

erkennen, fühlen sie ihre Unsterblichkeit. Und in dem Maße, wie sie sie

fühlen, dehnen sie das Reich der Unsterblichkeit auf jedes Gebiet des

menschlichen Lebens aus.

Und das ist nun der Beruf der Kunst: die wahre Welt des Menschen, die

lebendige Welt der Wahrheit und Schönheit, aufzubauen.

Der Mensch ist ganz er selbst, wo er seine Unendlichkeit fühlt, wo er

göttlich ist, und das Göttliche ist das Schöpferische in ihm. Daher

ist er schöpferisch, sobald er zu seinem wahren Wesen gelangt. Er kann

wahrhaft in seiner eigenen Schöpfung leben, indem er aus Gottes Welt

seine eigene Welt macht. Das ist in Wahrheit sein eigener Himmel, der

Himmel zur Vollendung gestalteter Ideen, mit denen er sich umgibt; wo

seine Kinder geboren werden, wo sie lernen, wie sie leben und sterben,

lieben und kämpfen müssen, wo sie lernen, daß das Wirkliche nicht nur

das äußerlich Sichtbare ist und daß es andre Reichtümer gibt als die

Schätze der Erde. Wenn der Mensch nur die Stimme hören könnte, die

aus dem Herzen seiner eigenen Schöpfung aufsteigt, würde er dieselbe

Botschaft vernehmen, die in alter Zeit der indische Weise verkündete:

»Hört auf mich, ihr Kinder des Unsterblichen, ihr Bewohner der

himmlischen Welten, ich habe den Höchsten erkannt, der als Licht von

jenseits der Finsternis kommt[5].«

Ja, es ist der Höchste, der sich dem Menschen offenbart hat und durch

den dieses ganze Weltall für ihn mit persönlichem Leben erfüllt ist.

Daher sind Indiens Pilgerstätten dort, wo unser Herz in der Vereinigung

von Strom und Meer oder im ewigen Schnee der Bergesspitzen oder in

der Einsamkeit des Seegestades etwas von dem Wesen des Unendlichen

spürt. Dort hat der Mensch in seinen Bildnissen und Tempeln dies

Wort hinterlassen: »Hört auf mich, ich habe den Höchsten erkannt.«

Erforschen können wir ihn nicht, nicht in den Dingen dieser Welt, noch

in ihren Gesetzen; doch wo der Himmel blau ist und das Gras grün, wo

die Blume ihre Schönheit und die Frucht ihren Wohlgeschmack spendet, wo

nicht nur der Wille zur Erhaltung der Gattung, sondern Freude am Leben

und Liebe zu allen Wesen, Mitgefühl und Selbstverleugnung herrscht,

dort offenbart sich uns der Unendliche. Dort prasseln nicht nur

Tatsachen auf uns nieder, sondern wir fühlen, wie das Band persönlicher

Verwandtschaft unsre Herzen ewig mit dieser Welt verbindet. Und dies

ist Wirklichkeit, ist Wahrheit, die wir uns zu eigen gemacht haben,

Wahrheit, die ewig eins mit dem Höchsten ist. Diese Welt, deren Seele

sehnsüchtig nach Ausdruck sucht in dem endlosen Rhythmus ihrer Linien

und Farben, Musik und Bewegung, in leisem Flüstern und heimlichen

Winken und all den Versuchen, das Unaussprechliche ahnen zu lassen, --

diese Welt findet ihre Harmonie in dem unaufhörlichen Verlangen des

menschlichen Herzens, in seinen eigenen Schöpfungen den Höchsten zu

offenbaren.

Dieses Verlangen macht uns verschwenderisch mit allem, was wir haben.

Solange wir Reichtümer ansammeln, legen wir uns Rechenschaft ab von

jedem Pfennig; wir rechnen genau und handeln sorgfältig. Aber sobald

wir unserm Reichtum Ausdruck geben wollen, kennen wir keine Schranken

mehr. Ja, niemand unter uns hat Reichtümer genug, um das, was wir

unter Reichtum verstehen, voll zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir

versuchen, unser Leben gegen den Angriff des Feindes zu schützen,

sind wir vorsichtig in unsern Bewegungen. Aber wenn wir uns getrieben

fühlen, unsrer persönlichen Tapferkeit Ausdruck zu geben, so nehmen

wir freiwillig Gefahren auf uns, wenn es uns auch das Leben kostet.

Im Alltagsleben sind wir vorsichtig mit unsern Ausgaben, aber bei

festlichen Gelegenheiten, wenn wir unsre Freude ausdrücken, sind wir

so verschwenderisch, daß wir selbst über unsre Mittel hinaus gehen.

