Karl Kiesewetter.
Vorbemerkung.
Wie bereits im Vorwort bemerkt, ist das folgende achte Buch das einzige,
das der leider so plötzlich aus seiner Arbeit abgerufene Herausgeber des
Gesamtwerkes über die Geschichte des Occultismus für diesen zweiten Band
bereits im Manuskript fertiggestellt hatte. Meine Arbeit an diesem achten
Buch beschränkt sich auf die Ordnung der mir allerdings in sehr
ungeordnetem Zustande übersandten Manuskripte in die im folgenden gewahrte
Reihenfolge, die der vom Verfasser beabsichtigten Disposition entsprechen
dürfte; stellenweise habe ich einige Lücken aus früheren Einzelaufsätzen
Kiesewetters (+Sphinx+) ergänzt. Dagegen ist sonst der ganze Inhalt des
achten Buchs geistiger Nachlaß Kiesewetters; ich muß daher auch die
_wissenschaftliche_ Verantwortung für den Inhalt ablehnen. Wenn hierdurch
der einheitliche Charakter dieses Bandes des »Occultismus des Altertums«
unterbrochen wird, da selbstverständlich die Auffassung Kiesewetters mit
der meinigen nicht immer kongruiert, so wird dies der Leser gern in den
Kauf nehmen in Anbetracht der unzweifelhaften Gründlichkeit und Belesenheit
des verstorbenen Gelehrten, dessen posthume Arbeit hier eingeschaltet wird.
Die Wertschätzung, welche Kiesewetter den offenbar von ihm mit besonderer
Vorliebe und daher antizipatorisch behandelten Alexandrinern,
Neupythagoräern und Neuplatonikern angedeihen ließ, kann ich persönlich
nicht teilen; ich würde mich daher zu einer so eingehenden Berücksichtigung
dieser Mystiker niemals haben entschließen können. Umsomehr freue ich mich,
anstatt einer eigenen Bearbeitung derselben die äußerst gründliche
Berichterstattung Kiesewetters über diese Periode der Philosophie den
Lesern bieten zu können. Denn wenn ich auch diese Periode als diejenige des
äußersten Verfalls des ursprünglich hoffnungsreicheren philosophischen
Geistes des griechischen Altertums betrachte, so verdient sie vielleicht
doch trotzdem eine gewisse Beachtung. Und je unerquicklicher das Studium
der konfusen und geschmacklosen Originalwerke, besonders der wüsten
Exsudate eines Philo, ist, um so dankbarer dürfen wir einer bei aller
subjektiven Vorliebe doch so objektiv gehaltenen auszugsweisen Darstellung
sein, wie sie der leider so früh dahingeschiedene fleißige Gelehrte uns im
folgenden bietet.