Gertrud mit der Maus,
die Allerseelenherrin.
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Die heilige Gertrud, ahd. Kêredrûd, trägt den heidnischen Namen einer
germanischen Walküre und Speerjungfrau. Der mythologische Name Thrûdhr
bezeichnet sowohl Thôrs und Sifs Tochter, als auch eine der von der Edda
genannten 13 mit Odhin in die Schlacht reitenden Schlachtjungfrauen. Das
altnord. Appellativ thrudhr, ags. thrydh, bezeichnet das Mannweib,
virago; Gertrud also ist eine Jungfrau, die den Gegner im Waffenkampfe
niedertritt, wie unser jetziges Wort Trude ebenfalls die den Schläfer
auf die Brust tretende Nachtmahre, den ihn im Traume reitenden Alp,
bezeichnet. Der Trude ist daher der fünfeckige Trudenfuss eigen, dessen
Missgestalt aus dem Schwanenfusse der schwanengeflügelten Walküre
entstanden ist. Eine Alptrudis und Albedrudis wird im Polyptychon
Irminonis (sec. 8) unter den fränkischen Frauen genannt; ebendaselbst
eine Ermendrudis (Dienerin des Gottes Irmin), eine Anstrudis (der Asen
Dienerin), eine Electrudis (ahd. Alahtrûd), die das Heiligthum, alah,
verwaltende Tempeljungfrau. Die ahd. Frauennamen Wolchandrud, Himildrud
bezeichnen die geisterhaften Wetterfrauen, welche auf den Wolken tanzen,
dass Regen fällt; eine ahd. Glosse bei Graff 5, 522 übersetzt trutari
mit saltator, und jetzt noch giebt der Volksglaube den Truden das
Geschäft, in der Walburgisnacht den Schnee vom Blocksberg wegtanzen zu
müssen. Da die Walküre zugleich die den Lebensfaden spinnende
Schicksalsschwester oder Norne ist, so vertauscht sie den Speer gegen
Rockenstab und Spindel, und so wird die hl. Gertrud, gleich den
Göttinnen Freyja, Holda und Berchta, spinnend dargestellt, auf einem
Wagen fahrend, ausnahmsweise sogar zu Rosse sitzend. Wie die eben
genannten Göttinnen mit ihrem Erscheinen die Menschen zum Anbau des
Kornes und Flachses auffordern, so stehen in Gertruds Dienst die
Frühlingsvorboten Specht, Kukuk und Schnecke, tragen von ihr den
Beinamen und werden zugleich zu Todesboten; denn wie Freyja sich mit
Odhin in die Seelen der im Waffenkampfe Gefallnen theilt, so wird
Gertrud als Seelenherrin geschildert, und ihr Geleitsthier, die
nächtlich wühlende Maus, kündet mit ihrem Erscheinen nicht bloss die
Reife der Saat, sondern auch Misswachs, Seuche und Tod an. In Folge
dessen versöhnt man die Heilige mit Trank- und Speiseopfern, indem man
die Gertrudenminne trinkt und das Erntebrod der Süssen Mäuschen bäckt.
Dies ist der äusserliche Umriss dieser heidnisch-christlichen Gestalt.
Ueber die Abkunft der geschichtlichen Gertrud schwebt schon ihre älteste
Legende in vielfältigen Widersprüchen, die aus der Bemühung entstanden
sind, die Heilige in der Familie der Pipiniden und Karolinger
unterzubringen. Ihr ältester Biograph ist ein Mönch in Nivelles,
zugleich ein Zeuge ihres im dortigen Kloster 658 erfolgten Todes: A. SS.
sec. II, pag. 467. Ihm zu Folge ist das brabanter Stift Nivelles,
zwischen Brüssel und dem hennegauischen Gebirg gelegen, durch Pipins I.
Gemahlin Ita um 640 gegründet und wird von deren Tochter Gertrud als
erster Abtissin regiert. Der Interpolator dieser Lebensbeschreibung,
gleichfalls ein Niveller Mönch im 10. Jahrhundert, erzählt, dass
Gertrud, um den Werbungen eines austrasischen Herzogs auszuweichen, nach
Franken entflohen sei und hier längere Zeit in dem von ihr gestifteten
Frauenkonvent Karleburg am Main im Spessart ein gottgeweihtes Leben
geführt habe. Allein die Benediktiner fügen dieser Angabe hinzu,
dieselbe verwechsle die Pipinentochter mit einer andern Heiligen
desselben Namens, die unter Karl d. Gr. gelebt habe. Und so gilt die hl.
