III.

Gertrud mit der Maus,

die Allerseelenherrin.

* * * * *

Die heilige Gertrud, ahd. Kêredrûd, trägt den heidnischen Namen einer

germanischen Walküre und Speerjungfrau. Der mythologische Name Thrûdhr

bezeichnet sowohl Thôrs und Sifs Tochter, als auch eine der von der Edda

genannten 13 mit Odhin in die Schlacht reitenden Schlachtjungfrauen. Das

altnord. Appellativ thrudhr, ags. thrydh, bezeichnet das Mannweib,

virago; Gertrud also ist eine Jungfrau, die den Gegner im Waffenkampfe

niedertritt, wie unser jetziges Wort Trude ebenfalls die den Schläfer

auf die Brust tretende Nachtmahre, den ihn im Traume reitenden Alp,

bezeichnet. Der Trude ist daher der fünfeckige Trudenfuss eigen, dessen

Missgestalt aus dem Schwanenfusse der schwanengeflügelten Walküre

entstanden ist. Eine Alptrudis und Albedrudis wird im Polyptychon

Irminonis (sec. 8) unter den fränkischen Frauen genannt; ebendaselbst

eine Ermendrudis (Dienerin des Gottes Irmin), eine Anstrudis (der Asen

Dienerin), eine Electrudis (ahd. Alahtrûd), die das Heiligthum, alah,

verwaltende Tempeljungfrau. Die ahd. Frauennamen Wolchandrud, Himildrud

bezeichnen die geisterhaften Wetterfrauen, welche auf den Wolken tanzen,

dass Regen fällt; eine ahd. Glosse bei Graff 5, 522 übersetzt trutari

mit saltator, und jetzt noch giebt der Volksglaube den Truden das

Geschäft, in der Walburgisnacht den Schnee vom Blocksberg wegtanzen zu

müssen. Da die Walküre zugleich die den Lebensfaden spinnende

Schicksalsschwester oder Norne ist, so vertauscht sie den Speer gegen

Rockenstab und Spindel, und so wird die hl. Gertrud, gleich den

Göttinnen Freyja, Holda und Berchta, spinnend dargestellt, auf einem

Wagen fahrend, ausnahmsweise sogar zu Rosse sitzend. Wie die eben

genannten Göttinnen mit ihrem Erscheinen die Menschen zum Anbau des

Kornes und Flachses auffordern, so stehen in Gertruds Dienst die

Frühlingsvorboten Specht, Kukuk und Schnecke, tragen von ihr den

Beinamen und werden zugleich zu Todesboten; denn wie Freyja sich mit

Odhin in die Seelen der im Waffenkampfe Gefallnen theilt, so wird

Gertrud als Seelenherrin geschildert, und ihr Geleitsthier, die

nächtlich wühlende Maus, kündet mit ihrem Erscheinen nicht bloss die

Reife der Saat, sondern auch Misswachs, Seuche und Tod an. In Folge

dessen versöhnt man die Heilige mit Trank- und Speiseopfern, indem man

die Gertrudenminne trinkt und das Erntebrod der Süssen Mäuschen bäckt.

Dies ist der äusserliche Umriss dieser heidnisch-christlichen Gestalt.

Ueber die Abkunft der geschichtlichen Gertrud schwebt schon ihre älteste

Legende in vielfältigen Widersprüchen, die aus der Bemühung entstanden

sind, die Heilige in der Familie der Pipiniden und Karolinger

unterzubringen. Ihr ältester Biograph ist ein Mönch in Nivelles,

zugleich ein Zeuge ihres im dortigen Kloster 658 erfolgten Todes: A. SS.

sec. II, pag. 467. Ihm zu Folge ist das brabanter Stift Nivelles,

zwischen Brüssel und dem hennegauischen Gebirg gelegen, durch Pipins I.

Gemahlin Ita um 640 gegründet und wird von deren Tochter Gertrud als

erster Abtissin regiert. Der Interpolator dieser Lebensbeschreibung,

gleichfalls ein Niveller Mönch im 10. Jahrhundert, erzählt, dass

Gertrud, um den Werbungen eines austrasischen Herzogs auszuweichen, nach

Franken entflohen sei und hier längere Zeit in dem von ihr gestifteten

Frauenkonvent Karleburg am Main im Spessart ein gottgeweihtes Leben

geführt habe. Allein die Benediktiner fügen dieser Angabe hinzu,

dieselbe verwechsle die Pipinentochter mit einer andern Heiligen

desselben Namens, die unter Karl d. Gr. gelebt habe. Und so gilt die hl.

