[13] Selbst der altmexikanische Glaube schon schrieb vor: Ein
Wechselzahn muss in ein Mausloch gelegt werden, sonst wachsen die Zähne
nicht mehr. Waitz, Anthropol. der Naturvölker 4, 165.
[14] Firmenich, Völkerstimm. 3, 112.
[15] Simrock, Kinderbuch 1, no. 338. 340.
[16] Simrock, Kinderbuch 1, no. 338. 340.
[17] Curtze, Waldecker Volksüberlief. S. 285.
[18] Alemann. Kinderlied.
[19] Harun al Raschid träumte, alle seine Zähne seien ihm ausgefallen;
der Traumdeuter erklärte dies dahin, der Monarch werde alle seine
Verwandten überleben. Rosenöl, oder Sagen des Morgenlandes 2, 85. Das
Wahrzeichen der indischen Todesgöttin Kali ist der schwarze Zahn, der
alles benagende Zahn der Zeit.
[20] In dem Gebetbuch Himmlisches oder Geheiligtes Jahr, Einsiedeln bei
Reymann 1686, Erster Theil, ist unterm 28. März der hl. König Guntram
abgebildet, schlafend unter einem Baume neben einem Bächlein. Ueber
dieses legt der Kriegsknecht das Schwert, und die aus Guntrams Munde
gekommene Maus läuft darüber dem Berge zu, der im Hintergrunde mit
offnem Thore sich zeigt. Das dazu gesetzte Gebet ruft den hl. Guntram
an, weil er seine Schätze den Armen geschenkt und dafür einen ihm von
Gott im Schlafe gezeigten verborgnen Schatz erworben habe.
[21] Die hl. Jutta von Sangershausen, erst eine Kammermagd der hl.
Elisabeth von Thüringen, nachher Dienstmagd auf einem Hofe bei Kulm in
Preussen, überschritt hier die grossen Teiche, die zwischen ihrer
Wohnstatt und der Stadt lagen, jeden Sonntag, um rechtzeitig in die
Messe nach Kulm kommen zu können. Noch lange nach ihrem Tode war ihre
Fussspur in jenem Gewässer wahrzunehmen. Jac. Schmid, Kleine
Ehehaltenlegend 2, 39. So sieht man in mondhellen Nächten auf den Wellen
der Aare bei Gauenstein die Fusstapfen schimmern, welche hier Königin
Berta zurückgelassen. Aargau. Sag. no. 2. Sämmtliches erinnert an Homers
silberfüssige Thetis und goldenfüssige Hera.
* * * * *
Nachträge.
[Nachtrag 1] Die Beschreibung, wie man bei der Feier der Maispiele _den
Sommer ins Land ritt_ und in Scheingefechten den Winter besiegte, hat
ihre neueste Vervollständigung gefunden durch die drei Bildergruppen
eines altdeutschen Teppichs auf der Wartburg, dessen Contouren im
Anzeiger des German. Museums 1870, no. 3 mitgetheilt sind. Sie stellen
die Berennung und Vertheidigung einer Burg durch Wilde Männer dar. Aus
einem Laubwalde sprengen sechs Reiter hervor, Laubzweige schwingend, um
Haupt und Lenden Epheukränze tragend, jeder auf einem phantastischen
adlerklauigen Rosse, dem sg. _Wasser-_ oder _Pfingstvogel_. Voraus
reitet der Maikönig, kenntlich durch seine offne Goldkrone mit dem
Ornamente der drei stumpfen Blätter, über welche sein Hirschgeweih
emporragt. Daher heisst er in Oberdeutschland _Hirzmontagreiter_. Um die
Hüfte trägt er einen Gürtel von Rosen. Er und sein Gefolge schiesst mit
Pfeil und Speer Rosen in die gegenüberliegende Burg. Ihre Absicht steht
auf den sie umgebenden Spruchbändern zu lesen.
Wol vf alle mine wilden man,
wir wellent festen und buirge han.
Schiessen alle, nieman lôss abe
an büte gewinnen, will einer habe.