Gertrud bei den Mainfranken bis heute als Karls Tochter, welcher man
dorten die Klostergründungen und Vergabungen zu Karleburg und zu
Neustadt am Main beilegt, ja man führt daselbst noch eine dritte hl.
Gertrud an, welche eine Tochter des Grafen Berger von Sulzbach und
nachmalige Gattin des Königs Konrad III. gewesen ist. Das Ergebniss von
dem allen ist, dass Gertrud bei den Mainfranken wie bei den Friesen
frühzeitig eine volksthümliche Verehrung genoss, und dass man aus eben
dieser Ursache ihre Genealogie nachmals an das grösste deutsche
Kaiserhaus anknüpfte. Auch ihre frühzeitig erfolgte kirchliche
Anerkennung steht ausser Zweifel; ihr sind in Belgien allein mindestens
bei vierzig Kirchen geweiht, A. SS. l.c.. pag. 475; ihr Name steht im
Rheinauer Martyrologium mitverzeichnet, welches dem 8. Jahrhundert
angehört, und das nach ihr benannte Gertruidenburg am südlichen Ufer der
Maas, das auf ihren Wunsch eingeweiht sein soll, wird schon 992 als eine
Marienkapelle genannt. Reitberg, Kirchgesch. 2, 543. Ueberall treffen so
die ihr beigelegten Stiftungen oder die von ihr gegründeten Kirchen mit
den frühesten Anfängen des Christenthums in Deutschland zusammen.
Ihre kirchlichen Embleme und Abbildungen sind nachfolgende. In der Abtei
zu Nivelles, wo sonst ihr wunderthätiges Sterbebette kirchlich verwendet
wurde, wird nun ihr Wagen aufbewahrt. Bock, Eglise abbat. de Nivell. 4,
25. In holländischen Kirchen ist sie abgemalt, in einer Hand den
Hirtenstab, in der andern ein Trinkgeschirr haltend, welches stabil die
Form eines Schiffleins hat. Mit diesem giebt sie sich als die Patronin
der Reisenden zu erkennen, die beim Abschied "Sinte Geerteminne"
trinken, um dadurch gute Herberge zu finden. Wolf, Ndl. Sag. S. 434.
Einen gleichen Stab, aber mit einem Blumenkranz behangen, trägt
Gertrudens hölzernes Standbild in der Kapelle zu bairisch Hermatshofen.
Panzer, BS. 2, no. 246. Dieser Stab wird sich später als ein Rockenstab,
der Blumenkranz als das Gertrudenkraut herausstellen. Am Titelblatte des
Gertrudenbuches, Köln 1506, ist sie abgebildet am Rocken spinnend, an
welchem drei Mäuse hinauflaufen; in ihr Kleid sind Zauberzeichen
eingewoben, zwei, Weihrauchfässer schwingende Engel umschweben sie.
Blunschi's Kalender aus der Stadt Zug vom J. 1823, und ebenso der
Krainische Bauernkalender bezeichnen den 17. März, als den Gertrudentag,
durch zwei Mäuslein, die an einer aufgeweiften Spindel nagen. Eine damit
correspondirende Stelle in Konrads von Dankratsheim Namensbüchlein (edd.
Strobel) lautet:
so kumet die liebe sant Geretrud,
die so entschlief in gottes willen,
und stulen die ratten und miuse ir spillen
und trugen sie in ir miuseloch.
Auf einem Gemälde, das vordem im Strassburger Münster gewesen, auf das
sich Schilter in seinen Anmerkungen zu Könighovens Chronik 571 beruft,
war der Strassburger Bischof Wilderolf zu sehen, zu Schiffe fahrend,
umschwommen von Mäusen und überragt von St. Gertrud. Von diesen beiden
in der Gertrudslegende sich wiederholenden Emblemen, dem Schiffe und der
Maus, wird nachher ausführlicher die Rede sein; für jetzt seien die
landwirtschaftlichen und bürgerlichen Ueblichkeiten hier vorangestellt,
die sich an den Gertrudentag und an dessen Zeitthiere anreihen.