Gertrud bei den Mainfranken bis heute als Karls Tochter, welcher man

dorten die Klostergründungen und Vergabungen zu Karleburg und zu

Neustadt am Main beilegt, ja man führt daselbst noch eine dritte hl.

Gertrud an, welche eine Tochter des Grafen Berger von Sulzbach und

nachmalige Gattin des Königs Konrad III. gewesen ist. Das Ergebniss von

dem allen ist, dass Gertrud bei den Mainfranken wie bei den Friesen

frühzeitig eine volksthümliche Verehrung genoss, und dass man aus eben

dieser Ursache ihre Genealogie nachmals an das grösste deutsche

Kaiserhaus anknüpfte. Auch ihre frühzeitig erfolgte kirchliche

Anerkennung steht ausser Zweifel; ihr sind in Belgien allein mindestens

bei vierzig Kirchen geweiht, A. SS. l.c.. pag. 475; ihr Name steht im

Rheinauer Martyrologium mitverzeichnet, welches dem 8. Jahrhundert

angehört, und das nach ihr benannte Gertruidenburg am südlichen Ufer der

Maas, das auf ihren Wunsch eingeweiht sein soll, wird schon 992 als eine

Marienkapelle genannt. Reitberg, Kirchgesch. 2, 543. Ueberall treffen so

die ihr beigelegten Stiftungen oder die von ihr gegründeten Kirchen mit

den frühesten Anfängen des Christenthums in Deutschland zusammen.

Ihre kirchlichen Embleme und Abbildungen sind nachfolgende. In der Abtei

zu Nivelles, wo sonst ihr wunderthätiges Sterbebette kirchlich verwendet

wurde, wird nun ihr Wagen aufbewahrt. Bock, Eglise abbat. de Nivell. 4,

25. In holländischen Kirchen ist sie abgemalt, in einer Hand den

Hirtenstab, in der andern ein Trinkgeschirr haltend, welches stabil die

Form eines Schiffleins hat. Mit diesem giebt sie sich als die Patronin

der Reisenden zu erkennen, die beim Abschied "Sinte Geerteminne"

trinken, um dadurch gute Herberge zu finden. Wolf, Ndl. Sag. S. 434.

Einen gleichen Stab, aber mit einem Blumenkranz behangen, trägt

Gertrudens hölzernes Standbild in der Kapelle zu bairisch Hermatshofen.

Panzer, BS. 2, no. 246. Dieser Stab wird sich später als ein Rockenstab,

der Blumenkranz als das Gertrudenkraut herausstellen. Am Titelblatte des

Gertrudenbuches, Köln 1506, ist sie abgebildet am Rocken spinnend, an

welchem drei Mäuse hinauflaufen; in ihr Kleid sind Zauberzeichen

eingewoben, zwei, Weihrauchfässer schwingende Engel umschweben sie.

Blunschi's Kalender aus der Stadt Zug vom J. 1823, und ebenso der

Krainische Bauernkalender bezeichnen den 17. März, als den Gertrudentag,

durch zwei Mäuslein, die an einer aufgeweiften Spindel nagen. Eine damit

correspondirende Stelle in Konrads von Dankratsheim Namensbüchlein (edd.

Strobel) lautet:

so kumet die liebe sant Geretrud,

die so entschlief in gottes willen,

und stulen die ratten und miuse ir spillen

und trugen sie in ir miuseloch.

Auf einem Gemälde, das vordem im Strassburger Münster gewesen, auf das

sich Schilter in seinen Anmerkungen zu Könighovens Chronik 571 beruft,

war der Strassburger Bischof Wilderolf zu sehen, zu Schiffe fahrend,

umschwommen von Mäusen und überragt von St. Gertrud. Von diesen beiden

in der Gertrudslegende sich wiederholenden Emblemen, dem Schiffe und der

Maus, wird nachher ausführlicher die Rede sein; für jetzt seien die

landwirtschaftlichen und bürgerlichen Ueblichkeiten hier vorangestellt,

die sich an den Gertrudentag und an dessen Zeitthiere anreihen.