Die angegriffne Burg ist mit einem Wassergraben umgeben, den ein vor den
Sommerreitern her eilender Jüngling mit herbei getragnen Brettern zu
überbrücken strebt. Von den Zinnen herab kämpfen fünf dicht in
Wollenfliesse gekleidete Männer, die Winterkönige; denn auch sie tragen
Kronen wie der Maikönig und schiessen und schleudern lauter Lilien. Ihr
Burgwart am Söller stösst ins Rom; das Spruchband über ihnen besagt:
Vnser vesten, die ist wol behuot
mit gilgen, klewen, rosenbuot.
Links im Bilde, woher die Reiter kommen, wird auf blumigem, von allen
Frühlingsthieren belebtem Rasen ein grosses Lustzelt aufgeschlagen, in
welchem die Maikönigin bereits Platz genommen hat. Auch sie trägt die
offne Goldkrone im wallenden Haare. Ueber ihre Kniee ist ein Tafeltuch
gebreitet, darauf Kopf und Schinken des zerlegten Ebers; zwei
Gesellschafter bedienen sie.--Schon Friedrich Panzer hat im zweiten
Bande seines Sagenwerkes auf Taf. IV die Gestalt des _Wasservogels_
abbilden lassen, wie er sie auf einem Wandbilde zu Forchheim im dortigen
alten Schlosse, jetzigem Rentamt, vorgefunden. Die 3 Fuss lange, 2 Fuss
hohe Figur zeigt einen Reiter, in der Festmaske des Wasservogels
agirend. Vor dem Gesichte hat er eine ungemein lang geschnäbelte
Vogellarve, mit welcher ein wallender Kinnbart, ein massiver Ring im
Ohre und auf dem Haupte die offene Krone verbunden ist, die gleichfalls
das dreifache Blätterornament zeigt. Im Luft hängt ein kurzes krummes
Schwert (das sg. _Pfingstschwert_), in der Linken schwingt er die Lanze,
mit der Rechten lenkt er die aus Kettenblumen enggeflochtnen Zügel
seines schwanenhalsigen Rosses. Ross und Reiter sind von Seerosen
arabeskenhaft umrankt.
[Nachtrag 2] Als man beim Bildersturm zu Zurzach 1529 die
Verenareliquien untersuchte und vernichtete, fanden sich in einem
Eisensärglein neben Rückgratstrümmern vier apfelgrosse Lehmkugeln. In
den von mir eröffneten und beschriebnen heidnischen Waldgräbern zu
Lunkhofen haben sich ganz gleiche Lehmkugeln in der Asche des
Leichenbrandes vorgefunden und werden nun in der aargauer
Alterthümersammlung aufbewahrt; vgl. Argovia V, 265.
[Nachtrag 3] Das mhd. Gedicht von der hl. Verena nennt den Ort Zurzach
_Zerzyaca_. Durch diese Namensform wird die sprachlich schon sich
verrathende späte Entstehung dieses Gedichtes weiter bestätigt. Es
leitet nemlich der Ortsname Certiacum ab von einem bei Egid Tschudi in
der _Gallia comata_ S. 137, und in Stumpfs Schweiz. Chronik erwähnten
römischen Votivsteine zu Zurzach, welcher dem _Junius Certus_ aus dem
Voltinianischen Geschlechte von seinem gleichnamigen Erben gesetzt
worden. Dieser Stein ist nachmals durch Unvorsichtigkeit zerschlagen,
die oft citirte Inschrift aber längst als unecht erkannt worden.
[Nachtrag 4] Die beiden Gefolgsthiere Gertrudens, Kukuk und Specht,
gelten mancher Orten gleichmässig als weissagende Liebesboten. In
Deutschböhmen entnimmt man aus dem Spechtschrei ein Wahrzeichen, ob man
bald heiraten werde; der Specht hat es bestätigt, sagt man dann.
Grohmann, Abgl. S. 70.
* * * * *
Wortregister.
Ankenbrüt.
Ankenschnittenprozession.
Ara, Aarefluss bei Solothurn.
arbaiz, Erbsen.
Aufburg bei Zurzach, röm. Castrum.
Becker und Beckerin, in Kukuk und Specht verwünscht.
Bilihildis, hl., aus fränkisch Veitshochheim.
Brod,
den Elementen geopfert.
Erntebrod.