Betrachten wir die an den Gertrudentag (17. März) sich knüpfenden
Kalenderregeln. Weil mit dem 25. Nov. (als am Katharinentage) der
Winter, und mit dem 17. März der Frühling beginnen soll, so ziehen mit
dem letzteren Termin die Hausmäuse aufs Feld. Davon heisst es bei
Lasicz: Gertrudis mures a colis mulierum abigit. Altbairisch: Gertraud
lauft d'Maus go Feld aus. Quitzmann, Bajwaren 124. Am Gertrudentag lauft
die Maus den Rocken hinauf und beisst den Faden ab. Schmeller, Wörtb. 2,
71. Mit diesem Tage werden also die Spinnabende eingestellt und es
beginnt die Gartenarbeit, weshalb die Heilige auch als die erste
Gärtnerin verehrt ist. Die Frühlingswärme kommt, die Bienen nehmen ihren
Ausflug, das Stallthier geht wieder zur Weide. Davon reden folgende
Sprüche;
Sünte Katherin
smitt den ersten Stên in 'nen Rhîn.
Sünte Gerderut
tüht ne wi'er herut. (Aus Köln.)
Sankt Gertraud
führt die Kuh ins Kraut,
das Ross zum Zug,
die Bienen zum Flug.
Gerdrut
geht das Schoof mit dem Lamme ruut. (Aus dem Waldeckischen.)
Sant Gertrud
Säit Zibelä und Chrût. (Schweizerisch.)
Wichtiger und von weiter reichendem Ziele werden diese Kalenderregeln,
wenn man sie auf Specht, Kukuk und Schnecke ausdehnt und diese als im
Dienste Gertrudens stehend aufweist. Alle drei werden von der
Kalenderregel in dieselbe Zeitfrist gesetzt. Der Specht heisst Schweiz.
Merzafülli, d.i. Fohlen; Gertrudentag fällt auf 17. März und die
Bauernpraktika sagt: Schreit der Kukuk früh im März, so giebts einen
guten Frühling.
Der Schwede nennt den Schwarzspecht Gjertrudsfuglen und erzählt von ihm
folgendes Märchen, enthalten in Asbjörnsen's Norske Folke-Eventyr 1866,
no. 2. Christus und Petrus erscheinen reisemüde und hungrig bei einer
brodbackenden Frau, welche Gertrud hiess und eine rothe Haube trug. Auf
Beider Bitte nahm sie ein bischen Teig in die Backpfanne und thats übers
Feuer, doch das Bischen gieng sogleich hoch auf und füllte das ganze
Geschirr. Dieser Kuchen war ihr für ein Almosen zu gross; zum zweiten
male nahm sie noch weniger Teig, doch auch dieser bekam dieselbe Grösse,
und als nun zum dritten male dasselbe geschah, sprach das Weib: Ihr
müsset ohne Almosen gehen, all mein Gebäcke wird zu gross für euch! Zur
Strafe verwünschte der Herr die Geizige in den Gertrudenvogel, der noch
ihre rothe Haube trägt und kohlschwarz ist wie sie, als sie zum
Schornstein hinausfuhr. Beständig hungernd hackt sie nach Futter in die
Baumrinde.--Dieselbe Sage in deutscher Version lautet bei Simrock, Myth.