Betrachten wir die an den Gertrudentag (17. März) sich knüpfenden

Kalenderregeln. Weil mit dem 25. Nov. (als am Katharinentage) der

Winter, und mit dem 17. März der Frühling beginnen soll, so ziehen mit

dem letzteren Termin die Hausmäuse aufs Feld. Davon heisst es bei

Lasicz: Gertrudis mures a colis mulierum abigit. Altbairisch: Gertraud

lauft d'Maus go Feld aus. Quitzmann, Bajwaren 124. Am Gertrudentag lauft

die Maus den Rocken hinauf und beisst den Faden ab. Schmeller, Wörtb. 2,

71. Mit diesem Tage werden also die Spinnabende eingestellt und es

beginnt die Gartenarbeit, weshalb die Heilige auch als die erste

Gärtnerin verehrt ist. Die Frühlingswärme kommt, die Bienen nehmen ihren

Ausflug, das Stallthier geht wieder zur Weide. Davon reden folgende

Sprüche;

Sünte Katherin

smitt den ersten Stên in 'nen Rhîn.

Sünte Gerderut

tüht ne wi'er herut. (Aus Köln.)

Sankt Gertraud

führt die Kuh ins Kraut,

das Ross zum Zug,

die Bienen zum Flug.

Gerdrut

geht das Schoof mit dem Lamme ruut. (Aus dem Waldeckischen.)

Sant Gertrud

Säit Zibelä und Chrût. (Schweizerisch.)

Wichtiger und von weiter reichendem Ziele werden diese Kalenderregeln,

wenn man sie auf Specht, Kukuk und Schnecke ausdehnt und diese als im

Dienste Gertrudens stehend aufweist. Alle drei werden von der

Kalenderregel in dieselbe Zeitfrist gesetzt. Der Specht heisst Schweiz.

Merzafülli, d.i. Fohlen; Gertrudentag fällt auf 17. März und die

Bauernpraktika sagt: Schreit der Kukuk früh im März, so giebts einen

guten Frühling.

Der Schwede nennt den Schwarzspecht Gjertrudsfuglen und erzählt von ihm

folgendes Märchen, enthalten in Asbjörnsen's Norske Folke-Eventyr 1866,

no. 2. Christus und Petrus erscheinen reisemüde und hungrig bei einer

brodbackenden Frau, welche Gertrud hiess und eine rothe Haube trug. Auf

Beider Bitte nahm sie ein bischen Teig in die Backpfanne und thats übers

Feuer, doch das Bischen gieng sogleich hoch auf und füllte das ganze

Geschirr. Dieser Kuchen war ihr für ein Almosen zu gross; zum zweiten

male nahm sie noch weniger Teig, doch auch dieser bekam dieselbe Grösse,

und als nun zum dritten male dasselbe geschah, sprach das Weib: Ihr

müsset ohne Almosen gehen, all mein Gebäcke wird zu gross für euch! Zur

Strafe verwünschte der Herr die Geizige in den Gertrudenvogel, der noch

ihre rothe Haube trägt und kohlschwarz ist wie sie, als sie zum

Schornstein hinausfuhr. Beständig hungernd hackt sie nach Futter in die

Baumrinde.--Dieselbe Sage in deutscher Version lautet bei Simrock, Myth.

3, 23 also: Christus gieng an einem Beckerladen vorüber, wo frisches

Brod duftete, und sandte einen der Jünger hin, um ein Stück zu

erbitten. Der Becker schlug es ab, doch die Beckersfrau, die mit ihren

sechs Töchtern von ferne stand, gab es heimlich her. Dafür sind diese

zusammen als das Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Becker aber

ist zum Kukuk geworden. In Prätorius Weltbeschreibung und darnach in

Grimms Myth. 641 wird eben dasselbe also berichtet. Ein Becker hat zur

theuern Zeit den armen Leuten von ihrem Teig gestohlen und, wenn Gott

den Teig im Ofen segnete, ihn herausgezogen, bezupft und dabei gerufen:

Guck! guck! (ei sieh!) Dafür ist er in einen Raubvogel verwandelt, der

unaufhörlich dieses Geschrei wiederholt. Im aargauer Freienamt gilt

hierüber folgende Spielart. Ein hungernder Knabe wollte einem Marktweibe

ein Brodwecklein abkaufen, sie, forderte aber so viele Kreuzer dafür,

als man auf des Kindes flache Hand hinzählen könne. Das Büblein gieng

darauf ein und machte sein hingestrecktes Händchen immer hohler und

schmaler. Da die Alte nun in ihrem Zählen gar nicht fertig werden

wollte, noch ein Plätzchen und wieder eins auf der Kinderhand zu suchen,

so rief zuletzt der Knabe voll Hunger und Verdruss: So flieg und ruf

Kukuk! Alemann. Kinderlied, S. 78.

So wird hier der Specht, ursprünglich ein nahrungsspendender Bote

Gottes, ein die Nahrung hartherzig verweigernder Theuerungsgeist und

geht in die Gestalt des gleichfalls eigennützig gefassten Kukuk über.

Daher heisst es von diesem letzteren, er sei ein diebischer verwünschter

Beckerknecht und trage davon sein fahles, mehlbestaubtes Gefieder. Dies

besagen die nachfolgenden Kindersprüche:

Kukuk stahl Weggen.[13]--Kukuk, Beckenknecht![14]--Kukuk,

Speckbub![15]--Kukuk, schniet Speck up![16].--Der Gugger uf em dürre

Nast, er bettelt Brod und wird nicht nass.[17] Der Sauerklee, Oxalis

acetosella, der zur nemlichen Zeit blüht, da des Kukuks Ruf ertönt,

heisst in Deutschland Kukukskohl, in der deutschen Schweiz Guggerbrod,

franz. pain de coucou, tessinisch pan cuculo, romansch paun e caschöl

cucu (Butterbrod), und weil seine säuerlichen Blättchen von den Kindern

genascht werden, auch Herrgottensüpple, Herrgottenbrod. Fr. Staub, das

Brod, 1868, 6. Auch die süssen Keime des Habermarks (Tragopogon) heissen

Guggichbrödle.

Der Vogel schenkt oder raubt also Brod und Butter, Speck und

Speckwecken, nemlich solcherlei Kuchen, die man nach beendigter

Fastenzeit um Ostern bäckt, mit Speckwürfeln belegt und Speckwähen

benennt. Die Rolle des Diebes wird ihm beigelegt, weil er nur so lange

seinen Ruf ertönen lässt, als die Brütezeit dauert und er die Eier

andrer Vögel aussäuft. Ist diese Zeit vorüber und es beginnt die Reife

der Frühkirschen, so sieht er auch diese, heisst es, in seiner Gier für

buntgesprenkelte Eier an und frisst deren so viele, dass ihm die Stimme

verfällt und er nur noch heiser ruft. Die Sage von der durch ihn

erregten Theuerung knüpft sich an sein zeitweilen verspätetes Erscheinen

und an sein über die geregelte Frist andauerndes Rufen. Die

oberfränkischen Bussbacher sollen ihn daher einmal bei langem

Regenwetter mit dem Backwisch verjagt haben. Panzer, BS. 2, no. 285. Er

soll nur so lange rufen, als das Siebengestirn am Himmel steht, in

welches jene Beckerin mit ihren Töchtern verwandelt ist; das ist bis

Ende Juni. Die appenzeller Bauernregel sagt hierüber: Wenn d'Henne

abwärts gönd, schlôt s'Brod ab, wenn s'ûfwärts gönd, schlôt 's ûf. Hält

der Vogel diese Frist nicht mit ein, so entsteht Nahrungsmangel, dessen

Opfer er selber zuerst wird; hievon erzählt folgender venetianer Spruch:

Am achten des Aprils,

da soll der Kukuk kommen;

Kommt er am achten nicht,

so ist er todt oder gefangen.

Kommt er am zehnten nicht,

so hängt er gefangen im Zaun.

Und kommt er am zwanzigsten nicht,

so ist er gefangen im Korn;

Und kommt er am dreissigsten nicht,

so ass ihn der Hirt mit Polenta.