Eulogienbrod.
gegen Tollwuth.
gegen Wolfshunger.
phallische Zweckbrode.
Brodkipf Verenas und Rategundis, in einen Kamm verwandelt.
Brunnen Walburgis,
im Elsass.
in Franken.
in Holland.
in Tirol.
Brustbein Walburgis.
Butterschnitte,
als Präservativ und Heilmittel.
bei kirchl. Prozessionen.
Buttergewinn, zauberischer.
Elben in Mausgestalt.
Emmetsheimer Steinbild phallisch.
Erntebrode.
Ernteopfer.
Eulogienbrod.
Fadenziehen, ein Liebesorakel.
Florina von Mazorit, die den Wintersturm stillende Flurheilige.
Gertraud von Osten.
Gertrud,
Verstorbene beherbergend.
zu Rosse.
als Waldfrau.
Gertrudenkirchen,
niederdeutsche.
ostfränkische.
Gertrudenkraut.
Gertrudenminne trinken.
Gertrudentag, Kalenderregeln.
Gertrudenvogel.
Gertrudens Fusstapfen in den Mainwellen.
G's Mantel.
G's Spindel mit den zwei Mäusen.
G's Schiff als Trinkgefäss.
G's Wagen.
Gnadenstein Walburgis.
Hagel, ein König.
Hagelfeierpredigten.
Hagelsquelle.
Heiden- und Schönbrunnen.
Heidenkirchen,
als spätere Walburgskirchen.
als spätere Verenakirchen.
Heilquellen Verena's.
Heilwag.
Helgenbronn.
Holpurga.
Honigfall.
Hund,
als Walburgis Gefolgsthier.
als das anderer Göttinnen.
als Speisenname.
gegen Sturmwind und Kornbrand geopfert.
Hühner, kirchlich geheiligte.
Käsbrunnen.
Kleinkinderbrunnen.
Kleinkindersteine.
Klumpfüsse,
durch Walburg geheilt.
Konstanzer Bisthumsgrenzen.
Kornähre,
Mittel gegen Hundebiss.
Mariae und Walburgis Emblem,
das des hl. Oswald.
Sinnbild von Obereigenthum.
der Truden Zaubergestalt.
Korngarbe, Walburgis Versteck.
Kriemhiltengraben am Jung-Albis.
Kukuk,
ein verwünschter Becker.
auf dem Binsenstühlchen weissagend.
als Lebensorakel.
als Theuerungsprophete.
Lehmkugeln,
in Heiligengräbern.
in Heidengräbern, _s. Nachträge_.
Lebermeer.
Maibad.
Maiengericht, dessen Kostenbetrag.
Maienthau,
abstreifen.
baden im Maienthau.
Maienthau der Erdmännlein.
kosmetisch.
medicinisch.
sprichwörtlich.
zauberisch.
Maigraf, Maigräfin.
_s. Nachträge_.
Mailehen ausrufen, Fest der heidnischen Mainfranken.
Mairitt.
Mauritius, Verenas Verwandter.
Maus,
als Alb.
vor Gericht geladen.
als Ortsgeist.
als Pestthier.
als Seele wandernd.
als Sühnbild.
als antikes Stellfigürchen in Gräbern.
in Gestalt des Zweckbrodes.
als Stadtwahrzeichen.
Maus weisse, geheiligt.
Maustrank.
Mausöhrleinkraut.
Mäusegespann.
Mäuse machen.
Metzentanz in Zurzach.
Minnetrinken.
Mühle als Ort der Liebesabenteuer.
Mühlstein,
als Rechtsmittel bei der Abkunftsprobe.
schwimmender.
Müllerbräuche am Verenentage.
Oel,
hl., ein Augenmittel.
aus Heiligenknochen.
der Walburgishexen.
Ortschaften des Namens Walburg.
Oswald, Walburgs Bruder, ein gleichnamiges Ernteopfer.
Osterbad, reiten ins.
Pfeife, magisch wirkende.
Phallische Götterbilder, ihr Zweck.
Reimsprüche beim Meienpflanzen.
Richard, Walburgis Vater.
Rimleins- und Römleinsbrunnen.