3, 23 also: Christus gieng an einem Beckerladen vorüber, wo frisches
Brod duftete, und sandte einen der Jünger hin, um ein Stück zu
erbitten. Der Becker schlug es ab, doch die Beckersfrau, die mit ihren
sechs Töchtern von ferne stand, gab es heimlich her. Dafür sind diese
zusammen als das Siebengestirn an den Himmel versetzt, der Becker aber
ist zum Kukuk geworden. In Prätorius Weltbeschreibung und darnach in
Grimms Myth. 641 wird eben dasselbe also berichtet. Ein Becker hat zur
theuern Zeit den armen Leuten von ihrem Teig gestohlen und, wenn Gott
den Teig im Ofen segnete, ihn herausgezogen, bezupft und dabei gerufen:
Guck! guck! (ei sieh!) Dafür ist er in einen Raubvogel verwandelt, der
unaufhörlich dieses Geschrei wiederholt. Im aargauer Freienamt gilt
hierüber folgende Spielart. Ein hungernder Knabe wollte einem Marktweibe
ein Brodwecklein abkaufen, sie, forderte aber so viele Kreuzer dafür,
als man auf des Kindes flache Hand hinzählen könne. Das Büblein gieng
darauf ein und machte sein hingestrecktes Händchen immer hohler und
schmaler. Da die Alte nun in ihrem Zählen gar nicht fertig werden
wollte, noch ein Plätzchen und wieder eins auf der Kinderhand zu suchen,
so rief zuletzt der Knabe voll Hunger und Verdruss: So flieg und ruf
Kukuk! Alemann. Kinderlied, S. 78.
So wird hier der Specht, ursprünglich ein nahrungsspendender Bote
Gottes, ein die Nahrung hartherzig verweigernder Theuerungsgeist und
geht in die Gestalt des gleichfalls eigennützig gefassten Kukuk über.
Daher heisst es von diesem letzteren, er sei ein diebischer verwünschter
Beckerknecht und trage davon sein fahles, mehlbestaubtes Gefieder. Dies
besagen die nachfolgenden Kindersprüche:
Kukuk stahl Weggen.[13]--Kukuk, Beckenknecht![14]--Kukuk,
Speckbub![15]--Kukuk, schniet Speck up![16].--Der Gugger uf em dürre
Nast, er bettelt Brod und wird nicht nass.[17] Der Sauerklee, Oxalis
acetosella, der zur nemlichen Zeit blüht, da des Kukuks Ruf ertönt,
heisst in Deutschland Kukukskohl, in der deutschen Schweiz Guggerbrod,
franz. pain de coucou, tessinisch pan cuculo, romansch paun e caschöl
cucu (Butterbrod), und weil seine säuerlichen Blättchen von den Kindern
genascht werden, auch Herrgottensüpple, Herrgottenbrod. Fr. Staub, das
Brod, 1868, 6. Auch die süssen Keime des Habermarks (Tragopogon) heissen
Guggichbrödle.
Der Vogel schenkt oder raubt also Brod und Butter, Speck und
Speckwecken, nemlich solcherlei Kuchen, die man nach beendigter
Fastenzeit um Ostern bäckt, mit Speckwürfeln belegt und Speckwähen
benennt. Die Rolle des Diebes wird ihm beigelegt, weil er nur so lange
seinen Ruf ertönen lässt, als die Brütezeit dauert und er die Eier
andrer Vögel aussäuft. Ist diese Zeit vorüber und es beginnt die Reife
der Frühkirschen, so sieht er auch diese, heisst es, in seiner Gier für
buntgesprenkelte Eier an und frisst deren so viele, dass ihm die Stimme
verfällt und er nur noch heiser ruft. Die Sage von der durch ihn
erregten Theuerung knüpft sich an sein zeitweilen verspätetes Erscheinen
und an sein über die geregelte Frist andauerndes Rufen. Die
oberfränkischen Bussbacher sollen ihn daher einmal bei langem
Regenwetter mit dem Backwisch verjagt haben. Panzer, BS. 2, no. 285. Er
soll nur so lange rufen, als das Siebengestirn am Himmel steht, in
welches jene Beckerin mit ihren Töchtern verwandelt ist; das ist bis
Ende Juni. Die appenzeller Bauernregel sagt hierüber: Wenn d'Henne
abwärts gönd, schlôt s'Brod ab, wenn s'ûfwärts gönd, schlôt 's ûf. Hält
der Vogel diese Frist nicht mit ein, so entsteht Nahrungsmangel, dessen
Opfer er selber zuerst wird; hievon erzählt folgender venetianer Spruch:
Am achten des Aprils,
da soll der Kukuk kommen;
Kommt er am achten nicht,
so ist er todt oder gefangen.
Kommt er am zehnten nicht,
so hängt er gefangen im Zaun.