Denn wenn wir uns unsrer eigenen Persönlichkeit intensiv bewußt sind,

haben wir kein Auge mehr für die Tyrannei der Tatsachen. Wir sind

maßvoll und zurückhaltend dem Menschen gegenüber, mit dem uns nur

Klugheitsinteresse verbindet. Aber wir fühlen, daß alles, was wir

haben und geben können, für die noch nicht genug ist, die wir lieben.

Der Dichter sagt zu der Geliebten: »Mir ist, als sei ich vom Anfang

meines Daseins an in den Anblick deiner Schönheit versunken gewesen,

als hätte ich dich seit Jahrtausenden in meinen Armen gehalten, und

doch ist meine Sehnsucht noch nicht gestillt.« »Die Steine möchten in

Zärtlichkeit schmelzen, wenn der Saum deines Mantels sie streift.« Er

fühlt, daß »seine Augen wie Vögel ausfliegen möchten, um die Geliebte

zu sehen.« Vom Standpunkt der Vernunft aus sind dies Übertreibungen,

aber vom Standpunkt des Herzens aus, das von den Schranken der

Tatsachen befreit ist, sind sie wahr.

Ist es nicht ebenso in Gottes Schöpfung? Dort sind Kraft und Stoff

auch bloße Tatsachen; sie können gemessen und gewogen werden, und es

wird genau Buch über sie geführt. Allein die Schönheit ist keine bloße

Tatsache; sie läßt sich nicht verrechnen, sie läßt sich nicht auf ihren

Wert abschätzen und verzeichnen. Sie ist Ausdruck. Tatsachen sind

die Becher, die den Wein halten, er verdeckt und überrinnt sie. Die

Schönheit ist unendlich in ihren Kundgebungen und überschwänglich in

ihrer Sprache. Und nur die Seele, nicht die Wissenschaft, kann diese

Sprache verstehen. Sie singt wie jener Dichter: »Mir ist, als sei ich

vom Anfang meines Daseins an in den Anblick deiner Schönheit versunken

gewesen, als hätte ich dich seit Jahrtausenden in meinen Armen

gehalten, und doch ist meine Sehnsucht noch nicht gestillt.«

So sehen wir, daß unsre Welt des Ausdrucks der Welt der Tatsachen nicht

genau entspricht, da die Persönlichkeit nach allen Richtungen über

die Tatsachen hinausgeht. Sie ist sich ihrer Unendlichkeit bewußt und

schafft aus ihrem Überfluß heraus, und da in der Kunst die Dinge nach

ihrem Ewigkeitswert gemessen werden, verlieren die, die im gewöhnlichen

Leben wichtig sind, ihre Wirklichkeit, sobald sie auf das Piedestal der

Kunst erhoben werden. Der Zeitungsbericht von irgendeinem häuslichen

Ereignis im Leben eines Geschäftsmagnaten ruft vielleicht in der

Gesellschaft große Aufregung hervor, doch im Reich der Kunst verliert

er alle seine Bedeutung. Wenn er dort durch irgendeinen grausamen

Zufall neben Keats' »Ode auf eine griechische Urne« geriete, müßte er

in Scham sein Gesicht verbergen.

Und doch könnte dasselbe Ereignis, wenn es in seiner Tiefe erfaßt und

seiner konventionellen Oberflächlichkeit entkleidet würde, noch eher

einen Platz in der Kunst finden als die Unterhandlungen über eine große

chinesische Geldanleihe oder die Niederlage der britischen Diplomatie

in der Türkei. Ein bloßes Familienereignis, die Eifersuchtstat eines

Gatten, wie Shakespeare sie in einer seiner Tragödien schildert,

hat im Reich der Kunst größeren Wert als die Kastenordnung in Manus

Gesetzbuch[6] oder das Gesetz, das den Bewohner des einen Weltteils

hindert, auf einem andern menschlich behandelt zu werden. Denn wenn

Tatsachen nichts als die Glieder einer Kette von Tatsachen sind, weist

die Kunst sie zurück.

Wenn jedoch solche Gesetze und Verordnungen, wie ich sie eben erwähnte,

uns in ihrer Anwendung auf einen bestimmten Menschen gezeigt werden,

wenn wir die ganze Ungerechtigkeit und Grausamkeit und das ganze Elend,

das sie im Gefolge haben, sehen, dann werden sie ein Gegenstand für die

Kunst. Die Anordnung einer großen Schlacht mag eine wichtige Tatsache

sein, aber für den Zweck der Kunst ist sie unbrauchbar. Aber was

diese Schlacht einem einzelnen Soldaten bringt, der von seinen Lieben

losgerissen, auf Lebenszeit verkrüppelt wird, das hat für die Kunst,

die es mit der lebendigen Wirklichkeit zu tun hat, den höchsten Wert.

Persönlichkeit · 第 1 / 9 段