Weil mit des Kukuks zeitgemässem Erscheinen zugleich der Anbau in der

ganzen Gemeindeflur beginnt, so heisst er in schwäbisch Mundingen

Oeschhei, d.i. der Flurhege (vgl. Holzhei; Wieshei: der Bannwart), und

daraus erklärt sich vollständig der Schwabenstreich des Städtchens

Haiterbach, welches gegen die verspätete Ankunft des Vogels

Kirchengebete abhielt. Wolf, Ztschr. 1, 440. Der appenzeller Spruch

bestimmt: Am dritten Abrelle muss der Gugger grüene Haber schnelle

(anraunzen). Schreit er nach Johannis von Norden her, so bringt er in

Zürich einen sauern Wein; fliegt er den Wohnhäusern zu nahe, eine

Jahrestheuerung (Gessner's Thierbuch, Von den Vögeln LXXI). Hält er den

richtigen Termin ein, so ist er nachdrucksam der Zeitvogel und kann um

Wohlstand und Lebensdauer zugleich befragt werden, so dass er beides bis

in den Brodkorb hinein prophezeien wird; daher ruft ihm der Schwabe zu,

in Meiers Kinderreim. no. 87:

Schrei sie mir in Deckelkräbe

Wie viel Jahr darf ich noch lebe?

Dieselbe Anfrage ergeht auch an die Schnecke, welche wie Specht und

Kukuk, ein den Lenz, die Jahresfruchtbarkeit und die Lebensdauer

verkündendes Thier ist und im Dienste Gertrudens gestanden hat;[Nachtrag

4] man ruft ihr in einem Jeverschen Kinderspruche (Mannhardt, Ztschr. f.

Myth. 3, 222):

Kukuk, Kukuk, Gerderut:

stäck dîne vêr Hörns herut!

Um so besser stehts um das berufende Kind, je pünktlicher ihm die

Schnecke ihre vier Fühler zeigt; es erkrankt, wird kreuzlahm, wenn es in

die Fühler zwickt. Alemann. Kinderl. S. 97. Aus Göthes Lied

Frühlingsorakel ist die Sitte allbekannt, nach der Zahl der im April

gehörten ersten Kukuksrufe die Hochzeitsfrist, die Zahl der Kinder und

der Lebensjahre voraus zu bestimmen; aber Vorbedingung dazu ist, dass

man dem Vogel erst einen Thron baue, von dem herab er seine Weissagung

ertheile, dies ist ein aus Binsen geflochtner Sessel, westfälisch der

Kukukesstaul genannt (Woeste in Wolfs Ztschr. 2, 95). Alsdann spricht

man:

Gugguger im Sessel,

Gieb mir dein Geld zu lesen,

Will dein Geld dir wieder geben,

Sag, wie viel Jahr thu ich leben?

Andr. Strobel, Geistl. Kartenspiel, Sulzbach 1693, 1 Th. 118. In Sommers

Thüring. Sag. no. 9 kommt in den Zwölften unter wunderbarem, weit

vernehmbarem Sausen, eine Frau durch die Luft geflogen, welche die

Gestalt einer gewöhnlichen Taube hat, aber an ihren Füsschen ein kleines

Schilfstühlchen mitträgt, das sie, wenn sie müde wird, auf den Boden

stellt, um darauf auszuruhen. Sie selbst berührt die Erde nie, wo sie

aber das Stühlchen hinsetzt, da grünt und blüht es im folgenden Sommer

am schönsten und fruchtbarsten. Am Morgen des Dreikönigtages wird die

Taube wieder zur Frau. Hier ist der Frühlingsbote, Kukuk oder Taube, die

ihn aussendende Himmelsherrin selbst, nemlich Frigg die Göttermutter,

die nach Paulus Diaconus Frea heisst und neben dem Gemahl Gwodan auf dem

goldnen Thron in Walhalla sitzt. Als Frühlingsgöttin steht Freyja-Frigg

der grossen Maifeier vor, denn in den Niederlanden heisst der Mai

Vrymänd. Compte rendu, Bruxelles 1843.

Drei Gaugöttinnen · 第 21 / 23 题