Und kommt er am zwanzigsten nicht,
so ist er gefangen im Korn;
Und kommt er am dreissigsten nicht,
so ass ihn der Hirt mit Polenta.
Weil mit des Kukuks zeitgemässem Erscheinen zugleich der Anbau in der
ganzen Gemeindeflur beginnt, so heisst er in schwäbisch Mundingen
Oeschhei, d.i. der Flurhege (vgl. Holzhei; Wieshei: der Bannwart), und
daraus erklärt sich vollständig der Schwabenstreich des Städtchens
Haiterbach, welches gegen die verspätete Ankunft des Vogels
Kirchengebete abhielt. Wolf, Ztschr. 1, 440. Der appenzeller Spruch
bestimmt: Am dritten Abrelle muss der Gugger grüene Haber schnelle
(anraunzen). Schreit er nach Johannis von Norden her, so bringt er in
Zürich einen sauern Wein; fliegt er den Wohnhäusern zu nahe, eine
Jahrestheuerung (Gessner's Thierbuch, Von den Vögeln LXXI). Hält er den
richtigen Termin ein, so ist er nachdrucksam der Zeitvogel und kann um
Wohlstand und Lebensdauer zugleich befragt werden, so dass er beides bis
in den Brodkorb hinein prophezeien wird; daher ruft ihm der Schwabe zu,
in Meiers Kinderreim. no. 87:
Schrei sie mir in Deckelkräbe
Wie viel Jahr darf ich noch lebe?
Dieselbe Anfrage ergeht auch an die Schnecke, welche wie Specht und
Kukuk, ein den Lenz, die Jahresfruchtbarkeit und die Lebensdauer
verkündendes Thier ist und im Dienste Gertrudens gestanden hat;[Nachtrag
4] man ruft ihr in einem Jeverschen Kinderspruche (Mannhardt, Ztschr. f.
Myth. 3, 222):
Kukuk, Kukuk, Gerderut:
stäck dîne vêr Hörns herut!
Um so besser stehts um das berufende Kind, je pünktlicher ihm die
Schnecke ihre vier Fühler zeigt; es erkrankt, wird kreuzlahm, wenn es in
die Fühler zwickt. Alemann. Kinderl. S. 97. Aus Göthes Lied
Frühlingsorakel ist die Sitte allbekannt, nach der Zahl der im April
gehörten ersten Kukuksrufe die Hochzeitsfrist, die Zahl der Kinder und
der Lebensjahre voraus zu bestimmen; aber Vorbedingung dazu ist, dass
man dem Vogel erst einen Thron baue, von dem herab er seine Weissagung
ertheile, dies ist ein aus Binsen geflochtner Sessel, westfälisch der
Kukukesstaul genannt (Woeste in Wolfs Ztschr. 2, 95). Alsdann spricht
man:
Gugguger im Sessel,
Gieb mir dein Geld zu lesen,
Will dein Geld dir wieder geben,
Sag, wie viel Jahr thu ich leben?
Andr. Strobel, Geistl. Kartenspiel, Sulzbach 1693, 1 Th. 118. In Sommers
Thüring. Sag. no. 9 kommt in den Zwölften unter wunderbarem, weit
vernehmbarem Sausen, eine Frau durch die Luft geflogen, welche die
Gestalt einer gewöhnlichen Taube hat, aber an ihren Füsschen ein kleines
Schilfstühlchen mitträgt, das sie, wenn sie müde wird, auf den Boden
stellt, um darauf auszuruhen. Sie selbst berührt die Erde nie, wo sie
aber das Stühlchen hinsetzt, da grünt und blüht es im folgenden Sommer
am schönsten und fruchtbarsten. Am Morgen des Dreikönigtages wird die
Taube wieder zur Frau. Hier ist der Frühlingsbote, Kukuk oder Taube, die
ihn aussendende Himmelsherrin selbst, nemlich Frigg die Göttermutter,
die nach Paulus Diaconus Frea heisst und neben dem Gemahl Gwodan auf dem
goldnen Thron in Walhalla sitzt. Als Frühlingsgöttin steht Freyja-Frigg
der grossen Maifeier vor, denn in den Niederlanden heisst der Mai
Vrymänd. Compte rendu, Bruxelles 1843.