Roggenähre, Mittel gegen tolle Hunde.
Ross,
Gertrudens.
Verenae.
Rutscherzins.
Schnecke, als Kukuk angerufen.
Schuh,
goldner Walburgis.
Schuhwerfen als Liebesorakel.
Schuhzins am Walberfeste.
Silber geschabtes, gegen die Tollwuth.
Solangia, die hl. von Villemont, den Flachsbau schützend.
Sommer,
den, ins Land reiten.
_s. Nachträge_.
Specht,
als Gertrudenvogel ein verwünschter Becker.
ein verwandelter Gott.
als Liebesorakel _s. Nachträge_.
Spindel,
der hl. Walburg.
der hl. Gertrud.
Spinnverbot an Walburgis.
Stärketrunk.
Stillicidium Walburgs.
Storch, Gertrudens Vogel.
Strähl-Anneli.
Teufelsstein in Verenae Einsiedelei.
Thau abstreifen,
zu Milch- und Buttergewinn.
als Mittel gegen Kornbrand.
Thautrinken.
Tobel-Vreneli.
Valentinstag.
Venes- und Vrenesberge.
Venus in deutschen Orts- und Geschlechtsnamen.
Venus-Vrene,
in dem mundartl. Tannhäuserliede.
in den Ritterdichtungen.
Die Venus- und Vrenenhäuser.
Verena,
ihre Namensformen.
Niederdeutsch: Frû Frêen und Frû Frîen.
Rhätisch: Vereina.
Schweiz: Frau Vrein. Frau Vrin.
Verenabad.
Ve. als Gebirgsriesin.
Verenagrab, mit den aufgeopferten Brautkrönlein.
Verenaloch:
zu Baden.
im Entlebuch.
auf der Schafmatt im Jura.
Müllerpatronin.
Schifferpatronin.
Verenareliquien.
Verenastift.
Verenatag als Gerichtstermin;
Gesundheits- und Wirthschaftsregeln.
Ve. als Weisse Frau 139.
Verenae,
Bildsäulen.
Dienstross.
Fingerring.
Geburtsgürtel.
Heilquellen.
Kamm und Krüglein.
Katze.
Kapellen und Kirchen i.d. Schweiz.
Kapelle, ein Römercastrum.
Kleinkindersteine.
Kindersegen bescherend.
vierzig Mehlsäcke.
Mühlstein.
Vrenelisgärtli, Gletscher am Glärnisch.
Walber,
der Führer des Maienzugs:
in eine Korngarbe gebunden.
ein Bergname.
Riesenname.
Walberbaum.
Walbernthau.
Walburg,
als Flur- und Ortsname.
mundartl. Namensformen.
Die Heilige:
als Nichte Winfrids.
als Heidengöttin.
als Riesin.
vor dem W. Jäger in die Korngarbe flüchtend.
Walburga Westfalica.
Walburgis-kirchen,
als Heidenkirchen.
als Römercastrum.
Ortskirchen.
hl. Quellen.
Reliquien:
Brustbein, ölschwitzend.
Stab.
in Wittenberg und Köln.
im Auslande.
Schönheitswettstreit.
Spindel und Goldschuh.
Steinernes Venusbild.
phallisch dargestellt.
Wildgans.
Walburgistag,
als ungebotne Gerichtszeit.
Sage von der auf diesen Zinstag fallenden Befreiungsgeschichte der
Landschaft:
in Thüringen.
in Unterwalden und Friesland.
in Ostpreussen.
Walper,
Anna, als Hexe inquirirt.
Walperherren, Walpermännchen und -zins.
Zug nach Walpern.
Walburga-Holpurga.
Wasserkirchen.
Wasserfrauen.
Wasservogel, _s. Nachträge_.
Wechselzahn, der Maus geopfert und der Sonne.
Wiborada, die hl. v. Klingnau.
Wîhegazza.
Wilibald,
der hl.:
Walburgis Bruder.
ein Hüne.
Wilibalds-Brunnen und -Ruhe.
Wolbersaue, Schloss in Ditmarschen.
Wolbermai.
Wolbrygabend.
Wolfszahn, Amulett.
Wunna und Wunnibald, Mutter und Bruder Walburgis.